Bestand
Nachlass Wagner, Heinrich (von) (Bestand)
Vorwort: Wagner, Wilhelm
Heinrich (von)
Dr. rer. pol. h.c., geb. Leonberg 22.
Sept. 1857, gest. Bad Schachen/Bodensee 14. Mai 1925.
Oberbürgermeister 1891 - 1919.
Wagner war von
1891 bis 1919 Stadtschultheiß von Ulm, 1892 erhielt er den Titel
Oberbürgermeister. In dieser Eigenschaft war er Vorstand der Ulmer
Frauenarbeitsschule, daneben bis Juli 1906 Vorstand des Vereins der
württ. Körperschaftsbeamten, Mitglied des Beirats für das
gewerbliche Fortbildungsschulwesen und nichtständiges Mitglied des
Reichsversicherungsamts. Die "Ära Wagner" wurde mit bemerkenswerten
Akzenten eingeleitet. Noch im Juni 1891 gründete Wagner im Ulmer
Ratssaal den Wohnungsverein, der sich die Unterstützung von
Finanzschwachen beim Wohnungsbau durch städtische Vorfinanzierung
zur Aufgabe machte. Die auf diese Weise entstandenen Eigenheime
lagen in der Unteren Bleiche und in der Saarlandstraße. Wagner war
der allgemeinen Entwicklung damit um Jahrzehnte voraus. Ebenfalls
frühzeitig kümmerte sich Wagner um eine Neuorientierung der
städtischen Bodenpolitik, über die er auch mehrere Aufsätze
verfasste. Zu diesem Zweck betrieb er durch zahlreiche persönliche
Gespräche in Berlin die Schleifung der Wälle der Bundesfestung zum
Zwecke des Endes der Einschnürung der Stadt durch die
Befestigungsanlagen und den Geländeerwerb durch die Stadt, wobei die
Kaufsummen regelmäßig für zum Teil heftige Kontroversen sorgten So
entwickelte sich die Weststadt, in der eine Straße nach ihm benannt
ist. Die mittelalterliche Struktur der Stadt gehörte damit der
Vergangenheit an, ein Befund, der durch die 1905 erfolgte
Eingemeindung Söflingens unterstrichen wurde. Am Ende seiner
Amtszeit befanden sich drei Fünftel der Ulmer Gemarkung in
städtischem Besitz. Stichworte zum langjährigen erfolgreichen Wirken
Wagners sind weiterhin die Bebauung des Michelsbergs, der Bau der
Wagnerschule, des Saalbaus, des Stadtbades, des neuen Krankenhauses
auf dem Safranberg, Rathaus- und Schwörhausumbau, die Einrichtung
des Neuen Friedhofs außerhalb der Stadt, die Einführung der
Straßenbahn und der Bau des Elektrizitätswerks. Ende 1900
kandidierte Wagner im Bezirk Stadt Ulm für ein Mandat in der
Abgeordnetenkammer des Württ. Landtags, begab sich aber nicht in die
Stichwahl, nachdem er am Hauptwahltag hinter Kommerzienrat Friedrich
Mayser gelegen hatte. Im Ersten Weltkrieg verschlechterte sich
Wagners Gesundheitszustand, so dass er wiederholt um seinen
Rücktritt bat. Im Feb. 1919 wiederholte er zum dritten Mal seinen
Antrag, dem nunmehr stattgegeben wurde. Aus Anlass seiner
Verabschiedung als Oberbürgermeister verlieh ihm der Gemeinderat die
Ehrenbürgerwürde der Stadt Ulm. Zuletzt fungierte Wagner von 1920
bis zu seinem Tode als Verbandsvorsteher des neu gegründeten Württ.
Sparkassen- und Giroverbandes. Wagner war - wie auch sein Nachfolger
- eine selbstbewusste, durchsetzungsfähige, entscheidungsfreudige
und konfliktbereite Persönlichkeit, die der Stadt Ulm bleibend ihren
Stempel aufzudrücken vermochte. - Ausschussmitglied des Kunstvereins
Ulm. - 1893 Ritterkreuz I. Kl. des Friedrichsordens; 1905 Ehrenkreuz
des Württ. Kronordens (Personaladel); Silberne Karl-Olga-Medaille;
Ritterkreuz des K. Preuß. Kronordens IV. Kl.; Ehrenkreuz III. Kl.
des Fürstl. Hohenzollerischen Hausordens; Ritterkreuz des Kgl.
Bayer. Verdienstordens vom Hl. Michael IV. Kl.; 1916 Promotion zum
Dr. rer. pol. h.c. (Universität Tübingen); März 1919 Promotion zum
Dr. med. h.c. (Universität Rostock).
Die vorliegenden
Unterlagen wurden im Oktober 2020 von seinem Enkel, Joachim Wagner,
Meerbusch, dem Stadtarchiv geschenkt.
- Bestandssignatur
-
H Wagner, Heinrich
- Kontext
-
>> Handschriften und Nachlässe
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- Letzte Aktualisierung
-
03.04.2025, 12:43 MESZ
Datenpartner
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Objekttyp
- Bestand