Navigation in der sich wandelnden Behandlungslandschaft des Multiplen Myeloms: Dezidierte Analyse der applizierten Chemotherapien von 287 am Universitätsklinikum Freiburg behandelten Multiplen Myelom Patienten

Abstract: Die Therapie des Multiplen Myeloms (MM) hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert, vor allem durch die Implementierung neuer Substanzen, sog. Novel Agents (NA). Die zunehmende Komplexität der Behandlungsmöglichkeiten fordert eine Orientierung anhand standardisierter Chemotherapie-(CTx)-Protokolle, die Entwicklung neuer Therapieempfehlungen und die Auswertung der Anwendung dieser Substanzen. Oft wird die CTx-Applikation innerhalb klinischer Studien ausgewertet, welche aufgrund von engen Einschluss-/Ausschlusskriterien nur eine Minderheit von MM-Patienten einschließen. Ziel dieser Arbeit war es, „real world data“ über die Therapieveränderungen von 287 konsekutiven MM-Patienten zu generieren, welche 2014/15 am UKF behandelt wurden.

Die Patientenkohorte wurde mittels Daten der Krankenhausapotheke und Tumorbasisdokumentation definiert. Patientencharakteristika und CTx-Applikationen wurden durch die elektronische Patientenakte, die Tumorbasisdokumentation und das elektronische CTx-Bestellsystem übermittelt. Veränderungen in der Applikation von CTx wurden für die Jahre 2005-12 und 2013-17 für die 1. bis 3. Therapielinie erhoben. Zusätzlich wurde der Evidenzgrad therapeutischer Entscheidungen von Patienten, die 2010-15 (n=229) behandelt worden waren, bestimmt.

Die ausgewertete MM-Patientenkohorte repräsentierte ein typisches MM-Patientenklientel mit fortgeschrittenem Alter (Median: 63 Jahre) und Myelomstadium (International Staging System-ISS)-Klassifikation: II/III: 28%/33%). Die Analyse der Therapieveränderungen über die Jahre (2005-12/2013-17) ergab eine deutliche Prädominanz in der Nutzung von NA (1. Linie: 88%/99%, 2. Linie: 86%/98%, 3. Linie: 86%/97%), während die Administration von konventioneller CTx kontinuierlich abnahm (1. Linie: 12%→1%, 2. Linie: 18%→2%, 3. Linie: 14%→3%). Bortezomib stellte die führende Substanz in der Induktionstherapie dar (1. Linie: 72%, 2. Linie: 41%, 3. Linie: 40%) und Lenalidomid wurde insbesondere in der Erhaltungstherapie (50%) und in der ambulanten Behandlung angewendet. Durch die Implementierung des CCCF MM-Tumorboards 2012 konnte die Anzahl der Studienpatienten auf 33% gesteigert werden. Das Evidenzlevel therapeutischer Entscheidungen nach Grad 1A/1B lag bei 84% und bestätigte vorherige Analysen (Engelhardt et al., 2017b).

Die vorliegende Analyse verifizierte den durch Warren et al. postulierten Paradigmenwechsel von konventioneller CTx zu NA (Warren et al., 2013). Der kontinuierliche Wandel der Behandlungsmöglichkeiten des MM unterstreicht die Bedeutung dieser Daten, um MM-Patienten auch außerhalb klinischer Studien optimal, modern und effektiv behandeln zu können. Diese Daten wurden 3/2018 im Journal „Leukemia & Lymphoma“ publiziert (Gengenbach et al., 2018). Die Zukunft tertiärer MM-Zentren könnte die automatisch generierte Auswertung von „real-world data“ zur präzisen Darstellung der Behandlung und zur Entwicklung optimierter Therapiesequenzen zum Ziel haben

Location
Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt am Main
Extent
Online-Ressource
Language
Deutsch
Notes
Universität Freiburg, Dissertation, 2019

Keyword
Universitätsklinikum Freiburg
Plasmozytom
Chemotherapie
Patient
Melphalan
Lenalidomid
Plasmozytom
Chemotherapie

Event
Veröffentlichung
(where)
Freiburg
(who)
Universität
(when)
2019
Creator
Contributor

DOI
10.1080/10428194.2018.1448084
URN
urn:nbn:de:bsz:25-freidok-1507367
Rights
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Last update
14.08.2025, 10:47 AM CEST

Data provider

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Time of origin

  • 2019

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