Archivbestand
Kanzlei betreffend Amt Weikersheim I (Bestand)
Inhalt und Bewertung
Der Bestand enthält Akten über Geschehnisse und Angelegenheiten des Amtes Weikersheim. Provenienz ist die für das Amt Weikersheim zuständige Kanzlei, später - im 18. Jh. - "Regierung" genannt, Pertinenz das Amt Weikersheim.
1. Zur Geschichte des Bestandes: Der vorliegende Bestand enthält Akten über Geschehnisse und Angelegenheiten des Amtes Weikersheim. Provenienz ist die für das Amt Weikersheim zuständige Kanzlei, später - im 18. Jh. - "Regierung" genannt, Pertinenz das Amt Weikersheim. Da es keine kontinuierliche hohenlohische Linie in Weikersheim gab, sind die Verhältnisse im Archiv Weikersheim komplizierter. Es handelt sich bei der Kanzlei oder Regierung nämlich nicht um eine einzige Behörde, sondern um mehrere, abhängig davon, welche Linie jeweils in Weikersheim saß bzw. über das Amt Weikersheim verfügte. In der ersten Hälfte des 16. Jh. gehörte es zu einer hohenlohischen Linie, die sowohl in der Burg Weikersheim als auch in Schillingsfürst residierte. An beiden Orten könnte sich eine Kanzlei befunden haben, die bereits das Amt Weikersheim betreffende Akten erzeugte. Viele Unterlagen sind es aber nicht, die der Bestand aus dieser Zeit enthält, denn eine schriftliche Amtsführung war erst im Entstehen. Seit der Mitte des 16. Jh. war bis zum Antritt des Grafen Wolfgang in Weikersheim, der hier eine neue Residenz errichtete, die Kanzlei in Neuenstein zuständig. Die Weikersheimer Kanzlei war bis zur Sequestrierung der Herrschaft 1634 und der Übertragung an den Deutschen Orden 1637 für das Amt Weikersheim zuständig. Aus der Zeit der Verwaltung durch den Sequester und den Deutschen Orden sind wenige Akten erhalten (Schubl. 5 Fasz. 49-62), weitere befinden sich im Bestand We 105 Kaiserliche Sequesterverwaltung und Deutschordensverwaltung der Herrschaft Weikersheim unter "7. Ämter Hollenbach und Weikersheim". Nach dem Ende des 30jährigen Krieges fiel Weikersheim an das Haus Hohenlohe zurück und wurde durch die Kanzlei in Neuenstein verwaltet. Bei der Neuensteiner Linienteilung 1677 fiel das Amt in den Zuständigkeitsbereich der Kanzlei in Weikersheim. Ende des 17. Jh. kam die Zuständigkeit an die Kanzlei in Öhringen. Als sich 1708 die Linie Hohenlohe-Oehringen teilte, entstand erneut eine Kanzlei in Weikersheim, die bis 1756 für das Amt zuständig war. Die zweite Hälfte des 18. Jh. über war anschließend wieder die Regierung in Öhringen für die Weikersheimer Herrschaft zuständig. "Kanzlei Weikersheim" als Provenienzangabe im Bestandstitel ist also im Sinne einer Endprovenienz zu verstehen. Es war die Behörde, die das Schriftgut am Ende verwahrte. Sehr unterschiedliche Entstehungsprovenienzen sind aber in den vorliegenden Bestand zusammengeflossen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Unterlagen des Amtes Weikersheim eingemischt sind, also auch Material der Provenienz Amt Weikersheim und weitere Provenienzen enthalten sind.
2. Zur Bearbeitung des Bestandes: Kurz nach Erlöschen der Linie Hohenlohe-Weikersheim 1756 wurden die Akten in Weikersheim geordnet und "Konzeptrepertorien" angelegt. Auch das dem Bestand zugrunde liegende Repertorium dürfte um 1760 entstanden sein, wurde aber später noch ergänzt und aktualisiert; es sind Akten bis 1789 enthalten. Das Repertorium enthält die auf den Aktenumschlägen befindlichen Aktentitel, die meist wortwörtlich übernommen und nur selten verändert, also verkürzt oder ergänzt wurden. Es finden sich rund 70 Titel, die Örtlichkeiten des benachbarten Amtes Hollenbach betreffen. Das läßt eine falsche Einordnung der Akten befürchten. Aber einige dieser Akten zeigen bei genauerem Hinsehen doch einen Bezug zum Amt Weikersheim, mit dem die Kanzlei korrespondiert hat und das tatsächlich in der betreffenden Angelegenheit tätig wurde. Solche Akten haben trotz des Ortsbezuges auf dem Aktendeckel oft den Betreff "Amt Weikersheim" stehen. Bei anderen Akten ist der Betreff Hollenbach durchgestrichen, was eine bewußte Einordnung zum Betreff Weikersheim nahelegt, auch wenn sie im einzelnen schwer nachvollziehbar ist. Entsprechendes gilt für Akten mit ganz allgemeinem Betreff oder Bezug zu benachbarten Herrschaften, bei denen die Pertinenz "Amt Weikersheim" nicht auf dem ersten Blick ersichtlich wird. Entsprechend der Zielsetzung einer Retrokonversion wurde an der Zuordnung dieser 70 Büschel nichts geändert. Die Bearbeitung des vorliegenden Bestandes begann mit einer konventionellen Verzeichnung der Akten der ersten Schubladen von Schublade 1 