Archivbestand
Grafen von Schaesberg (Bestand)
Zur Archivgeschichte Bereits 1671 wurde ein Teil des Schaesbergschen Archivs wegen drohender Kriegsgefahr von Schloss Schaesberg (NL) nach Maastricht gebracht. Um 1786 wurden die Unterlagen des Hausarchivs dann auf Veranlassung von Graf August nach Düsseldorf in das dortige Haus der Familie überführt, am Ende des 18. Jahrhunderts wurden sie dann wegen der Koalitionskriege nach Münster geflüchtet und blieben dort bis 1804. Durch den den Reichsdeputationshauptschluss erhielt Graf Richard 1803 das Amt Tannheim des ehemaligen Reichsstifts Ochsenhausen als Entschädigung für Kerpen-Lommersum und andere linksrheinische Besitzungen erhalten. Die neue Standesherrschaft umfasste Schloss und Ort Tannheim, Oberopfingen, ein Drittel von Berkheim, einen Teil von Kirchdorf sowie die Weiler bzw. Höfe Arlach, Bonlanden, Egelsee, Haldau, Hammerts, Krimmel, Kronwinkel, Oberzell Oyhof, Rohrmühle und Schöntal; der Ort Winterrieden fiel an Graf Sinzendorf. Das mit der neuen Standesherrschaft verbundene Archiv der Grafen von Schaesberg wurde auf Schloss Tannheim in Württemberg verwahrt. Weiteres Archivgut ehemaliger Herrschaften sowie das aus dem Haus der Familie in Düsseldorf nach Münster geflüchtete Archivgut wurde 1804 nach Tannheim verbracht.1830/1831 erfolgte auf Befehl des Grafen eine "Renovation" von Archiv und Registratur des Rentamtes (KAV, M 4 AT, Nr. 3240). Unter Graf Julius wurden 1862 die älteren abgeschlossenen Akten ausgesondert, alle neueren laufenden aber nach einem geänderten Regristraturschema geordnet (KAV, M 4 AT, Nr. 3512). Die Überlieferung bis zum Tod des Grafen 1870 ist erfreulich dicht, insbesondere hinsichtlich der eigentlichen Renteiverwaltung (Berichte, Kassen- und Rechnungsbücher usw.). Neben der erstaunlich umfangreichen Korrespondenz zwischen den Mitgliedern der gräflichen Familie verdienen die Unterlagen Graf Richards aus seiner Tätigkeit in der Kammer der württembergischen Standesherren besondere Aufmerksamkeit. Zur Tannheimer Ortsgeschichte sei noch auf das "Zunft-Büchel" 1682-1787 (KAV, M 4 AT, Nr. 2706) und die Akten der Grafen als Patronatsherren (Besetzung der Pfarrer-, Lehrer- und Mesnerstellen) hingewiesen.Das in einer Bodenkammer von Schloss Tannheim in 24 Kästen verwahrte Hausarchiv ließ Graf Heinrich 1896 von dem Münchener Archivar G. A. Renz neu ordnen. Renz trennte den vorgefundenen Bestand in Urkunden und Akten und beide Teile wiederum in Haus- und Familiensachen einerseits und Besitzungen andererseits. Die Urkunden verpackte Renz in blaue und grüne, die Akten in blaue und rote Umschläge. Die von ihm vorgefundenen älteren Repertorien datierte Renz auf ca. 1786 und damit auf die Zeit der Verwahrung des Hausarchivs in Düsseldorf.Als der Graf 1943 infolge der Kriegsereignisse das Schloss Krickenbeck räumen musste, ließ er auch den Krickenbecker Archivteil nach Tannheim überführen. Nach Kriegsende hinterlegte Graf Josef 1945 aus dem Archiv 36 Urkunden des Klosters Dalheim im Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, heute Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland, wohin sie bereits 1870 auf Umwegen gelangt waren.Mit Vertrag vom 24. Februar 1961 hinterlegte Graf Josef den weit überwiegenden Teil des Archivs der Grafen von Schaesberg als Depositum im Kreisarchiv des Landkreises Kempen-Krefeld, seit 1975 Kreisarchiv Viersen. 