Großer Bedarf bei Kultur- und Wissenseinrichtungen nach zielgerichteter Digitalisierungsförderung

Von Astrid B. Müller (Kommunikation, Presse, Marketing)

Mit dem Projekt »Nutzerorientierte Neustrukturierung der Deutschen Digitalen Bibliothek«, das Teil der Datenstrategie der Bundesregierung ist, stehen für Kultur- und Wissenseinrichtungen mehr als 2 Millionen Euro für Digitalisierungsprojekte zur Verfügung. Das ist circa die Hälfte des von der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen von NEUSTART KULTUR geförderten Projektes der Deutschen Digitalen Bibliothek mit einem Gesamtvolumen von 5,5 Millionen Euro.

Überzeichnung des Förderprogrammes – riesiger Bedarf bei Kultureinrichtungen

Dass die zur Verfügung stehenden Mittel für Digitalisierungsvorhaben den Bedarf der Kultur- und Wissenseinrichtungen nur zu einem geringen Teil decken können, zeigt die beeindruckende Nachfrage, die die Deutsche Digitale Bibliothek seit Eröffnung des Antragsverfahrens am 25. Februar 2021 erreicht hat: noch am selben Tag hatte das Förderprogramm eine Zeichnungshöhe von 12 Millionen Euro von über 270 Anträgen erreicht. Die Deutsche Digitale Bibliothek hat die Möglichkeit einen Antrag zu stellen, geschlossen, Einrichtungen haben jedoch die Möglichkeit, uns ihren Förderbedarf weiterhin mitzuteilen.

Münchener Digitalisierungszentrum Scanner
Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ): Arbeiten am Standardscanner, Bayerische Staatsbibliothek, Foto: Deutsche Digitale Bibliothek, Jürgen Keiper, 2019

Anträge zeigen das breite Spektrum der Einrichtungen und die Vielfalt des kulturellen Erbes in Deutschland

Wie umfangreich, überraschend und spannend die Schätze der Kultur- und Wissenseinrichtungen sind, zeigt – ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit – ein erster Blick auf die eingegangenen Anträge zur Digitalisierungsförderung: Staatliche Archive, Archive kirchlicher Einrichtungen, Firmenarchive, Bestände von Landesmuseen, audiovisuelles Material und filmhistorische Sammlungen aus Film-, Medienarchiven und –stiftungen oder Filmforschungsinstitutionen, Audiomaterial musikhistorischer Einrichtungen, Bestände archäologischer Institute, von Bibliotheks- und Stadtarchiven, Sammlungen von Kunsthallen und -museen, Staats- und Landesbibliotheken, Kunst- und Forschungsbibliotheken, Kreismuseen, Universitäten und Forschungsinstituten, Städtischen Museen und Regionalmuseen, Genossenschaftliche getragene Institutionen, Material zur Handwerks- und Bergbaugeschichte, zur Kirchengeschichte, naturkundliche Sammlungen zu Flora und Fauna, Stadtbezirkssammlungen, Bestände zur Kultur- und Agrargeschichte, fotografische Bestände, Sammlungen der Industrie- und Produktionsgeschichte, Frühgeschichte, Alltagsgeschichte, Materialforschung und Numismatik, Künstlernachlässe und Vieles, sehr Vieles mehr.

Kurz: wir sind überwältigt von der schier unfassbaren Vielfalt der Bestände und bedanken uns bei allen Einrichtungen, die uns mit ihrem Antrag ihr Vertrauen entgegengebracht haben!

