Archivbestand
Industrieverband Schneidwaren- und Bestecke (Bestand)
Der Industrieverband Schneidwaren und
Bestecke (IVSB) entstand durch die Fusion des 1946 in Solingen
gegründeten Fachverbandes Schneidwarenindustrie (FSI) und des 1966 in
Wiesbaden gegründeten Gesamtverbandes Besteck-Industrie (GBI) am
4.5.1971. In die Struktur der gewerblichen Wirtschaft war der IVSB als
Bundesfachverband im Wirtschaftsverband Eisen Blech Metallindustrie im
BDI eingebunden. Im Jahre 2002 erfolgte die Fusion mit dem Verband
Haushalts-, Küchen- und Tafelgeräte zum Industrieverband Schneid- und
Haushaltswaren (IVSH). Als historische Vorläufer des Fachverbandes
Schneidwarenindustrie sind die lokalen Fabrikantenvereine des
Schneidwarengewerbes anzusehen. Nach einem Streik erfolgte am 13. Mai
1891 die Gründung des Verbandes sämtlicher Fabrikantenverein Solingen.
Ihm gehörten zunächst der Tafelmesserfabrikantenverein, der
Scherenfabrikantenverein, der Taschen- und Federmesserfabrikantenverein
sowie der Gabelfabrikantenverein an. Nach der am 4. Mai 1900 erfolgten
Umbenennung in Verband der Fabrikantenvereine Solingen kam als fünftes
Mitglied noch der Rasiermesserfabrikantenverein hinzu. Außerhalb dieses
Dachverbandes standen der Waffenfabrikantenverein und die verschiedenen
Schlägereibesitzervereine. Sie organisierten sich nach dem 27. Juli 1903
als Unterverbände im neu gebildeten Verband von Arbeitgebern im Kreise
Solingen. Dieser lokale Arbeitgeber-Dachverband stand allen
Industriebranchen offen, im Unterschied zum Verband der
Fabrikantenvereine Solingen, der lediglich auf die Schneidwarenbranche
begrenzt war, und 1907 erneut seinen Namen in Verband der Solinger
Fabrikantenvereine änderte. Seit 1909 führte Dr. Hornung sowohl die
Geschäfte des AGV als auch die des "Verbandes". 1911 erfolgte eine
Abgrenzung der Mitgliedschaft der beiden Verbände, der AGV gab die
Stahlwarenfirmen an den Verband Solinger Fabrikantenvereine ab. Diese
Personalunion in der Geschäftsführung der beiden Wirtschaftsverbände
bestand bis 1926 Am 12. April 1922 erfolgte mit der Gründung des
Arbeitgeberverbandes des oberen Kreises Solingen die Neuorganisation der
örtlichen Unternehmerverbände nach wirtschaftlichen-fachlichen und
sozialpolitischen Kriterien. Der neue AGV fungierte v.a. als lokaler
Kollektiv-Tarifpartner, Fachverbandsaufgaben nahm er nicht mehr war.
Neben dem AGV blieben der Verband Solinger Fabrikantenvereine und der
Verband Solinger Schlägereibesitzervereine weiter als selbständige
wirtschaftliche Organisationen unter dem Dach des am 14.6.1919 als
"Vertretung der gesamten Eisen- und Stahlwarenindustrie in der
Organisation des Reichsverbandes der Deutschen Industrie" gegründeten
Eisen Stahlwaren-Industriebund (ESTI) bestehen. Der ESTI mit dem Sitz in
Elberfeld wirkte im bergisch-märkischen Raum (Wuppertal, Remscheid,
Solingen, Velbert, Hagen). Mit dem ESTI trat Solingen in Beziehung zu dem
Spitzenverband der eisenverarbeitenden Industrie und dadurch zum RDI. AGV
und ESTI arbeiteten in Solingen so eng zusammen, dass sie eine gemeinsame
Geschäftsführung mit zwei gleichrangigen Geschäftsführern, Dr. Oskar
Bachteler und Dr. Willi Großmann, unterhielten. Der Zerschlagung der
Gewerkschaften am 2. Mai 1933 folgte ab dem 19. Mai 1933 die Festsetzung
der Tariflöhne durch den "Treuhänder der Arbeit". Auch der Solinger
Arbeitgeberverband war als Tarifvertragspartner auf einmal ohne Funktion
und wurden von den Nationalsozialisten schließlich am 22.1.1934
aufgelöst. Die Zusammenschlüsse der Unternehmen konzentrierten sich nun
auf die Fachorganisation. Als Dachorganisation fungierte in Solingen der
ESTI mit den drei Hauptberufsverbänden Vereinigung Solinger
Stahlwarenfabrikanten, Vereinigung Solinger Schlägereibesitzervereine und
Rasierklingen-Industrieverband (gegründet am 3.10.1925, 1930 Verband der
Rasierklingenhersteller). Der Solinger ESTI wurde schließlich in die DAF
unter der Bezeichnung "Fachgruppe Schneidwarenindustrie der
Wirtschaftsgruppe Eisen- Stahl und Blechwaren" eingegliedert und
fungierte als eine wirtschaftspolitische, die gesamte
Schneidwarenindustrie des Deutschen Reiches erfassenden Organisation.
