Bestand
G 394 - Evangelisches Pfarramt Oßweil (Bestand)
Einleitung: ===== 1. (Kirchliche) Geschichte des Ortes =====
Der heutige Ludwigsburger Teilort war im Mittelalter und noch darüber hinaus im Besitz mehrerer niederadliger Familien. Die Herren von Oßweil waren bereits 1390 in männlicher Linie ausgestorben. Zu den Geschlechtern, welche Güter und Rechte am Ort besaßen zählten die Herren von Kaltental, von Baldeck, Nothaft, von Kürnberg und von Bidenbach. Württemberg kam früh in den Besitz der hohen Gerichtsbarkeit, vermutlich im Jahr 1308 mit der Grafschaft Asperg. Stückweise erwarb Württemberg in den folgenden Jahrhunderten weitere Rechte und Güter. Schließlich konnten 1748 von den Herren von Bidenbach und 1751 von den Herren von Kaltental die letzten Reste ritterschaftlichen Besitzes erkauft werden. Der Ort fiel an das Stadtvogteiamt und spätere Oberamt Ludwigsburg. Die Eingemeindung nach Ludwigsburg erfolgte 1922.
In kirchlicher Hinsicht gehörte Oßweil im Mittelalter zur Diözese Konstanz und innerhalb derselben zum Archidiakonat vor dem Schwarzwald (ante nemus). Oßweil lag unmittelbar an der Grenze zum Nachbarbistum Speyer. Was die Kirchenbezirksebene anbetrifft, so war der Ort damals Bestandteil des Landkapitels Grunbach (bzw. Cannstatt, Münster, Schmiden, Hochberg). Nach der Reformation war der Superintendent von Markgröningen für die kirchliche Aufsicht über die Pfarrstelle zuständig. Die Markgröninger Superintendenz wiederum war der Generalsuperintendenz Maulbronn zugeteilt. 1719 wurde das Dekanat Markgröningen zu Gunsten des neu geschaffenen Dekanats Ludwigsburg aufgelöst, zu welchem Oßweil auch heute noch gehört. Das Ludwigsburger Dekanat wurde 1810 der neuen Generalsuperintendenz Heilbronn zugeordnet. Dies änderte sich wieder 1823, als das Generalat Ludwigsburg geschaffen wurde, das unter anderem die Zuständigkeit für Oßweil übernahm. 1920 wurden die Generalate in Prälaturen umbenannt. Die Prälatur Ludwigsburg wurde im Jahr 1955 aufgehoben und das Dekanat Ludwigsburg der Prälatur Stuttgart zugewiesen. Im Jahr 1992 wurde die Prälatur Ludwigsburg wieder neu gegründet, allerdings bereits 2003 wieder aufgelöst. Das Dekanat Ludwigsburg gehört nun wieder der Prälatur Stuttgart an.
Der Kirchensatz in Oßweil war im Besitz der Benediktinerabtei St. Januarius in Murrhardt. Die Oßweiler Kirche könnte sogar einer der Bestandteile der Gründungsdotation dieses Klosters gewesen sein. Das Januariuspatrozinium des Oßweiler Gotteshauses ist auf dieses Besitzverhältnis zurückzuführen. Das spätgotische Kirchengebäude wurde 1491 durch den Baumeister Hans Ulmer im Auftrag der Benediktinerabtei errichtet. Württemberg erwarb den Oßweiler Kirchensatz von Murrhardt im Jahr 1555.
Die Reformation erfolgte in Oßweil - wie überall in Württemberg - durch die durch Herzog Ulrich angeordnete Einführung der neuen Lehre in seinem Herzogtum 1534/35. Diese Maßnahme betraf auch die unter württembergischer Vogtei stehenden Besitzungen des Klosters Murrhardt. Der Pfarrei gehörten in evangelischer Zeit ehemals als Filialen Harteneck, sowie der Schafhof, der Fuchshof und der der Erlachshof an. Die Höfe wurden im 18. Jahrhundert zugunsten der Gründung von Ludwigsburg aufgelöst. Der Pfarrer von Oßweil war von 1825 bis 1833 auch für die geistliche Versorgung des Zuchthauses in Ludwigsburg zuständig. In der Zeit während und unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg, als der Ort fast menschenleer war, besaß Oßweil mehrere Jahre keinen eigenen Pfarrer und wurde von den Geistlichen von Aldingen und Neckarweihingen mitversorgt.