Digitalisierung gehört zum Selbstverständnis von immer mehr Kultureinrichtungen

Die überragende Resonanz zeigt einerseits, wie groß der Bedarf bei den Kultur- und Wissenseinrichtungen an Mitteln für Digitalisierungsprojekte geworden ist: Während in der Anfangszeit ihres Bestehens die Deutsche Digitale Bibliothek durchaus noch Überzeugungsarbeit für die Digitalisierung und die damit einhergehende Zugänglichmachung der Sammlungsbestände über das Internet geleistet hat, hat sich die Strategie und das Selbstverständnis der Kultureinrichtungen in der Vergangenheit deutlich verändert: für immer mehr Institutionen ist die Digitalisierung ihrer Bestände eine wichtige Aufgabe, um ihre Sammlungen zugänglich zu machen. Gleichzeitig wird an der Rückmeldung zum Förderprogramm deutlich, dass gerade kleinere Einrichtungen, deren finanzielle und Personal- Ressourcen bekanntlich beschränkt sind, die Digitalisierung zunehmend als Chance begreifen, sich und das von ihnen bewahrte Kulturerbe einem weiteren Publikum bekannt zu machen.

Die Deutsche Digitale Bibliothek hat mit der Servicestelle und den deutschlandweit an unterschiedlichen Institutionen beheimateten dezentralen Fachstellen, die spartenspezifische Beratung und Unterstützung für Teilnahme an der Deutschen Digitalen Bibliothek leisten, Prozesse und Strukturen geschaffen, die es insbesondere auch kleineren Einrichtungen ermöglicht, im Spektrum des digital verfügbaren Angebotes besser sichtbar zu werden.

Denn dieses wichtige Anliegen bestimmt die DNA der Deutschen Digitalen Bibliothek seit ihrer Gründung: das Kulturerbe aller Kultursparten und –einrichtungen so breit und offen wie möglich dauerhaft zugänglich zu machen – kostenlos für Nutzer*innen, ohne Registrierung, werbefrei und wissenschaftlich fundiert – und damit das breite, vielfältige und reiche Kulturerbe Deutschlands sichtbar zu machen.

Spielzeugdepot Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf
Blick ins Spielzeugdepot, Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf, Foto: Deutsche Digitale Bibliothek, Jürgen Keiper, 2019

Wie geht es weiter?

Wir freuen uns sehr über die außerordentlich positive Resonanz der Kultur- und Wissenseinrichtungen, die wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln direkt bei der Digitalisierung ihrer Bestände unterstützen können und bedanken uns bei der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM), die im Rahmen von NEUSTART KULTUR unser Projekt zur »Nutzerorientierte Neustrukturierung der Deutschen Digitalen Bibliothek« fördert und bei dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv) für die Durchführung des Förderverfahrens.

Aufgrund der Überzeichnung des Förderprogrammes wurde das Antragsverfahren bereits wieder geschlossen.

Eingegangene Anträge werden formal und inhaltlich entsprechend der Fördergrundsätze in der Reihenfolge des Eingangs begutachtet und die antragstellenden Einrichtungen so schnell wie möglich über das Ergebnis informiert. Antragstellende Einrichtungen, die aufgrund der Überzeichnung des Förderprojektes nicht berücksichtigt werden können, werden ebenfalls informiert. Wir bitten alle Einrichtungen, die einen Antrag eingereicht haben, um Verständnis und von Rückfragen abzusehen.

Einrichtungen, die sich bereits in der Bearbeitung ihres Antrags befinden, können ihren Antrag über den ihnen bereits zur Verfügung stehenden Zugangs-Link weiterhin aufrufen und absenden.

Außerdem besteht für Einrichtungen, die noch keinen Antrag gestellt haben, die Möglichkeit, ihren Förderbedarf für Digitalisierungsprojekte über das dafür zur Verfügung stehenden Formular mitzuteilen. Ihre Angaben sind eine weitere hilfreiche Information für uns zur Einschätzung des Förderbedarfes.

Und schließlich

Die Deutsche Digitale Bibliothek wird sich weiterhin für die Förderung von Digitalisierungsprojekten und die Zurverfügungstellung von Mitteln einsetzen. Sollte eine Antragstellung gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt wieder möglich werden, werden wir darüber über unsere Kommunikationskanäle informieren.

Wir freuen uns schon jetzt auf die schönen, überraschenden und neuen Bestände, die durch das Förderprogramm digitalisiert und zugänglich gemacht werden und auf viele neue Datenpartner, die das Portal der Deutschen Digitalen Bibliothek zukünftig bereichern werden!

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