Handschriften
Carl Pantenius an Karl Weltzien
Enthält: (1r) Pantenius erhielt Weltziens vorletzten Brief im Frühjahr und danach einen weiteren. Deshalb schreibt er nun gegen seinen Vorsatz noch vor dem Abschluss seiner Prüfungen. Er gratuliert Weltzien zur Eheschließung. Pantenius ist noch unverheiratet. Er beeinträchtigt seine Gesundheit durch Reisen und den Verstand durch Lernen ("Ochsen"). Er will sich bei Nichtstun und Jagd erholen und dann auch eine Frau suchen. Er zweifelt, ob dies gelingen wird, und sammelt schriftliche Notizen, worauf bei der Wahl einer Frau zu achten sei. Pantenius begrüßt Weltziens Plan, im nächsten Frühjahr nach Riga zu kommen. Wenn Pantenius bis dahin sein Examen abgeschlossen hat, will er Weltzien Gesellschaft leisten. (1v) Die Lebensqualität in Dorpat (Tartu) ist sehr schlecht. Die medizinische Fakultät ist jedoch gut besetzt und braucht den Vergleich mit den meisten Universitäten in Deutschland nicht zu scheuen. Der Direktor der Klinik ist der "Therapeut" (Gottlieb Franz Immanuel) Sahmen. Seine "Hefte" sind so gut, dass sich Pantenius fragt, warum Sahmen noch keine "specielle Therapie" publiziert hat. Pantenius war früher ein "Gegner der Therapie", nun praktiziert er "mit [...] Enthusiasmus" bei Sahmen. Der dortige Chirurg (Nikolai Iwanowitsch) Pirogoff ist noch "ganz jung", aber ein sehr fähiger und eifriger "Operateur". Er publiziert eine "Chirurgische Anatomie mit schönen Steindrucktafeln". Der Geburtshelfer (Piers Uso Friedrich) Walter ist ein sehr beliebter Arzt. Er hat ein Werk über "Wendung" geschrieben, das auch in Deutschland Anerkennung fand. Der (namentlich nicht genannte) Professor der "Materia medica" ist ein "alter Praktiker", der bereits 22 Jahre lehrt und früher Leibarzt des sächsischen Königs war. Er ist der "gelehrteste Mann" der Universität, fragt aber in der Prüfung "unsinnig", nach "chemischen Zubereitungen, nach dem Vaterlande, dem Aussehen der Mittel, die man ohnehin erkennen muß und sogar, in welche Classe und Familie der Botanik sie gehören". Pantenius kann den Mann nicht gut leiden, weil er "allen Gedächtniskram" verabscheut. Der Prüfer verlangt dennoch "das Unmögliche", weshalb Pantenius einfach hofft, in der Prüfung Glück ("tüchtige Sau") zu haben. Im "Philosophenexamen" hatte Pantenius Glück, ebenso in Botanik, Mineralogie und Zoologie. Nun ist er ruhiger. Es ist ein "wahres Labsal", das Examen in Fächern gut zu bestehen, von denen man nichts verstanden hat. (2r) Weltzien fragte, ob Pantenius noch den Plan verfolgt, Militärarzt in Russland zu werden. Pantenius kann dies nicht klar verneinen, hat aber Bedenken, ob er dabei genug verdienen würde. Er erwägt, sich in Mitau (Jelgava) niederzulassen. Dort sind seine Verwandten, und es befindet sich dort auch "ein sehr angenehmer Verein von Ärzten". Keiner der örtlichen Ärzte ist auf die Chirurgie spezialisiert. Pantenius ist ein "bluthrünstiges Thier", das gegen Geld "vor keiner Arteria scheut". Wenn Weltzien zum nächsten Johannistag (24. Juni) nach Riga kommt, wird er viel Gelegenheit haben, mit Pantenius zusammen zu sein. Zwischen Dorpat und Riga wurde eine "Chaussee" gebaut, und nach dem Bau der geplanten Eisenbahn soll die Fahrzeit eineinhalb Stunden betragen. Pantenius' Korrespondenz mit Göttingen ist seit Beginn der Arbeit für das Examen unterbrochen, doch will er sie wieder aufnehmen. Von Peters hat Pantenius keine Nachricht, seit er ihn in Berlin als praktischen Arzt sah. Um Pantenius zu sehen, war er aus "Weissenstein" in Mecklenburg nach Berlin gekommen. Schiemann, dessen Vater den Kindern "ein kleines Kapital" hinterließ, hat kein Examen gemacht und ist "Landwirth" geworden. Er soll ein Fräulein Haselberg aus Riga geheiratet haben. Die Frau soll eine Krankheit haben, "die eine Operation erfordert". Pantenius bittet Weltzien, ihm von dem "berühmten Instrumentenmacher Jörg aus Heidelberg eine Geburtszange [...] mit ächt Nägeleschen Löffeln und ächt Sieboldschen Griffen" mitzubringen, ebenso ein "vollständiges Augenbesteck mit Langenbeckschen Instrumenten". Da Weltzien einen Pass als Doktor der Medizin hat, wird er damit keine Schwierigkeiten bekommen. (2v) Pantenius hofft auf die persönliche Auslieferung der Instrumente durch Weltzien und ein Kennenlernen mit dessen Frau.
- Reference number
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27072/372
- Extent
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2 Blatt
- Context
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27072 Nachlass Karl Weltzien >> 1 Korrespondenzstücke in der alphabetischen Folge der Absender >> 1.117 Pantenius, Carl
- Holding
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27072 Nachlass Karl Weltzien
- Indexentry person
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Weltzien, Karl (*1813, +1870)
Pantenius, Carl
Sahmen, Gottlieb Franz Immanuel (*1789, +1848)
Pirogov, Nikolaj I. (*1810, +1881)
Walter, Piers Uso Friedrich (*1795, +1874)
Schiemann (Nachname)
Jörg (Instrumentenmacher)/Heidelberg
- Indexentry place
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Dorpat (Tartu)/EE
Tartu (Dorpat)/EE
Mitau (Jelgava)/LV
Jelgava (Mitau)/LV
Heidelberg/DE
Göttingen/DE
Berlin/DE
Riga/LV
Weissenstein (Mecklenburg)/DE
- Date of creation
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1835 Dezember 1, Dorpat (Tartu)
- Other object pages
- Last update
- 07.03.2025, 8:23 AM UTC
Data provider
Karlsruher Institut für Technologie, KIT-Archiv. If you have any questions about the object, please contact the data provider.
Object type
- Handschriften
Time of origin
- 1835 Dezember 1, Dorpat (Tartu)