• Ergebnis 1 von 1

Fürstliches Gericht Walternienburg (Bestand)

Bestandssignatur:
Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Z 60 (Benutzungsort: Dessau)
Kontext:
Landesarchiv Sachsen-Anhalt (Archivtektonik) >> 03. Land Anhalt und territoriale Vorgänger (941 - 1945) >> 03.02. Anhaltische Teilfürstentümer 1603 - 1848 >> 03.02.02. Anhalt-Dessau (1603/06 - 1848) >> Z 57 - 66 Fürstliche und Patrimonialgerichte
Bestandslaufzeit:
1804 - 1848
Bestandsbeschreibung:
Findhilfsmittel:
Findbuch 2011 (online recherchierbar)
Registraturbildner:
1422 belehnte die Äbtissin Adelheid von Quedlinburg die Fürsten von Anhalt mit Barby, Walternienburg und Sydow. Das Lehen wurde aber bereits 1434 durch Friedrich von Sachsen an Graf Günther IV. von Barby vergeben. Der Kurfürst garantierte den anhaltischen Fürsten im Fall eines Aussterbens der Linie der Grafen von Barby eine Anwartschaft auf Walternienburg. Nach dem Tod des letzten Grafen von Barby 1659 fiel es jedoch an Kursachsen zurück und wurde durch Johann Georg I. von Sachsen an seinen Sohn August von Sachsen-Weißenfels (1614-1680) übereignet, der den Fürsten von Anhalt-Zerbst damit belieh.
Als das Erlöschen der Zerbster Linie voraussehbar war, wendeten sich die drei anderen anhaltischen Linien Bernburg, Dessau und Köthen 1791 an den Kurfürsten von Sachsen mit dem Gesuch um Wiederverleihung dieses Lehens. In einem Vertrag vom 15.06.1796 einigten sich die beteiligten Parteien, nach welchem der Kurfürst das Amt Walternienburg mit Zubehör den Fürsten von Anhalt als Mannlehngut übergab. Bei der Zerbster Landesteilung wurde die Verwaltung des Amtes der Dessauer Linie übertragen.
Zum Lehen gehörten: das Schloss und Dorf Walternienburg, die Dörfer Kämeritz, Flötz und Großlübs, das Rittergut Göbel, die Dorfstätten Poley, Pappendorf, später Pakendorf und Trebnitz, die Wiener oder auch Wiemer Mark, die Prosekaler Mark, das Schulzentum zu Nuthe, der Zoll und das Geleite auf der Elbe bei Walternienburg oder Tochheim. Gleichzeitig überließ der Kurfürst den Fürsten auch die Holzmark an der Albitzbach als Mannlehen und erkannte die kursächsische Landeshoheit über die zum Rittergut Klieken gehörigen Marken Püstenitz und Olbitz erneut an.
1798 war das Amt Walternienburg dem Amt Barby angegliedert, das der König von Sachsen zusammen mit dem Amt Gommern 1808 an den König von Westfalen abtrat. Ausgenommen davon blieb Walternienburg, das weiterhin kursächsisch blieb und erst nach dem Wiener Kongress von 1815 an Preußen fiel.
Die Fürsten von Anhalt besaßen als Lehnsinhaber im Amt Walternienburg Zivil- und Strafgerichtsbarkeit in erster Instanz und das Patronatsrecht. Für die Ausübung der Jurisdiktion und Verwaltung des Amtes richteten sie in Walternienburg ein "Fürstliches Gericht" mit einem bestellten Gerichtshalter und ihm unterstellten Personal ein.
Im Zuge der Revolution von 1848/49 erfolgte 1849 in Preußen die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit. Die jurisdiktionellen Funktionen des nunmehr "Herzoglichen Gerichts Walternienburg" gingen auf das Kreisgericht Gommern über.
Bestandsinformationen:
Akten der fürstlichen und herzoglichen Gerichte wurden Ende des 19. Jahrhunderts in das 1872 neu gegründete Anhaltische Haus- und Staatsarchiv Zerbst übernommen und dort
unabhängig von ihrer Provenienz gemeinsam mit den Akten der anderen Anhalt-Dessauer Hof- und Staatsbehörden in den neu gebildeten Pertinenzbestand "Abteilung Dessau" integriert, der in dieser Ordnung im Wesentlichen noch heute unter der Bestandssignatur Z 44 vorliegt.
Vereinzelt wurden bei Provenienztrennungen weitere Akten dieser Gerichte, die erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts an das Anhaltische Staatsarchiv Zerbst bzw. nach 1947 an das Landesarchiv Oranienbaum abgegeben worden sind, ermittelt und zu dem vorliegenden Bestand formiert. Die Erschließung erfolgte im Jahr 2009. 2011 wurde ein Findbuch erstellt.
Umfang:
Laufmeter: 0.2
Letzte Aktualisierung: 17.04.2018, 20:22 Uhr
URL:
http://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/WI57ORB6KMADDULCWUHPZHO5DP5JFWN4