28.11.2012

Erste öffentliche Betaversion der Deutschen Digitalen Bibliothek gestartet

Die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) ist ab heute in einer ersten öffentlichen Betaversion unter www.deutsche-digitale-bibliothek.de online. Im Alten Museum auf der Museumsinsel Berlin präsentierten Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Sprecher des Vorstands des Kompetenznetzwerks der DDB, Elke Harjes-Ecker, Kulturabteilungsleiterin im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und Vorsitzende des Kuratoriums des Kompetenznetzwerks der DDB, Matthias Harbort, Leiter des für Neue Medien zuständigen Referates beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums, sowie Jill Cousins, Executive Director der Europeana Foundation, gemeinsam das neue Portal.

Jill Cousins, Hermann Parzinger, Elke Harjes-Ecker und Matthias Harbort (v.l.n.r.)

Jill Cousins, Hermann Parzinger, Elke Harjes-Ecker und Matthias Harbort (v.l.n.r.) - Foto: Julia Hoppen

Damit wird der Grundstein dafür gelegt, mittel- und langfristig alle deutschen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen samt ihrer digitalen Angebote miteinander zu vernetzen und in die europäische digitale Bibliothek Europeana zu integrieren. „Ziel der DDB ist es, jedermann über das Internet freien Zugang zum kulturellen und wissenschaftlichen Erbe Deutschlands zu eröffnen, also zu Millionen von Büchern, Archivalien, Denkmälern, Bildern, Skulpturen, Musikstücken und anderen Tondokumenten, Filmen und Noten,“ erklärt Hermann Parzinger. „Mit der DDB soll Deutschland seine Anschluss- und Wettbewerbsfähigkeit in Wissenschaft, Forschung und Bildung sichern, aber auch sein einzigartiges kulturelles Erbe und Wissen für jedermann komfortabel über einen zentralen Anlaufpunkt zugänglich machen,“ sagt Elke Harjes-Ecker, „Dadurch werden die Möglichkeiten zur Recherche in Forschung, Lehre und Wirtschaft grundlegend verbessert“.

Seit Sommer 2007 arbeitete ein Kompetenznetzwerk, bestehend aus Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen an dem ambitionierten Vorhaben. Die erste Stufe der technischen Infrastruktur entstand ab 2010 beim Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) der Fraunhofer-Gesellschaft. FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur verantwortet als technischer Betreiber den gesamten technischen und administrativen Betrieb der zentralen Infrastruktur der DDB.

Bereits die erste öffentliche Betaversion bietet Nutzerinnen und Nutzern zahlreiche Inhalte und neue Funktionen. Über Suchbegriffe kann im Gesamtbestand recherchiert werden. Darüber hinaus stehen eine erweiterte Suche sowie unterschiedliche Filter zur Verfeinerung der Ergebnisse bereit. Die auffindbaren Informationen sind mit großer editorischer Sorgfalt bearbeitet worden und tragen das Gütesiegel deutscher Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen. Suchergebnisse werden nicht durch kommerzielle Interessen beeinflusst. Durch die umfassend aufbereiteten Metadaten ist eine einheitliche Suche in Sammlungen aus unterschiedlichen Kontexten möglich. „Schon bald werden Nutzerinnen und Nutzer anhand semantischer Bezüge zwischen gefundenen Objekten navigieren und dadurch auch unerwartete Inhalte und Zusammenhänge erschließen können. Dabei werden Verbindungen und Querbezüge deutlich, die in den Angeboten einzelner Institutionen oder in domainspezifischen Angeboten – zum Beispiel reinen Bibliotheksportalen – nicht sichtbar werden. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal der DDB“, erklärt Matthias Harbort.

Eine wichtige Funktion der DDB ist die des nationalen Datenaggregators für das europäische Kulturportal Europeana. Sie ermöglicht deutschen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen eine umfassende Teilnahme an diesem europäischen Projekt. „Hinter der Europeana steht die Überzeugung, dass freier, demokratischer Zugriff auf das kulturelle Erbe für alle gewährleistet sein muss, um die mit der Digitalisierung verbundenen Chancen für die gesellschaftliche Entwicklung nutzen zu können,“ sagt Jill Cousins. „Wir freuen uns, mit der DDB einen zentralen nationalen Partner hinzugewonnen zu haben, mit dem wir gemeinsam zur Verwirklichung dieses Anspruchs beitragen werden.“

Die DDB lebt, wie viele Internetdienste, von der Beteiligung: zum einen derjenigen, die Inhalte bereitstellen, zum anderen derjenigen, die das Portal nutzen und weiterempfehlen. „Alle Wissenschafts-, Forschungs- und Kultureinrichtungen in Deutschland sind eingeladen, die DDB weiter auszubauen und attraktiver zu machen“, sagt Elke Harjes-Ecker. Den Institutionen, die ihre Inhalte über die DDB bereitstellen, bieten sich schon jetzt viele Vorteile: Der zentrale Zugang über die DDB führt Nutzer zuverlässig zu gesuchten digitalen Kulturgütern aus Deutschland. Da die Digitalisate stets mit dem Standort der Werke und Objekte verknüpft sind, werden sowohl die Bestände als auch die Einrichtungen besser sichtbar und bekannter als bisher, so dass sie on- wie offline mit einer Steigerung der Besucherzahlen rechnen können.

Bald werden sich die Einrichtungen über das entstehende DDB-Netzwerk mit anderen Institutionen austauschen und gegenseitig unterstützen können. Zudem plant die DDB, Werkzeuge und Dienste anzubieten, die Institutionen bei der zukünftigen Bereitstellung, Bearbeitung und Präsentation von digitalen Objekten helfen sollen.

Bereits im Laufe des kommenden Jahres wird die DDB sukzessiv ihre Funktionalitäten erweitern. So werden die Suche und die Vernetzung von Objekten optimiert. Von Fachleuten kuratierte virtuelle Ausstellungen werden die ganze Bandbreite der über die DDB zugänglichen Kulturgüter anschaulich machen. Das Portal wird ein ständig wachsendes Netzwerk für die beteiligten Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen bilden. Außerdem wird eine Programmierschnittstelle (engl.: application programming interface (API)) die dezentrale Entwicklung von Diensten rund um die DDB ermöglichen, wie zum Beispiel Anwendungen für Smartphones und Tabletcomputer.

„Mit dem heutigen Start der Betaversion der Deutschen Digitalen Bibliothek sind wir der Verwirklichung unserer Vision, über das Portal das kulturelle und wissenschaftliche Erbe Deutschlands in digitaler Form zugänglich zu machen, ein gutes Stück nähergekommen,“ erklärt Hermann Parzinger, „Aber wir sind noch nicht am Ziel. Dies ist ein Prozess, der auf Jahre angelegt ist.“

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