Bestand
Universität Kassel (Gesamthochschule): Werkkunstschule (Bestand)
Enthält: • statistische
Erhebungen der Staatlichen Werkkunstschule Kassel (WKS) zur
Weiterleitung an den Regierungspräsidenten
•
Personalakten, Haushaltsvorschläge, Stellenpläne
•
Unterlagen zum Neubau der Staatlichen Werkkunstschule Kassel in der
Karlsaue, Bewilligung der Mittel für die Erstausstattung des
Gebäudes
• Lehrpläne, Zusammenarbeit mit der
Studierendenverwaltung, Anfragen von Studieninteressierten zu den
Zulassungsbedingungen
• von der Werkkunstschule selbst
zusammengestellte Sammlungen zur Geschichte der Einrichtung, darin
unter anderem Jahresberichte der Königlichen Kunstgewerbeschule und
Gewerblichen Zeichenschule in Kassel von 1908
• Akten
zur Vorbereitung von Veranstaltungen
• Schriftverkehr
der WKS mit anderen Bildungseinrichtungen (u.a. mit Universitäten
und Fachschulen)
• Protokolle von Fachgremien (u.a.
Kuratorium der Staatlichen Werkkunstschule Kassel, vorläufiges
Konvent der Hochschule für Bildende Künste und der Staatlichen
Werkkunstschule Kassel)
• Unterlage der
Riemerschmid-Gesellschaft e.V., dem Förderverein der Staatlichen
Werkkunstschule Kassel (u.a. Protokolle der
Mitgliederversammlungen, Mitgliederkartei, Rechnungen)
Bestandsgeschichte: Der
Bestand enthält die Akten der Staatlichen Werkkunstschule Kassel
(WKS) und deren Vorgängerinstitutionen ab 1946, die bis 1970 von
der Bildungseinrichtung in Kassel geführt wurden. Durch einen
Luftangriff wurden die Akten der Schule von vor 1943 nahezu völlig
zerstört. Im Bestand selbst befinden sich einige wenige
Druckschriften der Vorkriegszeit und Kopien der Werbeinformationen
der Vorgängerinstitutionen. Neben den Unterlagen der WKS befinden
sich auch Akten der „Riemerschmid-Gesellschaft der Förderer und
Freunde der Staatlichen Werkkunstschule Kassel e.V.“, die 1958
gegründet wurde, im Bestand. Der Verein war in den Räumlichkeiten
der Werkkunstschule in Kassel untergebracht und wurde zusammen mit
den Akten der WKS abgegeben.
Im Rahmen der
Zusammenlegung der WKS mit der Hochschule für Bildende Künste (HbK)
1970 vereinte man auch deren Registraturen zu einer
Zentralregistratur. Im Rahmen der Integration der so geschaffenen
Hochschule für Gestaltung in die Gesamthochschule Kassel (GhK) 1971
wurden auch die Unterlagen der Zentralregistratur an die GhK
übergeben. Auf Anraten des Staatsarchivs Marburg stand die Idee
eines Universitätsarchivs für die Gesamthochschule im Raum. Doch
aus finanziellen und personellen Gründen konnte diese nicht
umgesetzt werden. Bestände der GhK selbst (Best. 420, 424), sowie
Bestände der Vorgängereinrichtungen der GhK (Best. 429/1-3) wurden
daraufhin gemäß Erlass des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft
und Kunst vom 11. Juni 1997 als Depositum an das Staatsarchiv
Marburg abgegeben. Nach einer Bewertung durch das Staatsarchiv
erfolgte am 21. Juni 1999 die Einlagerung von Best. 429/1
Hochschule für Bildende Künste und Best. 429/2 Werkkunstschule in
die vom Staatsarchiv in der Wilhelmshöher Allee zu diesem Zweck
angemieteten Räumlichkeiten des Landeskirchlichen Archivs Kassel.
Im Rahmen der Bewertung erfolgte keine Kassation innerhalb des
Aktenbestandes der Vorgängerinstitutionen der Gesamthochschule
Kassel. Nur künstlerische Arbeiten der HbK und der WKS wurden als
Museumsgut, und daher als nicht archivwürdig, zurückgewiesen.
