Bestand

Religionskonvente und Bündnisse der evangelischen Stände gegen die Katholiken (Bestand)

Findmittel: Datenbank; Findbuch, 1 Bd.

Einleitung

Behördengeschichte

Die genauen behördlichen Zusammenhänge, denen die Akten ihre Entstehung verdanken, liegen nicht zuletzt angesichts der Behörden- und Registraturverhältnisse im Brandenburg des 16. Jahrhunderts weitgehend im Dunkeln. Der Bestand umfasst zu einem kleineren Teil reformationszeitliche Unterlagen aus den Registraturen von Kurfürst Joachim I. und Joachim II. sowie aus jener des zwischen 1535 und 1571 in der Neumark herrschenden Markgrafen Johann von Brandenburg-Küstrin ("Hans von Küstrin"). Den weitaus größeren Teil bilden jedoch jene Akten aus den Registraturen ihrer zwischen 1571 und 1640 herrschenden Nachfolger. Sie behandeln die seit den 1580er Jahren von der reformierten Kurpfalz betriebene protestantische Bündnispolitik.
Zum Ausgangspunkt für nachfolgende Bündnisprojekte wurde das 1591 in Torgau geschlossene Abkommen zwischen der Kurpfalz und dem unter Christian I. reformiert gewordenen Kursachsen. Dabei handelte es sich um ein Verteidigungsbündnis, dass sich dem Schutz der evangelischen Lehre, der territorialen Integrität des Heiligen Römischen Reichs sowie der Aufrechterhaltung der Reichsverfassung verschrieb; angesichts der westeuropäischen Religionskriege galt es namentlich Frieden und Ruhe im Reich zu bewahren und den status quo des Augsburger Religionsfriedens von 1555 zu schützen. Als Kursachsen nach dem Tod des Kurfürsten Christian I. jedoch zum Luthertum, und damit auch zu seiner traditionell kaisertreuen Politik zurückkehrte, hatte sich der Torgauer Bund erledigt.
Eine Wiederbelebung erfuhren die Bündnispläne vor dem Hintergrund des "Spanischen Winters" 1598/1599. Im Zusammenhang mit dem Achtzigjährigen Krieg in den Niederlanden besetzten spanische Truppen im Herbst 1598 Gebiete im Niederländisch-westfälischen Reichskreis und aktivierten dadurch die mit der Landesverteidigung betrauten Reichskreise, welche sich an den Kaiser wandten und Abwehrmaßnahmen forderten. Ehe sich die eilig ausgehobenen Reichstruppen jedoch in Bewegung setzen konnten, waren die spanischen Militärverbände größtenteils schon wieder abgezogen.
Dennoch zeigten die Vorgänge, wie verwundbar der Westen des Reichs und insbesondere die dort lebenden Protestanten waren. Die protestantischen Reichsstände berieten daher noch 1599 in Frankfurt/Main und im hessischen Friedberg über ein neues Bündnis. Unter Führung der Kurpfalz kristallisierte sich nun mehr und mehr eine "evangelische Opposition" (Volker Press) heraus, welche nach der Krisis des Winters 1598/1599 in enger Abstimmung ("Korrespondenz") blieb und jährlich mehrere "Tage" (politische Konferenzen) beschickte. Die entsandten Räte hielten ihre Fürsten durch Berichte auf dem Laufenden. Die Beschlüsse wurden in "Abschieden" festgehalten, in denen in der Regel ganze Maßnahmenbündel beschlossen wurden. Einen - im Einzelnen gewiss anhand der vorhandenen Quellen kritisch zu überprüfenden - Überblick über die zahlreichen Zusammenkünfte in jenen Jahren erstellte im 18. Jahrhundert der Ansbacher Historiker-Archivar Philipp Ernst Spieß (Gründliche Nachricht von der Evangelischen Union, besonders von dem im Jahr 1608 zu Auhausen gehaltenen ersten Unions-Tag, in: ders., Archivische Nebenarbeiten und Nachrichten vermischten Inhalts mit Urkunden, 1. Teil, Halle/Salle 1783, S. 72-100).

Die Konfessionalisierung der Reichspolitik lähmte die Reichsverfassung zunehmend. Zum Katalysator der Kurpfälzer Bündnisbestrebungen wurden nun die seit 1605/1606 schwelenden Auseinandersetzungen um die Reichsstadt Donauwörth, die auch auf dem Regensburger Reichstag 1608 nicht beigelegt werden konnten. Im Gegenteil: Die Differenzen traten nun offen zutage und Kurpfalz verließ den Reichstag, ohne dass ein Abschied zustanden gekommen wäre. Auch Kurbrandenburg opponierte nun offen. Der noch in demselben Jahr bei Verhandlungen in Auhausen abgeschlossenen Union (Protestantische Union oder Union von Auhausen) schloss sich auch Kurbrandenburg an, während Kursachsen dem Bündnis fernblieb. Inhaltlich orientierte sich die Bündnisakte am Text des Torgauer Bündnisses von 1591. Dogmatische Differenzen zwischen Reformierten und Lutheranern wurden hintangestellt. Die Theologen der beiden evangelischen Konfessionen sollten Streitschriften und Kanzelpolemik künftig vermeiden. Allerdings berief man sich nicht ausdrücklich auf den Religionsfrieden von 1555, da sich die Bündnispartner nicht einig waren, ob die reformierte Konfession von diesem abgedeckt war. Die Gründung der Katholischen Liga in München 1509 vertiefte die Krise der Reichsverfassung weiter; sie mündete schließlich in den Dreißigjährigen Krieg.
Namentlich die in diesem Bestand vorhandenen Abschiede und Verträge sind vielfach in Form zeitgenössischer Abschriften überliefert. Sie liegen teilweise auch als Regest oder Edition vor. Für den Überlieferungsschwerpunkt innerhalb des vorliegenden Bestandes kann das Regestenwerk von Moritz Ritter, Die Gründung der Union, 1598-1608 (Briefe und Acten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges in den Zeiten des vorwaltenden Einflusses der Wittelsbacher, 1), München 1870 genutzt werden.


