Hochschulschrift

Degradation der Zedern-Tannen-Wälder durch Holznutzung und Beweidung – eine Fallstudie aus dem mittleren Taurus-Gebirge, Südtürkei

Zusammenfassung: Das Taurus-Gebirge liegt in Süd-Anatolien und erstreckt sich im Süden der türkischen Republik. Seine geographische Lage hat einen wesentlichen Einfluss auf die dort herrschenden klimatischen Bedingungen. Aufgrund der Änderung des Höhengradienten auf kurzer Strecke ergeben sich unterschiedliche regionale Klimawerte im Sommer und Winter, auf die die Menschen mit einer saisonalen Viehhaltung reagieren. In der Wintersaison wird das Vieh im Tiefland gehalten, in der Sommersaison im Hochland. Dabei gibt es seit alters her verschiedene Modelle und Formen dieses Nomadenlebens, abhängig von Tradition und landschaftlicher Ausgangslage. Allerdings hat sich dieses klassische System in den letzten 50 Jahren gravierend verändert. In den Bergregionen dominieren die Baumarten Cedrus libani (A. Rich.) und Abies cilicica (Carr.). Die Gegend weist eine reiche Vegetation mit vielen endemischen Arten auf. Aufgrund von langjähriger intensiver Nutzung haben die Waldflächen abgenommen, und die verbliebenen Wälder sind stark degradiert und fragmentiert. Das ist die Folge von illegalem Holzeinschlag und illegaler Beweidung. Die Störungen beeinflussen die Artenzusammensetzung der Vegetation und die Bestandesstruktur. Trotz der vielfältigen Bedeutung der Wälder gibt es nur wenige ökologische Informationen zur Entwicklung von Bewirtschaftungsplänen, um eine nachhaltige Nutzung des Gebietes zu gewährleisten. Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist die Bestimmung der Auswirkung der Degradation durch illegale Holznutzungen und Beweidung auf die Bodenvegetation und die Bestandes¬struktur. Außerdem wurden die Auswirkungen der Landnutzungsveränderungen untersucht. Es wurden drei Studien zu folgenden Themen durchgeführt:•In der ersten Fallstudie wurden die verschiedenen Landnutzungsformen der Vergangenheit und der Gegenwart miteinander verglichen und deren Auswirkungen auf die Waldflächen bestimmt. •In der zweiten Analyse wurden die Auswirkungen der Auflichtung und Beweidung auf die Bodenvegetation untersucht. •Drittens wurden die Auswirkungen der Auflichtung und Beweidung auf der Verjüngung und Baumstruktur analysiert.Die Veränderungen bei der Landnutzung wurden durch die Befragung der Bevölkerung und anhand von Kartenstudien analysiert. Die mit der Nutzung einhergehende Landschaftsänderung wurde mithilfe einer Zeitreihe von Landnutzungskarten und Luftbildern aus den Jahren 1963, 1990 und 2013 dokumentiert. Durch die Änderung der Lebensweise der Bevölkerung hat sich auch die Landnutzung wesentlich verändert. Alte Leute, die früher traditionell als Nomaden lebten, sind heute sesshaft. Die Beweidung nahm ab, und die Bevölkerung im Gebirge ging zurück. Entsprechend reduzierte sich die Anzahl der Nutztiere. Die ökonomischen Aktivitäten, die Waldnutzung und die Landnutzung änderten sich ganz generell. Die Waldflächen wurden lichter und nahmen ab. Mit der Verringerung der Bevölkerungsdichte wurden ackerbauliche Tätigkeiten intensiviert, und so kam es zur Zunahme der Ackerflächen, gleichzeitig aber auch der Grünlandflächen. In der zweiten Untersuchung wurde in den Zedern-Tannen-Wäldern die Zusammensetzung der Pflanzenarten im Hinblick auf Beweidung und Auflichtung ermittelt. Zugleich wurden die Sukzession und die pflanzensoziologische Klassifikation in den dortigen Pflanzengesellschaften erfasst. Durch die intensive Beweidung hat sich die Pflanzenartenzusammensetzung verändert. Die Tiere bevorzugen immer die schmackhaften Arten als Nahrung, wodurch ungenießbare Pflanzenarten, also dornige, stachlige, giftige und mit Rosetten bewehrte Arten in den Beständen dominieren. Dagegen kommt es aufgrund der Beweidung zu einer Reduktion der empfindlichen Arten. Durch intensive Beweidung wird die Pflanzenvielfalt erhöht. Auf diesen Flächen treten einerseits vermehrt Hemikryptophyten, Chamaphyten und Geophyten, aber nur spärlich Therophyten auf. Die mehrjährigen und langlebigen werden also durch Beweidung gefördert. Andererseits gingen aber die einjährigen