Archivalie
lieber tull, ich hab grad die zeitschrift...
Durch Gropius' Bemühungen werden dem Bauhaus neue finanzielle Ressourcen zuteil. Er fragt sich, warum er nicht in die frei werdende Stelle von Muche hereinrutsche und Warum angesichts der hohen finanziellen Zuwendungen seine Auslagen nicht beglichen werden.
Transkription: 13.7.27 27 lieber tull, ich hab grad die zeitschrift no.3 bühne zur bahn gebracht, es kamen heut die ersten exemplare aus der druckerei, wovon ich dir gleich eins gewidmet habe. die nummer findet allgemein beifall und ist glaub ich schön geworden. es war keine kleine arbeit, die druckkoreekturen, klischeebeschaffungen usw., für das man wieder mal nix bekomt und nur die ehre hat. - hoffentlich tut sie ihre wirkung und schafft schüler und interesse. zeig sie den grosch und achenbach aber so, dass sie bestellen, sag dass du nur die eine nummer hast.- auflage 2000, und weitere 1000 mit überdruck "deutsche theaterausstellung magdeburg" in rot zum speziellen vertrieb dort. die "scheiben" waren der clou der aufführung. komisch, die haben in stuttgart s. zt. gar nicht besonders gewirkt. ferner mein tanz zu bossimusik. lief auch wie butter. wir haben noch eine nachfeier auf dem dach gemacht, später unten, weil die alten kolonisten nach 10 schlafen wollen. es war noch wein da, schawinsky hat schokolade gekocht, ball, grammophon. da tagszuvor die wohnung von meiner und meyers putzfrau sauber gemacht war und die frauen erst am donnerst wieder kommen, haben sich lies beyer und asta heyeck bereit erklärt, am andern tag zu bohnern und zu putzen. das war dann auch sehr lustig. meyer und ich haben und sehr amüsiert. wenn die bilder davon was geworden sind, dann schick ich sie, aber kein grund zu eifersucht, lieber tutsch, die hayeck ist schlank, nett, gymnastikerin, aber kühl bis ans herz hinan; die lies...das weiss man nicht. auch nicht wem sie z. zt. gehört. von morgen ab, d.h. morgen letzter tag, dann ferien. vorher noch allerlei. meyer musste um allerlei kämpfen. war oft wütend. war zum bürgermeister beordert, der sich von ihm berichten liess. hat auch eine lanze für mich gebrochen. gestern meisterrat, seit langem wieder mal einer. - grop. konnte dann mit grossen kanonaden anrücken: zunächst eine zuwendung vom reich von M 10 000.- (das frisst aber der etat, der dann mit 1000 überschuss balanziert ist). ferner eine andere sache: der reichstypenausschuss oder sowas, hat der stadt dessau z.händen von gropius 350 000.- zugeteilt (von einem 10 millionenfonds), wovon grop. weitere 100 siedlungshäuser baut, meyer 50, bezw. die schule meyer, ferner 4 versuchshäuser, dies alles in törten. - zwischen bauhaus und meisterhäuser, bei den schrebergärten sollen 6 versuchshäuser gebaut werden, wohnungen für breuer, bayer, albers...u.a., die---breuer baut! man nahm an, dass gerade die meyer bauen werde, da er selbst ja auch kanditat für ein haus ist, und selbstredend es sich selbst gebaut hätte. klar seh ich nicht, auch m. nicht, er ärgert sich sichtlich. aber immerhin, die betreffenden müssen die ferien dran rücken, sofort pläne machen im sept. beginnen und bis frühjahr fertig sein! - natürlich ist das alles schwer mit geld verbunden. die sind natürlich nun überm damm! ob ich mich als Kandidat für eines der Häuser melde und den großen Kasten andren überlasse? ich frage mich, wie lange ich so noch weitermachen soll. warum werde ich nicht automatisch an die freigewordene stelle von muche gesetzt? um endlich aus diesem unwürdigen kleinkram einer halbexistenz heruszukommen. diese frage werde ich morgen gropius vorlegen, gegebenefalls so, dass sie an den bürgermeister geht und an die meister. (leider ist der bürgermeister schon im urlaub, die andern gehen nacheinander). grop. weiss um essen, er ahnte sowas, ich habe ihm gesagt, doch nur, das ivh abgelehnt hätte. er sagte, haben sie geduld, über kurz oder lang werde er die 100000 mehr zusammen haben, usw. dennoch: er kann mir die 1000 überschuss (die freilich für alles mögliche schon wieder vorgesehen sind) glatt auszahlen für meine 2 jährigen verluste von einigen tausend. - soll ich das ultimatum stellen? und ev. zum 1. okt. kündigen, bin dann immer noch bis april da, essen schrieb.fischer und burchartz jeder für sich, sehr bedauernd, hoffend, dass sich früher oder später ein günstigeres angebot
- Sammlung
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Archiv Oskar Schlemmer
- Inventarnummer
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AOS 2015/1535
- Material/Technik
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Papier; maschinenschriftlich; Tinte
- Ereignis
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Herstellung
- (wer)
- Provenienz
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Abschrift vorhanden; Kasten 3 und Ordner 1927-1933
- Rechteinformation
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Staatsgalerie Stuttgart
- Letzte Aktualisierung
- 28.03.2025, 12:10 MEZ
Datenpartner
Staatsgalerie Stuttgart. Bei Fragen zum Objekt wenden Sie sich bitte an den Datenpartner.
Objekttyp
- Archivalie
Beteiligte
- Oskar Schlemmer (04.09.1888 - 13.04.1943)
- Tut Schlemmer (12.11.1890 - 25.04.1987)