Die Schule des Ortes besteht seit 1559. Das Amt des Schulmeisters und des Mesners wurde ursprünglich in Personalunion ausgeübt. Die geistliche Aufsichtspflicht über die Schulen endete 1909.
===== 2. Bestandsgeschichte =====
Das Pfarrarchiv Oßweil wurde im Mai 2004 durch das Landeskirchliche Archiv zur dortigen dauerhaften Verwahrung eingeholt. Vor der Einholung lagerten die älteren Teile des Archivs in einem Schrank im Untergeschoss des Gemeindezentrums, während die jüngere Schicht des Archivs in einem Schrank im Gemeindesaal untergebracht war.
Die Sortierung des Bestandes orientiert sich an der Ordnung anderer Pfarrarchive und führt zunächst die Kirchen- und Amtsbücher auf, wobei die Kirchenbücher vor Ort im Pfarramt verblieben. Diese sind aufgrund konservatorischer Gründe für die Benutzung gesperrt, allerdings im Landeskirchlichen auf Mikrofilm einsehbar, sofern nicht aus datenschutzrechtlichen Gründen gesperrt. Ins Archiv aufgenommen wurden hierbei Akten und Amtbücher der Registratur bis 1967.
Die ältesten Archivalien des Pfarrarchivs, die Kirchenbücher, verblieben vor Ort. Sie sind ab dem Jahr 1604 erhalten. In größerem Umfang liegen Akten aus dem 20. Jahrhundert vor, allerdings beinhaltet die Überlieferung auch Akten aus dem 19. Jahrhundert, sowie Kirchenkonventsprotokolle, Reskriptenbücher und Schriftstücke zu Kirchengebäuden aus dem 18. Jahrhundert.
Um die Benutzung des Pfarrarchivs zu erleichtern, wurde die Entscheidung getroffen, das Archiv zu ordnen und zu verzeichnen. Ein Inventar lag bis zu diesem Zeitpunkt nicht vor. Der Bestand war nur teilweise nach der alten Registraturordnung geordnet, so dass der gezielte Zugriff auf die Archivalien des Bestands vor der Verzeichnung nicht durchgehend möglich war. Durch die Erschließung sollte aber auch eine Verbesserung der Aufbewahrung erreicht werden, denn die Akten waren teilweise in Leitz-Ordnern und Prospekthüllen untergebracht, was aus konservatorischen Gründen für die längerfristige Lagerung ungeeignet ist. Die Bände und Akten der älteren Abteilung wurden, gemäß der im Landeskirchlichen Archiv gebräuchlichen Vorgaben für die Ordnung von Archivalien, in einem Archiv-Inventar des Pfarrarchivs sortiert. Für die jüngere Abteilung wurde die Registraturordnung der Pfarrämter aus dem Jahr 1901 zugrunde gelegt. Die dem Bestand entnommenen Fotodokumente wurden in die Fotosammlung des Landeskirchlichen Archivs eingegliedert.
Die im Landeskirchlichen Archiv verwahrten Bände und Akten des Bestandes umfassen nach ihrer nunmehrigen Verzeichnung, Ordnung und Verpackung etwa acht laufende Meter.
===== 3. Besonderheiten des Bestandes =====
Eine durchaus umfangreiche Dokumentation bieten die Akten aus dem 19. Jahrhundert zur Werktags- und Industrieschule, mit der Überlieferung von Unterrichtsberichten und -beurteilungen, Lehr- und Stundenplänen, sowie Verzeichnissen der Schüler und Bücher der Schulbibliothek.
Anhand von Schriften des Stadtpfarrers Ernst Mayer zum Religions- und Weltanschauungsunterricht, zeigt sich das staatliche Vorgehen gegen Kirche und kirchliche Einrichtungen.
Weitere Archivalien zur Ortskirchengeschichte befinden sich in den Ortsakten des Oberkirchenrats (A 29, 3511-3515; A 129, 2453) und des Dekanatsarchivs Ludwigsburg (DA Ludwigsburg, 143) im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart.
Die Verzeichnung des Pfarrarchivs erfolgte im Jahr 2010 durch Herrn Tobias Tiesler, während die Abschlussredaktion dem zuständigen Sprengelarchivar Andreas Butz oblag.
