Bestand
Gesandtschaft Frankfurt a.M. (Großherzogtum) (Bestand)
Findmittel: Datenbank; Findbuch, 1 Bd.
Behördengeschichte
Durch das "Publikandum betreffend die veränderte Verfassung der obersten Staats-behörden der preußischen Monarchie" vom 16. Dezember 1808 kam es zur Abschaffung des überkommenen Kabinettsystems zugunsten selbständiger Fachministerien und damit auch zur Bildung eines Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. Diesem oblag die geschäftliche Leitung des preußischen völkerrechtlichen Verkehrs, d.h. die Vertretung der Rechte und der Interessen des preußischen Staates gegenüber anderen Staaten. Vom Ministerium ressortierten im Ausland die Gesandtschaften und die Konsulate, so auch die preußische diplomatische Vertretung in Frankfurt am Main.
Die Gesandtschaft in Frankfurt am Main bei den Fürstprimatischen Staaten bzw. bei dem Großherzogtum Frankfurt hatte die Aufgabe die formellen bilateralen Beziehungen der Staaten zu regeln bzw. vorzubereiten. Weiterhin hatte die Gesandtschaft sich der Belange und Probleme sowie der Anliegen und Wünsche einzelner Personen und privater Einrichtungen im zwischenstaatlichen Rechtsverkehr anzunehmen. Preußen hatte ein erhebliches politisches und militärisches Interesse an der diploma-tischen Beziehung zum Großherzogtum Frankfurt.
Der zum Fürstprimas des Rheinbundes erhobene ehemalige Kurfürst von Mainz, Karl Theodor von Dalberg (1744-1817), hatte als geschäftsführendes Bundesorgan des Rheinbundes große Bedeutung unter den in das französische Herrschaftssystem einbezogenen deutschen Mittel- und Kleinstaaten. Das Augenmerk Preußens galt dem politisch und strategisch wichtigen Rhein-Maingebiet, das als französisches Truppenaufmarschgebiet für weitere Eroberungszüge bei der Ausdehnung seiner Vorherrschaft in Europa diente.
Der Bereich der Gesandtschaft erstreckte sich auf das Staatsgebiet des Fürstpri-mas, das allerdings verschiedenen Veränderungen unterworfen war. Es umfasste zunächst die ehemalige Reichstadt Frankfurt und das Fürstentum Aschaffenburg- Regensburg. Mit dem von Napoleon I. unterzeichneten Staatsvertrag von 1810, wur-den die primatischen Staaten zum Großherzogtum Frankfurt, als ein Pufferstaat zwi-schen Frankreich und Preußen, erhoben. Allerdings musste Regensburg an Bayern abgetreten werden, während größere Teile des Fürstentums Fulda und der Grafschaft Hanau als Entschädigung zum Staatsgebiet des Großherzogtums Frankfurt hinzukamen.
Bereits im Oktober 1807 hatte Preußen die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu diesem wichtigen Rheinbundstaat in Erwägung gezogen und einen vorläufigen Gesandten Dr. Conrad Siegmund Carl von Hänlein (1760-1819) [auch: Haenlein] ernannt, der von 1802 bis 1806 Preußischer Gesandter bei der Reichsdeputation zu Regensburg gewesen war (Vgl. GStA PK, III. HA MdA, I Nr. 2699 und Nr. 2706. Hessische Biographie, online unter http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/3231 [17.03.2016]. Zu Hänleins Politik im Rahmen der Mediatisierung vgl. Puchta, Michael: Mediatisierung "mit Haut und Haar, Leib und Leben". Die Unterwerfung der Reichsritter durch Ansbach-Bayreuth (1792-1798), Göttingen 2012. 1803 wurde Hänlein als Freiherr in den Preußischen Adelsstand erhoben.)
