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Wehrkreiskommando II (Stettin) (Bestand)

Bestandssignatur:
Bundesarchiv, BArch RH 53-2
Kontext:
Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Norddeutscher Bund und Deutsches Reich (1867/1871-1945) >> Militär >> Reichswehr und Wehrmacht 1919 bis 1945/1946 >> Reichsheer und Heer >> Wehrkreiskommandos
Bestandslaufzeit:
1920-1937
Bestandsbeschreibung:
Bestandsbeschreibung: Die Wehrkreise (WK) teilten das Gebiet des Deutschen Reiches in Reichsverteidigungsbezirke, die jeweils für die Rekrutierung und die Ausbildung von Teilen der Reichswehr bzw. Wehrmacht verantwortlich waren. In jedem Wehrkreis gab es ferner Dienststellen, die für den Ersatz und die Versorgung dieser Heeresteile zuständig waren. Durch den Versailler Vertrag, der am 28. Juni 1919 geschlossen wurde, war die Stärke und der Aufbau der Reichswehr genau festgelegt, und es wurde begonnen ein Übergangsheer zu bilden. Nach der Auflösung aller Verbände und Dienststellen des alten Heeres entstanden zwei Gruppenkommandos, sieben Divisionen und drei Kavalleriedivisionen. Bis 1934 gab es sieben Divisionen, die im Oktober desselben Jahres, wie es bereits im Jahre 1932 im A-Plan der Reichswehr vorgesehen war, auf 21 Divisionen aufgestockt wurden. Danach hieß die 2. Division Stettin mit der Tarnbezeichnung Artillerieführer II. Im April 1934 führte der Inspekteur der Kavallerie die Bezeichnung "Kavallerie Korps-Kommando" ein, die Tarnbezeichnung war aber weiterhin "Artillerieführer im Wehrkreis II". Am 15. Oktober erhielten die Divisionen an Stelle der bisherigen Tarnnamen ihre offene Bezeichnung.
Die Divisionskommandeure waren zugleich Befehlshaber im Wehrkreis. Die Wehrkreisbefehlshaber der Reichswehr wurden am 14. Juni 1935 umbenannt in "Kommandierender General des ... Armeekorps und Befehlshaber im Wehrkreis ... ". Ab 24. November 1938 lautete die Bezeichnung "Der Kommandierende General ... Armeekorps". In Ausübung der Befugnisse als Befehlshaber im Wehrkreis lautete die Bezeichnung des Kommandierenden Generals nur noch "Der Befehlshaber im Wehrkreis ..." und die Bezeichnung der Generalkommandos in Wehrkreisangelegenheiten "Wehrkreiskommando". Den Wehrkreiskommandos oblagen u.a. Leitung des Ersatzwesens, Vorbereitung der Mobilmachung, Betreuung und Einsatz der Landesschützen-Bataillone (hauptsächlich Kriegsgefangenenbewachung), Überwachung der Ausbildung der unterstellten Truppen, Sicherung des Befehlsbereichs bei inneren Unruhen und im Kriege gegen feindliche Unternehmungen sowie Hilfe bei Notständen aller Art.
Dem Wehrkreiskommando II und der 2. Division waren die Gebiete Pommern und Mecklenburg mit dem Hauptquartier in Stettin zugeordnet. Im Zuge der Umwandlung der bisherigen Divisionsstäbe der Reichswehr in Wehrkreiskommandos und später Armeekorps war der erste Schritt zur Aufstellung neuer Divisionen die Bildung von Wehrgauleitungen. Im Wehrkreis II waren das Hamburg, Lübeck, Schwerin. Die Wehrgauleitung Hamburg war zunächst gleichzeitig Reichsmarinestelle Hamburg und führte zur Tarnung nur die letzte Bezeichnung. Im übrigen deckten sich außer bei Hamburg und Berlin die Bereiche der Wehrgauleitungen mit denen der bisherigen 21 Infanterieregimenter.
Das Wehrkreiskommando II wurde bei Kriegsbeginn als stellvertretendes Generalkommando II. Armeekorps und zugleich Befehlshaber im Wehrkreis II benannt; ihm unterstand der Kommandeur der Ersatztruppen II. Letzterer wurde am 9. November 1939 in die 152. Division (später Division Nr. 152) umbenannt. Dazu war am 25. Oktober ein Divisions-Stab zur besonderen Verwendung 402 gekommen, der im Wesentlichen die Landesschützen zu betreuen hatte. Am 6. Juni 1940 wurde mit der Division Nr. 192 ein zweiter Ersatzstab gebildet, sodass dem Wehrkreis im Sommer
· die Division Nr. 152 in Stettin,
· die Division Nr. 192 in Rostock und
· das Divisions-Kommando zur besonderen Verwendung 402 in Stettin
unterstanden. Am 28. Juni 1941 wurde der Stab der Division Nr. 152 mit einem Teil der Ersatztruppen nach Westpreußen (WK XX) verlegt und kam nach Kulm.
