Bild
Werkstatt des Künstlers
Atelieransichten, ein seit der Renaissance immer wieder aufgenommenes Thema, sagen jeweils viel über das Selbstverständnis und den sozialen Stand des Künstlers aus: Bei dieser Darstellung schauen wir an der sitzenden Gattin und den spielenden Töchtern vorbei in einen gepflegten, begrünten Hof, der Maler mit Palette und Pinseln in der Hand steht sinnend an der Tür. »Als Atelier hatte er die, ehemals vom Bildhauer Professor Wredow benutzt gewesene, Werkstatt im Hofgebäude von dessen Hause in der Bernburger Straße gemietet. Dies Atelier lag in dessen Erdgeschoß unmittelbar an dem, sich bis zu den Hinterhäusern der damaligen Hirschel- der heutigen Königgrätzer-Straße erstreckenden weiten Garten und öffnete sich auf diesen« (L. Pietsch, Wie ich Schriftsteller geworden bin, Bd. 2, Berlin 1894, S. 154). Dieses freundlich-natürliche Ambiente ist es, welches dem Bilde seinen noch biedermeierlichen Ausdruck verleiht. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man die dennoch malerisch prunkvolle Ausstattung des Ateliers mit historischen Rüstungen und barockem Mobiliar, welche die bald so beliebte Fülle der Ateliers von ›Malerfürsten‹ wie Makart in Wien, Stuck und Lenbach in München vorwegnimmt. Otto Johann Heinrich Heyden befand sich zur Zeit dieser Darstellung seines Ateliers bereits auf der Höhe seines Ruhmes. Im Gefolge des preußischen Kronprinzen hatte er den Feldzug von 1866 mitgemacht, und in dessen Auftrag malte er nun einige Szenen der Schlacht bei Königgrätz. Das Atelierbild zeigt zwei dieser Bilder in Arbeit, selbstbewußt betont durch die rote Draperie. Wenig später, 1869, sollte Heyden dann den Kronprinzen zur feierlichen Eröffnung des Suezkanals nach Ägypten begleiten; ein Jahr später wird er zum Professor und Hofmaler ernannt. Eine Variante dieser Atelieransicht aus dem Jahre 1866 erwarb der Berliner Verein der Kunstfreunde im preußischen Staate (Verbleib unbekannt; vgl. F. Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Bd. 1/2, Dresden 1895, S. 554, Nr. 13). | Angelika Wesenberg
- Location
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Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin
- Inventory number
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A II 695
- Measurements
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Höhe x Breite: 55 x 68 cm
Rahmenmaß: 72 x 86,5 x 8,5 cm
- Material/Technique
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Öl auf Leinwand
- Event
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Erwerb
- (description)
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1930 erworben im Tausch von Dr. Grzimek gegen Theodor Hosemanns Bild "In der Schänke"
- Event
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Herstellung
- (when)
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1867
- Last update
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08.08.2023, 11:02 AM CEST
Data provider
Alte Nationalgalerie. If you have any questions about the object, please contact the data provider.
Object type
- Bild
Time of origin
- 1867