1970 lieferte die Rentei Dalheim neun weitere Kästen mit Archivalien an das Kreisarchiv Viersen ab, die wegen ihres Inhalts dem Tannheimer Archivteil zugeordnet wurden (KAV, M 4 AT, Nrr. 3212, 3213, 3628-3761). Die Verzeichnung dieser Ablieferung erfolgte 2001/2002 durch Kreisarchivamtsrätin Vera Meyer-Rogmann.Der 1974 von dem damaligen Kreisarchivar Leo Peters entdeckte 30zeilige Ablassbrief von 1455 (aus der Akte KAV, M 4 AT, Nr. 2065) befindet sich seit 1976 als Dauerleihgabe im Gutenberg-Museum der Stadt Mainz. 1978 übergab der Rheinisch-Bergische Kreis drei Urkunden- und Aktenbände (C 1, C 2 und C 3) über die v. Wylich'schen Güter Großbernsau, Combach usw. an Graf Heinrich zur Aufbewahrung im Kreisarchiv (KAV, M 4 AT, Nrr. 3624-3626). Im folgenden Jahr wurden aus dem Archivteil Tannheim Archivalien des ehemaligen Reichsstifts Ochsenhausen ausgesondert, die als Depositum an die Gemeinde Tannheim gingen. Es handelt sich hierbei um die Urkunden Nrr. 1099-1243, 54 Akten, 96 Bände Amtsbücher und 50 Kartenrollen bzw. Karten mit Bezug auf das ehemalige Pfegamt Tannheim. 2022 schloss Johannes Graf von Schaesberg einen neuen Depositalvertrag mit dem Kreis Viersen, nach dem die 36 Urkunden von Kloster Dalheim und weitere Unterlagen zusätzlich zu dem bisher bereits verwahrten Teil des Hausarchivs in das Kreisarchiv Viersen übernommen werden sollen. Repertorien zum Bestand Zum Archiv der Grafen von Schaesberg wurden im Laufe der Zeit mehrere Teilfindbücher angelegt: Für den ersten Teil der Tannheimer Archivalien (Kasten 1-12) liegt seit rund 120 Jahren ein Findbuch vor, das auf die Ordnungs- und Erschließungsarbeiten des Münchener Archivars G. A. Renz zurückgeht (Alt-Rep. A III 9a; vgl. AVHN 66, S. 182-190). Die Ordnung und Erschließung des Archivteils Krickenbeck erfolgte 1934-1938 durch den Freiherrn Maximilian Hugo Geyr v. Schweppenburg (Alt-Rep. A III 9b).Bis 1955 erarbeitete der Archivpfleger Ludwig Scheffold in Tannheim schlagwortartig ein Gesamtregister für beide Teile, das außerdem die Inhalte der Kästen 13-25 des Archivteils Tannheim umfasste und für diesen Teil bis 2001/2002 das einzige vorhandene Findmittel war (Alt-Rep. A III 9c). Durch die Erschließung von 2001/2002 entstand für den bis dahin praktisch unverzeichneten Teil ein eigenes Repertorium (Alt-Rep. A III 9d). Es umfasste ca. 1500 Nummern und enthielt im Wesentlichen Akten der Rentei Tannheim von 1803 bis ca. 1910 mit wenigen späteren Stücken. Um 2014 wurde der Urkundenteil des handschriftlichen Repertoriums von G. A. Renz durch Katharina Marthin abgeschrieben.Der überwiegende Teil der Überlieferung des 20. Jahrhunderts befindet sich bisher noch in Wegberg-Dalheim und ist durch ein Findbuch des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums erschlossen. Besondere Bestimmungen: Unterlagen mit einer Laufzeit ab dem Jahr 1911 dürfen Nutzern nur vorbehaltlich einer Zustimmung des Eigentümers vorgelegt werden.
- Bestandssignatur
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M 4
- Kontext
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Kreisarchiv Viersen (Archivtektonik) >> M Haus-, Hofes- und Familienarchive
- Weitere Objektseiten
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- Letzte Aktualisierung
- 05.11.2025, 13:59 MEZ
Datenpartner
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Objekttyp
- Bestand