Bestand
Ortenau, Landvogtei (Bestand)
Überlieferungsgeschichte
Die Landvogtei Ortenau blieb seit der Mitte des
16. Jahrhunderts auf Dauer in österreichischer Hand, obwohl sich
Kurpfalz, Baden, der Bischof von Straßburg und die Grafen von
Fürstenberg immer wieder darum bemüht hatten, Reichspfandschaften
über die ganze oder halbe Landvogtei in Territorialbesitz
umzuwandeln. An der österreichischen Hoheit änderte sich auch
nichts, als die Markgrafen von Baden-Baden seit 1701 bis zum
Aussterben der Linie die Ortenau als Lehen innehatten. 1806 fiel
die Landvogtei an Baden, ab 1807 kam das Archiv der Landvogtei
zusammen mit vorderösterreichischen Regierungsakten über die
Ortenau nach Karlsruhe (vgl. Bestand 31).
Inhalt und Bewertung
Nur knapp die
Hälfte der vorliegenden Generalakten entstammen der Landvogtei
selbst. Der Rest setzt sich in erster Linie aus
vorderösterreichischen und badischen Akten zusammen.
Vorwort: Die Landvogtei
Ortenau hat sich aus der fränkischen Gaugrafschaft Mortenau
herausentwickelt, wobei die Landvogtei gegenüber der Gaugrafschaft
einen wesentlich geringeren Unfang hatte. Nach dem Aussterben der
Zähringer, die die Gaugrafschaft innehatten, wurde sie von den
Staufern zu einer Brücke zwischen dem Reichsgut im Elsass und in
Schwaben gemacht. Nach dem Untergang der Staufer nahmen umliegende
Fürsten von dem Reichsgut Mortenau Besitz. Rudolf v. Habsburg
versuchte diesen Prozess ruckgängig zu machen. Er gründete 1274 dir
Reichslandvogtei Mortenau und fasste hierin zusammen, was er an
ehemaligem Besitz der Grafschaft wieder an das Reich ziehen konnte.
Die Landvogtei, die ungefähr aus 30 Dorfern um Ortenberg,
Griesheim, Appenweier und Achern bestand, wurde in der Folgezeit
zumeist an umliegende Fürsten verpfändet. 1334 -1351 war sie so in
badischer Hand. 1351-1551/56 waren die Bischofe von Straßburg
Pfandherren, wobei 1405 die Hälfte der Pfandschaft an die Kurpfalz
fiel, die diese Hälfte 1504 an Fürstenberg weitergaben. Seit dem
15.Jahrhundert wandelte sich die Bezeichnung Mortenau in Ortenau.
1551 bzw. 1556 nahm Osterreich die gesamte Pfandschaft an sich.
1701 wurde die Markgrafschaft Baden-Baden mit der Landvogtei
belehnt. Trotz baden-durlachischer Bemuhungen, die Landvogtei nach
dem Aussterben der baden-badischen Linie in badischer Hand zu
behalten, zog Osterreich 1771 diese wieder an sich und sie blieb
bis zum endgültigen Obergang an Baden im Jahr 1805 in
österreichischer Hand. Das Archiv der Landvogtei kam zu Anfang des
19.Jahrhunderts in das Generallandesarchiv und wurde entsprechend
dem damals angewandten Pertinenzprinzip aufgeteilt und umgeordnet.
Der vorliegende Bestand enthält die Generalakten dieses Archivs,
sowie die Akten anderer Archive, die die Landgrafschaft betreffen.
Ober die Zusammensetzung der Provenienzen des Bestandes gibt das
Provenienzverzeichnis (S.372) Auskunft. Insgesamt 528 Akten (46 %)
entstammen dem Archiv der Landvogtei. 295 Akten (25.7 %) sind bei
österreichischen bzw. vorderösterreichischen Provenienzbildnern
entstanden, 127 Akten (11 %) entstammen Registraturen der
Markgrafschaft Baden-Baden zwischen 1701 und 1771, als diese die
Landvogtei innehatte. 63 Akten (5,5 %) entstammen den Archiven
anderer weltlicher Provenienzbildnern vor 1805 und 36 Akten (3.1 %)
denen geistlicher Territorien. 54 Akten (4.7 %) wurden in
großherzoglich badischer Zeit abgeschlossen. Nicht geklärt werden
konnte die Provenienz in 47 Fällen (4 %) .Die Überprüfung der
zeitlichen Dichte der Überlieferung ergibt folgendes Bild: 5 Akten
(0.3 %) enthalten Schriftverkehr vor 1500, 106 Akten (7.9 %)
enthalten Schriftverkehr des 16.Jh., 210 Akten (15.6 %) des 17.Jh.,
829 Akten (61.6 %) des 18.Jh. und 196 Akten (14.6 %) des 19.Jh. Der
vorliegende Bestand umfasst 1150 Faszikel in 18 lfd. m und hat eine
Laufzeit von 1310 -1815. Er wurde 1919 von Max v. Gulat-Wellenburg
durch ein Zettelrepertorium erschlossen. Dieses Zettelrepertorium
wurde von Unterzeichnetem unter Verwendung des MIDOSA-Programms
überarbeitet. Hierbei wurde der Umfang der einzelnen Faszikel
angegeben, wobei bei Akten mit Blattzahlung oder einem Umfang von
bis zu etwa 10 Blatt .die Blattzahl angegeben wurde, bei anderen
Akten von weniger als 1 cm Umfang die Bezeichnung "1 Fasz." steht,
und bei Akten ab 1 cm Umfang die Zentimeterzahl angegeben ist.
Außerdem wurde die Provenienz (des letzten angefallenen
Schriftstücks) ermittelt und die Filmsignatur hinzugefügt. Die
Aktentitel wurden modernisiert und im Einzelfall durch weitere
Inhaltsvermerke erweitert. Das Findbuch wurde durch Indices
erschlossen. Schließlich ist ihm ein systematisches Verzeichnis der
Provenienzen und eine Konkordanz der Bestellnummern zu den
Ordnungsnummern beigegeben. September 1994 Reinhold Rupp
- Bestandssignatur
-
Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 119
- Umfang
-
1149 Akten (Nr. 1-1153)
- Kontext
-
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Ältere Bestände (vornehmlich aus der Zeit des Alten Reichs) >> Akten >> Kleinere weltliche Territorien >> Ortenau, Landvogtei
- Verwandte Bestände und Literatur
-
Rainer Brüning/Gabriele Wüst (Bearb.), Die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe, Teil 6, Bestände des Alten Reiches, insbesondere Generalakten (71-228), Stuttgart 2006, S.231-232
- Bestandslaufzeit
-
[1007]-1815
- Weitere Objektseiten
- Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs
- Letzte Aktualisierung
- 03.04.2025, 11:03 MESZ
Datenpartner
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Objekttyp
- Bestand
Entstanden
- [1007]-1815