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Über die Krise zur Einheit? 25 Jahre monetärer Integrationsprozess in Europa

Am 1. Juli 1990 wurde mit dem Wegfall der Kapitalverkehrskontrollen in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft die erste Stufe auf dem Weg zum Euro genommen. Der Weg dorthin war auch durch einen Kompromiss zwischen zwei Denkschulen gekennzeichnet - derjenigen, die davon ausging, dass der Schaffung der Zentralbank die weitergehende ökonomische Konvergenz und politische Integration folgen würde, und derjenigen, die die gemeinsame Währung erst als Krönung europäischer Zusammenarbeit und wirtschaftlicher Konvergenz ansah. Der Kompromiss, wie er im Maastricht-Vertrag verankert wurde - einerseits eine schnelle Einführung der gemeinsamen Währung und andererseits verstärkte finanzpolitische Zusammenarbeit - hat in den ersten Jahren der Währungsunion nicht dazu geführt, dass die institutionellen Grundlagen der Union gefestigt und der politische Integrationsprozess fortgesetzt wurde. In der Folge kam es zu wirtschaftlichen Divergenzen und Spannungen im Euroraum, die sich in den vergangenen Jahren zu einer Krise ausgewachsen haben. Erst als Reaktion auf diese Krise wurden notwendige Änderungen am institutionellen Gefüge der Währungsunion vorgenommen. Viel spricht dafür, dass solche Spannungen und sogar das Auftreten von Krisen als Impuls für eine weitergehende Integration bei der ursprünglichen Gestaltung der Währungsunion bewusst in Kauf genommen wurden. Allerdings erweist sich dies als hochriskantes politisches Kalkül, da es Gefahr läuft, die gesellschaftliche Unterstützung für den Integrationsprozess zu verlieren und damit die Gemeinschaftswährung in ihrer Existenz gefährdet. Um das europäische Projekt voranzubringen, darf sich die Politik nicht auf die Eigengesetzlichkeit von Krisen verlassen, sondern muss aktiv - und im demokratischen Diskurs mit der Bevölkerung - die weiteren Integrationsschritte vorantreiben und das institutionelle Fundament der Währungsunion festigen.

Sprache
Deutsch

Erschienen in
Journal: DIW Wochenbericht ; ISSN: 1860-8787 ; Volume: 82 ; Year: 2015 ; Issue: 27 ; Pages: 639-647 ; Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Klassifikation
Wirtschaft
Monetary Systems; Standards; Regimes; Government and the Monetary System; Payment Systems
Economic Integration
International Monetary Arrangements and Institutions
Macroeconomic Issues of Monetary Unions
Economic History: Macroeconomics and Monetary Economics; Industrial Structure; Growth; Fluctuations: Europe: 1913-
Thema
monetary integration
crises
institutions
European Monetary Union
economic integration
capital movements

Ereignis
Geistige Schöpfung
(wer)
Fichtner, Ferdinand
König, Philipp
Ereignis
Veröffentlichung
(wer)
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
(wo)
Berlin
(wann)
2015

Handle
Letzte Aktualisierung
10.03.2025, 11:41 MEZ

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Objekttyp

  • Artikel

Beteiligte

  • Fichtner, Ferdinand
  • König, Philipp
  • Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Entstanden

  • 2015

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