Der Erste Weltkrieg: Historische Foto- und Bildmaterialien in der Deutschen Digitalen Bibliothek

Immense kriegsbedingte Verheerungen und Verwerfungen haben die Entwicklungsgeschichte Europas im 20. Jahrhundert in unvergleichlicher Weise geprägt. Der Auseinandersetzung mit historischen Foto- und Bildmaterialien aus diesen Kriegen widmet sich der 6. Europäische Monat der Fotografie in Berlin noch bis zum 16. November. „Umbrüche und Utopien. Das andere Europa“ ist das diesjährige Thema, welches in Ausstellungen und Veranstaltungen rund um ästhetische, gesellschaftliche und zeithistorische Fragen und Phänomene verhandelt wird.

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Ohnehin steht 2014 im Zeichen des vielfachen Gedenkens an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren, und auch in der Deutschen Digitalen Bibliothek finden sich digitalisierte Zeugnisse aus der Zeit dieser zivilisatorischen Katastrophe. Eine Suche nach Fotografien aus dem Zeitraum 1914 -1918 etwa führt zu Objekten aus der Militärhistorischen Bildsammlung des Landesarchivs Baden-Württemberg, Abteilung Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Unter den Abbildungen finden sich neben für die Kamera posierenden Militärs – darunter auch der spätere Generalfeldmarschall und NS-Kriegsverbrecher Hermann Göring als Jagdflieger – auch Bilder von Kriegsgefangenen. Die Aufnahmen zeigen sie bei der Arbeit in Werkstätten und in der Küche, aber auch bei Theatervorstellungen, bei der Malerei im Atelier oder als Mitwirkende in einem Orchester.

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Diese nicht nur aus heutiger Sicht offenkundig inszenierten Bilder suggerieren Normalität und einen nachgerade zivilen Alltag im Kriegsgefangenenlager, was die ideologische Wirkungsmacht und propagandistische Instrumentalisierung von Fotografien in den Fokus rücken lässt. Nicht minder interessant ist vor diesem Hintergrund die umfangreiche Sammlung von Feldpostkarten, u.a. auch aus Beständen des Stadtarchivs Karlsruhe und des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, die in der DDB einsehbar ist. Neben obligatorischen Aufnahmen von Paraden und Aufmärschen sowie heroischen Soldatenbildern, finden sich hier auch viele Illustrationen, die das Kriegsgeschehen komplett ausblenden und stattdessen idyllische Impressionen des Landlebens zeigen. Ebenso aufschlussreich sind die Postkarten mit Karikaturen, in denen der Schrecken des bewaffneten Konflikts einer humoristisch-romantischen Verklärung des Soldatendaseins weicht.