Aber erst im Mai 1809 konnte die Preußische Gesandtschaft eröffnet werden (Vgl. GStA PK, III. HA MdA, ZB Nr. 687; III. HA MdA, I Nr. 2713.) Hänlein, dem der als Legationssekretär bestimmte Legationsrat Herr Kauffmann (auch: Kaufmann; Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 81 Frankfurt a.M./G, Nr. 5.) zur Seite stand, wurde im selben Jahr Preußischer Gesandter am Fürstprimatischen Hof zu Aschaffenburg. Im Dezember 1812 nahm Preußen die diplomatischen Beziehungen zu Hessen-Darmstadt und Nassau auf, die in Personalunion von dem Gesandten in Frankfurt wahrgenommen wurden. Hänlein wurde zusätzlich 1813 Außerordentlicher Gesandter und Bevollmächtigter Minister in Kurhessen (Vgl. GStA PK, VI. HA, Nl Hardenberg, K. v., K Nr. 41.) Da der Legationssekretär seinen Posten bereits 1809 gekündigt hatte und von Hänlein einige Zeit ohne Hilfe die Geschäfte der Ge-sandtschaften versah, wurde ihm im März 1813 Herr Mützel (1785-1837), der seit 1811 im Büro des Staatskanzlers angestellt gewesen war, als Legationssekretär beigegeben (Vgl. Neuer Nekrolog der Deutschen, hg. von Friedrich August Schmidt, Band 15, Weimar 1839, S. 1279.)
Mit Beginn der Befreiungskriege 1813 mussten auf französischen Druck Frankfurt wie auch die anderen Rheinbundstaaten, so Hessen-Darmstadt und Nassau, die diplomatischen Beziehungen zu Preußen abbrechen. Damit endete die preußische diplomatische Mission bei dem de jure 1814 aufgelösten Großherzogtum Frankfurt.
Der Wiener Kongress beschloss die Wiederherstellung Frankfurts als Freie Stadt innerhalb des Deutschen Bundes und der Bundestag des Deutschen Bundes wählte von 1815 bis 1848 und von 1850 bis 1866 die Stadt als seinen Sitz. Preußen richtete eine Gesandtschaft am Bundestag ein (GStA PK, I. HA Rep. 75 A), und Hänlein wurde 1816/17 der erste Preußische Bundestags-Gesandte (GStA PK, III. HA MdA, I Nr. 1864).
Hervorzuheben ist bei diesem Bestand die bis Juli 1813 laufende detaillierte Berichterstattung über die Truppenbewegungen im Rhein-Maingebiet und in Süddeutschland. Die meisten Erlasse an den Gesandten von Hänlein sind chiffriert, die Chiffren sind aber von der Gesandtschaft aufgelöst worden. (Vgl. auch GStA PK, III. HA MdA, I Nr. 2698: Chiffren für den diplomatischen Agenten von Haenlein beim Fürstprimas in Frankfurt/Main, 1809.)
Gesandter:
1809 - 1813 Hänlein, Conrad Siegmund Carl von
Legationssekretär:
1809 Kauffmann
1813 Mützel
Literatur:
- Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Reihe A: Preu-ßen, hg. von Walther Hubatsch, Bd. 12 Teil A: Preußische Zentralbehörden, Marburg/Lahn 1978.
- Staatshandbuch über den königlichen preußischen Hof und Staat 1815-1866.
- Neuer Nekrolog der Deutschen, hg. von Friedrich August Schmidt, Band 15, Weimar 1839.
- Preußische Diplomaten im 19. Jahrhundert. Biographien und Stellenbesetzun-gen der Auslandsposten 1815 bis 1870, hg. von Johann Caspar Struckmann, Berlin 2003.
Bestandsgeschichte
Die Archivalien sind mit der Überlieferung der Gesandtschaft Kassel und der Preußi-schen Gesandtschaft am Deutschen Bundestag in Frankfurt vom Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten an das Geheime Staatsarchiv abgegeben worden. 1873 wurde der Bestand erschlossen (Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 178, Nr. 1874, fol. 20v).
