Fabrik | Laboratorium

Schering AG; Berlin, Charlottenburg-Wilmersdorf

Beispielhaft für den planmäßigen Ausbau des Charlottenburger Standortes von Schering nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Fabrikations- und Laborbauten, Max-Dohrn-Straße 8/10, die Gerhard Fritsche für die mikrobiologische Forschungs- und Produktionsabteilung von Arzneimitteln entwarf. (1) Die 1957-58 erbaute Gebäudegruppe entstand im nordwestlichen Teil des Werksgelände, am Ufer des Westhafenkanals. Fritsches Planung sah einen großen U-förmigen Gebäudekomplex aus Verwaltungs-, Fabrikations- und Laborgebäuden vor. Realisiert wurde allerdings nur der erste Bauabschnitt mit einem Laborgebäude (Haus B3), der angrenzenden Fermentierungshalle (Haus B4) und gegenüber einem Gebäude für die Aufarbeitung mit Transformatoren- und Kompressorenstation (Haus B 6.1). Alle in Stahlbetonskelettbauweise errichteten Bauten zeichnen eine in der Tradition der Moderne stehende sachliche Formensprache aus. Ihre tragenden Elemente blieben sichtbar und die dazwischen gespannten Wände mit vollflächiger Verglasung der Gefache sind als solche ablesbar.° Allerdings ging durch den Einbau neuer Fenster einiges von der Klarheit und Transparenz der kubischen Gebäude verloren. Vor allem das direkt am Kanalufer liegende Gebäude mit den Labors und der Fermentierungshalle hatte einst zu beiden Hausseiten weite Glasbausteinausfachungen. Noch erfahrbar ist die lichtdurchflutete Transparenz der verglasten Treppenhäuser, die als Bindeglied fungieren. So das große vorgezogene Treppenhaus am westlichen Gebäudekopf, das zum Hof eine Wandscheibe mit Uhr abschließt, beindruckt durch seine viergeschossige Verglasung, was Treppenläufe und Podeste wie schwebend erscheinen lassen. Gerhard Fritsche (2), der zur selben Zeit als Kinoarchitekt vieler großer Berliner Filmtheater sich einen Namen gemacht hatte, erweist sich auch auf dem Feld des Industriebaues als gestalterisch sicher. Die noch erhaltenen Gebäude zeugen von seinem Vermögen, komplizierte Produktions- und Verarbeitungsprozesse gestalterisch wie funktional in eine bauliche Form zu bringen, mit den für die Zeit typischen Baustoffen und Konstruktionsweisen. Der Ausbau des mikrobiologischen Betriebs in Charlottenburg führte mit dazu, dass Schering sich zu einem bedeutenden Lieferanten für chemisch-mikrobiologische Hormone auf dem Weltmarkt entwickelte. Fritsches Planung für weitere Werksbauten wurde jedoch nicht realisiert.° ____________° (1) Scheringblätter 8 (1959), H. 6, S. 112 f. und 9 (1960), H. 2.° (2) Gerhard Fritsche (1916-1965) wirkte nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem als Kinoarchitekt in West-Berlin. Er entwarf im Stil der Nachkriegsmoderne eine Reihe von Filmtheatern, die das kulturelle Leben im Nachkriegsberlin mitprägten, u. a. UFA-Palast (heute Astor Film Lounge) 1951-52 und Zoo Palast 1956-57. Daneben war er auf dem Gebiet des Industriebaus tätig. Neben den Bauten für Schering leitete er 1951-59 den Wiederaufbau der Berliner Kindl Brauerei in Berlin-Neukölln. Siehe zum Werk: https://www.gerhard-fritsche.de/ (zuletzt geprüft am 05.01.2021).

Standort
Max-Dohrn-Straße 8 & 10, Charlottenburg-Nord, Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin

Verwandtes Objekt und Literatur

Klassifikation
Baudenkmal

Ereignis
Herstellung
(wer)
Entwurf: Fritsche, Gerhard
Bauherr: Schering AG
(wann)
1957-1958 & 1961

Letzte Aktualisierung
17.12.2025, 09:01 MEZ

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Objekttyp

  • Laboratorium; Fabrik

Beteiligte

  • Entwurf: Fritsche, Gerhard
  • Bauherr: Schering AG

Entstanden

  • 1957-1958 & 1961

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