Bestand
Familien: Schenck zu Schweinsberg-Samtarchiv [ehemals X 5 Schenck zu Schweinsberg-Samtarchiv] (Bestand)
Enthält: Der Bestand teilt
sich auf in die Rubriken 'Rechtsgeschäfte allgemein' und
'Lehnsurkunden'.
Die Schwerpunkte dieser
Rechtsgeschäfte liegen bei Vergleichen bzw. Abschieden zwischen
männlichen Erben eines ganerbschaftlichen Erblassers oder
allgemeinen Vergleichen bei strittigen Angelegenheiten, Rezessen
vom Rechnungstag zu Schweinsberg, d. h. Vergleiche über die
Einkünfte nach der jährlichen Rechnungslegung, so genannten
Urfehden, die aus der Haft entlassene Delinquenten im Rahmen von
Delikten, die der schenckischen Gerichtsbarkeit anheim fielen,
unter Nennung von Bürgen schworen, Burgfriedensurkunden, die
seit Beginn des 18. Jahrhunderts individuell von jedem
männlichen Schencken nach Erreichen seiner Großjährigkeit
beschworen wurden, und Lehnsurkunden.
Die
Lehnsurkunden sind nach den Lehnsherren und darüber hinaus den
verschiedenen Lehnsobjekten geordnet.
Als
Lehensherren treten auf:
Herren von Eppstein
Stift Essen
Fürstäbte/Fürstbischöfe von
Fulda
Stift Fulda
Hessen
Grafen/Fürsten zu Ysenburg-Büdingen
Erzstift
Mainz
Grafen/Fürsten von Nassau
Grafen/Fürsten zu Sayn-Wittgenstein
Grafen/Fürsten zu Solms
Grafen von
Ziegenhain
Bestandsgeschichte: Das
Samtarchiv der Schencken zu Schweinsberg ist eines der
wertvollsten Archive hessischer Adelsfamilien. Die urkundliche
Überlieferung (Best. Urk. 134) umfasst 893 Stücke, die
Aktenüberlieferung (Best. 340 Schenck zu Schweinsberg -
Samtarchiv) beläuft sich auf ca. 33 laufende Regalmeter, die
Amtsbuchüberlieferung auf ca. 39,25 laufende Regalmeter (Best.
340 Schenck zu Schweinsberg - Samtarchiv). Die schriftliche
Überlieferung des schenckischen Samtarchivs reicht vom 13. bis
ins 20. Jahrhundert und spiegelt die historische Bedeutung der
Familie Schenck zu Schweinsberg als eines der bedeutenden
Adelsgeschlechter der Landgrafschaft Hessen wider.
Im
Jahre 1920 wurde das Samtarchiv neu geordnet und verzeichnet.
Bis dahin hatten sich die Urkunden, Rechnungen und Akten im
unteren Raum der Vorburg in Schweinsberg befunden. Nun wurde es
in den zwei übereinander liegenden Räumen des Turmes der Vorburg
neu aufgestellt. Die sinnvolle innere Ordnung des Bestandes geht
noch auf den Marburger Staatsarchivar Dr. Dersch zurück; im
Rahmen der Neuordnungsmaßnahmen 1920/21 erstellte Dersch u. a.
ein Repertorium zu der zu dieser Zeit bis 1734 reichenden
urkundlichen Überlieferung. Der Bestand teilt sich demzufolge
auf in die Rubriken 'Rechtsgeschäfte allgemein' und
'Lehnsurkunden'. Bei den Urkunden, die allgemeine
Rechtsgeschäfte wiedergeben, erfolgt eine weitere Klassifikation
nach Zeiträumen. In der Folgezeit kam es zu langen Diskussionen
hinsichtlich der Eignung der Räumlichkeiten zur Unterbringung
des Archivs, bei denen insbesondere die fehlenden
Brandschutzeinrichtungen ins Felde geführt wurden. Schließlich
wurde mit dem am 19.9. und 17.10.1967 zwischen dem Hessischen
Staatsarchiv Marburg und der Schenckenstiftung Samtbau
geschlossenen Vertrag das Samtarchiv zusammen mit verschiedenen
Teillinienarchiven der Familie dem Staatsarchiv Marburg als
Depositum übergeben. Infolgedessen befindet sich das
schenckische Samtarchiv dort seit 1969.