bis Schublade 4 Nr. 79 durch Wilfried Beutter. Aus zeitlichen Gründen konnte er die Arbeiten nicht zuende führen. Erst im Zuge der Retrokonversion der Weikersheimer Kanzleibestände (We 15-40) wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und auch der vorliegende Bestand bearbeitet. Das Konzeptrepertorium des 18. Jh. wurde in eine Datenbank übertragen, ohne den Findbuchtext intensiver zu bearbeiten. Ortsnamen allerdings wurden in die heutige Schreibweise übertragen, um die Online-Suche nach Orten zu ermöglichen. Der für heutige Leser ungewöhnliche Sprachduktus des 17. und 18. Jh., die altertümlichen und auch variierenden Schreibweisen sowie die meist aus dem Lateinischen übernommenen Begrifflichkeiten blieben weitgehend bestehen. Eine Modernisierung wäre zu aufwändig geworden und hätte den Inhalt verändert. Bei der Lektüre der Akten würde der Nutzer auf die gleichen sprachlichen Schwierigkeiten stoßen. Die vorliegenden Titelaufnahmen von Wilfried Beutter für die Schubladen 1 bis 4 Nr. 79, die modernen Erschließungskriterien genügen, wurden übernommen. Sie enthalten auch Vorsignaturen, z.B. diejenigen von Blind (BS = Blind'sche Signatur) aus dem beginnenden 20. Jh. Im Zusammenhang mit der Retrokonversion wurde auch die Vollständigkeit des Bestandes überprüft. Die aus Schloss Weikersheim übernommenen Akten sind im Hohenlohe-Zentralarchiv in den 1980er Jahren nach dem alten Findbuch aufgestellt worden. Einige, aber verhältnismäßig wenige, sind nach 250 Jahren nicht mehr auffindbar. Die Titelaufnahmen für diese Akten sind im Online-Findbuch ausgeblendet, aber in der Intranetversion erfaßt. Da noch Unterlagen aufgefunden werden könnten, sind dadurch wiederentdeckte Akten leicht in den Bestand einzugliedern. Die Klassifikation des alten Findbuches wurde beibehalten. Sie basiert auf der Lokatur (also der Lagerung in Schubladen) und ist entsprechend damaliger Gewohnheit nur einstufig. Es liegen nur Akten zu einer einzigen Rubrik vor: Civilia des Amtes Weikersheim. Sie ist relativ weit gefasst und ungenau, füllt allerdings 21 Schubladen. Innerhalb der Schubladen sind die Akten chronologisch gereiht. Die Faszikel einer Schublade sind meist von 1 beginnend durchgezählt, es kommt aber auch vor, dass eine Schublade die Zählung der vorhergehenden fortführt (z.B. Schubl. 10). Die gleichlautende Rubrik "Civilia des Amtes Weikersheim" wurde zur besseren Orientierung um die Laufzeit der Akten ergänzt. Die angegebenen Jahre meinen dabei jeweils den Aktenbeginn. Die Signatur besteht aus der Schublade und der Faszikelnummer (abgekürzt "Fasz."). Da der Bestand nur eine thematisch umgrenzte Gruppe ("Civilia") enthält, vergleichbare Bestände (vgl. We 15-35) aber wesentlich mehr Materien enthalten, ist es wahrscheinlich, dass weitere Akten der Kanzlei betreffend das Amt Weikersheim existiert haben und vielleicht noch aufgefunden werden können (vgl. We 41). Die Retrokonversion erfolgte durch Frau Caroline Wilhelm von November 2007 bis März 2008. Der Bestand "We 40 Kanzlei betreffend Amt Weikersheim" umfasst in 10,5 lfd. m 1608 Verzeichnungseinheiten, von denen sich 1602 erhalten haben, davon einer im Bestand We 115. Die Laufzeit reicht von 1544 bis 1789. Neuenstein, im Juli 2008 Dr. Schiffer Die Bestellsignaturen wurden 2020 durch Thomas Schauer von den alten Lokaturen mit ihrer Schubladeneinteilung auf moderne Archivsignaturen umgestellt und auf Vollständigkeit und nicht erfasste Unterlagen überprüft. Die bis dahin verwendeten Lokaturen wurden im Feld "Vorsignatur 2" gesichert. Neuenstein, im September 2020 Dr. Ulrich Schludi
- Reference number of holding
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Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, We 40
- Extent
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1601 Büschel (10,5 lfd.m)
- Context
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Landesarchiv Baden-Württemberg, Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Archivtektonik) >> Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein >> Schloßarchiv Weikersheim >> Behörden der Weikersheimer 'Linie' und der Rechtsnachfolger (bis ca. 1805)
- Date of creation of holding
-
1544-1789
- Other object pages
- Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs
- Rights
-
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
- Last update
-
13.11.0031, 2:39 PM CET
Data provider
Landesarchiv Baden-Württemberg. If you have any questions about the object, please contact the data provider.
Object type
- Bestand
Time of origin
- 1544-1789