2005 wurde das Außenmagazin in Kassel geschlossen und die
Akten, weiterhin als Depositum, nach Marburg in das Staatsarchiv
übergeführt. Im Rahmen der Aussonderung wurden die Akten an der GhK
vorsortiert, in Aktenordner neu zusammengefügt und vorläufig
verzeichnet. Aus den so entstandenen Abgabelisten, die den
Dienstakten beiliegen, wurde 2002 ein Bestandsverzeichnis der
Bestände 429/1-3 erstellt.
Bei der Übernahme der
Unterlagen zu Best. 429/2 Werkkunstschule wurden ebenfalls Akten
der Hochschule für Bildende Künste und eine Akte der GhK in den
Bestand aufgenommen. Darüber hinaus 10 Ordner des
Regierungspräsidenten in Kassel über die Staatliche Werkkunstschule
Kassel, die nach deren Auflösung an die Gesamthochschule Kassel
weitergeleitet worden waren. Die Akten der HbK wurden dem
zugehörigen Best. 429/1 zugeführt und dort verzeichnet (Nr.
393-431), die Akten des Regierungspräsidenten in Best. 401 (Nr.
1502-1514) und die Akte der Gesamthochschule Kassel in Best. 420
Allgemeine Verwaltung (Nr. 5759). Der Bestand 429/2 Werkkunstschule
ist damit vollständig verzeichnet und abgeschlossen. Weitere
Abgaben durch die Gesamthochschule Kassel sind nicht zu
erwarten.
Geschichte des
Bestandsbildners: Der Vorläufer der „Werkkunstschule Kassel“ wurde
als „Kunstgewerbeschule Kassel“ 1869 gegründet und 1900 durch den
preußischen Staat übernommen. Im Verlauf des ersten Weltkrieges kam
es zur beinahe vollständigen Auflösung der Einrichtung, die jedoch
durch die steigende Studierendenzahlen ab 1919 verhindert werden
konnte. 1918 erfolgte eine Umbenennung in „Staatliche
Kunstgewerbeschule Cassel“. Nach 1933 wechselte die Schule mehrfach
ihren Namen und wurde personell erheblich verkleinert. Sie bestand
weiter als „Staatliche Handwerkerschule“, „Meisterschule für das
deutsche Handwerk“, sowie als „Meisterschule für das gestaltende
Handwerk“, wurde jedoch zur Fachschule herabgestuft. Als Folge
eines Luftangriffes wurden 1943 sowohl Gebäude, als auch
Einrichtung vollkommen zerstört. Auch die Aktenbestände der Schule
fielen diesem Angriff zum Opfer. Am 01. Mai 1944 erfolgte die
Einstellung des Unterrichts. Das vorläufige Ende der nun unter dem
Namen „Staatlichen Meisterschule Kassel“ agierenden Einrichtung kam
schließlich mit der Entlassung des kommissarischen
Oberstudiendirektors Bruno Beneke am 06. Januar 1946 auf
Veranlassung der Militärregierung.
Im selben Jahr wurde
von Prof. Alf Niemann, angewiesen vom Leiter der Schulabteilung des
Regierungspräsidenten in Kassel, ein Plan zur Wiederaufnahme des
Unterrichts erstellt. Unterrichtsbeginn an der Nachfolgeinstitution
„Schule für Kunst und Handwerk“ war der 01. Mai 1946. 1947 wurde
die Schule von der früheren Baracke des Reichsarbeitsdienstes auf
dem Gelände der Waldschule Kassel-Wilhelmshöhe in die Goetheanlage
in Kassel verlegt. Im selben Jahr folgte die Namensänderung in
„Schule für Handwerk und Kunst“. Ein erneuter Umzug erfolgte 1949
in die Kaserne in der Eugen-Richter-Straße, an der große
Umbaumaßnahmen erforderlich waren. Durch die Arbeitsgemeinschaft
der Werkkunstschulen wurde der Name „Werkkunstschule Kassel“ für
die ehemalige Kunstgewerbeschule beschlossen. 1950 schließlich
folgte durch ministeriellen Erlass die Umbenennung in „Staatliche
Werkkunstschule Kassel“. Im darauffolgenden Jahr wurde die Fusion
mit der ebenfalls in Kassel ansässigen, von Karl Oskar Blase und
Arnold Bode gegründeten, „Kunstakademie“ vom Haushaltsausschuss des
Hessischen Landtages empfohlen, worauf man den „Vorläufigen
Arbeitsausschuss für Werkakademie und Werkkunstschule“ ins Leben
rief. Reformbestrebungen insbesondere im Bereich des Lehrprogramms
wurden jedoch erst mit der Ernennung von Jupp Ernst zum Direktor
der WKS angestoßen.