Im Rahmen der
Erschließungsarbeit wurden neue Signaturen vergeben. Anstatt der
alten, aus der Bezeichnung 'Bestand X 5 Schenck zu Schweinsberg
- Samtarchiv' und dem Ausstellungsdatum gebildeten Signatur gilt
jetzt: Bestand Urk. 134, Nr. 1 etc. Außerdem wurden in den
Jahren 2007-2016 die einzelnen Überlieferungen vereinzelt und
umverpackt sowie die Siegel mit Siegeltaschen versehen.
Bei der Bestandserschließung wurde auf Vorarbeiten der
jüngeren Zeit zurückgegriffen. Dies führte zum einen dazu, dass
die Urkundennummern 34, 42, 63, 124, 837 und 838 nicht belegt
werden konnten. Zum anderen entspricht die laufende Nummer nicht
immer der chronologischen Reihenfolge, in der die Urkunden in
ihrem jeweiligen Klassifikationspunkt verzeichnet sind (z. B. 1
Rechtsgeschäfte allgemein, Klassifikationspunkt 1200-1400: Die
chronologisch ersten fünf Urkunden tragen die Stücksignaturen 1,
2, 3, 896, 4). Der Familienname Schenck zu Schweinsberg wird
durchgehend mit 'ck' geschrieben.
Geschichte des
Bestandsbildners: Als eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter
Hessens haben die Mitglieder der Familie Schenck zu Schweinsberg
seit dem Mittelalter die Geschichte Hessens als adlige
Herrschaftsträger, geistliche und landesherrliche Amtsträger
sowie in gehobenen Positionen im Militär- und Hofdienst
nachhaltig geprägt. Mit dem landgräflich-thüringischen Burgmann
zu Marburg und Grünberg, Guntram, sowie dem Vogt des
Reichsstifts Essen in Fronhausen, Ludwig, können die frühesten
Vertreter der Adelsfamilie im 13. Jahrhundert namhaft gemacht
werden. Seit 1241 tritt Guntrams gleichnamiger Sohn als
pincerna, also Mundschenk der Grafen von Ziegenhain und
landgräflich-hessischer Schenk am Hofe Sophies von Brabant und
ihres Sohnes, Heinrichs des Kindes, auf. In der Folgezeit wurde
Guntrams Hofamtstitel Bestandteil des Familiennamens der
Schweinsberger. Guntrams Amt war demnach noch nicht erblich; er
vererbte seinen Söhnen aber den Namen Schenk. Eine solche
Aufnahme eines Hofamtes als Namensbestandteil ist nicht
ungewöhnlich.
Seit dem ersten Drittel des 15.
Jahrhunderts besetzten die Schweinsberger das hessische
Erbschenkenamt. Eberhard Schenck der Jüngere wurde aufgrund
seiner treuen Gesinnung und Dienste von Landgraf Ludwig I. von
Hessen mit diesem Ehrenamt ausgezeichnet. Das Schweinsberger
Schenkenamt bestand wie die übrigen hessischen Hofämter in
Kurhessen bis zum Jahre 1918 weiter fort. Seitdem führen die
Familienältesten die traditionellen Titel bis heute
weiter.
