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070 Heines "Französische Zustände"

Alternativer Titel:
Zensur in Preußen (Untertitel)
Objektbezeichnung:
Druck- und Schriftgut
Objektbeschreibung:
Abb. 1: Titelblatt zensierte Erstauflage "Französische Zustände"
Abb. 2: Zensurspuren: durch Gedankenstriche markierte Auslassungen

Editionsgeschichte der "Vorrede" zu den Französischen Zuständen

"Französische Zustände" ist das Buch von Heinrich Heine, das am meisten mit Zensurmaßnahmen zu kämpfen hatte. Das ist einerseits verwunderlich, als dass die darin enthaltenen Texte bereits als Artikelserie in der Augsburger "Allgemeinen Zeitung" erschienen waren. Allerdings waren sie nach ausdrücklicher Warnung der österreichischen Regierung an Cotta, den Verleger dieser damals einflussreichsten deutschen Zeitung, eingestellt worden.

Den maßgeblichen Grund für die geharnischte Reaktion der preußischen Regierung bot allerdings die "Vorrede" des Buches, in der Heine sich radikal gegen den preußischen Staat und das gebrochene Verfassungsversprechen ausdrückte, nicht zuletzt, um sich unter den exilierten Demokraten in Paris als ein Mann des Fortschritts zu profilieren.

Sein Verleger Julius Campe wusste indes, dass ihn eine unzensierte Veröffentlichung dieser Vorrede Kopf und Kragen kosten konnte und übergab das Buch der als liberal bekannten Zensur im Herzogtum Sachsen-Altenburg. Doch auch hier wurden so viele Streichungen angebracht wie in einem keinem anderen Werk Heines. Der Autor selber war darüber entsetzt: "Eben erhalte ich die Vorrede, worin ich vor den Augen von ganz Deutschland als ein trübseliger Schmeichler des Königs von Preußen erscheine [...]. Ich bin betäubt vor Kummer." (HSA XXI, 44).
Seine Glaubwürdigkeit stand auf dem Spiel und so verfasste er am Neujahrstag 1833 eine Erklärung, die in der Augsburger "Allgemeine Zeitung" am 11. Januar 1833 erschien und klarstellte, dass mehr als die Hälfte der "Vorrede" gestrichen worden sei. Nichtsdestotrotz machte auch die verstümmelte Vorrede Furore, der preußische Innenminister verbot das Buch am 1. Februar 1833.

Heine aber regte nun einen Separatdruck der "Vorrede" an, und Campe kam diesem Wunsch wohl auch nach - ausgeliefert wurde diese "Vorrede" jedoch nie. Denn gleichzeitig hatte Heine zu den in Paris ansässigen Verlegern Heideloff & Campe (letzter eine Neffe von Julis Campe) Kontakt aufgenommen, die Ende Juni/Anfang Juli 1833 den so genannten "Pariser Separatdruck" (Vorrede zu Heinrich Heine's Französischen Zuständen nach der französischen Ausgabe ergänzt und herausgegeben von P.G..g.r, Leipzig, Heideloff und Campe. 1833) OHNE Zensur und mit FALSCHEM Verlagsort (Leipzig statt Paris) in Umlauf brachten.

Kurz zuvor (Juni 1833) war außerdem eine französische Übersetzung des Buches erschienen, bei der Heine die Zensurlücken der deutschen Ausgabe eigenhändig wieder zu vervollständigen versucht hatte.

Sich zwischen diesen verschiedenen Ausgaben und ihren Verursachern zurecht zu finden, war für die preußischen Behörden eine überaus schwierige Aufgabe, die Chronik dieser Versuche wird auf den nächsten Seiten dargestellt.

Literatur
Düsseldorfer Heine-Ausgabe 12, S.649-666
Enno Stahl, Heines "Vorrede zu den Französischen Zuständen" aus Sicht der Zensurbehörden, in: Heine-Jahrbuch, 50. Jg. (2011), S. 85-107.

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Zum Leitobjekt der virtuellen Ausstellung zum Vormärz:
http://www.duesseldorf.de/dkult/DE-MUS-037814/446364

Zu den Objekten der virtuellen Ausstellung zum Vormärz:
https://emuseum.duesseldorf.de/advancedsearch/objects/invno%3AHHI.Rkult.vormaerz*
Ereignis:
Herstellung
(wann):
1833
Verwandtes Objekt und Literatur:
Klassifikation:
Druck- und Schriftgut (Sachgruppe)
Standort:
Heinrich-Heine-Institut - Literatur - Museum / Bibliothek / Archiv, Düsseldorf
Inventarnummer:
HHI.Rkult.vormaerz70
Letzte Aktualisierung: 27.08.2020, 10:30 Uhr

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