Bestand

Landgericht Heidelberg (mit Vorprovenienzen) (Bestand)

Inhalt und Bewertung

Zivilprozessakten (v.a. Forderungen, Ehescheidungen, Anfechtung der Ehelichkeit, Unterhalt, Grundstücks- und Pachtangelegenheiten); Strafprozessakten; General -und Sammelakten; vereinzelte Vorakten des Kreis- und Hofgerichts bzw. Landgerichts Mannheim sowie des Landgerichts Karlsruhe.

Zur Geschichte des Landgerichts Heidelberg: Das Landgericht Heidelberg ist das jüngste Landgericht im heutigen Zuständigkeitsbereich des Generallandesarchivs Karlsruhe. Durch das erste Organisationsedikt vom 4. Februar 1803 wurden in Baden Hofgerichte als mittlere Stufe der Zivil- und Strafgerichtsbarkeit eingerichtet. Die untere Stufe bildeten die Ämter bzw. Amtsrevisorate (ab 1.9.1857 die Amtsgerichte), die oberste Instanz das Oberhofgericht (seit 1879 Oberlandesgericht). 1864 wurde das Großherzogtum Baden in elf Kreise eingeteilt. Für jeden Kreis wurde als Gericht der Mittelstufe ein Kreisgericht gebildet. Fünf dieser elf Kreisgerichte erhielten die Funktion von Berufungsgerichten und den Namen "Kreis- und Hofgericht". Heidelberg wurde 1864 Sitz eines Kreisgerichts, dessen Bezirk die Amtsgerichte Eppingen, Heidelberg, Neckargemünd, Neckarbischofsheim, Sinsheim und Wiesloch umfasste. 1872 wurde das Kreisgericht Heidelberg schon wieder aufgelöst und sein Zuständigkeitsgebiet dem Kreis- und Hofgericht (ab 1879 Landgericht) Mannheim zugeteilt, zu dem es bis 1864 bereits gehört hatte. Durch Gesetz vom 17. März 1898 wurde das auf Drängen von Stadt und Universität Heidelberg rückgängig gemacht und Heidelberg wurde wieder Sitz einer mittleren Justizinstanz. Das neue Landgericht Heidelberg nahm zum 1. Mai 1899 seine Tätigkeit auf. Zum Bezirk des Landgerichts Heidelberg gehörten zunächst die Amtsgerichte Heidelberg, Eberbach, Eppingen, Neckarbischofsheim, Sinsheim und Wiesloch. In den 1970er Jahren wurden die Amtsgerichte Eberbach und Neckarbischofsheim aufgelöst, ihre ehemaligen Bezirke blieben aber im Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Heidelberg. Auch das Amtsgericht Eppingen wurde geschlossen, sein Bezirk kam jedoch zum Amtsgericht Heilbronn und damit zum Landgerichtsbezirk Heilbronn, welches wiederum zum Gebiet des Oberlandesgerichts Stuttgart zählt. Heute (2017) gehören zum Sprengel des Landgerichts Heidelberg nur noch die gegenüber dem Stand von 1899 vergrößerten Amtsgerichtsbezirke Heidelberg, Sinsheim und Wiesloch.

Erschließung, Konversion: Das Landgericht Heidelberg lieferte erstmals im Jahr 1911 wenige Akten an das Generallandesarchiv Karlsruhe ab, die vom ehemaligen Kreis- und Hofgericht Mannheim, aus dessen Bezirk es ausgegliedert worden war, dorthin gelangt waren (heutige Bestellnummern 1 bis 9). Die nächste Akteneinlieferung erfolgten erst wieder im Jahr 1961 (Nr. 10 bis Nr. 2157). Dem so gebildeten "Grundbestand" 242 wurden vor allem 1978 und 1981 kleinere Neuzugänge angegliedert; weitere Einzelakten aus heute nicht mehr rekonstruierbaren Zugängen folgten (Nr. 2158 bis Nr. 2269). Die Akten wurden durch eine Zettelkartei erschlossen, in die aber die Zivilprozessakten der Zugänge von 1961 nur unvollständig eingearbeitet waren. Hierfür war ergänzend ein maschinenschriftliches Einlieferungsverzeichnis zu benutzen. Im Jahr 2015 wurden die Zettelkartei und das Einlieferungsverzeichnis konvertiert. Dabei wurde ein weiterer kleiner Aktenzugang (242 Zugang 1996-12) aus nur sechs Akten, der strukturell gut in den Grundbestand 242 passte, integriert (Bestellnummern 2270 bis 2275). Viele der alten Titelaufnahmen der Kartei und des Einlieferungsverzeichnisses enthielten keine Laufzeitangaben. Es handelt sich hierbei ausschließlich um Akten zu Ehescheidungen, Eheanfechtungen und Herstellung des ehelichen Lebens mit Laufzeit ab ca. 1917 bis 1930 mit deutlichem Schwerpunkt auf den 1920er Jahren. Weil es sich um eine homogene Aktengruppe mit einer eingrenzbaren Laufzeit handelt, wurde bei der Konversion darauf verzichtet, diese Laufzeiten anhand der Akten exakt zu erheben. Im Gegensatz zu den übrigen Landgerichtsbeständen im Generallandesarchiv enthält Bestand 242 so gut wie keine Vorprovenienzen mit Laufzeitende vor 1899 und das auch nur mit kurzen Vorlaufzeiten, nämlich nur: - Bestellnummern 1 bis 9: Kreis- und Hofgericht Mannheim (1868-1879); - Bestellnummern 553, 1824-1827, 1855-1857 Landgericht Mannheim (1880-1898); - Bestellnummer 1828: Landgericht Karlsruhe (1889). Diese Akten betreffen mit einer Ausnahme zweitinstanzliche Zivilverfahren bzw. Strafverfahren aus dem Amtsgerichtsbezirk Heidelberg, was die Abgabe an das Kreisgericht bzw. Landgericht Heidelberg erklärt. Die einzige Vorakte des Landgerichts Karlsruhe betrifft ein Revisionsverfahren des Amtsgerichts Eppingen, das nach 1899 vom Landgerichtsbezirk Karlsruhe zum Landgerichtsbezirk Heidelberg wechselte. Wie bei den übrigen Grundbeständen der Gerichte, deren Findmittel konvertiert wurden, wurde auch hier eine pragmatische Lösung favorisiert, auf ein Herauslösen und Umsignieren der Akten verzichtet und deren Herkunft stattdessen durch die Gliederung des neuen Findmittels nachgewiesen. Die Konversion der alten Findmittel besorgten 2015 Frau Marion Kandetzki und Frau Sandra Schleinitz, die Redaktionsarbeiten erledigte im Jahr 2017 der Unterzeichnete. Karlsruhe, im September 2017 Dr. Martin Stingl

Literaturhinweise: Dücker, Hans-Gerd von: Über 100 Jahre Landgericht Heidelberg. In: Werner Münchbach (Hrsg.): Festschrift 200 Jahre Badisches Oberhofgericht - Oberlandesgericht Karlsruhe. Heidelberg 2003, S. 345-362. Stiefel, Karl: Baden 1648-1952. Karlsruhe 2001, Bd. I, S. 140-153, und Bd. II, S. 890-898.

Reference number of holding
Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 242
Extent
2275 Akten

Context
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Neuere Bestände (vornehmlich ab ca. 1800) >> Justiz >> Landgerichte (mit Kreis- und Hofgerichten) >> Heidelberg

Date of creation of holding
1868-1970

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Last update
03.04.2025, 11:03 AM CEST

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Object type

  • Bestand

Time of origin

  • 1868-1970

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