Bestand
Handwerkskammer Aurich (Bestand)
Bestandsgeschichte:
VORWORT
1. Geschichte der Handwerkskammer
Die
Forderung des Handwerks nach Selbstverwaltung und Interessenvertretung
geht bis in das Revolutionsjahr 1848 zurück. Allerdings ließ sich
diese Forderung damals nicht durchsetzen, auch wenn es in
verschiedenen deutschen Ländern in den folgenden Jahrzehnten zur
Bildung von Handwerksvertretungen kam. Erst am 26. April 1897 wurden
mit dem § 103 der Gewerbeordnung die damaligen Reichsländer
verpflichtet, Handwerkskammern "zur Vertretung der Interessen des
Handwerks" einzurichten. Die meisten der auch heute noch bestehenden
niedersächsischen Handwerkskammern wurden in den Jahren 1899 bzw. 1900
ins Leben gerufen.
Im Nordwesten war bereits sehr früh die
Schaffung einer gemeinsamen Handwerkskammer für die Regierungsbezirke
Osnabrück und Aurich im Gespräch, so dass am 17. August 1899 ein
"Statut der für die Regierungsbezirke Osnabrück und Aurich errichteten
Handwerkskammer zu Osnabrück" erlassen wurden. Obwohl der Sitz der neu
geschaffenen Handwerkskammer in Osnabrück lag, verfügten die
ostfriesischen Vertreter in der Vollversammlung über eine Mehrheit von
zwei Stimmen, da sich die Sitzverteilung an der Anzahl der Innungen
und nicht an der Zahl der Betriebe orientierte. Allerdings ergaben
sich schon nach wenigen Jahren Spannungen zwischen den 13
Kammermitgliedern des Bezirks Osnabrück und den 15 aus dem Bezirk
Aurich, die in einem Streit um die Einrichtung einer Gewerbehalle für
Ausstellungszwecke in Osnabrück gipfelten. Bereits 1902 fand eine
Protestveranstaltung in Aurich statt, in der die
"Los-von-Osnabrück"-Stimmung artikuliert wurde. 1907 fand der
Trennungsbeschluss in der Vollversammlung der Trennungsbeschluss eine
Mehrheit von 17 : 12 Stimmen, worauf hin mit dem Erlass vom 9. Oktober
1907 die Schaffung einer eigenen Handwerkskammer für den Bezirk Aurich
genehmigt wurde.
Am 28. April 1908 fand die
erste
Bestandsgeschichte:
Vollversammlung der Handwerkskammer Aurich statt. Der Emder
Tapeziermeister August Kamberger wurde zum Vorsitzenden der neuen
Kammer gewählt. Das Amt des "Syndikus" übernahm der Hooksieler Dr.
rer. pol. Heinrich Reiners. In den ersten Jahren nutzte man zwei
angemietete Büroräume am Georgswall 3. Von Jahr zu Jahr erweiterte
sich jedoch der Aufgabenkreis der Kammer, so dass insbesondere durch
die Hinzunahme der Gewerbeförderung größere Räumlichkeiten notwendig
wurden. 1912 erwarb die Kammer zunächst das Gebäude Kirchdorfer Straße
21, um dann 1951 auf das Grundstück Kirchstraße 15 umzusiedeln, auf
dem hinter dem Verwaltungsgebäude (heute: Sozialgericht) noch ein
Neubau für die Gewerbeförderungsstelle mit Zugang vom Schulwall
errichtet wurde. Bereits 1967/68 erfolgte schließlich der Neubau in
der damaligen Rudolf-Eucken-Allee. Neben dem Verwaltungsgebäude
entstanden neue Unterrichtsräume für die Gewerbeförderungsanstalt
sowie ein Werkstattgebäude mit angegliederter
Hausmeisterwohnung.
Bis zum Inkrafttreten der
Handwerksnovelle vom 11. Februar 1929 rekrutierten sich die Mitglieder
der Handwerkskammer (Vollversammlung) aus den Vertretern der Innungen
und Gewerbevereine. Mit dem Inkrafttreten dieser Novelle wurden die
Handwerkskammern von allen in der Handwerksrolle eingetragenen
selbständigen (natürlichen und juristischen) Personen in allgemeiner,
gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl gewählt. Doch am 29.
November 1933 setzte mit dem Grundgesetz über den vorläufigen Aufbau
des deutschen Handwerkes eine neue Handwerksgesetzgebung ein, die auch
viele langjährige Forderungen des ostfriesischen Handwerks erfüllte.
So wurden zahlreiche kleine Innungen zusammengelegt und in
Zwangsinnungen überführt. Weiterhin wurden in allen Kreisen des
Regierungsbezirks (Aurich, Emden, Leer, Norden, Wittmund)
Kreishandwerkerschaften errichtet. Ein Gesetz vom 26. Januar 1937
regelte
Bestandsgeschichte: zudem, dass
der Stadtkreis Wilhelmshaven aus dem Kammerbezirk Aurich ausschied und
mit Wirkung vom 1. April zur Handwerkskammer Oldenburg zugeordnet
wurde.
Auch innerhalb der Kammer versuchten die
Nationalsozialisten ihren Einfluss zu erhöhen. Allerdings gelang es
dem Vorstand, den Syndikus Dr. Pieper, der 1929 die Nachfolge von Dr.