Die Schweinsberger Adelsherrschaft konnte -
begünstigt durch Phasen herrschaftlich-politischer Schwäche der
hessischen Landgrafen - bis weit in die Neuzeit hinein eine
relative Unabhängigkeit gegenüber der hessischen
Landesherrschaft und Territorialstaatlichkeit wahren. Als
Grundlage für diesen Umstand lassen sich drei Faktoren
herausstellen. Zunächst ist auf die Lage ihrer in den 1230er
Jahren am Ostrand des Amöneburger Beckens errichteten Stammburg
Schweinsberg zu verweisen. Östlich von Marburg lag diese
strategisch überaus günstig in der Konfliktzone zwischen den
territorialpolitischen Gegnern Hessen und Mainz, was den
umworbenen Schencken zahlreiche Privilegierungen der Landgrafen
einerseits und des Erzstifts andererseits einbrachte. Zum
zweiten Herrschaftsmittelpunkt der Schweinsberger avancierte
sodann seit dem späten 15. Jahrhundert die Burg Hermannstein bei
Wetzlar. Johann der Jüngere Schenck zu Schweinsberg baute sie
seit den 1480er Jahren mit hohen Ambitionen zum neuen Hauptsitz
des durch ihn begründeten Familienzweiges aus. Daneben - dies
ist der zweite Faktor - verfügten die Schencken zu Schweinsberg
über einen ausgedehnten Lehnsbesitz. Von besonderer Bedeutung
waren hierbei die Rechte der Schencken zu Schweinsberg im so
genannten Eigengericht südwestlich von Marburg, Lehen des
Reichsstifts Essen, sowie im Gericht Reizberg, ebenfalls
südöstlich von Marburg, und im Kirtorfer Eußergericht bei
Alsfeld, beides nassauische Lehen. Des Weiteren besetzten sie,
wie bereits erwähnt, seit dem 15. Jahrhundert das hessische
Erbschenkenamt. Ein wesentliches Charakteristikum der
Adelsfamilie Schenck zu Schweinsberg war schließlich - drittens
- ihre ganerbschaftliche Familienorganisation. Durch den
Abschluss von Ganerbenverträgen bzw. Burgfrieden begegneten die
Schencken frühzeitig der Aufsplitterung ihrer Besitztümer und
regelten ihr Zusammenleben auf der Stammburg Schweinsberg. Über
die Ganerbschaft, das gemeinsame Familienvermögen, konnten die
Ganerben nur gemeinschaftlich verfügen. Die Familienganerbschaft
Schweinsberg, der so genannte Samtbau, wurde von zwei
Baumeistern, den jeweils Ältesten der beiden Familienlinien
Schweinsberg und Hermannstein, verwaltet. Diese Regelungen
ermöglichten den Schweinsbergern ein geschlossenes Auftreten
nach außen. Es gibt Hinweise darauf, dass der ganerbschaftliche
Zusammenschluss der Familie Schenck zu Schweinsberg bereits aus
der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert. Der älteste
erhaltene Burgfrieden stammt dagegen aus dem Jahre 1447 (Best.
Urk. 134, Nr. 32).
Bis in das 18. Jahrhundert hinein
gelang es den Schencken vor diesem Hintergrund, sich des
landesherrlichen Anspruchs der Landgrafen von Hessen auf
umfassende Unterordnung unter den hessischen Territorialstaat zu
erwehren und eine gewisse Sonderstellung zu behaupten. Dann
jedoch musste sich die Adelsfamilie dem landgräflichen Druck
beugen und ihre im Grunde nicht zu bestreitende Landsässigkeit,
d. h. ihre Unterordnung unter die Herrschaft der
Territorialherren, anerkennen.
Zur weiteren
Charakterisierung der Schweinsberger sei auf die im Jahre 1875
erfolgte großherzoglich-hessische Bestätigung ihres
Freiherrenstandes und die Erhebung in den preußischen
Freiherrenstand im Jahre 1887 (Best. Urk. 134, Nr. 438)
verwiesen. In einer beschränkten Auswahl der prominenten
Mitglieder der Familie Schenck zu Schweinsberg sind die
hessischen Statthalter Johann († 1506), Hermann († 1521) und
Rudolf († 1551), die Fuldaer Fürstäbte Philipp († 1550), Philipp
Georg († 1568) und Johann Bernhard († 1632) sowie die beiden
kurhessischen Minister Ferdinand († 1842) und Wilhelm († 1867)
zu nennen.
