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Bad Freienwalde (Oder), Karl-Marx-Straße 13

Denkmalart:
Baudenkmal
Land:
Brandenburg
Kreis:
Märkisch-Oderland
Ort:
Bad Freienwalde (Oder)
Ortsteil:
Bad Freienwalde (Oder)
Straße und Hausnummer:
Karl-Marx-Straße 13
Bezeichnung:
Wohnhaus mit Hofflügel - Wohnhaus
Beschreibung:
Denkmaltopographie Märkisch-Oderland, Bd. 9.1, 2005, S. 127 f.
Das Gebäude bildet den Auftakt der Häuserzeile an der nördlichen Seite des zum Markt aufgeweiteten westlichen Straßenteils und befindet sich damit städtebaulich exponiert fast genau gegenüber der Einmündung der Königstraße. Seine westliche Giebelseite weist zudem in Richtung des ehemaligen Kreishauses und prägt dadurch die Ansicht des dortigen, als kleine Grünanlage gestalteten Vorplatzes mit.
Auf ein altes (eventuell erstes) Rathaus verweist eine Mitteilung von 1744. Daraus geht hervor, dass das Bauwerk 400 Jahre lang seinem Zweck diente. Der Standort dieses Rathauses wird in einer anderen Quelle mit östlich der Nikolaikirche, mitten auf dem Marktplatz angegeben. Im März 1708 wurde es wegen Baufälligkeit abgebrochen. Bereits im Jahr zuvor war auf einem Standort genau gegenüber der Einmündung der jetzigen Königstraße mit der Errichtung eines neuen Rathauses begonnen worden. Den Bauplan dazu hatte der Kgl. Baudirektor Andreas Schlüter erstellt, die Ausführung leitete der Baumeister Felix Volhardt. Auf Grund fehlender Baugelder erfolgte die Fertigstellung des Neubaus erheblich verzögert erst rund zehn Jahre nach Baubeginn. Bei diesem zweiten Rathaus handelte es sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau, seine Gefache waren mit Ziegeln ausgemauert und vermutlich verputzt. Im Untergeschoss befanden sich ein Waageplatz und eine Wohnung sowie der Ratskeller; im oberen Stock lagen der große Versammlungsraum, die Ratsstube mit Registratur, einige weitere Amtsstuben sowie der »Bürgergehorsam« (Gefängnis). Vor der Hauptfassade befanden sich niedrigere Verkaufsscharren der Bäcker und der Fleischer. Bereits Anfang des 19. Jh. wird von den Behörden der sehr schlechte bauliche Zustand des Gebäudes beklagt und darauf hingewiesen, das es »voller Ratzen und Mäuse ist, welche die Akten der Registratur zerfressen«. Als Zwischenlösung verlegte man die Amtsstuben zu Anfang des 19. Jh. in das ehemalige Jagdschloss (vgl. Amtsstraße 1-6). Das Rathaus wurde als Ratswaage und Hauptwache bis zu seinem Abriss 1821 weitergenutzt. Im Jahre 1854 beschloss der Freienwalder Magistrat die Errichtung eines neuen Rathauses, in dem auch das Stadtgericht und Arbeitsräume für den Landrat untergebracht werden sollten. Als Bauplatz wurde das damals in Besitz eines Schneidermeisters befindliche Grundstück Nr. 1 am Markt angekauft. Den Entwurf zum Neubau fertigte vermutlich der damalige Kreisbaumeister Grieben, den Auftrag zur Ausführung erhielt der Freienwalder Zimmermeister J. M. Jonack. Dieser zeigte im September 1855 die Fertigstellung des Rathauses an. Das Souterrain beherbergte zwei Dienstwohnungen, eine Wachstube und drei Gefängniszellen; das erste Geschoss die Büro-, Verwaltungs- und Versammlungsräume der städtischen Körperschaften und das zweite Obergeschoss die Geschäftsräume des Amtsgerichts und Arbeitsräume des Landrats. Nach Errichtung des neuen Amtsgerichts (s. Victor-Blüthgen-Straße 9) nahm man im Rathaus 1910 einige Umbauten vor; 1912 folgten weitere Ausbauten. Erneut eintretender Platzmangel bewog den Magistrat zu baulichen Veränderungen, u.a. wurde 1926/27 das Dachgeschoss ausgebaut. 1938/39 erwarb der Magistrat das rechts angrenzende Grundstück, auf dem ein Anbau für die Polizeiwache entstand. Nach 1945 diente das Rathaus weiter seiner ursprünglichen Bestimmung. In den Folgejahren gab es verschiedene kleinere Umbauten im Inneren. Die Fassade wurde letztmalig 1995/96 saniert.
