Bestand

Ulmer Brauerei-Gesellschaft, Getränkeliefer- u. Pachtakten (Bestand)

Vorwort: Der im Rahmen der Akquise neuer und der Betreuung bestehender gewerbemäßiger Abnehmer von Getränken - hier v.a. von Bier - der ehemaligen Ulmer Brauerei-Gesellschaft entstandene Aktenbestand wurde vom Söflinger Heimatforscher Richard Gründler nach dem Konkurs des Unternehmens im Keller des "Bräustübles" in der Magirusstr. 46 geborgen und Ende 2014 dem Stadtarchiv übergeben. Dort wurde der Aktenbestand 2020/21 inventarisiert. Die Kundenakten der Brauerei vermitteln in Ergänzung der ordnungsamtlichen Gaststättenkonzessions- und -überwachungsakten (Aktenbestand B 121/61) einen detaillierten Einblick in die Ulmer Gastronomie und in die dortige Konkurrenz zwischen den beiden großen Ulmer Brauereien im Zeitraum von ca. 1920 bis 1960.
Die Akten enthalten i.d.R. eingangs tabellarische Auflistungen über die Getränkeabnahme, datierte Kurznotizen des Brauereivertreters über in den Pachtbetrieben angetroffene Zustände und Anliegen der Pächter, gelegentlich Inventarverzeichnisse und Darlehensverträge sowie insbesondere Pacht- und Unterpacht- bzw. Afterpachtverträge. Das in der Zeit des Nationalsozialismus durch den Brauwirtschaftsverband Süddeutschland kontrollierte Verbot wettbewerbsverzerrender Zuschuss-Pachtstrukturen - d.h. zur Sicherstellung und Erhöhung ihres Getränkeabsatzes pachteten bis dahin die Brauereien die Gaststätten von den Eigentümern zu einem höheren Pachtsatz und verpachteten sie zu moderateren Sätzen weiter an die Unterpächter - basierte auf der Anordnung 5/II der Hauptvereinigung der Brauwirtschaft vom 25.10.1935. Diese Anordnung besagte, dass Verlängerungen der Pachtverträge vom zuständigen Brauwirtschaftsverband grundsätzlich nur bei identischen Pachtsätzen für Pacht und Unterpacht genehmigt würden. In der Folge kam es 1936/37 zur Kündigung sämtlicher bestehender Vertragsverhältnisse und zu deren Neuabschluss, wobei sich die Gaststätteneigentümer nunmehr gezwungen sahen, mit den Brauereien Pachtverträge einzugehen, deren Pachtsätze sich an den bisherigen niedrigeren Sätzen der Unterpächter orientierten. Die unter der Regie der lokalen Brauwirtschaftsverbände erfolgte Neugestaltung der Pachtverhältnisse war somit für die Gaststätteneigentümer flächendeckend mit spürbaren finanziellen Einbußen verbunden. Das Ziel der NS-Preispolitik, mit niedrigen Lebenshaltungskosten die "Volksgenossen" für das Regime positiv einzunehmen, dürfte auch bei der mit dem Instrument der Pachtregulierung erreichten kostengünstigen Versorgung der "Volksgemeinschaft" mit Bier den ausschlaggebenden Gesichtspunkt dargestellt haben. Ein großer Teil der in der Ulmer Altstadt gelegenen Gastwirtschaften wurde beim Luftangriff vom 17.12.1944 zerstört. Einzigartig am vorliegenden Aktenbestand ist, dass er für die Zeit des Zweiten Weltkriegs auch Bierlieferungen in verschiedene Zwangsarbeiterlager - und hier auch für deren Insassen und nicht nur für die Wachmannschaften - sowie in das bei Klöckner-Humboldt-Deutz, Werk Magirus, eingesetzte Außenkommando des KZ Dachau dokumentiert und somit einen der wenigen Nachweise darstellt, die die Existenz dieses aus KZ-Häftlingen bestehenden Arbeitskommandos in Ulm belegen.

Umfang: 2,2 lfm

Bestandssignatur
E UBG

Kontext
>> Familien- und Herrschaftsarchive, Archive von Organisationen und Firmen

Bestandslaufzeit
1345/2008

Letzte Aktualisierung
03.04.2025, 12:43 MESZ

Datenpartner

Dieses Objekt wird bereitgestellt von:
Haus der Stadtgeschichte - Stadtarchiv Ulm. Bei Fragen zum Objekt wenden Sie sich bitte an den Datenpartner.

Objekt beim Datenpartner anzeigen

Objekt in anderen Portalen

Objekttyp

  • Bestand

Entstanden

  • 1345/2008

Ähnliche Objekte (12)