Reiners angetreten hatte, im Amt zu halten, obwohl ihm die
Nationalsozialisten vorwarfen, die Demokratie der Weimarer Republik
unterstützt zu haben und nicht national genug eingestellt zu
sein.
Einen weiteren wichtigen Einschnitt brachte das Jahr
1942, als die Handwerkskammern gegen den Protest des Handwerks
aufgelöst und mit den Industrie- und Handelskammern in den sogenannten
Gau-Wirtschaftskammern zusammengefasst wurden. Die Handwerkskammer
Aurich wurde in die Wirtschaftskammer Emden der Gauwirtschaftskammer
Weser-Ems in Bremen überführt. Als "Abteilung Handwerk" konnte die
Kammer die laufenden Geschäfte fortführen, bis sie am 31. Dezember
1945 durch die britische Besatzungsmacht ihre Eigenständigkeit zurück
erhielt. Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Ordnung des Handwerks
(Handwerksordnung) durch den deutschen Bundestag am 26. März 1953
wurde bestimmt, dass die Handwerkskammern als Körperschaften des
öffentlichen Rechts die Interessen des Handwerks zu vertreten hatten.
1960 beschloss die Vollversammlung unter ihrem neuen Präsidenten
Rudolf Nagel, der Kammer einen neuen Namen zu geben: aus der
"Handwerkskammer Aurich" wurde die "Handwerkskammer für
Ostfriesland".
2. Der Bestand
Nachdem die
Handwerkskammer zu Aurich bereits 1927 die fünf Jahre zuvor
erschienene Dissertation von Bernhard Johann von Sterendorp: "Das
Handwerk im Wirtschaftsleben Ostfrieslands von der Mitte des 18.
Jahrhunderts bis zum Jahre 1866" (Signatur: Dep. 43, Nr. 1) beim
Staatsarchiv Aurich in einem Depositum hinterlegte, kam es in den
folgenden
Bestandsgeschichte: siebzig
Jahre zu keinen weiteren nennenswerten Kontakten zwischen der
Handwerkskammer und dem Staatsarchiv. Einzelne Versuche ab 1997, die
Handwerkskammer zur Abgabe weiterer Akten zu bewegen, blieben
erfolglos. Erst im August 2008, als die Handwerkskammer ihr
100jähriges Jubiläum beging, kam es zum Abschluss eines regulären
Depositalvertrages zwischen der Handwerkskammer für Ostfriesland und
dem Staatsarchiv Aurich. Die Altakten der Handwerkskammer wurden vom
Staatsarchiv Aurich gesichtet, worauf noch im November bzw. Dezember
2008 die Übernahme von zwei Aktenablieferungen (acc. 2008/55 und acc.
2008/64). erfolgte. Die Verzeichnung der Akten konnte bereits im
Januar 2009 abgeschlossen werden.
Der Bestand umfasst neben
Unterlagen zur Organisation der Handwerkskammer (insbesondere Akten
für die Gebäudeneubauten) und den Meisterprüfungen vor allem die
Schriftwechsel mit den Innungen und Kreishandwerkerschaften ab 1934,
und stellen somit eine bedeutsame Quellengrundlage für das Handwerk in
Ostfriesland im 20. Jahrhundert dar.
3. Literatur
Fritz Daniel, 75 Jahre Handwerkskammer in Aurich: kurze
Geschichte der Handwerkskammer für Ostfriesland, in: Ostfriesland
1983, Heft 1, S. 2-4.
Festschrift zum 50jährigen Jubiläum
der Handwerkskammer Aurich, Aurich 1958.
W. Herhaus, Die
niedersächsischen Handwerkskammer. Entwicklung und heutige Aufgaben,
in: Neues Archiv für Niedersachsen 9 (1957/58), S. 251-256.
Gertrud Scharf, Die Tätigkeit und Entwicklung der
Handwerkskammern, Stuttgart 1910.
40 Jahre Handwerkskammer
Aurich. Jubiläumsfestschrift und Tätigkeitsbericht für die Jahre
1933-1948, Aurich 1948.
Heinz-Dieter Wilts, Das Sprachrohr
des Handwerks: Die Handwerkskammer für Ostfriesland in Aurich, in:
Ostfriesland Journal 16 (1986), Heft 10, S. 14-17.
Wir sind
Handwerker. 100 Jahre Handwerkskammer für Ostfriesland, Aurich
2008.
Aurich, im Januar
Bestandsgeschichte: 2009
Dr. Michael
Bestandsgeschichte:
Hermann
Zusatzinformationen:
Abgeschlossen: Nein
Zusatzinformationen: teilweise
verzeichnet
- Reference number of holding
-
NLA AU, Dep. 43
- Context
-
Nds. Landesarchiv, Abt. Aurich (Archivtektonik) >> Gliederung >> 2 Nichtstaatliche Bestände >> 2.2 Firmen und Wirtschaftsorganisationen
- Date of creation of holding
-
1857-1996
- Other object pages
- Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs
- Last update
- 16.06.2025, 11:33 AM CEST
Data provider
Niedersächsisches Landesarchiv. If you have any questions about the object, please contact the data provider.
Object type
- Bestand
Time of origin
- 1857-1996