Archivbestand

200,140/Nachlass Else Noack-Bozi (Bestand)

Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 200,140/Nachlass Else Noack-Bozi


Biographie Else Noack-Bozi (1900-1976)

Elisabeth ("Else") Agnes Anna Leoni Noack-Bozi wurde am 12. November 1900 als Tochter des Juristen Gustav Karl Alfred Bozi (1857-1938) und der Martha Adele Hermine Bozi geb. Frielinghaus (1872-1942) in Bielefeld geboren und wuchs in Hamm (1902-1911) und Bielefeld auf. In Bielefeld besuchte sie zunächst die Cecilienschule, dann die Auguste-Viktoria-Schule und legte dort 1920 die Reifeprüfung ab. Sie studierte Nationalökonomie in Freiburg, München, Detmold (Fürst Leopold-Akademie für Verwaltungswissenschaften) und Frankfurt, wo sie 24-jährig mit einer Arbeit über die "Soziale Gerichtshilfe für Erwachsene" promoviert wurde, ein Thema, dem sich ihr Vater intensiv widmete.

Anschließend arbeitete sie zunächst bei der Sozialen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Ost und legte 1927 die Prüfung zur staatlichen Jugendpflegerin ab. Im gleichen Jahr wechselte sich als Dozentin an die Sozialpädagogische Frauenschule in Breslau und gestaltete für die angehenden Fürsorgerinnen, Jugendleiterinnen und Kindergärtnerinnen und -pflegerinnen einen engagierten und abwechslungsreichen Unterricht. Else Noack-Bozi war Mitglied der Schlesischen Jungmannschaft, die der bündischen Jugend angehörte, nahm an Fortbildungsseminaren teil und entwickelte mit zwei anderen Frauen ein Grundsatzpapier zum Freiwilligen Arbeitsdienst für junge Frauen.

1931 heiratete sie in Beeslau den Studienassessor Dr. Richard Paul Otto Noack (1904-1943) aus Frankfurt/M., den sie über die Jungmannschaft kennengelernt hatte. Gemeinsam entwickelten sie in Breslau Wohnheimprojekte u.a. für Erwerbslose. Noch vor dem 1. Mai 1933 traten sie der NSDAP bei. Während ihr Ehemann im Bereich der Landjahr-Programme der Partei an wechselnden Orten tätig war und Karriere machte, konnte Else Noack-Bozi beruflich nicht Fuß fassen. Nach der Trennung 1939 kehrte sie nach Bielefeld zurück, 1940 wurde die Ehe geschieden. Einem Afrika-Aufenthalt 1939/40 folgte eine Lehrtätigkeit an der Viktoriaschule in Magdeburg, wo sie insbesondere für die neu aufgebaute Fürsorgerinnen- und Gewerbelehrerinnen-Ausbildung zuständig war. Nach Kriegsende blieb sie trotz ihrer früheren Parteizugehörigkeit im Amt, wurde sogar kommissarische Schulleiterin, ehe sie 1951 aus politischen Gründen den Dienst quittierte, nach Bielefeld zurückkehrte und dort von 1953 bis 1959 wieder unterrichtete.

Von 1952 bis zu ihrem Tod 1976 wohnte sie in einem Gartenhaus auf dem Gelände der Villa Bozi am heutigen Albrecht-Delius-Weg. 1968 stiftete sie aus dem großmütterlichen Erbe, das vor allem aus Grundstücksverkäufen für den Universitätsbau in Bochum resultierte, 2 Millionen DM für den Bau eines Altenheimes in Bielefeld-Heepen (Leithenhof).

Else Noack-Bozi verstarb am 19. Juli 1976 in Bielefeld.


Bestandsgeschichte

Der Nachlasssplitter, den Pastorin i.R. Sabine Herbrechtsmeier (Barntrup), eine Nichte Else Noack-Bozis, aufbewahrte, wurde von Jobst Herbrechtsmeier dem Bezirksbürgermeister Holm Sternbacher (Heepen) übergeben und am 25. April 2017 dem Stadtarchiv Bielefeld zugeleitet. Er enthält vor allem PRivatkorrespondenz. Weitere Unterlagen sind bis auf Weiteres nicht feststellbar.

Der 1976/2001 übernommene Bestand 200,8/Nachlass Alfred Bozi enthält auch Korrespondenz zwischen Else Noack-Bozi und ihrem Vater Alfred.


Hinweise zur Benutzung

- Archivalienbestellungen: Bestand 200,140/NL Noack-Bozi
- Zitation: Stadtarchiv Bielefeld (StArchBI), Bestand 200,140/Nachlass Else Noack-Bozi


Literatur

- Herbrechtsmeier, Sabine, Dr. Else Noack-Bozi (1900-1976). Stifterin des Altenzentrums Leithenhof Bielefeld-Heepen, in: Ravensberger Blätter 2000, Heft 2, S. 48-55
- Sunderbrink, Bärbel, „Und half, wo sie nur konnte“. Die Sozialpädagogin und Stifterin Else Noack-Bozi (1900-1976), in: dies. (Hg.), Frauen in der Bielefelder Geschichte, Bielefeld 2010, S. 253-263


Dr. Jochen Rath
Archivdirektor
Bielefeld, April 2017/Januar 2021

Bestandssignatur
200,140/NL Noack-Bozi

Kontext
Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld (Archivtektonik) >> Nichtamtliches Schriftgut >> Familienarchive und Nachlässe

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Letzte Aktualisierung
05.11.2025, 13:59 MEZ

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Objekttyp

  • Bestand

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