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200 Unterlagen zur Reaktorsicherheitsforschung (u.a. Forschungsvorhaben Komponentensicherheit – FKS) der Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart (Bestand)

Kontext:
Universitätsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> 7. Zentrale Einrichtungen
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Bestandsbeschreibung:
Universitätsarchiv Stuttgart

Findbuch zum Bestand
200Unterlagen zur Reaktorsicherheitsforschung(u.a. Forschungsvorhaben Komponentensicherheit –FKS)der Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart

Bearbeitet von
Dr. Volker Ziegler
Unter Mitarbeit von
Anna Bittigkoffer, Stefanie Hengel, Simone Wittmann,
Rolf Peter Menger, Norbert Becker
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
[DFG-LOGO]

Stuttgart 2015
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Abriss
2.1 Von der Entdeckung der Radioaktivität (1896) bis zum Einsatz der Atombombe gegen Japan (1945)
2.2 Vom Kriegsende bis zur staatlichen Souveränität der Bundesrepublik Deutschland (1945-1955)
2.3 Vom Einstieg in die friedliche Nutzung der Kernenergie bis zur MPA-Studie (1955-1970)
2.4 Ölpreisschock (1973) und Ausbau der Kernenergie
2.5 Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (1986)
2.6 Von der Bundestagswahl 1998 und dem Atomausstieg der rot-grünen Koalition (2002) bis Fukushima (2011)
3. Bestand
3.1 Bestandsbeschreibung
3.2 Überlieferungsdichte
3.3 Bestandsbildung
3.4 Das Forschungsvorhaben Komponentensicherheit (FKS)
4. Literatur
5. Hinweise auf weitere Archivbestände
6. Benutzerhinweise


1. Einleitung

Die Akten des Bestands zur Reaktorsicherheit wurden dem Universitätsarchiv Stuttgart im Mai 2012 von der Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart zur Erschließung übergeben.
Der Bestand 200 umfasst 3601 Verzeichnungseinheiten (ca. 175-179 Regalmeter unverpackt) mit Schriftstücken aus der Zeit zwischen 1933 und 2009 und wurde im Rahmen eines DFG-Projekts (Förderprogamm LIS / Erschließung und Digitalisierung handschriftlicher und gedruckter Überlieferung) in den Jahren 2012 bis 2015 von Herrn Dr. Volker Ziegler mit Hilfe der Mitarbeiter Anna Bittigkoffer, Stefanie Hengel, Rolf Peter Menger, Simone Wittmann und Norbert Becker verzeichnet.

Hinweise zur Nutzung der Unterlagen
Für die Nutzung der Unterlagen gelten die Bestimmungen des Landesarchivgesetzes Baden-Württemberg, die Umweltinformationsgesetze der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Baden-Württemberg und die Benutzungsordnung des Universitätsarchivs Stuttgart.

2. Historischer Abriss2. Die Staatliche Materialprüfungsanstalt an der Universität Stuttgart und die Reaktorsicherheitsforschung [1]
2.1 Von der Entdeckung der Radioaktivität (1896) bis zum Einsatz der Atombombe gegen Japan (1945)
Mit der Entdeckung der Radioaktivität im Jahr 1896 durch Henri Becquerel trat die Erforschung des Aufbaus der Materie in eine entscheidende Stufe der Entwicklung ein. Marie Curie konnte diese Strahlung als Eigenschaft des Urans nachweisen. Intensive Forschungsarbeiten führten zur Entdeckung neuer Teilchen und zur Aufstellung neuer Atommodelle. 1938 gelang Otto Hahn und Fritz Straßmann die Spaltung des Uranatomkerns, dessen Zerfall von einer ungeheuren Energieentwicklung begleitet wird. Diese Entdeckung fand in einem sehr fragilen politischen Umfeld mitten in Europa statt. Schon ein Jahr später brach der Zweite Weltkrieg aus. Führende aus Deutschland und dem von ihm bedrohten Europa emigrierte Naturwissenschaftler brachten die amerikanische Regierung dazu, Atomwaffen zu entwickeln. Dazu gehörte auch der Bau von Atomreaktoren, welche für die Produktion des Kernsprengstoffs Plutonium benötigt wurden. Die Atombomben wurden jedoch nicht auf Deutschland abgeworfen, sondern trafen Japan und beendeten den Zweiten Weltkrieg.
2.2 Vom Kriegsende bis zur staatlichen Souveränität der Bundesrepublik Deutschland (1945-1955)
Als das nationalsozialistische Deutschland militärisch geschlagen war, brach die Koalition der alliierten Sieger USA, Großbritannien, Frankreich und UdSSR schnell auseinander. Der Kalte Krieg begann, die Demarkationslinie zwischen der westlichen und östlichen Welt verlief mitten durch das geteilte Deutschland.
Schon nach wenigen Jahren verloren die USA ihr Atomwaffenmonopol an die UdSSR (1949) und an Großbritannien (1952). Am 20. Januar 1953 trat Dwight D. Eisenhower das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika an, am 5. März 1953 starb Josef Stalin. Eisenhower nutzte die Gelegenheit für eine amerikanische Initiative: In seiner Rede „Chance for Peace“vom 16.4.1953 warnte er vor den Kosten eines Wettrüstens mit der Sowjetunion und in einer weiteren Rede am 8.12.1953, „Atoms for Peace“, vor der UN-Vollversammlung rief er zur friedlichen Nutzung der Kernenergie auf. [2] Es sollte eine Atomenergieagentur unter dem Dach der Vereinten Nationen gegründet werden, welche Verfahren finden sollte, das spaltbare Material zum Wohle der Menschheit anstatt zu ihrer Zerstörung einzusetzen. Darunter nannte er auch konkret die Erzeugung von elektrischer Energie in Gebieten mit Energiemangel. 1955 fand dann die erste Atomkonferenz in Genf statt, die eine Atomeuphorie auslöste.
1955 erlangte die Bundesrepublik ihre staatliche Souveränität. Das war der offizielle Startschuss für die Beschäftigung mit der „friedlichen Nutzung der Atomenergie“. Auf Bundesebene wurde ein Bundesministerium für Atomfragen unter Franz Josef Strauß geschaffen. Als beratendes Organ des Ministeriums wurde die Deutsche Atomkommission gegründet. Auch die Bundesländer waren aktiv und interessierten sich für Forschungsreaktoren. Es wurde ein Länderausschuss Atomenergie eingerichtet, auf Landesebene für Baden-Württemberg der Beirat für Kernenergie.
In der Deutschen Atomkommission war zu Beginn kein Vertreter der deutschen Materialprüfung vertreten. [3] Es gibt auch keine Hinweise im vorliegenden Bestand, dass sich die Staatliche Materialprüfungsanstalt Stuttgart in dieser Anfangszeit mit „Atomfragen“beschäftigt hätte.