Stuttgart, im Juli 2010
Tobias Tiesler
Andreas Butz
Einleitung: Der heutige Ludwigsburger Teilort war im Mittelalter und noch darüber hinaus im Besitz mehrerer niederadliger Familien. Die Herren von Oßweil waren bereits 1390 in männlicher Linie ausgestorben. Zu den Geschlechtern, welche Güter und Rechte am Ort besaßen zählten die Herren von Kaltental, von Baldeck, Nothaft, von Kürnberg und von Bidenbach. Württemberg kam früh in den Besitz der hohen Gerichtsbarkeit, vermutlich im Jahr 1308 mit der Grafschaft Asperg. Stückweise erwarb Württemberg in den folgenden Jahrhunderten weitere Rechte und Güter. Schließlich konnten 1748 von den Herren von Bidenbach und 1751 von den Herren von Kaltental die letzten Reste ritterschaftlichen Besitzes erkauft werden. Der Ort fiel an das Stadtvogteiamt und spätere Oberamt Ludwigsburg. Die Eingemeindung nach Ludwigsburg erfolgte 1922.
In kirchlicher Hinsicht gehörte Oßweil im Mittelalter zur Diözese Konstanz und innerhalb derselben zum Archidiakonat vor dem Schwarzwald (ante nemus). Oßweil lag unmittelbar an der Grenze zum Nachbarbistum Speyer. Was die Kirchenbezirksebene anbetrifft, so war der Ort damals Bestandteil des Landkapitels Grunbach (bzw. Cannstatt, Münster, Schmiden, Hochberg). Nach der Reformation war der Superintendent von Markgröningen für die kirchliche Aufsicht über die Pfarrstelle zuständig. Die Markgröninger Superintendenz wiederum war der Generalsuperintendenz Maulbronn zugeteilt. 1719 wurde das Dekanat Markgröningen zu Gunsten des neu geschaffenen Dekanats Ludwigsburg aufgelöst, zu welchem Oßweil auch heute noch gehört. Das Ludwigsburger Dekanat wurde 1810 der neuen Generalsuperintendenz Heilbronn zugeordnet. Dies änderte sich wieder 1823, als das Generalat Ludwigsburg geschaffen wurde, das unter anderem die Zuständigkeit für Oßweil übernahm. 1920 wurden die Generalate in Prälaturen umbenannt. Die Prälatur Ludwigsburg wurde im Jahr 1955 aufgehoben und das Dekanat Ludwigsburg der Prälatur Stuttgart zugewiesen. Im Jahr 1992 wurde die Prälatur Ludwigsburg wieder neu gegründet, allerdings bereits 2003 wieder aufgelöst. Das Dekanat Ludwigsburg gehört nun wieder der Prälatur Stuttgart an.
Der Kirchensatz in Oßweil war im Besitz der Benediktinerabtei St. Januarius in Murrhardt. Die Oßweiler Kirche könnte sogar einer der Bestandteile der Gründungsdotation dieses Klosters gewesen sein. Das Januariuspatrozinium des Oßweiler Gotteshauses ist auf dieses Besitzverhältnis zurückzuführen. Das spätgotische Kirchengebäude wurde 1491 durch den Baumeister Hans Ulmer im Auftrag der Benediktinerabtei errichtet. Württemberg erwarb den Oßweiler Kirchensatz von Murrhardt im Jahr 1555.
Die Reformation erfolgte in Oßweil - wie überall in Württemberg - durch die durch Herzog Ulrich angeordnete Einführung der neuen Lehre in seinem Herzogtum 1534/35. Diese Maßnahme betraf auch die unter württembergischer Vogtei stehenden Besitzungen des Klosters Murrhardt. Der Pfarrei gehörten in evangelischer Zeit ehemals als Filialen Harteneck, sowie der Schafhof, der Fuchshof und der der Erlachshof an. Die Höfe wurden im 18. Jahrhundert zugunsten der Gründung von Ludwigsburg aufgelöst. Der Pfarrer von Oßweil war von 1825 bis 1833 auch für die geistliche Versorgung des Zuchthauses in Ludwigsburg zuständig. In der Zeit während und unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg, als der Ort fast menschenleer war, besaß Oßweil mehrere Jahre keinen eigenen Pfarrer und wurde von den Geistlichen von Aldingen und Neckarweihingen mitversorgt.
Die Schule des Ortes besteht seit 1559. Das Amt des Schulmeisters und des Mesners wurde ursprünglich in Personalunion ausgeübt. Die geistliche Aufsichtspflicht über die Schulen endete 1909.
Das Pfarrarchiv Oßweil wurde im Mai 2004 durch das Landeskirchliche Archiv zur dortigen dauerhaften Verwahrung eingeholt. Vor der Einholung lagerten die älteren Teile des Archivs in einem Schrank im Untergeschoss des Gemeindezentrums, während die jüngere Schicht des Archivs in einem Schrank im Gemeindesaal untergebracht war.