und von den Weidetieren bevorzugte Arten zurück. Endemische Arten kommen im ganzen Gebiet selten vor. Die Auswirkung der Auflichtung durch illegalen Holzeinschlag zeigt, dass lichtbedürftige Pflanzenarten unter den günstigen Lichtverhältnissen in vormals geschlossene und halbgeschlossene Bestände eingewandert sind. Mit der dritten Analyse wurde die Auswirkung der Beweidung und der Auflichtung auf die Bestandesstruktur untersucht. Bezüglich der Beweidung wurden starke signifikante Effekte auf die Jungwüchse d. h. auf deren Höhen und Kronenschirmflächen gefunden. Dadurch kommt es zu einer Verzögerung des Wachstums. Außerdem beeinflusst die Auflichtung die Jungwuchshöhe. Aufgrund der günstigen Lichtverhältnisse kommt es zu gesteigerten Jungwuchshöhen auf extensiv beweideten Flächen. Auf den intensiv beweideten Flächen gibt es eine erhöhte Anzahl der etablierten durchgewachsenen Tannen-Sämlinge, was zu einer Zunahme der Jungwüchse in den Varianten lichten, intensiv beweideten und in halbgeschlossenen intensiv beweideten Flächen führt. Die Kronenansätze der Bäume verschoben sich aufgrund des Verbisses nach oben. Dadurch kam es zu einer Reduktion des Wachstums. Dies ist die erste Untersuchung zur Degradation und Landnutzungsveränderung in den Zedern-Tannen-Wäldern im mittleren Taurus-Gebirge. Diese Untersuchung soll zum besseren Verständnis der regionalen Degradationsprozesse von Wald und Landschaft beitragen. Für zukünftige Managementpläne wird empfohlen, die illegale Holznutzung und Beweidung im mittleren Taurus-Gebirge in den genannten Wäldern zu unterbinden. Die floristische Wiederherstellung wird jedoch lange Zeit benötigen und sollte mit Hilfe von aktiven Restaurierungsmaßnahmen vorangetrieben werden, um die einheimischen und auf der roten Liste stehende Arten zu fördern. Der aktuelle Bestand der Zedern-Tannen-Wälder sollte unbedingt erhalten und durch weitere Aufforstungsarbeiten erweitert bzw. verbessert werden
Zusammenfassung: The Taurus Mountains are situated in southern Anatolia and extend to the south of the Turkish Republic. Their geographical location has a significant influence on the climatic conditions prevailing there. Due to the change in the elevation gradient over a short distance, the regional climate values differ in summer and winter, and people practice seasonal livestock farming. In the winter season they graze their livestock in the lowlands and in the summer season in the highlands. From time immemorial there have been different models and forms of nomadic life depending on tradition and initial landscape. However, this classical system has changed dramatically during the last 50 years.The Libanon ceder (Cedrus libani A. Rich.) and the Cilicican fir (Abies cilicica Carr.) dominate the forests in mountainous regions. The areas contain a rich vegetation with endemic species. Because of long periods of over-use the forest areas diminished and the remaining forests are currently severely degraded and fragmented. The factors behind this degradation are illegal logging and grazing. These affected the plant species composition and stand structure of forests. Despite the manifold importance of the forests there is little ecological information concerning the development of management plans to ensure that the land-use will be sustainable in future.The main aim of this study was to quantify the effect of degradation by illegal cuttings and illegal grazing on the ground cover vegetation and the stand structure. In addition the effects caused by changes in land-use were analysed. The following topics were covered:•To find the impact of degradation three different analysis approaches were performed. In the first the various forms of land use of the past and the present were compared and their effects on the forest land were determined. In the second the effects of the illegal felling in forests and the cattle grazing on the ground vegetation were examined. In the third case the effects of the felling out of the forest and the cattle grazing were analysed.