In Stuttgart war am Institut für Physik seit den 1930er Jahren über die Höhen- und Ultrastrahlung geforscht worden, doch Erwin Schopper, Schüler des Stuttgarter Physikers Erich Regener, verließ die TH Stuttgart im Jahr 1956 nach Frankfurt, um dort ein Institut für Kernphysik aufzubauen. Allerdings bildete sich 1955 an der TH Stuttgart eine Arbeitsgruppe für Kerntechnik und 1956 die Abteilung Reaktorphysik am Institut für Theoretische und Angewandte Physik, aus der dann 1963 unter Prof. Höcker der Lehrstuhl und das Institut für Kernenergetik hervorgingen. [4]
2.3 Vom Einstieg in die friedliche Nutzung der Kernenergie bis zur MPA-Studie (1955-1970)
Bei Wolfgang D. Müller findet man die Aussage, dass es in Deutschland nicht zu einem Bau eines Materials Testing Reactor (MTR)gekommen sei. Er führt aus, dass darüber zwar in Deutschland in den 1950er Jahren gesprochen worden sei und auch Pläne dazu gemacht worden wären, realisiert habe man den Reaktor aber nicht. Die ausstehenden Materialbestrahlungen seien in ausländischen Materialprüfreaktoren durchgeführt worden, am Anfang vor allem in den USA. [5]
Paul Laufs führt in seiner Dissertation „Die Entwicklung der Sicherheitstechnik für Kernkraftwerke im politischen und technischen Umfeld der Bundesrepublik Deutschland seit dem Jahr 1955“aus, dass die ersten Kernkraftwerke in der Bundesrepublik nach USA-Lizenzen gebaut worden seien: „In dem Maße, in dem die deutsche Industrie und Wissenschaft eigene Wege beschritt, mussten dabei auftretende sicherheitstechnische Fragestellungen auch in Deutschland geklärt und abgearbeitet werden.“[6]
Das früheste Schriftgut in Zusammenhang mit der Atomkraft im vorliegenden Archivbestand datiert aus dem Jahr 1958. Darin befinden sich Broschüren und Unterlagen zu Informationsveranstaltungen, darunter auch eine Informationsbroschüre im Zusammenhang mit der Expo 1958 in Brüssel, der ersten Weltausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Schwerpunkten Raumfahrt und Atomkraft.[7]
Die Reaktorsicherheitskommission (RSK) tagte zum ersten Mal am 22.5.1958. Das Ergebnisprotokoll hierzu ist im Bestand vorhanden. [8] Von der Staatlichen Materialprüfungsanstalt Stuttgart war aber niemand bei der ersten Sitzung in der RSK vertreten, auch Karl Wellinger nicht, der die Anstalt in der Zeit von 1957 bis 1961 kommissarisch leitete. Sein Vorgänger Erich Siebel war 1957 emeritiert worden. [9]
Die MPA scheint erst in den 1960er Jahren an Aufträge im Bereich der Reaktorsicherheit gekommen zu sein. Sie wurde seit Mitte bis Ende der 1960er Jahre von der britischen UKAEA (United Kingdom Atomic Energy Authority) in Risley eingeschaltet. Auch das Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung erteilte an die MPA Aufträge. [10] Diese Angabe bei Laufs wird auch durch den Bestand belegt. [11] Die Forschungen der MPA scheinen aber einige Jahre früher (ca. 1962/1963) begonnen zu haben. [12] Im vorliegenden Bestand ist ein Forschungsbericht, der ja sicherlich erst am Schluss eines Projekts erstellt wurde, aus dem Jahr 1966 mit dem Titel „Festigkeitsverhalten von Kugelbehältern unter Innendruck - Untersuchungen durch Berstversuche“erhalten. [13] Weitere Projekte (RS 22, RS 26, RS 45) folgten, welche dann die Form des Metallhohlkörpers (Kugel, Rohr, Zylinder) und die Verwendung (Druckbehälter) differenzierten.
Karl Wellinger veröffentlichte zusammen mit M. Pröger einen Aufsatz über die „Staatliche Materialprüfungsanstalt und Lehrstuhl für Materialprüfung, Werkstoffkunde und Festigkeitslehre an der Technischen Hochschule Stuttgart“. [14] Auf Seite 4 erwähnt er die Beteiligung der MPA bei der Prüfung des Sicherheitsbehälters des ersten großen Kernkraftwerks der Bundesrepublik Deutschland in Gundremmingen. Aufgrund des Begleitschreibens vom 17.8.1966 kann diese Arbeit in das Jahr 1966 oder früher datiert werden. Das scheint aber eine reine Prüftätigkeit gewesen zu sein. [15]Der Besuch des Unterausschusses Forschung der Reaktorsicherheitskommission (1970)
Ein entscheidendes Ereignis war nach Laufs der Besuch des RSK-Unterausschusses Forschung in der MPA Stuttgart am 9. März 1970. Gegenüber namhaften Vertretern und Sachverständigen der Reaktorsicherheitskommission, des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft, des Instituts für Reaktorsicherheit, des TÜV, des Instituts für Mess- und Regelungstechnik, der Industrie und des Battelle-Instituts konnte die MPA Stuttgart ihre bisherigen Forschungsergebnisse vorstellen und Folgerungen für zukünftige Forschungsprojekte diskutieren. Die MPA konnte so eine wichtige Position innerhalb der Forschungslandschaft in der Reaktorsicherheitsforschung erringen. Sie wurde auch damit beauftragt, einen Statusbericht über den wissenschaftlich-technischen Wissensstand über alle für die Sicherheit von Reaktordruckbehältern wichtigen Einflussgrößen in der Bundesrepublik, den EWG-Staaten, England, USA und Japan zu verfassen. [16]
Die Tätigkeiten der MPA im Bereich der Kerntechnik in den Jahren zuvor scheinen mehr nach Bedarf von außen bestimmt worden zu sein. Jetzt versuchte man mit den Empfehlungen des „MPA-Statusberichts“gezielt auf die Richtung der Forschungen Einfluss zu nehmen, in dem man selbst formulierte, was man für wichtig hielt.
Im Jahr 1970 wurde der Unterausschuss Reaktordruckbehälter der Reaktorsicherheitskommission (RSK, UA RDB) gebildet, in dem die MPA vertreten war, teilweise auch den Vorsitz innehatte. Seiner Tätigkeit gingen vier Sitzungen des Ad-hoc Ausschusses Reaktordruckbehälter voraus. Die vier Kurzprotokolle vom 7.11.1969, 23.11.1969, 23.1.1970 und 4.2.1970 sind in den Ergebnisprotokollen des Ausschusses vorhanden. [17] Karl Wellinger, Direktor der MPA, war Mitglied dieses Ad-hoc-Ausschusses Reaktordruckbehälter. Im 1. Protokoll sind die Aufgaben des Ausschusses formuliert. Die Fragenkomplexe gliedern sich in: 1. Berechnung und Auslegung; 2. Werkstoffe und Herstellung; 3. Erst- und Wiederholungsprüfungen; 4. Betriebliche Einflüsse und Randbedingungen.