Bestandsgeschichte

Der heutige Bestand geht auf die Repositur 14 zurück, die der Archivar Christoph Schönbeck im 17. Jahrhundert angelegte. In den Bestand gingen brandenburgische Überlieferungen des 16. Jahrhunderts ein, die lange vor der Entstehung des Geheimen Rats angefallen waren. Nach dem Tod des Kurfürsten Johann Georg 1598 waren die Registraturen versiegelt worden; kurz danach entstanden erste Aktenverzeichnisse. Später teilte Johann Zernitz die vorhandenen Akten zunächst auf 49 Reposituren auf, die sich nach sachlichen und territorialen Zusammenhängen richteten. Schönbeck ordnete die von Zernitz geformte Repositur 14 mit brandenburgischen Visitationsakten der Repositur 47 zu und versammelte in der dadurch frei gewordenen Repositur folgende Materien: "der gesampten Evangel. Chur-Fürsten u. Stände Conventus-Verbündtniß wieder die von den Päbstlern angedrawete Kriegs- u. and[er]e gefahr; in Politicis u. Ecclesiasticis geweckselte schreiben wegen der Papisten Heimlichen practiken; abschickungen an Keyserl. M[ajestä]t." (GStA PK, Altfindmittel, M 632, Bl. 269 VS - 284 RS). In die thematisch neu ausgerichtete Repositur gingen Akten aus der Repositur 13 ("Partikularitäten allerlei Religionshändel") ein. (Ernst Müller/Ernst Posner, Übersicht über die Bestände des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin-Dahlem, I. Hauptabteilung (Mitteilungen der Preußischen Archivverwaltung, 24), Leipzig 1934, S. 27-28.
Die Tatsache, dass dieses älteste Verzeichnis der Repositur 14 kontinuierlich Akten bis zum Jahre 1631 aufführt, kann als terminus post quem für dessen Entstehung betrachtet werden. Im Gegensatz zu anderen Reposituren erfuhr die Repositur 14 wohl keine späteren Zuwächse mehr aus der laufenden Verwaltungs- und Regierungspraxis des Geheimen Rats. Ob die Bestandsbildung damit in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bereits weitgehend abgeschlossen war, müssen weiterführenden Forschungen allerdings erst noch erweisen. Die Archivalien des Bestandes gingen auch in das im 18. Jahrhundert angelegte Rote Buch, Bd. III ein.

Im 19. und 20. Jahrhundert teilt der Bestand I. HA GR, Rep. 14 die Geschicke der übrigen Bestände des Geheimen Rats. Mit diesen zusammen war sie zunächst im Geheimen Staatsarchiv im Berliner Schloss, dann im Berliner Hohen Haus und schließlich im Dahlemer Archivzweckbau aufgestellt, ehe sie nach kriegsbedingter Auslagerung ins Zentrale Staatsarchiv der DDR, Abteilung Merseburg gelangte. 1993 kehrte die gesamte Überlieferung des Geheimen Rats nach Dahlem zurück. In dieser Zeitspanne wurde die Rep. 14 archivisch mehrfach bearbeitet. 1872 begann der Archivar [Gottlieb] Friedlaender, den Bestand zu verzeichnen. Eine Neuverzeichnung erfolgte 1959 in Merseburg durch die Archivarin [Meta] Kohnke. Diese Verzeichnung wurde 2020 von Unterzeichnetem unter Überarbeitung der vorhandenen Aktentitel in die Datenbank eingepflegt.


Bestandsbeschreibung

Letzte vergebene Nummer*: -
(* bei Signierung nach nc)

Umfang (in laufenden Metern): 3

Lagerungsort : Westhafen

Die Akten sind auf gelbem Leihscheinen wie folgt zu bestellen:
I. HA GR, Rep. 14, Nr. ##

Zitierweise:
GStA PK, I. HA Geheimer Rat, Rep. 14 Religionskonvente und Bündnisse der evangelischen Stände gegen die Katholiken

Kriegs-Verluste: Bei der Neuverzeichnung durch die Archivarin Kohnke 1958/59 wiesen die Nummern 18, 19 und 31 Verluste auf.

27. März 2020
Archivoberrat Dr. Mathis Leibetseder


Zitierweise: GStA PK, I. HA GR, Rep. 14

Reference number of holding
I. HA GR, Rep. 14
Extent
Umfang: 3 lfm (214 VE); Angaben zum Umfang: 3 lfm
Language of the material
deutsch

Context
Tektonik >> ZENTRALE VERWALTUNGS- UND JUSTIZBEHÖRDEN BRANDENBURG-PREUSSENS BIS 1808 >> Geheimer Rat >> Sach-Reposituren >> Konfessionspolitik

Date of creation of holding
Laufzeit: 1522 - 1633

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Last update
19.08.2025, 12:19 PM CEST

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Object type

  • Bestand

Time of origin

  • Laufzeit: 1522 - 1633

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