Thema des Monats: Fälschungen als Kulturgut

Vor kurzem wurde an den 30. Jahrestag der Entlarvung der Hitlertagebücher als Fälschung erinnert. Fälschungen sind sicher nicht das erste, was einem in dem Sinn kommt, wenn man an Geschichte und Kultur denkt, und doch haben sie immer wieder auch eine wichtige geschichtstragende Rolle gespielt, ging doch die Entlarvung von Fälschungen nicht immer so schnell, wie im Falle der Hitlertagebücher.

Gerade bei Urkunden dauerte es oft Jahrhunderte bis diese als Fälschungen erkannt wurden. Insbesondere das Mittelalter gilt als Hochzeit der Urkundenfälschung. So geht die Forschung davon aus, dass etwa von den erhaltenen Urkundentexten des Frühmittelalters bis zu 50 Prozent gefälscht sind, wobei die Beweggründe meist das „Nachweisen“ von Besitzrechten, Freiheiten oder Privilegien waren. 

Man muss allerdings beim Begriff des mittelalterlichen „Urkundenfälschers" differenzieren, reichte das Spektrum doch von der „ehrenwerten“ Rekonstruktion verlorengegangener Texte über die Aktualisierung in neuen Formen, bis hin zur bewussten Fälschung im modernen Sinn.

Auch die Fälschungsarten waren vielfältig: Von einer Datumsfälschung bis hin zu großflächigen Radierungen ganzer Pergamente reichte die Palette, welche sich dabei auch Elemente echter Urkunden, wie etwa des Siegels, bediente.

 

Urkunde aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg

Für den Laien sind diese Urkunden daher meist nicht als Fälschungen erkennbar. Dem Fachmann bieten aber neben der inhaltlichen Analyse auch formale Anhaltspunkte wie das Format des Pergaments, die Anbringungsart des Siegels oder die Schriftuntersuchung Hinweise zur Echtheit. Im Fall der oben abgebildeten aus dem Landesarchiv Baden Württemberg ist es etwa die Datierung, welche verräterisch ist. So war Konrad I. zum Ausstellungszeitpunkt der Urkunde noch gar nicht König des Heiligen Römischen Reiches.

Die Suche nach Fälschungen  in der Datenbank der DDB liefert aber auch abgesehen von Urkunden ein breites Sammelsurium an unterschiedlichen Objekten. Seien es Münz- oder Geldfälschungen oder eben auch Fälschungen von Kulturgegenständen, wie etwa die „Göttin mit dem Perlenturban“. Ein „Kunstwerk“, das in den 1980er Jahren - vor der Entdeckung der Fälschung - sogar eine 60 Pfennig-Briefmarke zierte.

Daher ist festzuhalten: Auch Fälschungen sind wichtiges Kulturgut. Was und weshalb gefälscht wurde sagt an sich viel über die jeweilige Zeit aus. Wagen Sie einen Blick und finden Sie beim Durchstöbern der DDB noch das eine oder andere spannende Objekt.

Quelle: http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/53945/Alles-gef%E4lscht_Vollversion.pdf