Im Rahmen des Archivumzugs nach Dahlem wurde der Gesamtbestand "Gesandt-schaften und Konsulate" 1923 revidiert. Im II. Weltkrieg wurden die meisten Bestände des Geheimen Staatsarchivs zur Sicherung in die Salzbergwerke von Staßfurt und Schönebeck verbracht. Dazu gehörte auch die Bestandsgruppe I. HA Rep. 81 Gesandtschaften und Konsulate. Nach dem Ende des Krieges wurden diese Akten von der Sowjetunion beschlagnahmt und nach Moskau überführt. Die Rückgabe der beschlagnahmten Archivalien des Geheimen Staatsarchivs an die Regierung der DDR erfolgte in den 50er Jahren (1955 und 1959; vgl. GStA PK, I. HA Rep. 178 E, Nr. 153).
Die Akten der Gesandtschaft Frankfurt fanden sich zu einem Teil unter denen der diplomatischen Mission in Frankfurt, zum größeren Teil in denen der Gesandtschaft Kassel, dem späteren Posten des vormaligen Gesandten beim Großherzogtum Frankfurt. Die Archivalien wurden 1973 im ZStA Merseburg, Hist. Abt. II, zu einem eigenen Bestand formiert (vgl. GStA PK, I. HA Rep. 178 E, Nr. 534) und 1979 wurde ein maschinenschriftliches Findbuch erstellt.
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurden 1993 die Archivalien aus dem Zentralen Staatsarchiv, Abteilung Merseburg in die Zuständigkeit des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz rückgeführt. 2016 wurde ein Praktikant mit der Bestandsrevision und der Retrokonversion betraut. Er überarbeitete auch die 1973 in Merseburg verfasste Behördengeschichte sowie die Bestandsgeschichte.
Die vergebenen Signaturen wurden beibehalten, allerdings wurde die Klassifikation überarbeitet und teilweise Klassifikationspunkte zusammengefasst. Darüber hinaus wurden die Titel differenziert und modernisiert sowie einzelne Akten mit Enthält-Vermerken versehen. Außerdem wurden vereinzelte Datierungsfehler korrigiert. Da einige Archivalien nicht geheftet sind, war eine Verpackung in Jurismappen erforderlich.
Bestandsumfang: 20 VE (0,2 lfm)
Laufzeit: 1809 - 1813
Letzte vergebene Nummer: Nr. ______
Der Bestand lagert derzeit im Westhafen.
Die Akten sind auf gelben Leihscheinen wie folgt zu bestellen:
I. HA Rep. 81 Gesandtschaft Frankfurt/Main nach 1807, Nr. #
Die Akten sind zu zitieren:
GStA PK, I. HA Rep. 81 Gesandtschaft Frankfurt/Main nach 1807, Nr. #
Zitierweise: GStA PK, I. HA Rep. 81 Frankfurt a.M./G. nach 1807
- Reference number of holding
-
I. HA Rep. 81 Frankfurt a.M./Großherzogtum I. HA Rep. 81 Frankfurt a.M./G. nach 1807
- Extent
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Umfang: 0,2 lfm (20 VE); Angaben zum Umfang: 0,2 lfm (20 VE)
- Language of the material
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deutsch
- Context
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Tektonik >> STAATSOBERHAUPT UND OBERSTE STAATSBEHÖRDEN, MINISTERIEN UND ANDERE ZENTRALBEHÖRDEN PREUSSENS AB 1808 >> Auswärtige und Bundes-Angelegenheiten >> Auswärtige Angelegenheiten
- Date of creation of holding
-
Laufzeit: 1809 - 1813
- Other object pages
- Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs
- Last update
- 19.08.2025, 12:19 PM CEST
Data provider
Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. If you have any questions about the object, please contact the data provider.
Object type
- Bestand
Time of origin
- Laufzeit: 1809 - 1813