Archivbestand

Pfarrarchiv St. Clemens Kaldenkirchen (Bestand)

Vorwort Über das Pfarrarchiv wurde im Juni 2009 mit Pfarrer Benedikt Schnitzler ein Depositalvertrag geschlossen. 2010 übernahm das Kreisarchiv den Bestand.Der Ort Kaldenkirchen, heute Teil der Stadt Nettetal, wurde urkundlich erstmals 1206 erwähnt und gehörte fast 500 Jahre lang zum Herzogtum Jülich, in unmittelbarer Grenzlage zum Herzogtum Geldern. Dies Lage schlägt sich in den Urkunden und Akten nieder, denn es zeigt sich, dass die Beziehungen zum geldrischen Venlo in wirtschaftlicher und kirchlicher Hinsicht sehr eng waren. Für die lokale weltliche Gerichtsbarkeit war die gemeinsame Dingbank, also das Schöffengericht Kaldenkirchen-Bracht zuständig, die Verwaltung lag beim Amt Brüggen. In der Zeit der napoleonischen Herrschaft gehörte die Bürgermeisterei Kaldenkirchen zum Kanton Bracht im Roerdepartement.Die katholische Gemeinde Kaldenkirchen mit ihrer Kirche St. Clemens wird zum ersten Mal 1291 erwähnt. Sie gehörte im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Bistümern an, zunächst dem Bistum Lüttich, in der französischen Zeit und bis 1821/25 dem 1802 neugegründeten Bistum Aachen, während der preußischen Zeit bis 1930 dem Bistum Münster und infolge des Preußenkonkordats seit 1930 erneut dem wiedererrichteten Bistum Aachen. Die vorliegende Verzeichnung lehnt sich an zwei ältere Verzeichnungen durch das Bistumsarchiv Aachen von 1974 (1. Teil) und durch Dr. Leo Peters (2. Teil) in den 1990er Jahren an. Weder die Klassifizierung noch die Signaturen der vormaligen Verzeichnung konnten übernommen werden, da nun beide Teile zu einem in sich schlüssigen Bestand zusammengefügt werden sollten und noch unverzeichnetes Material mit eingeordnet werden musste. Gerade im Hinblick darauf, aber auch aufgrund der Tatsache, dass sich in einzelnen Verzeichnungseinheiten (VE) verschiedene Vorgänge finden, die offenkundig nicht zusammengehören und durch die Zufälle der Zeit zusammengeführt wurden, wäre es in vielen Fällen angezeigt gewesen, die Verzeichnungseinheiten aufzulösen und neu zu ordnen. Davon wurde jedoch abgesehen, da die Quellen bereits in der Literatur zitiert worden sind. Stattdessen wurden neue, treffendere Aktentitel gebildet und darüber hinaus die inhomogenen Inhalte detailliert aufgeführt. Die für die Forschung wichtigen Altsignaturen wurden bei der Neuverzeichnung vermerkt.Im Jahre 1929 fertigte die Landesarchivberatungsstelle ein Gutachten über das Pfarrarchiv an und im Zuge dessen wurde es zum ersten Mal von einem Theologiestudenten grob sortiert und verzeichnet. Das Gutachten ist heute Bestandteil dieses Bestandes und in der VE Nr. 146 zu finden. Es hebt die besondere Bedeutung des Pfarrarchivs hervor, welche damals vor allen Dingen in der Klosterbibliothek gesehen wurde, die sich heute im Pfarramt befindet. Durch diese Vorgänge wurde das Bistum auf das Pfarrarchiv aufmerksam. Im Jahre 1939 wurde es zum Schutz vor Kriegseinwirkungen in das Bistumsarchiv überführt. Erst in den 1990er Jahren kam es nach Kaldenkirchen zurück.Das älteste Archivale des vorliegenden Bestandes ist eine Urkunde aus dem Jahr 1430 über die Weihe des Heilig-Kreuz-Altars, die jüngsten Archivalien reichen bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, wobei die Unterlagen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg größtenteils in die 40er und 50er Jahre datieren.Es fällt auf, dass bestimmte Zeiträume sich eher schwach in den Akten nachzeichnen lassen. Dies trifft vor allem auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zu. Dies ist sehr wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sich nach wie vor Teile des Pfarrarchivs im Pfarramt in Kaldenkirchen befinden. Das Archiv ist insgesamt eine bedeutende Quelle für die Geschichte der frühen Neuzeit und der darauffolgenden Epochen am linken Niederrhein. Besonders wichtig ist das Pfarrarchiv sicherlich für die Erforschung des sogenannten Birgittenordens. In Kaldenkirchen wurde 1625 im Zuge der Gegenreformation das Kloster Mariafrucht gegründet, welches zum "Erlöserorden" ("Ordo Sancti Salvatoris") gehörte, der auf die heilige Birgitta von Schweden (1303-1373) zurückgeht. In den Quellen ist daher sowohl die Rede vom Kloster oder Konvent Mariafrucht, vom Birgittenkloster (alternative Schreibweise „Brigittenkloster“) und - in den Anfangszeiten - von Marienbaum (auch „Marienboom“), da die Gründung in Kaldenkirchen durch Ordensangehörige des Klosters Marienbaum vollzogen wurde, vgl. Nr. 39 und Nr. K/24. Eine Schwierigkeit bei der Verzeichnung stellte die enge Verzahnung von Pfarre und Konvent dar, denn seit Gründung des Klosters versah jeweils der Prior das Amt des Pastors der Pfarre Kaldenkirchen. So wurden zwar die ausschließlich das Kloster betreffende Archivalien unter dem entsprechenden Klassifikationspunkt zusammengefasst, weitere Unterlagen sind jedoch auch in anderen Verzeichnungseinheiten zu finden. Dies hängt neben der Verflechtung von Pfarre und Kloster mit den älteren Erschließungen zusammen.Ein Teil der Archivalien wurde in den 1990er Jahren restauriert, weitere bedürfen jedoch noch der Restaurierung. Manche sind in einem so schlechten Zustand, dass sie für die Benutzung gesperrt werden mussten. Dies wurde im Einzelnen bei den Verzeichnungseinheiten festgehalten.Predigten des 18. bis 19. Jahrhunderts mit einem Umfang von fünf Kartons blieben vorerst unverzeichnet. Die vorliegende Verzeichnung erfolgte von November 2021 bis Februar 2022 durch Annegret Hols.

Bestandssignatur
K 3
Umfang
30 Kartons (31 KÄ)

Kontext
Kreisarchiv Viersen (Archivtektonik) >> K Kirchliche Archive
Verwandte Bestände und Literatur
Leo Peters, Geschichte der Stadt Kaldenkirchen. Teil I+II, Kleve 1998; Föhl, Walter, Die ältesten Kaldenkirchener Bruderschaften, HBV 1961, S. 104-112

Föhl, Walter, Die ältesten Kaldenkirchener Bruderschaften, HBV 1961, S. 104-112

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Letzte Aktualisierung
05.11.2025, 13:59 MEZ

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Objekttyp

  • Bestand

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