Gustav Grünwald von der Fa. Argenta (Düsseldorf) war der erste Leiter der
Fachgruppen Schneidwaren und Bestecke mit Sitz in Solingen. Ihm folgten
die Herren Franz Buchenau in Fa. Heinr. Böker und Dr. Walter Müller in
Fa. Pränafawerke. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt schon am
6. 11. 1945 die Wirtschaftsvereinigung EBM durch die Besatzungsmacht die
Genehmigung zur Wiedergründung. Unter dem Vorsitz von Kurt Peres wurde
die Fachvereinigung Schneidwarenindustrie gebildet. Als erstes Domizil
fungierte das ehemalige Gräfrather Rathaus, dann fand die Fachvereinigung
auf der Albrechtstraße ihr Unterkommen. Ab dem 1.4. 1946 lautete der neue
Name Fachverband Schneidwarenindustrie. Dr. Bachteler konnte am 1. 11.
1946 seine hauptamtliche Tätigkeit für den Verband wieder aufnehmen. 1953
wurde Bachteler gleichzeitig Geschäftsführer vom AGV. Am 17.3.1961 starb
Dr. Oskar Bachteler. Als Vorsitzende waren in diesem Zeitraum Paul Ad.
Schmidt in Fa. Müller & Schmidt Pfeilring (1947-1953 Jahre) und
anschließend Hans-Robert Grah in Fa. Grasoliwerk Gebr. Grah (1953-1965
Jahre) für den FSI tätig. Die nächsten fünf Jahre stand Dr. Walter Wolf
an der Spitze des Verbandes. In der Geschäftsführung des FSI folgte ab
dem 25.7.1961 Dr. Dietrich Balfanz. In den ersten Jahren seiner Tätigkeit
erfolgte am 6. Mai 1966 der Umzug vom Schlagbaum in das neu gebaute
Industriehaus Neuenhofer Straße und im selben Jahr die Übernahme des
Rasierklingen-Industrieverbandes als Fachabteilung in den FSI. Ebenfalls
in diesem Jahr ging aus der Arbeitsgemeinschaft von drei Verbänden der
Gesamtverbandes Besteck-Industrie (GBI) hervor. Vorsitzender war W.
Jacobskötter, als gleichberechtigter Geschäftsführer war Balfanz tätig,
die zweite Geschäftsstelle neben Schwäbisch-Gmünd lag beim FSI in
Solingen. Die Vereinigung zum gemeinsamen Verband IVSB 1971 war da schon
absehbar; letzter Vorsitzender des FSI war Eduard Wüsthoff jr. (gewählt
am 8.4.1970) 1971 erfolgte zunächst unter dem Namen ISB die Fusion von
FSI und GBI mit den beiden gleichberechtigten Vorsitzenden Wolfgang
Jacobskötter, Bremen (Vorsitzender GBI) und Eduard Wüsthoff jr.,
Solingen. 1972 Umbenennung in Industrieverband Schneidwaren und Bestecke
Mai 1975: Vorsitzender Rolf Henrichs (Fa. Paul Lösebach KG(?) ab 1.6.1980
Vorsitzender: Dr. Walter Erich Krause, Geislingen Am 12.12.1981 wurde Dr.
Dietrich Balfanz in den Ruhestand verabschiedet. Im folgten in der
Geschäftsführung des IVSB Dr. Horst Prießnitz (1982-1983), Friedrich
Klopotek (1983-1995) und seit 1995 Jens-Heinrich Beckmann. 1983
Grundsatzdiskussion über einen möglichen Weggang aus Solingen.
Entscheidung fiel am 21.6.1983 auf einer außerordentlichen
Mitgliederversammlung. Beschlossen wurde der Verbleib in Solingen, aber
die Beiträge wurden geändert, die größeren Firmen entlastet. In der
Konsequenz musste das Personal der Geschäftsstelle von 5,33 auf 3,75
Stellen reduziert werden. ZUGANG Die Überlassung des Bestandes des IVSB
an das Stadtarchiv geht auf den Geschäftsführer Dr. Balfanz zurück. Kurz
vor seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst Ende 1981 sorgte er dafür,
dass sowohl die wenigen älteren Unterlagen (v.a.
Rasierklingen-Industrieverband) als auch die Registratur des FSI dem
Stadtarchiv zur Verfügung gestellt wurde. Ergänzt wurde der Bestand bis
1996 durch die im StAS gesammelten Rundschreiben des IVSB. Der Bestand
wurde 1984 von Ralf Rogge erschlossen.
Eingrenzung und Inhalt: Bestand
enthält u.a.: Allgemeines; Geschäftsführung, Korrespondenz;
Fachausschüsse; Arbeitnehmer (Heimarbeiter, Tarifverträge); Rechts- und
Patentfragen, Güte- und Musterschutz, unlauterer Wettbewerb; Ausbildung
und Forschung; Aktionsprogramm zur Leistungssteigerung der
Schneidwarenindustrie; Drucksachen/Umdrucke (Fachverband für Schneidwaren
und Industrie/IVSB; Gesamtverband Besteck-Industrie; Föderation der
europäischen Schneidwaren- und Besteckindustrie; Wirtschaftsverband
Eisen, Blech, Metallverarbeitende Industrie; Solinger
Betriebskrankenkasse); Rasierklingen-Industrie-Verband; Handakte Dr.
Dietrich Balfanz
- Bestandssignatur
-
Wi 03
- Umfang
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Findbuch: 554 AE
- Kontext
-
Stadtarchiv Solingen (Archivtektonik) >> Bestände nichtstädtischer Provenienz >> Wirtschaftsarchive
- Bestandslaufzeit
-
1922 - 1997
- Weitere Objektseiten
- Geliefert über
- Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs
- Letzte Aktualisierung
-
05.11.2025, 13:59 MEZ
Datenpartner
Stadtarchiv Solingen. Bei Fragen zum Objekt wenden Sie sich bitte an den Datenpartner.
Objekttyp
- Bestand
Entstanden
- 1922 - 1997