2.4 Ölpreisschock (1973) und Ausbau der Kernenergie
Die sozialliberale Koalition unter Helmut Schmidt nahm eine sehr positive Haltung gegenüber der Kernenergie ein. Gerade der Bundeskanzler setzte sich im Fall Brasilien persönlich für den Export deutscher Kerntechnik ein.[18] Auch für die MPA Stuttgart sind mehrere Dienstreisen Lothar Isslers nach Brasilien im Rahmen des Pronuclear-Programms für die Jahre 1978 und 1979 belegt. [19]
Gerade an diesem Beispiel sieht man aber, wie stark bei der Kerntechnik politische, militärische und wirtschaftliche Argumente zusammenhängen und wie sehr die Förderung der Kerntechnik von der Politik abhängig war. Die Amerikaner unter der Regierung Carter versuchten die weitere Verbreitung der Kerntechnik einzuschränken. Von der deutschen Seite wurde kritisiert, Carters Proliferationspolitik sei nicht stringent und es kam die Vermutung auf, dass die Amerikaner selbst das Geschäft mit Brasilien machen wollten. Helmut Schmidt ließ sich nicht beirren und setzte das Geschäft gegen den Widerstand Carters durch.
Die Reaktorsicherheitsforschung wurde als Schwerpunkt in das 4. Atomprogramm der Bundesregierung (1973-1976) aufgenommen, was ihre Bedeutung unterstreicht. Die Planung und der Bau zahlreicher großer Kernkraftwerke in Deutschland führten auch zu Diskussionen und Verunsicherungen in der Bevölkerung, welchen die Bundesregierung demonstrativ mit mehr Sicherheit begegnen wollte. [20] Im Bereich der für Reaktordruckbehälter eingesetzten Werkstoffe (gesamter Primärkreis) traten Risse auf, z.B. Unterplattierungsrisse, Nebennahtrisse etc. Diese wurden in Dringlichkeits- und Sofortprogrammen von der MPA Stuttgart untersucht.
Das Forschungsvorhaben Komponentensicherheit (FKS)
Schließlich einigte sich die Industrie mit dem Bundesminister für Forschung und Technologie über das Forschungsvorhaben Komponentensicherheit (FKS), das die MPA Stuttgart als Auftrag nehmende Institution durchführen sollte. Zentraler Gegenstand des Projekts war die Quantifizierung des Sicherheitsabstands von Komponenten des Primärkreises. Daraus leitete man Kriterien ab, aufgrund derer man den Begriff der Basissicherheit für Bauteile entwickelte: „Im Lichte des jetzt erreichten ,Standes von Wissenschaft und Technik‘, der im Begriff ,Basissicherheit‘umschrieben worden ist, gelingt es zudem, das in probabilistischen Analysen noch vom Grundsatz her zum Ausdruck kommende Risiko für ein katastrophales Versagen des Reaktordruckbehälters aufgrund der nachweisbaren Werkstoffgesetzmäßigkeiten und der klar definierten Randbedingungen nach menschlichem Ermessen deterministisch auszuschließen.“[21]
Allerdings konnte das FKS erst 1978 gestartet werden. Inzwischen waren schon einige große Kernkraftwerke gebaut worden oder befanden sich im Bau. Deshalb kann man annehmen, dass bereits Bauteile in Kernkraftwerken verbaut worden waren, die der Basissicherheit nicht genügten. Wichtig ist hier vor allem der „Schwachstellenbericht Siedewasserreaktoren Baulinie 69“unter anderen von Wolfgang Kromp. [22]
Weitere Forschungsprogramme, an denen die MPA beteiligt war, waren unter anderen das Forschungsvorhaben Großbehälter (FV-GB), das Heißdampfreaktor-Sicherheitsprogramm (HDR), das Sofortprogramm 20 MnMoNi 55, das Dringlichkeitsprogramm 22 NiMoCr 37 (RS 101), das Forschungsprogramm SR 10 und Nachfolgeprogramme und die Programme zur 12 MN-Schnellzerreißmaschine (Großproben, Großplatten, Rohrproben). [23] [24] Teilweise wurden diese Programme, z.B. das Forschungsvorhaben Komponentensicherheit und das HDR-Programm, bis in die 1990er Jahre mit mehreren aufeinanderfolgenden Phasen fortgesetzt. In den 1980er und 1990er Jahren folgten noch unter anderen das Forschungsvorhaben Rohrbogen (FV-RB), das HKL- und NKS-Programm und das Forschungsvorhaben Plattierte Behälter. [25]
Für diese zahlreichen und aufwändigen Programme mussten auch einige bauliche Veränderungen auf dem Gelände der MPA Stuttgart vorgenommen werden. Es wurde eine Komponentenprüfhalle mit einem Schacht für den Großbehälter und die großen Prüfmaschinen (100 MN-Zugprüfmaschine und 12 MN-Schnellzerreißmaschine) errichtet, die 1979 in Betrieb ging. [26] Das DTZ (Datenverarbeitungs- und Technologietransferzentrum) folgte 1984.
2.5 Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (1986)

Am 26.4.1986 kam es zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Politisch wurde dieser Vorfall unter anderem von der Bundesregierung mit der Bildung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit am 6.6.1986 beantwortet. Das Ansehen der Kerntechnik war schon seit den 1970er Jahren gesunken, seit Tschernobyl war aber eine rapide Verschlechterung in der Bundesrepublik festzustellen. Auch die deutschen Reaktorprojekte Schneller Brüter (1991) und Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (1989) wurden aufgegeben. 1989 kam das Aus für die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf. Es wurden zwar noch einige schon im Bau befindliche Kernkraftwerke nach 1986 in Betrieb genommen, aber kein neues mehr geplant.
Damit war klar, dass es keine Reaktoren der „2. Generation“in Deutschland geben würde. Folglich würde es auch keinen geschlossenen Brennstoffkreislauf und keine Plutoniumwirtschaft geben. Somit verlor die friedliche Nutzung der Kernenergie ihre Rolle als Zukunftstechnologie für die Energieversorgung in Deutschland. Jetzt wurde vermehrt von einer Übergangstechnologie gesprochen, die SPD ging mehrheitlich endgültig in das Lager der Kernkraftgegner über.
