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Fingerkunkel "Venus in einer Aedicula"

Objektbezeichnung:
Fingerkunkel
Objektbeschreibung:
Diese Fingerkunkel ist eine Stiftung aus Privatbesitz.
Die Kunkel ist, zusammen mit einer Spindel das wichtigste Instrument zur Herstellung von Garn in der Antike: Die zuvor gewaschene und gezupfte Rohwolle wird zunächst in Form eines groben Knäuels auf die Kunkel gesteckt. Danach wird sie mithilfe der Spindel zu einem feinen Faden gesponnen.Das vorliegende Stück besteht in der Mitte aus einem flachen, glattpolierten Stab, der in einem ebenso flachen Ring endet. Dieser weist im oberen Bereich zwei halbmondförmige Verzierungen auf. Am unteren Ende ist ein zapfenförmiges Dekorelement zu finden.
Bekrönt wird die Kunkel von einer figürlichen Schnitzerei: Diese zeigt einen viersäuligen, tempelähnlichen Schrein (Aedicula), der auf einem Podest ruht und von einem Dach in Form einer Venus-Muschel überdeckt wird. In seinem Inneren befindet sich eine Statuette der Venus (gr. Aphrodite): Diese hält mit der Linken ihr herabfallendes Gewand fest, während sie mit der Rechten ihre linke Brust verdeckt. Es handelt sich um einen besonderen Bildtypus der Venus, die schamhaft ihre Blöße bedeckt (sog. Venus Pudica, von lat. "pudica" = "schamhaft, keusch"). Die Muschel spielt auf die mythische Geburt der Liebesgöttin aus dem Schaum des Meeres an.
Venus verkörpert die weibliche Schönheit und Erotik und ist zudem auch die Schutzgöttin der Ehe. Sie taucht vielfach als Schmuck von Fingerkunkeln auf (Siehe: Objekt Nr. 255), weshalb die entsprechenden Stücke auch als "Venuskunkeln" bezeichnet werden.
Fingerkunkeln stellen eine besondere Form von antiken Spinnrocken dar, bei denen das untere Ende des Stabes von einem Ring gebildet wird, den sich die Spinnerin über den Ringfinger streift.
Sie bestehen aus Holz, Glas, Bronze und Bein bzw. Elfenbein. Ihren oberen Abschluss krönt oftmals ein figürlicher Dekor.
Fingerkunkeln sind eine in Frauengräbern häufig anzutreffende Beigabe. Da die meisten der im Bestattungskontext gefundenen Exemplare aus fragilen Materialien wie z. B. Bein bestehen, einen filigranen Dekor und zudem eine geringe Größe aufweisen, ist es unwahrscheinlich, dass sie tatsächlich als Spinngerät verwendet wurden.
Das Spinnen gehört in der Antike zu den häuslichen Pflichten der Frau. Spinngeräte kennzeichnen diese als tugendhafte und vorbildliche Herrin des Hauses. Vom 2. Jahrtausend v. Chr. an bis in die Spätantike gelten Spindel und Rocken als Statussymbole der vornehmen, sittsamen Ehefrau.
Entsprechend zeigen zahlreiche Grabreliefs Frauen u. a. mit Kunkeln und anderen Spinnutensilien (Siehe: Objekt Nr. 246, den Gipsabguss des Blussus-Grabsteins).
Material/Technik:
Knochen / Schnitzerei
Maße:
Gesamtlänge: 17, 4 cm; H der figürlichen Schnitzerei: 5 cm; Dm des Ringes: 2, 5 cm.
Ereignis:
Hergestellt
(wann):
um 3. Jh. n. Chr.
Bezug (was):
Wollknäuel; Wolle; Spinnrocken; Garn; Textilie; Bestattung; Grabbeigabe; Textilherstellung
Verwandtes Objekt und Literatur:
Darstellung einer Frau mit Spinnutensilien
Weitere
Weitere Fingerkunkel
M. Cremer, 1996: Venuskunkeln aus Kleinasien", in: Archäologischer Anzeiger 1996, 133-144, Berlin / New York
M. Cremer, 1998: Fingerkunkel und Zettelstecker, in: Boreas. Münstersche Beiträge zur Archäologie 21, 1998, 327-333, , Münster
M. Cremer, 1996: Antike Spinnrocken, in: Boreas. Münstersche Beiträge zur Archäologie 19, 1996, 235-241, Münster
Standort:
Archäologisches Museum der WWU Münster
Inventarnummer:
3503
Sammlung:
Artefakte;
Rechteinformation:
Archäologisches Museum der WWU Münster
Letzte Aktualisierung: 26.04.2019, 15:54 Uhr

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