Bestand

Christbaumfabrik und Sägewerk Vydra (Bestand)

Die Herstellung künstlicher Christbäume durch Robert Vydra begann bereits um das Jahr 1900. Im Hinterhof der Nürnberger Kaulbachstraße 22 etablierte er die maschinelle Produktion künstlicher Weihnachtsbäume mit gefärbten Gänsefedern als Tannennadeln. Bereits im Jahr 1923 belieferte seine Firma, die Christbaumfabrik Robert Vydra GmbH, die ganze Welt mit künstlichen Bäumchen zwischen 25 Zentimetern und ca. 12 Metern Höhe. Ein Jahr zuvor wurde ein Fabrikneubau im Westen von Röthenbach a.d. Pegnitz, in der Schwaigerstr. 14, geplant und betreut (StadtAN E 10/159 Nr. 26). Das Firmengelände umfasste fünf große Hallen sowie ein Sägewerk mit Holzbearbeitung der Firma Bissle, die jedoch 1929 von Vydra übernommen wurde. Außer künstlichen Christbäumen wurden außerdem Dekorationsbäume, Weihnachtszweige sowie Miniaturbäumchen für Modelleisenbahnen fabriziert. Durch diesen Weihnachtsbaumexport u.a. nach Afrika und Amerika gewann die Firma große Bedeutung für die Weltwirtschaft und galt als größte Spezialfabrik dieser Branche. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdrängte der Kunststoff allmählich die Gänsefedern als Tannennadelimitat. Zudem stiegen die Kosten für die Herstellung, sodass die Handarbeit mancher Produktionsschritte kaum mehr bezahlbar war. Diese Widrigkeiten führten Ende 1958 zur Schließung Christbaumfabrik Robert Vydra GmbH. Daraufhin übernahmen die ausgeschiedenen Gesellschafter der Firma die Geschäfte und führten die Produktion in eigener Regie fort. Im Jahr 1965 wurde die neugegründete Firma, nun unter dem Namen Christbaumfabrik Walter H. Hirschmann KG, übergangsweise im ehemalige Kino in der Rückersdorfer Straße in Röthenbach untergebracht und zog schließlich 1968 nach Waldmünchen. Dort blieb sie bis in die 1980er Jahre. Vermutlich wurde die Firma Mitte der 80er (schätzungsweise um 1985) endgültig aufgelöst. Genaueres ist aus dem Bestand nicht ermittelbar. Die Abgabe des Bestandes an das Stadtarchiv Nürnberg erfolgte im Jahr 2019. Neben Firmenunterlagen enthält der Bestand überwiegend Fotografien und private sowie familiengeschichtliche Dokumente der Familien Vydra und Kerschbaum. Letztere war durch die Eheschließung der Tochter des Firmengründers Luise Vydra mit Fritz Kerschbaum in das Unternehmen involviert (StadtAN E 9/662 Nr. 5). Ebenfalls durch Eheschließung war die Familie Hirschmann, deren Namen das Unternehmen bei der Neugründung erhielt, mit der Firma verbunden. Denn Gertraud Hirschmann war laut einem Zeitungsartikel vom 08.11.1977 in der AZ [Abendzeitung] die Enkelin des Firmengründers Robert Vydra (StadtAN E 9/662 Nr. 4).Quellen: StadtAN E 10/159 Nr. 26, StadtAN E 9/662 Nr. 4, StadtAN E 9/662 Nr. 5.

Bestandssignatur
E 9/662
Umfang
Einheiten: 38
Sprache der Unterlagen
Deutsch

Kontext
Stadtarchiv Nürnberg (Archivtektonik) >> Stadtarchiv Nürnberg >> Bestandsgruppe E: Dokumentationsgut privater Provenienz >> E 9 - Firmen- und Wirtschaftsarchive >> E 9/662 - Christbaumfabrik und Sägewerk Vydra

Indexbegriff Sache
Christbaum, künstlicher
Christbaumfabrik
Sägewerk
Vydra, Christbaumfabrik und Sägewerk GmbH (Einzelbestand)

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Rechteinformation
Letzte Aktualisierung
05.06.2025, 11:18 MESZ

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Objekttyp

  • Bestand

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