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Zur Theorie offener Volkswirtschaften
Zur Theorie offener Volkswirtschaften: Ein revidiertes Modell für die makroökonomische Analyse Die wissenschaftliche Diskussion der Implikation flexibler Wechselkurse stützt sich gegenwärtig fast ausschließlich auf ein Modell, das einer Reihe gewichtiger Einwände ausgesetzt ist. Diese Einwände geben Anlaß zu einer Korrektur dieses Modells, die in einer Änderung der Spezifizierung der Nachfragefunktionen des Modells und in einer Erweiterung durch Hinzunahme einer zusätzlichen Marktgleichung ihren Ausdruck findet. Das revidierte Modell impliziert, abweichend vom Standardmodell, daß (1) Änderungen des Realwertes der Wertpapiere und/oder der Geldvermögensbestände der Inländer im Ausland über Änderungen des Realwertes der Geldvermögensbestände der Wirtschaftseinheiten unmittelbare Auswirkungen auf die Nachfrage nach Geld, Gütern, Wertpapieren und Geldvermögensanlagen im Ausland haben und die verschiedenen Geldvermögensanlageformen als Substitute anzusehen sind, (2) die Wertpapier- und die Geldvermögensanlagen im Ausland - anders als bei festen Wechselkursen und völlig freiem internationalem Kapitalverkehr - nicht als vollkommene Substitute angesehen werden können, weil sie unterschiedliche Risiken tragen, und (3) für die Vermögensdispositionen der Wirtschaftseinheiten, jedenfalls auf längere Sicht, nicht die Nominalverzinsung auf Geldvermögensanlagen, sondern die Realverzinsung dieser Anlagen relevant ist. Das revidierte Modell führt zu einer anderen Sicht der internationalen Kapitalbewegungen. Diese sind Ausdruck von Bestandsanpassungen an ein neues Bestandsgleichgewicht mit endlichen Gleichgewichtsbeständen. Der Bestandsanpassungsprozeß wird dabei nicht nur über Zinsänderungen, sondern auch über Anderungen des Realwertes der Geldvermögensbestände vollzogen. Das "revidierte Modell" kann den Rahmen für die Analyse auch anderer makroökonomischer Fragestellungen bilden. So lassen sich zum Beispiel die Beschäftigungsverhältnisse und die Löhne durch Einbeziehung des Arbeitsmarktes und von Güterangebotsfunktionen berücksichtigen und die Auswirkungen von Veränderungen exogener Variabler auf Beschäftigung und Preisniveau, Löhne, Zinssätze und Wechselkurse analysieren. Das System kann bei Hinzufügung von Hypothesen über die Bildung von Erwartungen bei den Wirtschaftssubjekten über die Entwicklung von Preisen, Löhnen, Wechselkursen usw. auch hinsichtlich seiner dynamischen Eigenschaften analysiert werden und es können die Zeitprofile der Auswirkungen stabilitätspolitischer Maßnahmen untersucht werden. Das revidierte Modell ist m.E. leistungsfähiger als die entsprechenden keynesianischen Modelle und erlaubt eine gründlichere Diskussion neuer Erfahrungen mit flexiblen Wechselkursen.
- Sprache
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Deutsch
- Erschienen in
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Journal: Kredit und Kapital ; ISSN: 0023-4591 ; Volume: 9 ; Year: 1976 ; Issue: 4 ; Pages: 481-498
- Klassifikation
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Wirtschaft
- Ereignis
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Geistige Schöpfung
- (wer)
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Hieber, Manfred
- Ereignis
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Veröffentlichung
- (wer)
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Duncker & Humblot
- (wo)
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Berlin
- (wann)
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1976
- DOI
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doi:10.3790/ccm.9.4.481
- Letzte Aktualisierung
- 10.03.2025, 11:42 MEZ
Datenpartner
ZBW - Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Bei Fragen zum Objekt wenden Sie sich bitte an den Datenpartner.
Objekttyp
- Artikel
Beteiligte
- Hieber, Manfred
- Duncker & Humblot
Entstanden
- 1976