Folgen für die MPA Stuttgart
Es gab aber im Bereich der Reaktorsicherheit durchaus noch Projekte, die erst nach 1986 gestartet wurden, zum Beispiel sind alle Datensätze des Projektes Hauptkühlmittelleitung (HKL) nach 1986 datiert, ebenso die des Forschungsvorhabens Plattierte Behälter. Es sind einige Forschungsprojekte vorhanden, die sich zeitlich in mehrere Phasen gliedern. Auch hier sind Phasen nach 1986 vermehrt vorhanden und nicht nur beim HDR-Programm oder beim FKS. Insgesamt ist aber ein leichter Rückgang festzustellen.
Während im Westen die Forschungsarbeiten der MPA Stuttgart auf breite Resonanz stießen, waren die Einflüsse auf die osteuropäische Atomwirtschaft eher gering: Wenn das Aktenbild nicht trügt, wurden die eigenen wissenschaftlichen Anstrengungen der DDR-Forschung zur Sprödsicherheit und Risskontrolle erst nach dem Tschernobyl-Unfall intensiviert, wobei zwei Aspekte deutlich wurden: das Misstrauen gegen die diesbezüglichen Gutachten und bisherigen Erkenntnisse der sowjetischen Kollegen und die fehlende Bereitschaft, diese Forschung auf internationale Zusammenarbeit (außer mit Finnland) zu gründen. Eine intensivere, formelle Zusammenarbeit zwischen DDR, UdSSR und BRD im Bereich der Reaktorsicherheit entstand erst nach dem Unfall in Tschernobyl bzw. mit dem Abkommen zwischen der BRD und der DDR „über Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wissenschaft und Technik“vom 08.09.1987. [27]
Ab Mitte der 90er Jahre laufen aber die meisten Programme aus und es kam kaum mehr etwas von ministerieller Seite hinzu, das einen größerem Umfang ausmachte. Man kann zum einen annehmen, dass etliche Sachverhalte erforscht waren, und zum anderen, dass die Bereitschaft von staatlicher Seite insgesamt gesunken war, noch größere Finanzmittel in eine Technik zu stecken, der die Zukunft genommen schien.
Ob die MPA an den neuen Reaktorkonzepten wie dem Europäischen Druckwasserreaktor mitgearbeitet hat, kann durch das im Bestand befindliche Archivgut kaum belegt werden. Man hat auf jeden Fall Informationen dazu gesammelt. (Klassifikation: 5.3 European Pressurized Water Reactor (EPR)). Bei Laufs ist zu entnehmen, dass im Jahr 1998 die Gespräche auf Regierungsebene über den EPR zwischen Deutschland und Frankreich abgebrochen wurden, vielleicht eine Erklärung, warum auch die Akten im Bestand nur bis zum Jahr 1998 gehen. [28]
2.6 Von der Bundestagswahl 1998 und dem Atomausstieg der rot-grünen Koalition (2002) bis Fukushima (2011)
Das Jahr 1998 brachte den Wahlsieg der SPD und der Grünen, die eine Regierungskoalition bildeten. Umweltminister Jürgen Trittin löste die Reaktorsicherheitskommission auf und nahm durch Neuberufungen personelle Veränderungen vor. In diesem Jahr erfolgte auch die Emeritierung des Direktors der MPA Stuttgart, Karl Kußmaul. [29] 2002 folgte das Atomausstiegsgesetz.
2010 kam es unter Koalitionsregierung aus CDU und FDP zu einer Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke. Die Weiterbetreibung wurde damit gerechtfertigt, die Kerntechnik als umweltfreundliche Übergangstechnologie zu sehen, da damit im Verhältnis zu konventionellen Kraftwerken weniger Kohlendioxidemissionen verbunden seien. 2011 führten das Erdbeben und die damit verbundene Nuklearkatastrophe von Fukushima zum wahrscheinlich endgültigen Ausstieg Deutschlands aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Die Atomkraft in Deutschland muss seitdem als historisches Phänomen betrachtet werden. Es gilt, die Akten zu sichern.3. Bestand3.1 Bestandsbeschreibung
Der primäre Schwerpunkt des Bestands besteht aus den Akten des Forschungsvorhabens Komponentensicherheit (FKS) und weiterer damit im Zusammenhang stehender Projekte, die im Auftrag verschiedener Bundesministerien (Bundesministerium des Innern, Bundesministerium für Forschung und Technologie, Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, Bundesministerium für Naturschutz, Umwelt und Reaktorsicherheit) zur Integrität der Druckführenden Umschließung (DFU) von Kernkraftwerken durchgeführt wurden. [30]
Hier sind neben dem FKS, das weiter unten noch ausführlicher beschrieben werden wird, vor allem das Forschungsvorhaben Großbehälter (FV-GB), das Heißdampfreaktor-Sicherheitsprogramm (HDR), das Forschungsprogramm Reaktordruckbehälter, das Forschungsvorhaben Rohrbogen, das Sofortprogramm 20 MnMoNi 55 und das SR 10 „Zentrale Auswertung von Herstellungsfehlern und Schäden im Hinblick auf druckführende Anlageteile von Kernkraftwerken“zu nennen. [31]
Koordinierend tätig im Bereich der Forschungsprojekte war für die Bundesministerien die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS), weshalb hier ein großer schriftlicher Austausch festzustellen ist. Im Bereich der GRS war auch das Büro der Reaktorsicherheitskommission in Köln angesiedelt. Dass mit den Projekten auch ein internationaler Austausch von Informationen und Ansichten vor allem auf Reisen und Konferenzen verbunden war, versteht sich im Fall der Kernenergie aus deutscher Sicht von selbst. Die USA waren in dieser Technik führend, weshalb man an Kontakten zu Forschungseinrichtungen in den USA, aber auch nach Großbritannien und Japan interessiert war. Unterstützend tätig wurde man in den Fällen Brasilien und Indien. [32]
Die Reaktorsicherheitskommission (RSK) war seit 1958 das Beratungsgremium des für die Reaktorsicherheit zuständigen Bundesministeriums. Der Ad-hoc-Ausschuss „Reaktordruckbehälter“wurde 1969 eingerichtet, der daraus hervorgehende Unterausschuss Reaktordruckbehälter (RDB) folgte 1970. „1980 wurden die Unterausschüsse ,Reaktordruckbehälter‘und ,Kühlmittelkreisläufe‘im Ausschuss ,Druckführende Komponenten‘zusammengelegt. Ab 1980 wurden die ,Unterausschüsse‘in ,Ausschüsse‘umbenannt, und es gab zusätzlich ,Ad-hoc-Arbeitsgruppen‘und in den 1990er Jahren ,RSK-Arbeitsgruppen‘und für die Zusammenarbeit mit ausländischen Gremien ,Working Groups‘“. [33]
Die vorhandenen Sitzungsunterlagen beruhen auf der Mitgliedschaft der Direktoren der MPA Stuttgart, Karl Wellinger, Karl Kußmaul und Eberhard Roos und eventuell weiterer Mitarbeiter in der Reaktorsicherheitskommission und ihrer Ausschüsse. Als die Kerntechnik in Deutschland und in der Welt in den 1970er und 1980er Jahren ausgebaut wurde, tagte die Kommission ziemlich regelmäßig jeden Monat oder sogar öfter, ebenso ihre Ausschüsse. Es war notwendig, auf auftretende Ereignisse zeitnah reagieren zu können, weshalb die Überlieferungsdichte hier auch recht hoch ist.
