Kalenderblatt: 14. Mai
Die größte Rettung von Menschenleben der Geschichte beginnt mit einem Einstich, Paris war eine Messe wert und ein Leben voller Märchen geht zu Ende, ...
Letzte Änderung: 27.01.2021, 15:40 MEZ
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    1796: Der englische Landarzt Edward Jenner impft den achtjährigen James Phipps erfolgreich gegen Pocken. Dafür injiziert er ihm Eiter aus Pusteln an den Händen der Bauerntochter Sarah Nelmes, die sich bei der Kuh „Blossom“ (Blüte) mit Kuhpocken infiziert hatte. In dieser deutschen Übersetzung von Jenners Originalveröffentlichung sind die Fälle Nelmes und Phipps ab S. 24 (Scanseite 40ff.) beschrieben, leider fehlen die illustrierenden Kupferstiche des Originals, diese finden Sie aber in der ebenfalls in der DDB verfügbaren lateinischen Fassung (Suchen Sie dafür nach „Disquisitio de caussis et effectibus voriolarum vaccinarum“, dort ab Scanseite 85). Sechs Wochen später, am 1. Juli, inokuliert er James mit Pockenviren, gegen die dieser nur noch eine milde Reaktion zeigt und durch die Impfung mit Kuhpockenviren lebenslange Immunität gegen die gefürchteten Pocken erworben hat. Die Pocken waren im 18. und 19. Jahrhundert die Krankheit in Europa, der die meisten Menschen zum Opfer fielen - man schätzt, dass mindestens ein Zehntel der Bevölkerung daran starb. Die Pockengefahr war so präsent, dass man vielerorts Kinder erst dann als vollwertige Familienmitglieder betrachtete, wenn sie ihre erste Pockeninfektion überlebt hatten. Jenner hat weder den Gedanken einer absichtlichen Infektion zum Immunitätserwerb noch die Verwendung einer abgeschwächten Virus-Variante „erfunden“, sein Verdienst ist es, der Gesellschaft und seinen Medizinerkollegen gezeigt zu haben, dass die Methode verlässlich und effektiv funktioniert. Nach dem von Jenner gebrauchten lateinischen Namen für die Kuhpocken, „Variolae vaccinae“ nennt man die Schutzimpfung heute auch Vakzination, engl. ''vaccination''. Durch Jenners Pioniertat konnten dank der ab 1967 von der Weltgesundheitsorganisation vorgeschriebenen Impfpflicht bis 1980 die Pocken als erste Krankheit weltweit ausgerottet werden. In Deutschland endete die Pocken-Impfpflicht 1976, davor Geborene sind an einer charakteristischen Impfnarbe an der Schulter zu erkennen.
  • König Heinrich IV. von Navarra, König von Frankreich, in leichter Panzerung zu Pferd mit Stab der...

    1596, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, M 703 Militärhistorische Bildsammlung
    1610: Der französische König Heinrich IV. wird von François Ravaillac mit drei Messerstichen ermordet. Damit endet ein anderthalb Jahrzehnte währendes von Frieden und Prosperität geprägtes «goldenes Zeitalter» für die französische Bevölkerung, in dem schließlich Heinrichs Wunsch, dass jeder Franzose sich sonntags ein Huhn im Topf leisten können solle, Realität geworden war. Heinrichs Thronbesteigung 1594 war nach grausamen 40jährigen Religionskriegen als große Befreiung empfunden worden; sein Bemühen, nach dem Sieg über die katholische Liga das Land zu befrieden, gipfelte im Toleranzedikt von Nantes, das den Protestanten weitgehende Glaubensfreiheit und gesellschaftliche Teilnahme gewährte, nachdem sie in den Hugenottenkriegen von den herrschenden katholischen Fürsten verfolgt und bekämpft worden waren. Heinrichs eigene Hochzeitsfeierlichkeiten mit Margarete von Valois wurden von der sogenannten Bartholomäusnacht vom 23. auf 24.8.1572 beendet, in der auf Betreiben von Margaretes und König Karl des IX. Mutter Katharina von Medici tausende Protestanten, die anlässlich der Hochzeit in Paris weilten, massakriert wurden. Vor die Wahl gestellt, andernfalls eingekerkert oder gehängt zu werden, konvertierte Heinrich zum Katholizismus, was er mit dem Bonmot «Paris (d.h., die Königswürde) ist eine Messe wert» kommentiert haben soll. Das Verhältnis mit Margarete war allerdings zerrüttet, die Ehe blieb kinderlos und Heinrich heiratete 1599, wohl aus nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, Maria de Medici, hielt sich aber mit zahllosen Mätressen, von denen 56 namentlich bekannt sind, schadlos.
  • Memoires De Marguerite De Valois, Reine De France Et De Navarre : Ausquels on ajouté son Eloge,...

