Herrentaschenuhr (Oignon)

Durch die technische Neuerung, einen Minutenzeiger über den Stundenzeiger anzubringen, erhielten Taschenuhren ab 1700 zum Schutz der Zeiger über dem Ziffernblatt ein hochgewölbtes Glas, wodurch die Uhrengehäuse eine fast kugelige Form bekamen. Diese Taschenuhren waren dadurch besonders groß und dick geformt und sahen wie eine Zwiebel aus, weshalb sie auch Oignon (franz. Zwiebel) oder Zwiebeluhr genannt werden. Da diese Uhren anfänglich in einem Ledersäckchen getragen wurden, nannte man sie auch Sackuhren. Zu den ältesten Uhren der Stiftung von Peter Hüttel von Heidenfeld gehört die zwischen 1700 und 1713 in England hergestellte Oignon. Die Herrentaschenuhr wurde von dem englischen Uhrmacher Thomas Tompion (1639-1713) in London gefertigt. Er soll an der Entwicklung der Unruh-Spiralfeder beteiligt gewesen sein sowie den Rücker, der bei der Feinregulierung einer Uhr zur Verringerung des Gangfehlers eine wichtige Rolle spielt, erfunden haben. Die Oignon hat ein doppeltes, glattes, halbschalenförmiges Silbergehäuse mit einem Scharnier zum Aufklappen. An der Außenseite ist ein kleiner, hufeisenförmiger, beweglicher Bügel angebracht. Das Ziffernblatt aus Silber wurde in drei nach außen größer werdende Kreissegmente unterteilt. In dem mittleren Kreis befinden sich zwei übereinanderliegende Rocaille-Kartuschen mit zwei Gravuren "Tompion" und "London". Zwischen den römischen Stundenzahlen, die sich auf dem mittleren Kreissegment befinden und den arabischen Minutenzahlen auf dem äußeren Ring wurde das Silber reliefartig ausgestochen. Diese Verzierungstechnik erinnert an die sogenannte Champlevé-Technik bei Emaillearbeiten, bei der Mulden oder Zellen aus der Oberfläche eines Metallgegenstandes herausgearbeitet und mit Glasemaille gefüllt werden. Das Ziffernblatt der Taschenuhr wurde weiterhin mit zwei gebläuten Stahlzeigern im Poker- und Beetle-Stil versehen. Das feuervergoldete Uhrwerk hat eine reich gravierte und durchbrochene Spindelbrücke, ein silbernes Regulier-Ziffernblatt, tulpenförmig ausgesägte Pfeiler und eine Spindelhemmung. Der Antrieb erfolgt über eine Kette mit Schnecke.

Ziffernblatt | Urheber*in: Thomas Tompion (Herstellung); / Rechtewahrnehmung: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt | Digitalisierung: Roy Tempel, Naumburg

Namensnennung - Nicht kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International

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Standort
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Museum Schloss Neuenburg, Freyburg (Unstrut)
Sammlung
Taschenuhren
Inventarnummer
MSN-V 11612 H
Maße
Durchmesser (mit Bügel): 5 cm; Gewicht: 116,95 g
Material/Technik
Silber, graviert, ziseliert; Stahl, gebläut; Glas; Metall, feuervergoldet, ausgesägt, graviert

Bezug (was)
Uhr
Zeitmessgerät
Rocaille
Gravur
Taschenuhr
Zifferblatt
Uhrwerk
Herrentaschenuhr
Statussymbol
Uhrzeiger
Gehäuse
Uhrgehäuse
Unruh
Uhrzeit
Gravierung
Spindelhemmung
Kartusche
Oignon (Uhr)
Sackuhr
Hemmung (Uhr)
Zwiebeluhr
Spindeltaschenuhr
Reglage (Uhr)
Champlevé
Schnecke

Ereignis
Herstellung
(wer)
(wo)
London
(wann)
1700-1713

Rechteinformation
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt - Museum Schloss Neuenburg
Letzte Aktualisierung
30.04.2026, 12:53 MESZ

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Objekttyp

  • Herrentaschenuhr

Beteiligte

Entstanden

  • 1700-1713