Die Akten der Reaktorsicherheitskommission wurden chronologisch abgelegt, was auch für die Sitzungsunterlagen der Konferenzen und anderen Ausschüsse gilt. Diese Ordnung wurde beibehalten. [34]
Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Informationssammlungen zu kerntechnischen Anlagen, besonders der deutschen und baden-württembergischen Kernkraftwerke. Diese stehen in Zusammenhang mit Überprüfungen, die von der MPA Stuttgart oft auch als Unterauftragnehmer der Technischen Überwachungsvereine durchgeführt wurden. [35]
Prof. Kußmaul wurde zu Gerichtsverhandlungen als Gutachter hinzugezogen, ebenso wurden von ihm schriftliche Gutachten und gutachtliche Stellungnahmen angefordert. [36]
Außerdem sind auch sehr kleine Teile der Sammlungen übernommen worden, die als Informationspool für die Reaktorsicherheit dienten, etwa Schriftgut zum Rasmussen-Bericht oder zur Deutschen Risikostudie. [37] Daneben ist in den Regalen des Magazins im DTZ eine umfangreiche Ablage zu Literaturrecherchen in Form kopierter Schriften und Aufsätze vorhanden. Dieses Schriftgut wurde nicht übernommen, weil es sich dabei um Kopien von Veröffentlichungen handelt, die kein primäres Archivgut darstellen.
3.2 Überlieferungsdichte
Die Überlieferungsdichte zu den einzelnen Forschungsprojekten ist sehr unterschiedlich, am besten stellt sie sich für das Forschungsvorhaben Komponentensicherheit dar. Hier seien vor allem auf die Dokumentation, die Halbjahres- und Jahresberichte, die Akten des Lenkungsausschusses, die Akten zum Rechnungswesen und die Berichte der Konsortialpartner und Unterauftragnehmer hingewiesen.
Gerade beim FKS wird besonders deutlich, dass diese Forschungsprojekte nicht von einer Institution allein, sondern in Kooperation mit anderen Partnern aus Forschung und Industrie durchgeführt wurden, weshalb mehrere Aktenüberlieferungen zum FKS entstanden sind. Ausschlaggebend für die Überlieferungsdichte ist der unterschiedliche Grad der Verantwortlichkeit der Projektteilnehmer. Lag die Federführung bei der MPA Stuttgart, so ist mit einer anderen Überlieferungsdichte zu rechnen als wenn man wie beim HDR-Sicherheitsprogramm nur als Unterauftragnehmer eines Teilvorhabens fungierte. Die Federführung dieses Projekts lag beim Kernforschungszentrum Karlsruhe.
Im Bereich des Forschungsvorhabens Großbehälter (FV-GB) lag die Federführung und damit die Projektplanung bei der MPA Stuttgart, die Technisch-Wissenschaftlichen Berichte (TWB) wurden zum großen Teil aber vom Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren gemacht. Neben Fertigstellung, Transport und Montage des Großbehälters war es das wesentliche Ziel, eine geeignete zerstörungsfreie Prüfmethode zu entwickeln, an der das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren wesentlich beteiligt war.
Für einen Großteil der ermittelten Forschungsvorhaben ist die Menge des vorhandenen Schriftguts jedoch gering, teilweise sind nur noch die Berichte vorhanden. Man kann deshalb hier davon ausgehen, dass es zu Kassationen gekommen ist. Für die produzierte Menge an Akten spielt auch das Auftragsvolumen und die Anzahl der eingesetzten Mitarbeiter eine Rolle. Außerdem sieht man am FKS deutlich, dass durch die Vorgaben des Handbuchs zur Projektabwicklung Schriftgut entstanden ist, das bei den anderen Projekten völlig fehlt.3.3 Bestandsbildung
Das Prüfgeschäft von Werkstoffen stellt die zentrale Aufgabe der Staatlichen Materialprüfungsanstalt Stuttgart dar. Diese Tätigkeit schlug sich in gleichförmig strukturierten Akten und Karteikarten (Registratur) nieder. Die Reaktorsicherheitsforschung dagegen wurde im Rahmen großer Projekte, die von staatlichen Stellen, Verbänden und Industrieunternehmen finanziert wurden, durchgeführt.
Die MPA beschaffte sich für das Forschungsfeld Reaktorsicherheit Informationen aus allen Bereichen der Kerntechnik. Dafür wurden umfangreiche Literaturrecherchen durchgeführt und Informationen zu kerntechnischen Anlagen gesammelt. Ab dem Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts häuften sich Sitzungsunterlagen und Sitzungsprotokolle verschiedener Kommissionen und Ausschüsse an. Der internationale Informationsaustausch auf zahlreichen Konferenzen und Reisen kam hinzu. Für dieses Schriftgut der Reaktorsicherheitsforschung wurde keine Registratur angelegt. Es sammelte sich über Jahrzehnte in verschiedenen Magazinen der MPA an und verlor mit fortschreitender Benutzung seine Ordnung.
Da das Datenverarbeitungs- und Technologietransferzentrum (DTZ) erst 1984 fertig gestellt wurde, ist davon auszugehen, dass die Akten zur Reaktorsicherheitsforschung der 1960er und 1970er Jahre zuerst woanders gelagert wurden. Auch für die erste Phase des FKS dürfte das zutreffen.
Die Akten zur Reaktorsicherheitsforschung standen in den Magazinen der MPA vermischt mit Schriftgut zu anderen Forschungsprojekten. Oft waren die zum FKS gehörenden Akten nur am Registraturkürzel auf den Ordnerrücken zu erkennen und häufig musste die Zuordnung von Aktengruppen zur Reaktorsicherheitsforschung durch intensive Einsicht geprüft werden. Das bedeutete, dass der vorliegende Bestand durch umfangreiche Bewertungen erst gebildet werden musste.
Die Tatsache, dass bei vielen Projekten zur Reaktorsicherheit außerordentlich wenig Schriftgut vorhanden ist, teilweise nur die Berichte, kann damit erklärt werden, dass die zu kleinen Aktenmagazine für die Raumnot in den Büros der Sachbearbeiter sorgten und zu umfangreichen Kassationen geführt haben.