Die Sortierung des Bestandes orientiert sich an der Ordnung anderer Pfarrarchive und führt zunächst die Kirchen- und Amtsbücher auf, wobei die Kirchenbücher vor Ort im Pfarramt verblieben. Diese sind aufgrund konservatorischer Gründe für die Benutzung gesperrt, allerdings im Landeskirchlichen auf Mikrofilm einsehbar, sofern nicht aus datenschutzrechtlichen Gründen gesperrt. Ins Archiv aufgenommen wurden hierbei Akten und Amtbücher der Registratur bis 1967.
Die ältesten Archivalien des Pfarrarchivs, die Kirchenbücher, verblieben vor Ort. Sie sind ab dem Jahr 1604 erhalten. In größerem Umfang liegen Akten aus dem 20. Jahrhundert vor, allerdings beinhaltet die Überlieferung auch Akten aus dem 19. Jahrhundert, sowie Kirchenkonventsprotokolle, Reskriptenbücher und Schriftstücke zu Kirchengebäuden aus dem 18. Jahrhundert.
Um die Benutzung des Pfarrarchivs zu erleichtern, wurde die Entscheidung getroffen, das Archiv zu ordnen und zu verzeichnen. Ein Inventar lag bis zu diesem Zeitpunkt nicht vor. Der Bestand war nur teilweise nach der alten Registraturordnung geordnet, so dass der gezielte Zugriff auf die Archivalien des Bestands vor der Verzeichnung nicht durchgehend möglich war. Durch die Erschließung sollte aber auch eine Verbesserung der Aufbewahrung erreicht werden, denn die Akten waren teilweise in Leitz-Ordnern und Prospekthüllen untergebracht, was aus konservatorischen Gründen für die längerfristige Lagerung ungeeignet ist. Die Bände und Akten der älteren Abteilung wurden, gemäß der im Landeskirchlichen Archiv gebräuchlichen Vorgaben für die Ordnung von Archivalien, in einem Archiv-Inventar des Pfarrarchivs sortiert. Für die jüngere Abteilung wurde die Registraturordnung der Pfarrämter aus dem Jahr 1901 zugrunde gelegt. Die dem Bestand entnommenen Fotodokumente wurden in die Fotosammlung des Landeskirchlichen Archivs eingegliedert.
Die im Landeskirchlichen Archiv verwahrten Bände und Akten des Bestandes umfassen nach ihrer nunmehrigen Verzeichnung, Ordnung und Verpackung etwa acht laufende Meter.
Eine durchaus umfangreiche Dokumentation bieten die Akten aus dem 19. Jahrhundert zur Werktags- und Industrieschule, mit der Überlieferung von Unterrichtsberichten und -beurteilungen, Lehr- und Stundenplänen, sowie Verzeichnissen der Schüler und Bücher der Schulbibliothek.
Anhand von Schriften des Stadtpfarrers Ernst Mayer zum Religions- und Weltanschauungsunterricht, zeigt sich das staatliche Vorgehen gegen Kirche und kirchliche Einrichtungen.
Weitere Archivalien zur Ortskirchengeschichte befinden sich in den Ortsakten des Oberkirchenrats (A 29, 3511-3515; A 129, 2453) und des Dekanatsarchivs Ludwigsburg (DA Ludwigsburg, 143) im Landeskirchlichen Archiv Stuttgart.
Die Verzeichnung des Pfarrarchivs erfolgte im Jahr 2010 durch Herrn Tobias Tiesler, während die Abschlussredaktion dem zuständigen Sprengelarchivar Andreas Butz oblag.
Stuttgart, im Juli 2010
Tobias Tiesler
Andreas Butz
- Reference number of holding
-
G 394
- Extent
-
9 lfd. m
- Context
-
Landeskirchliches Archiv Stuttgart (Archivtektonik) >> G - Pfarrarchive >> Orte mit O
- Indexentry place
-
Oßweil, Ludwigsburg, Landkreis Ludwigsburg
- Date of creation of holding
-
1604-1974
- Other object pages
- Provenance
-
Evangelisches Pfarramt Oßweil
- Last update
-
11.08.2025, 11:05 AM CEST
Data provider
Landeskirchliches Archiv Stuttgart. If you have any questions about the object, please contact the data provider.
Object type
- Bestand
Time of origin
- 1604-1974