Bestand
Herrschaft Hausen (Bestand)
Vorwort: Hausen, Stadtteil von
Neu-Ulm
93 Urkunden (1409 - 1568), 90 Akteneinheiten
(1505 - 1879)
Erschlossen durch ein
maschinenschriftliches Bandrepertorium
Besitzverhältnisse
Ursprünglich gehörte
Hausen vermutlich zum Besitz der Grafen von Kirchberg, die es an
Ulmer Bürger als Lehen vergabten. Konrad v. Halle hatte dort in der
Mitte d. 14. Jh. Besitz, der nach seinem Tod 1352 zum Teil an seine
Söhne Liutprand und Konrad und Schwiegersöhne Heinrich Roth von
Schreckenstein und Walther von Rindelbach überging. (Ulmer
Urkundenbuch Buch II, s. 374). Wann und von wem und in welchem
Umfang Hausen im. 14. Jh. an die Karthause Buxheim bei Memmingen
kam, lässt sich vorerst nicht feststellen. Jedenfalls verkaufte die
Karthause im Jahre 1409 das Dörflein Hausen an die Ulmer Familie
Karg d . h . an die Witwe des Hans Karg, Anna von Halle, und ihre
Söhne, die allem Anschein nach schon Güter und Rechte in Hausen
besaßen. Ein Schiedsgericht in Ulm bestimmte 1409 auf Verlangen der
Familie Karg, dass Buxheim eine förmliche Auflassungsurkunde
auszustellen habe, in der die Rechte auch der Gemeinde gegenüber
fixiert werden mussten. Neben den Karg waren auch die Roth dort
begütert. 1510 verkauft die Witwe des Konrad Roth, Afra Lieberin,
das Dorf Hausen an den Ulmer Bürger Jakob Gienger um 2220 fl. Von
dessen Witwe·Veronika Kraft ging es 1528 an Hans Roth von Ulm zu
Biberzell und seine Frau Anna geb. von Thürheim um 2900 fl. über.
Dieser wieder verkaufte es 1545 um 7150 fl an seinen Vetter Hans
Roth von Ulm, der es im Jahre 1560 seinem Vetter Jörg Roth um 8000
fl. überließ. Jörg Roth übergab das Dorf mit 11 Untertanen am 30.
August 1586 an seine Schwester, eine verwitwete Regina Rehlinger.
Das Notariatsinstrument über die Huldigung vor der
"Alleinherrscherin über das Reich Hausen" ist erhalten. (s . Ulmer
Winkel 1910, s. 29 ff.) Die Stadt Ulm, zu deren Territorium und
hohen Gerichtsbarkeit Hausen gehörte, suchte der neuen Herrin die
niedere Gerichtsbarkeit streitig zu machen, musste sie ihr aber doch
1598 u. 1599 auf Grund der vorgelegten Urkunden innerhalb und
außerhalb Etters zugestehen. (vgl. Ulmer Winkel 1910, s. 34
f'f)
Im 17. u. 18 Jh. zersplitterte sich die
Dorfherrschaft und der Grundbesitz durch Verkäufe und Erbteilungen
immer mehr. 1693 waren 3 Ulmer Adelsfamilien begütert: die Seutter
in der Witwe des Hans Konrad Seutter, Maria Regina geb. Schermar mit
2/6, die Witwe des Sigmund Schleicher mit 3/6 und Karl Albrecht
Schleicher im Namen seiner Frau Lucia Elisabeth mit 1/6 des
Dorfes.
1722 verkaufte Matthias Michael von Welser seinen
Anteil an Hausen, den er von seiner Frau Regina Schleicherin (gest.
1712) geerbt hatte, an das Kloster Wiblingen um 3300 fl. Auf den
Einspruch der Stadt Ulm beim Reichskammergericht gegen die
Gültigkeit dieses Verkaufs, da auf Grund kaiserlicher Privilegien
von 1300, 1360 und 1405 keine liegenden Güter im Ulmer Territorium
an ein Kloster verkauft werden dürfen, gingen diese Güter (1 Hof u.
3 Sölden) 1724 im Tausch an das Ulmer Spital. Mitte des 18. Jh.
waren es 6 verschiedene Herren, die Anteil an Dorf und Schloss
Hausen hatten: die Patrizierfamilien Baldinger, Besserer,
Neubronner, die Scheler und Fessel und das Spital in Ulm. Sie hatten
einen gemeinsamen Vogt, dessen Instruktion von 1742 erhalten ist.
(vgl. Ulmer Winkel 1909, S. 45 ff.).
In den
60er Jahren ging Hausen durch planmäßige Aufkäufe nach und nach in
den Alleinbesitz des Ulmer Ratsherrn u. späteren Bürgermeisters
Christoph Heinrich Besserer über. 1767 erwarb er den Anteil der
Scheler, der Neubronner und des Spitals, 1768 das letzte Viertel,
das von den Baldingern, den Schleicherschen und Fesselschen Erben
herrührte und schließlich 1775 den Widdumhof des Ulmer
Pfarrkirchenbaupflegamtes. Nach dem Tode des Christoph Heinrich
(1794) kam Hausen an den Sohn Eitel Eberhard, dann an Johann Jakob
von Besserer und von ihm 1832 an Dorothea Schad von Mittelbiberach,
eine geb. von Besserer, um 16 000 fl. Nach deren Tode erbte es ihre
Tochter, Euphrosina von Stetten, darnach die Enkelin, eine Gräfin
von Saporta in München. Von deren Erben gelangte Hausen schließlich
1855 um 11000 fl in den Besitz des Freiherrn von Linden, in dessen
Familie es bis 1956 verblieb.
Das Schloss
wurde von Christoph Heinrich Besserer von Hausen vermutlich 1778
erbaut, 1924 durch Brand beschädigt und von Freiherr von Linden im
alten Stil wieder ausgebaut.
Die Kirche, St.
Ulrich, Filiale von Holzschwang, ein spätgotischer Bau aus der 2 .
Hälfte des 15. Jh., 1623, von den Schleichern erneuert, 1790 nach
Blitzschlag wiederhergestellt. Bei der Restauration im Jahre 1908/09
gotische Wandmalereien vermutlich der Ulmer Schule,1460 - 1480,
freigelegt. Der Hauptaltar v. Barth. Zeitblom von 1488 im Jahr 1840
an die Staatssammlung in Stuttgart verkauft
Eine Grabkapelle der Fam. v. Linden im Jahre 1907 von dem
Architekten Edmund Capitain (damals Schlossbesitzer in Jedelhausen)
in neugotischem Stil errichtet. (Vgl. Ulmer Winkel, 1910, s. 1
ff.)
- Bestandssignatur
-
E Hausen
- Kontext
-
>> Familien- und Herrschaftsarchive, Archive von Organisationen und Firmen
- Bestandslaufzeit
-
1409 - 1879
- Weitere Objektseiten
- Letzte Aktualisierung
- 03.04.2025, 12:43 MESZ
Datenpartner
Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv Ulm. Bei Fragen zum Objekt wenden Sie sich bitte an den Datenpartner.
Objekttyp
- Bestand
Entstanden
- 1409 - 1879