Am 30. September 1951 trat Niemann
in den Ruhestand, so dass die Schule bis Dezember 1954 von Walter
Grünwald, dem Leiter der Malerklasse, kommissarisch geleitet wurde.
Unter seinem Nachfolger Jupp Ernst richtete die WKS nicht nur
Ausstellungen innerhalb Deutschlands aus, sondern schaffte es, sich
u.a. mit mehreren gelungenen Ausstellungen auch international zu
positionieren. Die Entwicklung der WKS selbst wurde nachhaltig 1955
von der Anweisung des Kultusministers beeinflusst, gemeinsame
Baupläne für einen Neubau für Werkakademie und Werkkunstschule zu
entwickeln. 1957 erging der Planungsauftrag an den Leiter der
Lehrabteilung Architektur der WKS, Josef Lucas, so dass am 22.
Oktober 1958 die Grundsteinlegung für den Neubau in der Karlsaue
begangen werden konnte. Der Neubau der Werkakademie Kassel erfolgte
direkt daneben. Beide Gebäude konnten 1962 von den Schulen bezogen
werden. Die WKS hatte nun mit modernen Maschinen und Materialien
ausgestattete Räumlichkeiten zur Verfügung. Die neuen
Arbeitsumstände schufen auch die Basis der Teilnahme der WKS an der
documenta 1964, zu der mit großem Erfolg im Neubau die Ausstellung
„Industrial Design und Graphik“ gezeigt wurde.
Die
Direktoren der Werkakademie und der WKS suchten ab 1963 die
Integrationsidee beider Einrichtungen erneut aufleben zu lassen,
was jedoch bis 1966 erfolglos blieb. Das Kuratorium der
Werkkunstschule entwarf auf der Grundlage der ergebnislosen
Verhandlungen eine Satzung für die Bildungseinrichtung, die jedoch
auch weiterhin auf den Status einer Hochschule verzichten musste.
Der Abschluss der Fusion mit der „Hochschule für Bildende Kunst“
(HbK, ehem. Kunstakademie/Werkakademie) konnte 1970 schließlich
doch erreicht werden. Auf Beschluss der Hessischen Landesregierung
vom 03. Dezember 1970 erfolgte die Zusammenlegung der beiden
Schulen am 01. April 1970. Diese Entwicklung wurde maßgeblich durch
den freiwilligen Rücktritt von Jupp Ernst befördert, der zu diesem
Zweck seine Position als Direktor der WKS niederlegte. Die so
geschaffene „Hochschule für Gestaltung“ wurde schließlich nur ein
Jahr später in die „Gesamthochschule Kassel“ integriert. Im Jahr
2000 entschloss man sich, verschiedene Fachbereiche der
Organisationseinheiten zur Kunsthochschule Kassel zusammen zu
fassen.
Findmittel:
Arcinsys-Datenbank
Referent: Herr Dr.
Murk
Zusatzinformationen: Letzte
Aktualisierung: 25.9.2017
- Reference number of holding
-
429/2
- Extent
-
3,25 MM
- Context
-
Hessisches Staatsarchiv Marburg (Archivtektonik) >> Gliederung >> Nichtstaatliche Archive und Deposita >> Hochschulen >> Universität Kassel (Gesamthochschule)
- Related materials
-
Literatur: Jupp, Ernst: Geschichte der Staatlichen Werkkunstschule Kassel seit der Gründung 1869, (Bibliothek des Staatsarchivs Marburg Sig. KLS 67)
Literatur: Gesamthochschule Kassel Organisationseinheit Kunst (Hrsg.): Kritische Festschrift zur 200-Jahr-Feier der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Kassel, die seit 1971 in die Gesamthochschule Kassel integriert [1777-1977]. Kassel, 18. Oktober 1977, Kassel 1977.
- Date of creation of holding
-
1943-1980
- Other object pages
- Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs
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- 10.06.2025, 8:12 AM CEST
Data provider
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Object type
- Bestand
Time of origin
- 1943-1980