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Eberswalde, Breite Straße 42 & 44

Denkmalart:
Baudenkmal
Land:
Brandenburg
Kreis:
Barnim
Ort:
Eberswalde
Ortsteil:
Eberswalde
Straße und Hausnummer:
Breite Straße 42 & 44
Bezeichnung:
Rathaus - Rathaus
Beschreibung:
Denkmaltopographie Barnim, Bd. 5.1, 1997, S. 59 ff.
Das Rathaus erhebt sich städtebaulich dominant im Zentrum des Altstadtkerns, auf der östlichen Seite der Breiten Straße. Zusammen mit der benachbarten Sparkasse und zwei alten Bürgerhäusern begrenzt es die etwa quadratische Fläche des westlich sich anschließenden Marktplatzes. Der heute vorhandene unmittelbare bauliche Bezug zwischen Rathaus und Markt entspricht allerdings nicht der historischen Situation, denn ursprünglich befand sich gegenüber dem Gebäude ein dicht bebautes Wohnquartier.

Baugeschichte: Mehrere Urkunden lassen die Existenz eines Rathauses in Eberswalde bereits für das späte 13. Jh. annehmen. Über seine bauliche Gestalt ist so gut wie nichts bekannt; aus den Dokumenten geht lediglich hervor, daß es sich auf dem Markt befand und daß es neben der großen Ratsstube ein Archivzimmer sowie Verkaufsräume und einen Weinkeller besaß. Den großen Stadtbrand von 1499 überstand der wohl massiv ausgeführte Bau fast unbeschadet. Erst zweihundert Jahre später, am Abend des 26. April 1693, fiel er plötzlich mit einem »erschröcklichen Gekrache« ein. An seiner Stelle entstand 1696-99 ein schlichtes zweistöckiges Fachwerkgebäude mit hohem Walmdach und Dachturm. Dieses zweite Rathaus erhob sich an der Nordostecke des Markts, mit der Giebelfront zur Breiten Straße. In Längsrichtung besaß es einen großen mittigen Durchgang, der alltags zu Verkaufszwecken genutzt wurde. Seitlich davon befanden sich die Ratsräume, im Obergeschoß das Wollmagazin und eine Waage für die Tuchmacher der Stadt. Infolge der Kriegswirren verfiel dieses Rathaus ab 1806 zusehends, weshalb sich der Magistrat 1824 zum Abriß entschloß. Zunächst hatte man anstelle dieses Rathauses einen Neubau geplant, jedoch aus Geldmangel nicht ausgeführt. So erwarb der Magistrat ersatzweise ein stattliches Bürgerhaus an der Breiten Straße (vgl. Nr. 42) und nutzte es für seine Zwecke um. Aufgrund des rasanten Wachstums der Stadt im letzten Viertel des Jh. reichte dessen Platz bald nicht mehr aus. 1893 fiel der Beschluß, ein neues Rathaus zu errichten, jedoch konnte über den Standort lange keine Einigung erzielt werden. Erst 1902 entschied man sich für das jetzige Grundstück und schrieb einen Wettbewerb aus. Eingereicht wurden insgesamt 87 Entwürfe. Zur Ausführung kam der mit dem zweiten Preis bedachte Entwurf der Charlottenburger Architekten Ferdinand Köhler und Paul Kranz. Die Anfertigung des bildhauerischen Schmucks übernahm der Charlottenburger Künstler Fritz Streve, die Ausmalung der Berliner Maler Paul Gathemann. Aus finanziellen Gründen hatte man schon bei Ausschreibung des Wettbewerbs eine zweistufige Verwirklichung der Planungen vorgesehen. Errichtet wurden als erstes der Hauptflügel an der Breiten Straße sowie der rückwärtige Hofflügel. Ihre Einweihung erfolgte 1905. Die anstelle des Bürgerhauses Nr. 42 vorgesehene Eckbebauung mit Glokkenturm sollte später folgen, ist aber nie realisiert worden.

