Malerei

Waldstilleben mit Reptilien und Insekten

Vor angedeuteter Waldlandschaft eine Fingerhutpflanze sowie zahlreiche Tiere. Rechts ein Stück Himmel. - Houbraken (Groote Schouburgh, Bd. 1, S. 358) teilt einen Bericht von Marseus Witwe mit, wonach der Maler sowohl hinter seinem Haus als auch außerhalb Amsterdams in umschlossenen Gehegen Schlangen und andere Tiere gehalten habe, die ihm als Modelle seiner Gemälde dienten. Auch habe er Insekten und anderen Kleintieren eifrig nachgespürt. Die Nachricht wird durch die zoologische Untersuchung unseres Bildes bestätigt, das eine in der Natur unter etwa gleichen Bedingungen lebende und in dieser Zusammenstellung im Monat August begegnende Fauna zeigt (für die zoologische Bestimmung danke ich Dr. Jürgen Schauermann, II. Zoologisches Institut der Universität Göttingen). Eine durch Bodo Beier, Augsburg, angeregte mikroskopische Untersuchung brachte weiterhin als Ergebnis, daß die Flügel der Schmetterlinge nicht gemalt, sondern im Abklatschverfahren hergestellt sind: Auf die in hellen Farben gehaltenen Schmetterlingssilhouetten sind die jeweiligen Flügelteile aufgelegt und vorsichtig angedrückt worden, so daß bei Entfernen die Schuppen in der feuchten Paste hafteten. Lediglich Fehlstellen und Adern wurden mit dem Pinsel nachgearbeitet. In der gleichen Weise erhielt der Waldboden in der unteren Bildmitte seine Flechtenstruktur. Auch zumindest eines der Fliegenbeine (6) ist nicht gemalt, sondern in die Paste eingelegt. Der auf höchste Naturtreue zielende Arbeitsvorgang wie auch die Wiedergabe eines Biotops statt beliebig miteinander kombinierter Tiere weist auf ein wissenschaftliches Interesse, das der bisherigen Beurteilung Otto Marseus van Schrieks als ,Phantast mit realistischen Mitteln' entgegensteht (so zuletzt A. Franchini Guelfi, Otto Marseus van Schriek a Firenze, in: Antichitä viva 16/1977, Heft 2, S. 15, mit älteren Belegen). Dennoch enthält die vordergründig naturalistische Wiedergabe des Waldbodens im emblematischen und symbolischen Zusammenspiel von Pflanzen und Tieren die Mahnung, das rechte Maß im Verhalten zu wahren, um das Seelenheil zu gewinnen , wie Warncke 1987, S. 236 ff., gezeigt hat. -

Fotograf*in: K.A. Haase / Rechtewahrnehmung: Georg-August-Universität Göttingen, Kunstgesch. Seminar und Kunstsammlung der Universität

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Location
Georg-August-Universität Göttingen / Kunstgesch. Seminar und Kunstsammlung der Universität, Göttingen
Inventory number
GG 048
Measurements
Höhe: 58 cm (ohne Rahmen)
Breite: 45,5 cm
Material/Technique
Leinwand; Ölmalerei
Inscription/Labeling
Gravur: OTTO Marseus 12.7.1667. (unten rechts)

Related object and literature
Literatur in Zusammenhang: Carsten-Peter Warncke, Sprechende Bilder - sichtbare Worte. Das Bildverständnis in der frühen Neuzeit. Wiesbaden 1987, S. 236 ff. ( Wolfenbütteler Forschungen, 33).
Literatur in Zusammenhang: Kunstsammlung der Universität Göttingen, Katalog der Gemälde (Manuskript, begonnen 1887 durch K. Lange), Nr. 35.
Literatur in Zusammenhang: Gemählde Sammlung des Herrn Ober Appellations Secretair Zschorn in Zelle, in: Annalen der Braunschweig Lüneburgischen Churlande, III. Jahrgang, 2. Stück. Hannover 1789,S. 324 ff., Nr. 3.
Literatur in Zusammenhang: Gustav Parthey, Deutscher Bildersaal, Bd. 2, S. 82, Nr. 29.
Literatur in Zusammenhang: Kunstsammlung der Universität Göttingen. Die niederländischen Gemälde, mit einem Verzeichnis der Bilder anderer Schulen. Bearbeitet von Gerd Unverfehrt. Göttingen: Kunstsammlung der Universität 1987, Nr. 50.
Literatur in Zusammenhang: Emil Waldmann, Provisorischer Führer durch die Gemälde-Sammlung der Universität Göttingen. Göttingen 1905, Nr.88.
Literatur in Zusammenhang: Verzeichnis einer Gemählde Sammlung von berühmten mehrenteils Niederländischen Meistern, welche dem Königlichen und Chur Braunschweigischen Rath Johann Wilhelm Zschorn in Celle zugehöret (Manuskript, begonnen 1789), Nr. 6 (Otto Marseus).
Literatur in Zusammenhang: Johann Dominicus Fiorillo, Geschichte der zeichnenden Künste in Deutschland und den vereinigten Niederlanden, Bd. 3. Hannover 1818, S. 52.
Literatur in Zusammenhang: Niederländische Gemälde aus der Kunstsammlung der Universität Göttingen. Bearbeitet von G. Unverfehrt. Ausstellung Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig 1983, Nr. 25.
Literatur in Zusammenhang: Ulrich Thieme/Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Bd. 24, S. 140.
Literatur in Zusammenhang: Wolfgang Stechow, Katalog der Gemäldesammlung der Universität Göttingen. Göttingen 1926, Nr. 110.
Literatur in Zusammenhang: Arnold Houbraken, De groote Schouburgh der Nederlandsche Konstschilders en Schilderessen, Bd. 1. Amsterdam 1753, S. 358.
Literatur in Zusammenhang: B. Beier, 'Contre-Epreuves' in der barocken Stillebenmalerei, in: Maltechnik, Heft 1/1987, S 38.
Literatur in Zusammenhang: Beschreibung der Gemählde-Sammlung der Universität zu Göttingen. Von Johann Dominicus Fiorillo. Göttingen 1805, S. 30, Nr. 19.
Literatur in Zusammenhang: Niederländische Gemälde und Zeichnungen des 17. Jahrhunderts aus der Kunstsammlung der Universität Göttingen. Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund 1984, S. 11.

Classification
painting (Oberbegriffsdatei)
Subject (what)
Stilleben mit verwandten Gegenständen
Pflanzen und Kräuter
Reptilien
niedere Tiere

Event
Entstehung
(who)
(when)
12. Juli 1667

Last update
24.04.2025, 12:58 PM CEST

Data provider

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Object type

  • Malerei

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Time of origin

  • 12. Juli 1667

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