In den Bestand wurden Akten bis zum Jahr 1998 (mit einigen Ausnahmen bis 2000 und darüber hinaus) aufgenommen. Das war das Jahr der Emeritierung Karl Kußmauls und der Neubesetzung der Reaktorsicherheitskommission nach dem Wechsel der Bundesregierung.3.4 Das Forschungsvorhaben Komponentensicherheit (FKS)
Nachdem die vertraglichen Regelungen zwischen den Konsortialpartnern auf der einen Seite und dem Bundesministerium für Forschung und Technologie auf der anderen Seite abgeschlossen worden waren, konnte das Forschungsvorhaben Komponentensicherheit (FKS) am 1.9.1977 gestartet werden. [38] [39] Es gliederte sich in zwei Phasen: 1. Phase von 1977-1983 und 2. Phase von 1984-1997. Die zweite längere Phase hängt vor allem mit langfristigen Versuchen zur Erforschung von Korrosions- und Strahlenversprödungsphänomenen an den Versuchswerkstoffen zusammen. Die Forschungsergebnisse wurden in den Berichten (Klassifikationspunkt 2.18) niedergelegt.
Die Projektabwicklung des Forschungsvorhabens Komponentensicherheit (FKS) und damit auch die Aktenführung wurden aufgrund eines Handbuchs, das die Unternehmensberatung Fraser aus Essen verfasste, durchgeführt. Darin wurde festgelegt, dass eine Dokumentation mit einer Auszeichnungskartei anzulegen und wie das Berichtswesen zu führen war. Dadurch gewährleistete das Handbuch eine gewisse Kontrolle über das Schriftgut und ermöglichte das gezielte Nachfragen und Nachforschen nach bestimmten Überlieferungen, etwa nach der Auszeichnungskartei, der Dokumentation und den EDV-Listen. Für die anderen Forschungsprojekte ist ein solches Handbuch zur Projektabwicklung nicht erhalten, sehr wahrscheinlich gab es für diese so etwas nicht. [40] Für einige weitere Projekte sind allerdings Planungs- und Kalkulationsunterlagen vorhanden.
Der Benutzer sollte für den Einstieg in das FKS neben den Berichten das Fraser-Handbuch zur Projektabwicklung zur Hand nehmen. [41] Darin sind Diagramme enthalten, welche das Verständnis der Gliederung der Dokumentation wesentlich erleichtern. Diese stellt die zentrale Überlieferung für alle Sachfragen dar und ist für die Phase 1 des FKS vorhanden. Daneben sind die Akten des Lenkungsausschusses für alle organisatorischen und finanziellen Fragen und für die historische Einordnung wichtig. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Berichte für die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) und die Vorlagen für den Sachverständigenkreis Werkstoffe und Festigkeit (SK W+F) (siehe Klassifikationspunkt 6.3.3.5) verwiesen.
Abgelegt wurde das Schriftgut der Dokumentation chronologisch und dann nach dem für das FKS definierten sechsstelligen Aktenzeichen (Konto), dem noch eine GNP-Nummer für die Unterteilung der einzelnen Dokumente angehängt wurde. Die Originaldokumente erhielten ein gelbes Auszeichnungsetikett, das alle wichtigen Angaben zum jeweiligen Dokument enthält.
Im Bestand wurde dagegen die Systematisierung der Dokumentation nach dem Kontenmodell beibehalten: 1. Kostenträger, 2. Kostenstelle, 3. Chronologie.
Das ist ein Schema, das nach dem Vorbild des Rechnungswesens aufgestellt wurde und das keine inhaltlichen Informationen enthält. Das Schema ist aber wie folgt verständlich: Bei den Kostenträgern handelt es sich mehrheitlich um Werkstoffproben, mit denen dann spezifische Versuche durchgeführt wurden, zum Beispiel zerstörungsfreie Prüfungen, Simulationsversuche oder Bestrahlungsversuche. Hinzu kommen Ablaufpläne (Prüffolgepläne), welche den Durchgang einer Probe im Rahmen der Einzelvorhaben durch die entsprechenden Prüfstellen beschreiben. Die höheren Kostenträgernummern (KS 27, KS 29 und KS 30) sind jedoch nicht werkstoffbezogen, die Kostenstelle 30 enthält die Dokumentation der Projektleitung, die Kostenstelle 31 Organisation und Koordination, die Kostenstelle 32 die wissenschaftliche Projektleitung und die Kostenstelle 33 die Versuchsbetreuung.
Für den Benutzer wird es aber wichtig sein, dass er sich einen Dokumentationsordner konkret ansieht, um sich dann die richtigen Informationen aus der Dokumentation beschaffen zu können.
Es sind auch Akten zur Planung des FKS vorhanden, sowie die Rahmenvereinbarung und der Konsortialvertrag (im Handbuch zur Projektabwicklung und Universitätsarchiv Stuttgart Bestand 200/1826), der Angaben über die beteiligten Konsortialpartner aus der Industrie und deren Beteiligung an der Finanzierung enthält. In den Vorlagen für die Sitzungen des Lenkungsausschusses oder des Sachverständigenkreises Werkstoffe und Festigkeit (SK W+F) sind Angaben enthalten, welche Mittel diesen Konsortialpartnern für Aufträge, die sie im Rahmen des FKS erhielten, zur Verfügung gestellt wurden. [42]
Volker Ziegler

4. Literatur
Blind, Dieter: Staatliche Materialprüfungsanstalt an der Universität Stuttgart. Vorgeschichte –Gründung –Entwicklung –Heutiger Stand. Stuttgart 1971.
Bundesministerium für Atomfragen (Hg.): Deutsche Atomkommission, gebildet am 26. Januar 1956 auf Beschluss der Bundesregierung vom 21. Dezember 1955. Geschäftsordnung, Mitgliederverzeichnis, Organisationsplan. Bad Godesberg 1957.
Bundesministerium für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft (Hg.): Reaktor-Sicherheitskommission: Gebildet am 22. Mai 1958 durch Verfügung des Bundesministers für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft vom 30. Januar 1958. Vorw., Gründungsverfügung, Geschäftsordnung, Mitgliederverzeichnis. Bad Godesberg 1959.
Der Bundesminister für Atomkernenergie (Hg): Deutsche Atomkommission: gebildet am 26. Januar 1956 auf Beschluss der Bundesregierung vom 21. Dezember 1955; Geschäftsordnung, Mitgliederverzeichnis, Organisationsplan. Bad Godesberg 1962.
Der Bundesminister für Forschung und Technologie (Hg.): Dokumentation über die öffentliche Diskussion des 4. Atomprogramms der Bundesrepublik Deutschland für die Jahre 1973 –1976. Bonn 1974.