Beschreibung: Straßenseitig ca. drei Meter hinter die Bebauungsflucht zurückgesetzter, über Souterrain zweigeschossiger Baukörper mit steilem, schiefergedecktem Dach und in Formen der deutschen Renaissance gestalte- ter Fassade. Das Sockelgeschoß durch breite Korbbogenfenster und Sandsteinverkleidung abgesetzt. Die glatt verputzten Wandflächen darüber von hohen, kleinteilig gesproßten Rechteckfenstern mit teilweise geschoßübergreifenden Sandsteinrahmungen gegliedert. Repräsentative Betonung der zweiten und der gestalterisch zusammengefaßten sechsten und siebten Achse, beide jeweils von dreistufigem Volutengiebel mit Wappenschmuck im Giebelfeld bekrönt. Am Obergeschoß der letzteren Achsen außerdem Erker mit reichen Verzierungen an Fronten, Unterseite und Konsole. Die zweite Achse zusätzlich aufgewertet durch das hier angeordnete rundbogige Hauptportal, dieses eingefaßt von einer abgestuft bis in Höhe des Obergeschosses geführten Rahmung aus Sandstein mit reichem bauplastischen Dekor. In Gebälkzone über Eingangstür Datierung 1904, darüber zwei kleine Wappen- Postamente mit idealisierten Büsten der Markgrafen Johann (li) und Waldemar (re). In vierter Achse Zugang zum Ratskeller, ebenfalls mit aufwendiger Sandsteinrahmung. In sachlicheren Formen der hofseitige Flügel: Dreigeschossiger, L-förmiger Sichtziegelbau mit Mansarddach. Fenster und Türen durch Rahmungen aus weißen Glasurziegeln betont, die Sohlbänke mit grün glasierten Ziegeln belegt. Am Obergeschoß in Schaufachwerk ausgeführte Wandpartien. Im Innern des Haupttrakts große Teile der ebenfalls in Neorenaissance- Formen gestalteten Repräsentationsräume bewahrt. Hervorhebenswert besonders: das unmittelbar hinter dem Portal gelegene kleine Treppenhaus mit aufwendig gearbeiteten Sandstein-Geländern und Wandmalereien; das dahinter sich anschließende Vestibül, aufgewertet durch Natursteinsäulen mit figürlich dekorierten Kapitellen und abschließendes Kreuzgratgewölbe; der geradezu befindliche Sparkassenraum, dessen baukünstlerischer Schmuck den sorgsamen Umgang mit Geld thematisiert, sowie das unmittelbar rechts der Eingangshalle gelegene repräsentative Haupttreppenhaus. Dieses zum Obereschoß durch großen Doppelbogen bzw. seitlich davon durch Wand mit rundbogigen Zwillingsfenstern begrenzt; mit zweiläufiger, von reichem Sandstein-Geländer begleiteter Treppe versehen und durch großes farbiges Mosaikfenster belichtet. Unmittelbar daneben als Befund dokumentiert die originale polychrome Farbfassung der jetzt ansonsten weiß übertünchten Wände. Hinter dem Treppenhaus ein ähnlich dem Vestibül gestaltetes Foyer, von dort über kurzen Flur das Bürgermeisterzimmer zu erreichen, darin Teile der alten Ausstattung erhalten. Im Souterrain Ratskeller mit historisierenden Kreuzgratgewölben.

Das Rathaus gehört zu den wichtigsten städtebaulichen Dominanten im Altstadtgebiet. Mit seiner aufwendigen Architektur und künstlerischen Ausgestaltung kündet es nicht nur von den prosperierenden wirtschaftlichen Verhältnissen in der Stadt und dem daraus erwachsenen neuen Selbstbewußtsein der Bürgerschaft um 1900, sondern verweist zugleich auf die frühere Bedeutung Eberswaldes als Handelsund Handwerkerstadt. Darüberhinaus stellt das Gebäude ein typisches Beispiel für die bevorzugte Renaissance-Rezeption im Rathausbau des späten Historismus dar.

Quellen: Archiv BOA, SKA
Literatur: Schmidt 1905; Neumeister 1903, S. 3-32; Weinland 1992
Beteiligte:
Köhler, Ferdinand & Kranz, Paul [Entwurf]
Streve, Fritz [aus Charlottenburg Ausführung]
Gathemann, Paul [Ausführung]
Ereignis:
Datierung
(wann):
1902-1905
Rechteinformation:
BLDAM
Letzte Aktualisierung: 11.04.2018, 17:39 Uhr

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Eberswalde, Breite Straße 42 & 44
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