Findmittel: Repertorium
Schenck zu Schweinsberg Samtarchiv, angelegt 1920,
handschriftlich, 1 Band (Signatur: R 1999).
Findmittel:
Arcinsys-Datenbank
Findmittel: Repertorien
des Hessischen Staatsarchivs Marburg: Urk. 134 Schenck zu
Schweinsberg Samtarchiv, bearb. von Harald Winkel, Marburg 2012
(Signatur: R 1998).
- Bestandssignatur
-
Urk. 134
- Umfang
-
916 Urkunden
- Kontext
-
Hessisches Staatsarchiv Marburg (Archivtektonik) >> Gliederung >> Urkunden >> Sonstige kleinere Urkundenbestände >> Deposita >> Familien
- Verwandte Bestände und Literatur
-
Korrespondierende Archivalien: Urk. 5 Verträge der Landgrafen [ehemals Urk. A I d]; Urk. 13 Generalrepertorium [ehemals Urk. A I t]; Urk. 14 Landgräfliche Aktiv- und Passivlehen [ehemals Urk. A I u]; Urk. 49 Hessische Adels- und Bürgerfamilien [ehemals Urk. A VI]; Urk. 72 Hanau, Adel [ehemals Urk. O II e]; Urk. 75 Fulda, Stift [ehemals Urk. R I a]; Urk. 76 Fulda, Lehnreverse [ehemals Urk. R I b]; Urk. 135 Schenck zu Schweinsberg – Loshausen [ehemals Urk. X 5]; Urk. 136 Schenck zu Schweinsberg – Niederofleiden [ehemals Urk. X 5]; Best. 17 c Regierung Kassel Lehnhof; Best. 17 d Regierung Kassel Familienrepositur; Best. 17 e Regierung Kassel Ortsreposituren; Best. 95 Adel und Lehnhof; Best. 340 Schenk zu Schweinsberg; Best. M 24; P II Karten Schweinsberg.
Literatur: Harald Winkel, Geschichte der Schencken zu Schweinsberg - Eine Einführung, Marburg 2012; H. Becker, Familiensoziologische Untersuchungen hessischer Ganerbenfamilien des 14.-17. Jahrhunderts am Beispiel der Schenken zu Schweinsberg und der v. Hatzfeld, Phil.-Diss. Berlin 1983; K. A. Eckhardt, Die Schenken zu Schweinsberg, in: Hess.Jb.LG 3, 1953, S.96-149; Karl E. Demandt, Der Personenstaat der Landgrafschaft Hessen im Mittelalter (VHKH 42), Marburg 1981, 2.Teil, S.739-751; W. A. Eckhardt, Zur Geschichte von Burg und Stadt Schweinsberg, in: Schweinsberg 650 Jahre Stadt, Marburg 1982, S.15-20; K. Schenck zu Schweinsberg, Im Dienste glanzloser Kronen, Aus dem Leben des kurhessischen Staatsministers Ferdinand Schenck zu Schweinsberg (1765-1842) (VHKH 46,6), Marburg 2001; E. H. Kenschke, Deutsches Adels-Lexikon, 8. Bd., Leipzig 1868, S. 137ff.; S. Frhr. von Dörnberg, Stammtafeln der Althessischen Ritterschaft [...], Bad Hersfeld 1958; R. Knappe, Mittelalterliche Burgen in Hessen, 2. Aufl., Gudensberg-Gleichen 1995, S. 268f.; K. Stahr, Marburger Sippenbuch 1500-1850, Bd. 18,, Marburg 1961, S. 210ff.
- Bestandslaufzeit
-
1235-1929
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- Letzte Aktualisierung
- 10.06.2025, 08:12 MESZ
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Objekttyp
- Bestand
Entstanden
- 1235-1929