Geier, Stephan: Schwellenmacht. Kernenergie und Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1980. Diss. Erlangen 2013.
Geier, Stephan: Schwellenmacht. Bonns heimliche Atomdiplomatie von Adenauer bis Schmidt. Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag 2013.
IKE Institut für Kernenergetik und Energiesysteme (Hg.): Festkolloquium-40 Jahre IKE. 1998 (IKE K-7)
Kußmaul, Karl: Aufgaben, Ziele und erste Ergebnisse des Forschungsprogramms Komponentensicherheit. In: VGB Kraftwerkstechnik. 60(1980), S. 438-449.
Laufs, Paul: Die Entwicklung der Sicherheitstechnik für Kernkraftwerke im politischen und technischen Umfeld der Bundesrepublik Deutschlands seit dem Jahr 1955. Diss. Stuttgart 2006.
Laufs, Paul : Reaktorsicherheit für Leistungskernkraftwerke - Die Entwicklung im politischen und technischen Umfeld der Bundesrepublik Deutschland. Berlin 2013.
Müller, Wolfgang D.: Geschichte der Kernenergie in der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 1 Anfänge und Weichenstellungen, Stuttgart 1990; Bd. 2 Auf der Suche nach dem Erfolg, die Sechziger Jahre. Stuttgart 1996.
Staatliche Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart (Hg.): Neue Prüfmöglichkeiten –New Testing Facilities 1980. (Broschüre)

5. Hinweis auf weitere ArchivbeständeBundesarchiv
B 106 Bundesministerium des Innern. Reaktorsicherheit und Strahlenschutz (u.a. 3.2.1 Anlageninterne Sicherheit) (Das BMI war von 1968 bis 1986 für Reaktorsicherheit und Strahlenschutz zuständig.)
B 136 Bundeskanzleramt, Aktenplangruppe 272: Friedliche Verwendung der Kernenergie
B 138 Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft [43] –HGr. 5 und 6 –Kernenergie (bis 1972) einschl. Fachbeiräte auf dem Gebiet der Kernenergie (APl-Gr. 19)(FB)
B 196 Bundesministerium für Forschung und Technologie (HGr. 5, 6 und APl-Gr. 19). –Energieforschung einschließlich Kernenergie (APl. 1991)
B 295 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (ab 1986): APlGr.1- Kerntechnische Sicherheit und Strahlenschutz
B 302 Forschungszentrum Karlsruhe
B 352 Gesellschaft für ReaktorsicherheitEidgenössische Technische Hochschule Zürich
Archiv zur Geschichte der Kernenergie in der Schweiz (ARK)Generallandesarchiv Karlsruhe
Bestand 69 Kernforschungszentrum Karlsruhe

6. Benutzerhinweise
Die extra für diesen Bestand erstellte Klassifikation bildet die zentrale Gliederungsmöglichkeit und stellt quasi die Ersatzregistratur dar.
Dem Benutzer werden drei Orientierungs- und Recherchemöglichkeiten angeboten:
1. Klassifikation
2. Index
3. Zeilenbasierte Schlagwortsuche
Um den vollen Informationsgehalt dieses Online-Findbuchs nutzen zu können, sind alle drei Recherchemöglichkeiten anzuwenden. Wenn zum Beispiel eine Person gesucht wird, sollte sowohl die Möglichkeit Indexrecherche als auch die zeilenbasierte Suche genutzt werden.
Werden Informationen zu einem bestimmten Kernkraftwerk gesucht, ist die Klassifikation hilfreich. Es können sich aber auch noch an anderen Stellen Informationen dazu befinden, zum Beispiel bei den Gutachten, weshalb wiederum Indexrecherche und zeilenbasierte Suche genutzt werden sollten.


[1] Die Staatliche Materialprüfungsanstalt wurde im Vorlesungsverzeichnis vom WS 1964/1965 zum ersten Mal als „Staatliche Materialprüfungsanstalt an der Technischen Hochschule Stuttgart“bezeichnet, davor „Staatliche Materialprüfungsanstalt (MPA) an der Technischen Hochschule“oder einfach nur „Staatliche Materialprüfungsanstalt (MPA)“. Mit der Erhebung der Technischen Hochschule Stuttgart zur Universität im Jahr 1967 änderte sich die Bezeichnung erneut.
[2] Eisenhower bezeichnet in dieser Rede auch Kanada als Atommacht.
[3] Bundesministerium für Atomfragen (Hg.): Deutsche Atomkommission gebildet am 26.1.1956 auf Beschluss der Bundesregierung vom 21.12.1955. Geschäftsordnung –Mitgliederverzeichnis –Organisationsplan. 1958. Erst später war Max Pfender, der Leiter der Bundesanstalt für Materialprüfung, in einem Ausschuss für technische Forschung der Atomkommission vertreten. Siehe dazu: Der Bundesminister für Atomkernenergie (Hg.): Deutsche Atomkommission: gebildet am 26. Januar 1956 auf Beschluss der Bundesregierung vom 21. Dezember 1955. Geschäftsordnung, Mitgliederverzeichnis, Organisationsplan. Bad Godesberg, 1962, S. 36.
[4] IKE Institut für Kernenergetik und Energiesysteme (Hg.): Festkolloquium - 40 Jahre IKE. 1998 (IKE K-77)), S.93.
[5] Müller, Wolfgang D.: Geschichte der Kernenergie in der Bundesrepublik Deutschland –Anfänge und Weichenstellungen, Stuttgart 1990 ( Band 1), S. 277-279.
[6] Laufs, Paul: Die Entwicklung der Sicherheitstechnik für Kernkraftwerke im politischen und technischen Umfeld der Bundesrepublik Deutschland seit dem Jahr 1955. Diss. Stuttgart 2006, S. 390.
[7] Universitätsarchiv Stuttgart 200/1444
[8] Universitätsarchiv Stuttgart 200/2955
[9] Blind, Dieter: Staatliche Materialprüfungsanstalt an der Universität Stuttgart. Vorgeschichte –Gründung –Entwicklung –Heutiger Stand. Stuttgart 1971, S. 68.
[10] Laufs, Paul: Reaktorsicherheit für Leistungskraftwerke. Die Entwicklung im politischen und technischen Umfeld der Bundesrepublik Deutschland. Berlin, Heidelberg 2013, S. 837-838.
[11] RS 22 (Universitätsarchiv Stuttgart 200/1920 und 200/1921) und RS 26 (Universitätsarchiv Stuttgart 200/1922, 200/1923 und 200/1924)
[12] Universitätsarchiv Stuttgart 200/1917 und 200/1919; siehe auch Laufs, Diss., S. 398.
