Bestand
Dr.-Heinrich-Gottfried-Bauer-Stiftung, Leipzig (Bestand)
Geschichte: Dr. jur. Heinrich Gottfried Bauer (1784 - 1829) stiftete sein Vermögen zur Unterstützung protestantischer Landschullehrer mit geringem Einkommen. Die Unterlagen entstanden beim Administrator der Stiftung.
Inhalt: Nachlassregelung.- Verwaltungsrechnungen.
Ausführliche Einleitung: Geschichte der Dr.-Heinrich-Gottfried-Bauer-Stiftung, Leipzig
Heinrich Gottfried Bauer wurde am 21. Mai 1784 als einziger Sohn des Ordinarius und Appellationsrates Dr. Heinrich Gottfried Bauer (1733–1811) in Leipzig geboren. Nach dem Besuch der Nikolaischule studierte er von 1802 bis 1805 an der Universität der Messestadt Rechtswissenschaften. Er promovierte 1811 zum Dr. jur. und gab fortan Lehrveranstaltungen an der Leipziger Universität. Mit 36 Jahren erhielt Heinrich G. Bauer Sitz und Stimme in der Juristenfakultät. [01] Er starb am 26. Januar 1829 als königlich sächsischer Appellations- und Obergerichtsrat, Kapitular des Hochstifts Merseburg, ordentlicher Professor und Ordinarius der juristischen Fakultät der Universität Leipzig. [02]
Testamentarisch setzte er als Erben seines gesamten Vermögens das Konsistorium zu Leipzig ein. Jedoch mit der Bedingung, dass diejenigen protestantischen Landschullehrer im Königreich Sachsen, deren Stellen mit dem geringsten Einkommen festgesetzt sind, Besoldungszulagen erhalten sollen.
Im Zuge der Nachlassregulierung durch den Notar Carl Friedrich Freiesleben wurde der gesamte Besitz inventarisiert und das Vermögen mit rund 16.365 Talern beziffert. [03] In der Folge entwickelte sich allerdings ein Rechtsstreit zwischen dem Konsistorium als Alleinerben und den vier Schwestern des Heinrich Gottfried Bauer um ein Eckhaus am Markt (Nr. 409). Am 15. Mai 1835 gelang dem Administrator der Stiftung Dr. Moritz Baumann ein Vergleich mit den Schwestern des Verstorbenen. Danach kauften die Schwestern den fünften Teil des Hauses der Stiftung für 4500 Taler ab und verzichteten auf die ihnen zustehenden Legata annua. Die Stiftung übernahm gleichfalls alle auf dem Haus lastenden Hypotheken. [04] Nach der Verwaltungsrechnung von Dr. Moritz Baumann 1835 an das Konsistorium Leipzig belief sich das Stiftungsvermögen zunächst auf rund 16.949 Taler. Nach Abzug der laufenden Kosten und Bezahlung der Gläubiger verblieben nur noch rund 12.279 Taler.
Nachdem der über dieses Testament entfachte Rechtsstreit beendet und die Verwaltung der "Bauerschen Stiftung für protestantische Landschullehrer" im Jahre 1835 an die Kreisdirektion Leipzig übergegangen war, entwarf diese ein Regulativ, nach welchem ein besonderer Administrator bestellt werden sollte. [05] Gleichfalls wurde bestimmt, dass nach Bezahlung der jährlichen Legate der Überschuss zur Unterstützung der Landschullehrer sowie der Schulsubstituten verwendet werden sollte.
Das Stiftungsvermögen belief sich 1844 auf rund 13.016 Taler. Ein Separatfonds wurde nach der Verordnung von 1835 deswegen gebildet, weil die Schwestern des Stifters auf ihre Leibrenten verzichteten. Nach deren Ableben sollten Haupt- und Separatfonds wieder vereinigt werden. [06] Ende 1850 legte der bisherige Administrator Dr. Moritz Baumann sein Stiftungsamt nieder, so dass die Kreisdirektion Leipzig den Hofrat Dr. Alexander Otto Kormann zu dessen Nachfolger ernannte. [07]
Über die Entwicklung der Stiftung im 20. Jahrhundert ist wenig bekannt. Jedoch wurden mit dem "Gesetz über die Zusammenlegung der unter Verwaltung oder Aufsicht der Regierung stehenden Stiftungen" vom 30. September 1949 (Gesetz- und Verordnungsblatt Land Sachsen, Jg. 5, Nr. 28, S. 2 f.) das Vermögen aller sächsischen Stiftungen zu fünf Sammelstiftungen zusammengefasst und verstaatlicht. Zusammengefasst wurden die Stiftungen grob in fünf dem Stiftungszweck übergeordneten Kategorien. Die Dr. Heinrich Gottfried Bauer Stiftung wurde demzufolge in die Stipendienstiftung Sachsen integriert. [08]
Bestandsgeschichte und -bearbeitung
Die Unterlagen lagerten laut Vermerken zunächst bei der Kreisdirektion Leipzig. Von dort gelangten sie zum Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts und ab 1923 in dessen Nachfolgebehörde, dem Ministerium für Volksbildung, mit dessen Akten sie an das Hauptstaatsarchiv in Dresden abgegeben wurden. Dort waren sie später bei der Bearbeitung der Ministerialbestände (11125 Ministerium für Kultus und öffentlichen Unterricht bzw. Ministerium für Volksbildung) provenienzgerecht herausgelöst und 2002 an das Staatsarchiv Leipzig übergeben worden. Im Rahmen eines Praktikums Januar 2013 wurde der Bestand 22263 erstmals erschlossen.
