Malerei

Familienbild George

Beckmann malte das großformatige Familienbild ohne Auftrag. Es zeigt den berühmten Film- und Theaterschauspieler Heinrich George (1893–1946) mit seiner Frau Berta (1901–1987) und Sohn Jan (geboren 1931) sowie der Schauspielerin Charlotte Habecker (Lebensdaten unbekannt), die mit George „Wallenstein“ von Friedrich Schiller probt. Vorn sitzt ein großer schwarzer Hund auf einem Programmzettel neben Mutter und Kind – George hält fast segnend die Hand über ihm. Hinter dem etwas aufgeblasen wirkenden Schauspieler hängt ein Bild; die beiden Speere über ihm verleihen der Szene etwas Gewalttätiges. Otto Dix hatte George 1932 meisterhaft porträtiert: als willensstarke, etwas manisch scheinende und zum Bersten geblähte Figur (Kunstmuseum Stuttgart); Beckmann antwortete auf das ihm bekannte Bild mit einer szenischen Darstellung, die politische Untertöne anschlägt. Schillers Dramen-Trilogie handelt vom Kampf zwischen Feldherr und Kaiser, von Treue, Verrat und Mord. Die Aufführung unter Mitwirkung Georges Ende 1934 in Berlin hatte Propagandaminister Joseph Goebbels gefördert. Zum zeitgeschichtlichen Kontext gehört, dass Adolf Hitler im Jahr zuvor die SA-Führung um Ernst Röhm durch die SS hatte ermorden lassen. Zum persönlichen Kontext: George blieb als führender Repräsentant der Weimarer Kultur auch unter dem nationalsozialistischen Regime beschäftigt und spielte etwa im Film „Hitlerjunge Quex“ (1933) mit. Der schwarze Hund – die Symbolfarbe der SS – und Jans Handgeste – die „mano cornuta“ als Zeichen des Verrats und der Untreue – können als Kritik an der NS-Gewaltherrschaft wie an künstlerischem Opportunismus interpretiert werden. | Olaf Peters

Fotograf*in: Jörg P. Anders

Public Domain Mark 1.0 Universell

Standort
Neue Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin, BerlinDeutschland, BerlinDeutschland
Inventarnummer
B 95
Maße
Rahmenmaß: 238 x 123,5 x 7 cm (Originalrahmen)
Höhe x Breite: 215 x 100 cm
Rahmenmaß: 232 x 117 x 5 cm (roter Rahmen)
Material/Technik
Öl auf Leinwand

Ereignis
Eigentumswechsel
(Beschreibung)
1954 Ankauf von Berta Drews-George, Berlin, durch das Land Berlin mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West).
Ereignis
Herstellung
(wer)
(wo)
Berlin
(wann)
1935

Letzte Aktualisierung
14.04.2025, 08:09 MESZ

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Objekttyp

  • Malerei

Beteiligte

Entstanden

  • 1935

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