•During a first analysis, the changes in land use were analysed by a survey of the local population and by studying maps. The changes of landscape which depends on the type of usage were officially registered by using maps and aerial photographs from the years 1963, 1990 and 2013. The lifestyle of the population has also been changed because of the changes in the use of the land. Old people who formerly led a traditional way of life as nomads now have settled. The decrease of the population also reduced the number of farm animals. In general the economic activities, forestry and land use have changed. The forest areas have become less dense and forest cover has decreased, whereas there was an increase in grassland and arable farm land. With the decrease in the population agronomic activities were intensified and livestock reduced.•In a second analysis the structure of the plant species composition with respect to the effect of grazing and felling was studied. The analysis of the degradation and the phytosociological classification of the plant communities were carried out entirely in the cedar and fir forests. The intensive grazing had changed the composition of plant species. The animals always preferred palatable species as food, thus inedible plant species, like thorny, prickly, toxic and reinforced with rosettes species survived and populated the forests. The reduction of the sensitive species was clearly due to grazing, but the vaskular plant diversity had increased. In these areas hemicryptophytes, as well as chamaephytes grew frequently, therophytes, however, only sparsely. The perennial and long-lasting species are promoted by grazing. Endemic species grow rarely throughout the area. The effect of density reduction by illegal logging showed that light-demanding plant species colonised preferably in previously closed and semi-closed stands because of more favourable light conditions. •In the third study, the effects of timber cutting and cattle grazing on stand structure were analysed. With regard to grazing strongly significant effects were found on the structure and on height as well as forest canopy cover of the young regrowth. This lead to a delay of growth. In addition, the timber cutting had an effect on the height of the regrowth. Due to the favourable light conditions, the height of these young plants was increased on extensively grazed areas. In the intensively grazed areas there are increased numbers of fir seedlings resulting in an increase of young trees, especially in the stands of intensive grazing and low and medium crown cover by old trees. The crowns of the young trees have risen because of the browsing. Through this the growth of the trees is reduced.This is the first study about the degradation and the change of land use in the ceder-fir-forests in the central Taurus Mountains. It was aimed to contribute to a better understanding of the processes of the regional succession of forest and landscape. For future management plans it is recommended that the illegal usage of wood and the illegal grazing in the central Taurus Mountains in these ceder-fir-forests need to be stopped. However, the floral recovery and the forest regeneration will take time and should be pursued in the course of active restoration measures such as afforestation and reforestation. Through these measures, local and threatened species (especially those in the red list) would be supported. The present stand of the ceder-fir- forests should be strictly maintained and improved by further afforestation and reforestation

Standort
Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt am Main
Umfang
Online-Ressource
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Dissertation, 2015

Schlagwort
Forstwirtschaft
Degradation
Tannenwald
Zedernwald
Beweidung

Ereignis
Veröffentlichung
(wo)
Freiburg
(wer)
Universität
(wann)
2015
Urheber
Beteiligte Personen und Organisationen

DOI
10.6094/UNIFR/10445
URN
urn:nbn:de:bsz:25-freidok-104451
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Letzte Aktualisierung
14.08.2025, 10:46 MESZ

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Objekttyp

  • Hochschulschrift

Beteiligte

Entstanden

  • 2015

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