Kalenderblatt: 9. März
Eine Gruppe von Deutschen entscheidet sich für Schwarz-Rot-Gold, eine andere nimmt lieber das Aschgrau, in Berlin werden die Kaiser knapp, ...
Letzte Änderung: 20.01.2021, 18:03 Uhr
  • Kaiser Wilhelm der Grosse 1797-1897

    Bildpostkarte
    1888: Wilhelm I. stirbt 90jährig in Berlin. Er war 1871 im Spiegelsaal von Versailles zum „Deutschen Kaiser“ proklamiert worden. Als solcher war er qua Reichsverfassung eher primus inter pares zwischen den deutschen Fürsten als unumschränkt herrschender und repräsentierender „Kaiser von Deutschland“. Wilhelm selbst hatte längere Zeit vor der Übernahme des Amtes gezögert und blieb im Grunde seines Herzens bis zu seinem Tod preußischer König. Er bevorzugte einen asketischen Lebensstil, beispielsweise verweigerte er den Einbau eines Bades mit heißem Wasser im Berliner Schloss, weil er die Kosten dafür scheute. Auch wegen dieser Verkörperung preußischer Tugenden wurde der während der '48er Revolution als „Kartätschenprinz“ verschrieene Wilhelm im Alter weithin verehrt. Nach Wilhelms Tod amtiert sein Sohn Friedrich III. für nur 99 Tage als Deutscher Kaiser, bevor er an Kehlkopfkrebs stirbt und der Enkel als Wilhelm II. noch im selben „Dreikaiserjahr“ 1888 den Thron besteigt.
  • Protokolle der Deutschen Bundesversammlung, [33.] 1848 = Sitzung 1 - 70 = 7. Jan. - 12. Juli

    Deutscher Bund / Bundesversammlung
    1848: In ihrer 16. Sitzung beschließt die Deutsche Bundesversammlung die Einführung der Bundesfarben Schwarz-Rot-Gold. Auf Seite 234 (Scanseite 251) dieses Protokollbandes heißt es in §137: »Die Bundesversammlung erklärt den alten deutschen Reichsadler mit der Umschrift „Deutscher Bund“ und die Farben des ehemaligen deutschen Reichspaniers – Schwarz, roth, gold – zu Wappen und Farben des Deutschen Bundes, und behält sich vor, wegen der Anwendung derselben nach Erstattung des Ausschußvortrags das Weitere zu beschließen.«
  • Freiburg: Biologisches Institut II, Prof. Dr. Peter Sitte beim Dozieren am Elektronenmikroskop 101...

    31. Oktober 1968, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Freiburg, W 134 (Filmegative III) Sammlung Willy Pragher I: Filmnegative III, Bildordner 804-1921
    1931: Ernst Ruska erfindet das Elektronenmikroskop. Am 9. März 1931 fertigt der Doktorand der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Berlin eine Handskizze an, in der das Prinzip des Transmissionselektronenmikroskops festgehalten ist. Analog zum Lichtmikroskop bündeln Linsen einen Elektronen- statt Lichtstrahl, wobei diese Linsen nicht aus geschliffenen Glaskörpern, sondern aus magnetischen Feldern bestehen, die von stromdurchflossenen Spulen erzeugt werden. Mit der erfolgreichen Abbildung eines Netzgitters mit einer Anordnung von magnetischen Linsen demonstriert Ruska kurz darauf die Funktionsfähigkeit seiner Erfindung. Die Weiterentwicklung des Elektronenmikroskops wird schnell von der Industrie aufgegriffen, bereits Mitte der '30er Jahre werden 25tausendfache Vergrößerungen erzielt, ein großer Fortschritt zu der mit Lichtmikroskopen maximal erreichbaren 1500fachen Vergrößerung. Heute zählen Elektronenmikroskope zur Standardausstattung in der Strukturanalyse, der Materialprüfung und der biologischen Forschung. 1988 erhält Ruska für seine Entdeckung den Nobelpreis für Physik.
  • Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (Kurt Weill, Bertolt Brecht)

    Premiere 20.9.1992, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 57-3 Badisches Staatstheater Karlsruhe - Fotos
    1930: In Leipzig wird die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht uraufgeführt. Brecht hatte die Oper als Anwendungsbeispiel seiner Theorie des epischen Theaters konzipiert; in seinen später veröffentlichten Anmerkungen legt er dar, wie er die überkommene „kulinarische“ Oper, die vom Publikum in der „Haltung von Königen“, die nicht zu arbeiten brauchen, als bloßes „Genußmittel“ konsumiert werde, in eine neue Form überführt, die die Menschen zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Dargestellten anrege. Dies erreicht Brecht sowohl mit seinen bereits am Theater bewährten Mitteln der Verfremdung und Historisierung als auch durch den Inhalt des Stückes: In der amerikanischen Phanstasiestadt Mahagonny gilt nur das Gesetz des ungebremsten Konsums , „Du darfst!“, alles ist erlaubt - bis einem das Geld ausgeht. Darauf steht, wie der Holzfäller Paul erfahren muss, die Todesstrafe. Auch wegen dieser Kapitalismuskritik gehört „Mahagonny“ nach wie vor weltweit zu den meistgespielten Stücken Brechts. Die Uraufführung wurde allerdings von Störern der NSDAP massiv sabotiert, das Theater musste von der Polizei geräumt und die B-Premiere abgesagt werden.
  • Berlin: Verkehrskanzel am Kurfürstendamm

    26. April 1960, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Freiburg, W 134 (Filmegative I) Sammlung Willy Pragher I: Filmnegative I, Bildordner 3-307
    1955: Mit dem Anwachsen des Individualverkehrs werden in vielen Städten Verkehrskanzeln auf vielbefahrenen Kreuzungen eingerichtet, wie hier am Rüppurrer Tor in Karlsruhe. Auf diesen Kanzeln regelten Verkehrspolizisten geschützt und gut sichtbar den Verkehr. In „Natürlich die Autofahrer“ hat Heinz Erhardt diesen Verkehrspolizisten und ihren Kanzeln 1959 ein filmisches Denkmal gesetzt, bevor mit dem Aufkommen automatischer Verkehrsleitsysteme ab den späten 60er Jahren die Kanzeln überflüssig und wieder abgebaut wurden.
  • Ödipussi

    Evelyn Hamann, Loriot (Vicco von Bülow)
    1988: Als erster Film hat „Ödipussi“ gleichzeitig in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR Premiere - im West-Berliner Gloria-Palast und im Ost-Berliner Fimtheater Kosmos. „Ödipussi“ ist der erste Kinofilm, bei dem Vicco von Bülow alias Loriot Regie führt.