Überlieferungsschwerpunkte
Der Bestand umfasst 10 Akten, die den Zeitraum von 1829 bis 1872 betreffen. Den Schwerpunkt der Überlieferung bilden die Verwaltungsrechnungen des Haupt- und Separatfonds der Bauer-Stiftung in der Amtszeit des Administrators Alexander Otto Kormann.
Hinweise für die Benutzung
Die Erfassung des Bestandes Dr.-Heinrich-Gottfried-Bauer-Stiftung, Leipzig erfolgte mit dem PC-Programm AUGIAS für Windows.
Bei der Bestellung und Zitierung ist anzugeben: STA-L, 22263, Dr.-Heinrich-Gottfried-Bauer-Stiftung, Leipzig Nr. (fettgedruckte Zahl).
Verweise auf korrespondierende Bestände
Staatsarchiv Leipzig:
20021 – Konsistorium Leipzig, Nr. 181-183
20024 – Kreishauptmannschaft Leipzig, Nr. 2799-2807
Hauptstaatsarchiv Dresden:
11125 – Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Nr. 226, 3673, 3674
11445 – Sammelstiftungen des Bezirkes Dresden, Nr. 254
Peter Hinz
Jan. 2013
[01] Schmidt, Friedrich August (Hrsg.): Nekrolog der Teutschen für das neunzehnte Jahrhundert, 7. Jg., Weimar 1829, S. 129.
[02] STA-L, 22263 Dr.-Heinrich-Gottfried-Bauer-Stiftung, Leipzig Nr. 1.
[03] STA-L, 22263 Dr.-Heinrich-Gottfried-Bauer-Stiftung, Leipzig Nr. 2.
[04] STA-L, 20021 Konsistorium Leipzig Nr. 183
[05] STA-L, 22263 Dr.-Heinrich-Gottfried-Bauer-Stiftung, Leipzig Nr. 4.
[06] Ackermann, Gustav Adolph: Systematische Zusammenstellung der im Königreiche Sachsen bestehenden frommen und milden Stiftungen, wohltätigen Anstalten und gemeinnützigen Vereine, Leipzig 1845, S. 137.
[07] STA-L, 22263 Dr.-Heinrich-Gottfried-Bauer-Stiftung, Leipzig Nr. 4.
[08] Wiegand, Peter: Zur Stiftertätigkeit der Familie von Schönberg in der Neuzeit im Spiegel der Bestände des Hauptstaatsarchivs Dresden (16.-20. Jahrhundert) in: Die Adelsfamilie von Schönberg in Sachsen (Fachkolloquium des Sächsischen Staatsarchivs, Staatsarchiv Leipzig 22. Oktober 2010), hrsg. vom Sächsischen Staatsarchiv, Leipzig 2011, S. 81, Anm. 33.
- Reference number of holding
-
Sächsisches Staatsarchiv, 22263
- Extent
-
0,30 (nur lfm)
- Context
-
Sächsisches Staatsarchiv (Beständegliederung) >> 02. Königreich und Freistaat Sachsen 1831 - 1945 >> 02.03 Fachbehörden und nachgeordnete Einrichtungen >> 02.03.06 Kultus und Unterricht >> 02.03.06.05 Stiftungen
- Date of creation of holding
-
1829 - 1872
- Other object pages
- Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs
- Rights
-
Es gilt die Sächsische Archivbenutzungsverordnung vom 8. September 2022 (SächsGVBl. S. 526).
- Last update
-
2023-11-27T08:58:27+0100
Data provider
Sächsisches Staatsarchiv. If you have any questions about the object, please contact the data provider.
Object type
- Bestand
Time of origin
- 1829 - 1872