Synagoge

Virtuelle 3D Rekonstruktion der Großen Synagoge Erfurt

Bis zu ihrer Zerstörung 1938 war die Große Synagoge Erfurt 54 Jahre der Mittelpunkt einer großen jüdischen Gemeinde. Ihr neomaurischer Stil verkörperte mit seinen arabischen Elementen eine selbstbewusste Position: Die weithin sichtbare Kuppel mit den zwei flankierenden Turmbauten, die Ornamente und die Farbigkeit des Mauerwerks machten die Synagoge zu einem imposanten Gebäude, das 500 Gläubigen Platz bot. In der Inschrift über dem Hauptportal hieß es auf Hebräisch: „Denn mein Haus soll ein Gebetshaus für alle Völker genannt werden“. Nach der Zerstörung durch die Nationalsozialisten 1938 blieben als Beleg für die bauliche Gestalt der Großen Synagoge nur einige Fotos in Schwarz-Weiß, einzelne Zeitungsberichte sowie die Baupläne. Diese wenigen Hinweise bildeten gemeinsam mit vielen weiteren historischen Quellen die Grundlage für das Kooperationsprojekt der virtuellen Rekonstruktion von 2020 bis 2022 unter Leitung von PD Dr. Annegret Schüle, Erinnerungsort Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz. Historische Forschung, Didaktik, Kommunikationswissenschaften, Digitales Gestalten und Architektur am Erinnerungsort Topf & Söhne, der Fachhochschule Erfurt (Prof. Yvonne Brandenburger, Prof. Rolf Kruse), der Universität Erfurt (Prof. Dr. Christiane Kuller, Prof. Dr. Patrick Rössler) und der Universität Jena / ThULB (Dr. Andreas Christoph) wurden mit Ausstellungsgestaltung, Grafik und modernster 3D-Drucktechnik kombiniert. Die virtuelle Rekonstruktion und die Erarbeitung der Inhalte erfolgten in enger Abstimmung mit Landesrabbiner Alexander Nachama. Das Projekt wurde von der Thüringer Staatskanzlei im Themenjahr „Neun Jahrhunderte Jüdisches Leben in Thüringen“ gefördert. Neben dem Web-3D-Modell im Internet kann die virtuell rekonstruierte Große Synagoge mit einer Virtual Reality-Brille interaktiv und wie in Originalgröße erkundet werden. Audios, Fotos und ein Film berichten über das Judentum und stellen Menschen vor, die in dieser Synagoge das Gemeindeleben gestalteten. VR-Brillen stehen im Erinnerungsort Topf & Söhne in Bildungsangeboten zum jüdischen Leben und seiner Zerstörung sowie für Einzelgäste zur Verfügung. Auch in der Jüdischen Gemeinde und bei der Thüringer Tourismus GmbH kann je eine VR-Brille genutzt werden. Als drittes Format auf Basis der digitalen Daten wurde ein Tastmodell der Großen Synagoge im Maßstab 1 : 68 an ihrem historischen Standort aufgestellt. Das Denkmal wurde im Park gegenüber der 1952 am selben Ort errichteten Neuen Synagoge, dem Mittelpunkt der heutigen Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, aufgestellt und so ausgerichtet wie damals die Große Synagoge. Das Modell entstand in einem 3D-Druckverfahren, bei dem rund 6.000 Mal eine nur 0,06 mm dicke Schicht Aluminiumpulver auf eine Platte aufgetragen und punktuell mit zwei Lasern geschmolzen wurde. Feinste bauliche Details wie die Davidsterne in den Fensterstrukturen und die hebräische Inschrift konnten so herausgearbeitet werden. Ergänzt wird das Tastmodell durch kurze Erläuterungen in Deutsch, Englisch sowie in Brailleschrift.

Digitalisierung: © Fachhochschule Erfurt: Vorderansicht der virtuell rekonstruierten Großen Synagoge

Namensnennung 4.0 International

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Material/Technik
3D-Rekonstruktion
Identifier
3DGSEF
Anmerkungen
Ein Kooperationsprojekt des Erinnerungsortes Topf & Söhne in Erfurt mit der Fachhochschule Erfurt, der Universität Erfurt und der Friedrich-Schiller-Universität Jena / ThULB Jena

Thema
religiöses Gebäude
Architektur
Reichspogromnacht
Bezug (wer)
Siegfried Kusnitzky (Architekt)
Bezug (wo)
Erfurt
Bezug (wann)
2020-2022 (virtuelle 3D-Rekonstruktion)
1884-1938 (Bauwerk)

Rechteinformation
3D-Rekonstruktion: Stadtverwaltung Erfurt / Erinnerungsort Topf & Söhne, Fachhochschule Erfurt, Universität Erfurt und Friedrich-Schiller-Universität Jena / ThULB Jena
Letzte Aktualisierung
16.05.2024, 20:38 MESZ

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