    Margarete
    1553: Margarete von Valois wird als Tochter von Heinrich II. und Katharina von Medici geboren. Nach ihren drei Brüdern Franz II., Karl IX. und Heinrich III. besteigt ihr Mann, Heinrich IV. von Navarra, den französischen Thron. Sie und Heinrich entfremden sich voneinander nach ihrer «Pariser Bluthochzeit». Die für ihre Zeit ungewöhnlich selbstbewusst und freizügig lebende Margarete wird von Ihrem Bruder Heinrich und später von Ihrem Mann aus Paris verbannt. In der Verbannung wird sie 1594 Königin, dies bleibt sie auch nach der Annulierung der Ehe 1599. Eine wichtige Quelle für das Leben von «La Reine Margot» sind diese von ihr selbst verfassten Memoiren.
  • Jüdische Gemeinde: Feierlichkeiten zur Gründung des Staates Israel

    Foto
    1948: David Ben Gurion verliest auf einer Sitzung des jüdischen Volksrats in Tel Aviv die Unabhängigkeitserklärung des neu gegründeten Staates Israel.
  • Dresden. Turbinenwerk Dresden, Diskussion der Werktätigen über den Beitritt der DDR zum Warschauer...

    Kontaktbogen
    1955: Als Reaktion auf den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zu den westlichen Verteidigungsbündnissen NATO und WEU wird in Warschau der als „Warschauer Pakt“ bekannte „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe“ zwischen der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten gegründet. Die Deutsche Demokratische Republik tritt mit der frisch geschaffenen Nationalen Volksarmee (NVA) am 28. Januar 1956 dem militärischen Teil des Bündnisses bei. Bei der Wiedervereinigung Deutschlands wird die NVA 1990 aus dem Warschauer Pakt herausgelöst, der sich schließlich selbst zum 1. Juli 1991 auflöst.
  • Louis le Grand: Porträt Ludwig XIV.

    Druckgrafik (allgemein)
    1643: Ludwig XIV. besteigt als Vierjähriger den französischen Thron. Der «Sonnenkönig» hebt 1685 das Toleranzedikt seines Großvaters Heinrich IV. wieder auf, woraufhin Hunderttausende Hugenotten aus Frankreich fliehen.
  • Ludwig Bechstein

    Schriftsteller, Historiker, Bibliothekar, Apotheker, Archivar
    1860: Ludwig Bechstein stirbt in Meiningen. Er war als Louis Hubert Dupontreau 1801 in Weimar als Sohn eines verarmten französischen Revolutionsflüchtlings zur Welt gekommen und wurde später durch entfernte Verwandte adoptiert, deren Nachnahmen er annahm. Bereits während seiner Apothekerlehre durchstreift er Thüringen und sammelt Sagen und Märchen. 1823 veröffentlicht er sein erstes Buch, „Thüringische Volksmärchen“, das Sie auch in der DDB finden können. Dadurch wird sein Landesvater, Herzog Bernhard II., auf ihn aufmerksam und ermöglicht ihm durch ein Stipendium ein geisteswissenschaftliches Studium, nach dessen Abschluss Bechstein eine Lebensstellung als herzoglicher Bibliothekar und Archivar antreten darf. Ludwig Bechstein sammelt und veröffentlicht mehr als 1000 Sagentexte und über 80 Märchenerzählungen aus ganz Deutschland; sein „Deutsches Märchenbuch“ von 1845 wird noch heute aufgelegt.