Stattlicher Putzbau mit Satteldach. Die Fassade symmetrisch in klassizistischen Formen gestaltet, dabei starke Betonung der mittleren Achsen durch flachen, erst seit 1926 dreigeschossig erhöhten Risalit mit geschossweiser Pilastergliederung. Abschluss in Anlehnung an die frühere Form mit Dreiecksgiebel. Im Giebelfeld farbig gefasstes Stadtwappen und die Baudaten 1855/1926. Prägend für die Ansicht sind außerdem profilierte Gesimse und differenzierte Putzquaderungen. Das Obergeschoss als Beletage ausgezeichnet durch zusätzliche Fensterrahmungen und -verdachungen sowie Weiterführung der Pilastergliederung in den Seitenachsen. Im Dach 1926 vier Gauben eingebaut; aus dieser Zeit auch der kleine Balkon über dem Haupteingang in der Mittelachse. An der linken freistehenden Giebelseite die Gestaltung der Marktfassade in etwas vereinfachten Formen aufgenommen. Der rechts an das Rathaus anschließende dreiachsige Erweiterungsbau von 1939 gestaltet im Stil eines Bürgerhauses mit sparsam gegliederter Putzfassade und hohem Mansardwalmdach.
Vor dem Eingang des Hauptgebäudes eine Freitreppe; dahinter Entree mit Pförtnerloge, gefolgt von zentralem Treppenhaus und seitlich abgehenden Mittelfluren. Die Räumlichkeiten meist geprägt durch die Umbauten zwischen 1905 und 1939, teilweise auch durch jüngere Modernisierungen (z.B. Sitzungssaal). Die Haupttreppe im unteren Teil begleitet von aufwändigem Geländer in späthistoristischer, mit Jugendstilelementen durchmischter Gestaltung; besonders reich der Antrittspfosten. Erwähnenswert außerdem ein Kellerraum von 1855 mit gemauerter Ziegeldecke.
Das an zentralem Standort im Stadtkern vor rund 150 Jahren errichtete Rathaus dokumentiert nicht nur ein wichtiges Kapitel in der Freienwalder Stadtgeschichte des 19. Jh., sondern verweist durch seine anfängliche Doppelnutzung auch auf den besonderen Status, den die Stadt als Verwaltungssitz des Kreises Oberbarnim nach 1815 neu gewonnen hatte. Von einigen späteren Etappen in der Entwicklung des städtischen Verwaltungsapparats zeugen die verschiedenen am und im Gebäude vorgenommenen Umbauten und Erweiterungen, die aber zu keiner Zeit die einheitliche Wirkung der Architektur beeinträchtigten. Baugeschichtlich gehört das Freienwalder Rathaus zu den späten Beispielen der während des Klassizismus im Gebiet der Mark Brandenburg errichteten Neubauten dieser Gattung. Auf Grund seines exponierten Standortes und seiner auf Repräsentation angelegten Architektur prägt der stattliche Bau das historische Erscheinungsbild des Marktbereiches charakteristisch mit.
Quellen: BLHA, Pr. Br. Rep. 8, Nr. 513.

Literatur: Heller, S. 176-77; Schmidt, Rudolf, 1934 (Bd. 1), S. 39-42; Schmook, Reinhard, 150 Jahre Freienwalder Rathaus, in: Heimatkalender 2005; S. 24-25.

Ereignis:
Datierung
(wann):
1776/1800
Ereignis:
Umbau
(wann):
1886/1900
Ereignis:
Umbau
(wann):
1995
Rechteinformation:
BLDAM
Letzte Aktualisierung: 11.04.2018, 17:39 Uhr

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Bad Freienwalde (Oder), Karl-Marx-Straße 13
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