[13] Universitätsarchiv Stuttgart 200/1918: Dieser Forschungsbericht könnte in Zusammenhang mit dem Ergebnis der Forschungen von 200/1917 und auch 200/1919 „Innendruckschwellversuche an Metallhohlkörpern“stehen, für die bereits Archivgut aus der Zeit von 1962/1963 in Zusammenhang mit dem Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung überliefert ist. Laufs nennt die Projekte RS 22 und 26, die er aufgrund des IRS-Berichts kennt. Es scheint aber zumindest dieses eine Forschungsprogramm mit dem Forschungsbericht aus dem Jahr 1966 gegeben zu haben, das früher begonnen hat als die bei Laufs zitierten. Allerdings wird hier kein RS-Kürzel verwendet und kein bestimmtes Projekt konkret genannt.
[14] Sonderdruck aus Achema-Jahrbuch 1965/1967, Band 1: Europäische Forschung im chemischen Apparatewesen.
[15] Siehe dazu 200/2313: Prüfungsbericht vom 15.12.1964 für das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr.
[16] Laufs, Diss., S. 398-399.
[17] Universitätsarchiv Stuttgart 200/655.
[18] Geier, Stephan: Schwellenmacht. Bonns heimliche Atomdiplomatie von Adenauer bis Schmidt. Paderborn 2013, S. 319-373.
[19] Universitätsarchiv Stuttgart 200/1672, 200/1677, 200/1651 und 200/1653
[20] Der Bau der großen Leichtwasserreaktoren in der Bundesrepublik ist deshalb bemerkenswert, weil diese eigentlich für die Verhältnisse der USA entwickelt worden waren. Die Verwendung von angereichertem Uran war in den USA kein Problem, da dieses aufgrund der dort vorhandenen Anreicherungsanlagen in ausreichender Menge zur Verfügung stand. Außerdem wird diesem Reaktortyp eine geringere Sicherheit zugesprochen als anderen Reaktortypen, so dass man dafür dünn besiedelte Landstriche auswählte. Das war im dicht besiedelten Westdeutschland nicht möglich. Bemerkenswert ist ferner, dass sich keine eigene Entwicklung in Deutschland durchsetzen konnte, obwohl Milliarden in die Entwicklung neuer Reaktortypen geflossen waren, die einen geschlossenen Brennstoffkreislauf und höhere Sicherheit für sich reklamieren konnten. Der Druckwasserreaktor war ursprünglich als U-Boot-Antrieb entwickelt worden. Die Firma Westinghouse entwarf daraus ein Konzept für ein Kernkraftwerk mit Druckwasserreaktor. Die Siedewasserreaktoren wurden von der amerikanischen Firma General Electric entwickelt. Die deutschen Firmen Siemens und AEG übernahmen diese Konzepte und entwickelten daraus die deutschen Leichtwasserreaktoren.
[21] Kußmaul, Karl: Aufgaben, Ziele und erste Ergebnisse des Forschungsprogramms Komponentensicherheit. In: VGB Kraftwerkstechnik. 60(1980), S. 439.
[22]http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/2010_Schwachstellenbericht_Siedewasserreaktoren_Baulinie_69.pdf
[23] Der Großbehälter bestand zum großen Teil aus dem nicht mehr gebrauchten Reaktordruckbehälter des Siedewasserrektors des Kernkraftwerks Philippsburg, der von der italienischen Firma Breda Termomeccanica e Locomotive S.p.A., Milano, hergestellt worden war.
[24] Die Versuche für das HDR-Programm wurden im stillgelegten Kernkraftwerk Großwelzheim durchgeführt.
[25] HKL=Hauptkühlmittelleitung; NKS=Notkühlsimulation
[26] Staatliche Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart (Hg): Neue Prüfmöglichkeiten –New Testing Facilities 1980, S. 2. (Broschüre)
[27] Bundesarchiv Berlin DF10 Nrn. 237, 586, 588, 1085. Siehe dazu Klassifikationspunkt 6.6.2 „deutsch-deutsch (WTZ-Abkommen)“
[28] Laufs, Reaktorsicherheit für Leistungskernkraftwerke, S. 989.
[29] Bis auf einige der Forschungsberichte, die als Gesamtkonvolut übernommen wurden, ist auch im Bestand hier ein Schnitt gemacht worden. Die Akten gehen bis auf vereinzelte Ausnahmen nicht weiter wie zum Jahr 1998, weshalb auch die Entwicklung an der MPA nicht weiter verfolgt wird.
[30] Druckführende Umschließung (DFU) = Reaktordruckbehälter + Geschlossener Kühlkreislauf
[31] Siehe dazu den Klassifikationspunkt 3 „Reaktorsicherheitsforschung, Kerntechnisches Regelwerk“. Die unter 3.8 (mit Aktenüberlieferung) und 3.9 (nur Berichte) genannten Projekte sind zu zahlreich, um sie hier im Einzelnen aufzuzählen. Der Benutzer sei deshalb auf die Klassifikation verwiesen.
[32] Siehe dazu den Klassifikationspunkt 6 „Nationale und internationale Kooperation“.
[33] Laufs, Diss., S. 110.
[34] Siehe dazu den Klassifikationspunkt 4 „Reaktorsicherheitskommission (RSK)“
[35] Siehe dazu den Klassifikationspunkt 5 „Kerntechnische Anlagen“.
[36] Siehe dazu den Klassifikationspunkt 7 „Sachverständigentätigkeit für Gerichtsverfahren und Anhörungen, Gutachten, Öffentlichkeitsarbeit, Stellungnahmen, Untersuchungsausschüsse, fachtechnische Stellungnahme“
[37] Siehe dazu den Klassifikationspunkt 1 „Kerntechnik, Reaktorsicherheit: Allgemeines“.
[38] Arbeitsgemeinschaft Babcock-Brown Boveri Reaktor GmbH/Brown Boveri & Cie. AG, Gutehoffnungshütte Sterkrade AG, Kraftwerk Union AG, Verein Deutscher Eisenhüttenleute e.V., Arbeitsgemeinschaft Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke –VDEW –e.V./VGB Technische Vereinigung der Großkraftwerksbetreiber
[39] Laufs, Diss., S. 465-466.
[40] Die Existenz des Handbuchs kann auch damit zusammenhängen, weil im FKS Konsortialpartner aus der Industrie beteiligt waren und so eine genaue Kontrolle des Projektfortschritts und der damit verbundenen Kosten möglich war.
[41] Universitätsarchiv Stuttgart 200/1827.
[42] Siehe Klassifikationspunkt 6.3.3.5 Sachverständigenkreis Werkstoffe und Festigkeit (SK W+F).
[43] Seit 1969, vorher: 1955 als Bundesministerium für Atomfragen gegründet, seit 1957 Bundesministerium für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft und seit 1961 Bundesministerium für Atomkernenergie.
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Letzte Aktualisierung: 31.05.2021, 11:39 MESZ