Bei der Umgliederung des Ersatzheeres zum 1. Oktober 1942 stellte der Wehrkreis keine Reserve-Division auf, verlegte aber seine Ausbildungseinheiten getrennt von den Ersatzeinheiten in die Wehrkreise XX und XXI nach Danzig-Westpreußen (Division 152) und in den Warthegau (Division 192). Die Ersatzeinheiten blieben im Wehrkreis oder kehrten aus Westpreußen zurück. Der Divisions-Stab zur besonderen Verwendung 402 übernahm als Division Nr. 402 Stettin die Funktion eines Ersatzstabes. Die wenigen Panzertruppen (Bataillone 5 und 93 und Panzer-Jäger 2) unterstanden dem Wehrkreis direkt, nachdem der nur kurze Zeit bestehende Stab des Kommandeurs der Schnellen Truppen II bereits vorher anderweitig verwendet worden war.
Am 20. Januar 1945 erfolgte der Aufruf der "Gneisenau-Einheiten" des Wehrkreises. Dieser stellte die Division 402 und eine motorisierte Kampfgruppe, bestehend aus Panzer-Grenadier-Bataillon, Panzer-Jäger-Abteilung, zwei Sturmgeschützkompanien und einer Kavallerie-Aufklärungs-Abteilung, auf. Nachdem Pommern bereits Ende Januar Kriegsschauplatz geworden war, wurde auch das stellvertretende Generalkommando eingesetzt und im März in Generalkommando XXXII. Armeekorps umbenannt.
Außer den Divisionen unterstanden dem Wehrkreis II:
· Kommandeur der Ersatztruppen (ab 9. November 1939: 152. Division)
· Regiments-Kommandeur der Schnellen Truppen II, bzw. Panzertruppen II
· Kommandeur der Nachrichtentruppen II
· Kommandeur der Kraftfahrparktruppe II
· Kommandeur der Kriegsgefangenen im Wehrkreis II
· Kommandeur der Truppenübungsplätze Groß-Born und Hammerstein
· Wehrkreisarzt II (mit Sanitätsabteilung, Sanitätsparks und Untersuchungsstellen)
· Wehrkreisveterinär II (mit Veterinärausbildung und Ersatzabteilung, Veterinärparks, Remontämter, Heimat-Pferde-Park 2 Stolp)
· Wehrkreis Unterführerlehrgang II (aufgestellt am 10. Juli 1942)
· Genesenen-Bataillon D II (aufgestellt am 24. September 1943)
Die einzelnen Aufgaben der Abteilungen innerhalb der Organisation der Kommandantur des Wehrkreises II gestalten sich wie folgt:
Abteilung Ia
Hierbei handelt es sich um die sogenannte Führungsabteilung, die als Vertretung des Chefs des Stabes agierte. Zu ihren Aufgaben gehörten die Reichsverteidigung und der Truppeneinsatz bei Notständen. Außerdem war sie für grundsätzliche Fragen bei den Truppen zuständig und verwaltete die Truppenverwendung.
Abteilung Ia/Ausbildung
Die Hauptaufgabe dieser Abteilung war die Ausbildung. Sie war zuständig für Lehrgänge, Vorträge und Einzelfragen zur Ausbildung der Truppe. Diese Abteilung hatte Anfang der Zwanziger Jahre kaum Relevanz, da der Versailler Vertrag nicht nur die Allgemeine Wehrpflicht verbot, sondern auch sämtliche Wehrschulen schließen ließ. Für die Zuweisung von Sportgeräten war diese Abteilung ebenfalls zuständig.
Abteilung Ib
Hauptaufgabe waren die Grundsatzangelegenheiten der Organisation der dem Wehrkreis III unterstellten Reichswehrtruppen und den Zeitfreiwilligenverbänden. Neben Kriegsgliederungen und Stärkenachweisungen gehörten auch die Unterbringung und Verlegung von Truppen (gemeinsam mit Abteilung Ia), die Verwaltung der Truppenübungsplätze sowie der Waffen- und Munitionsdepots dazu.
Wehrkreisverwaltung
Die Wehrkreisverwaltung war für die Koordinierung der verwaltungsmäßigen Abläufe des inneren Dienstes und der Personalangelegenheiten zuständig.

Inhaltliche Charakterisierung: Die Überlieferung des Wehrkreiskommandos III und der zugeteilten bzw. unterstellten Dienststellen kann grundsätzlich als verlorengegangen angesehen werden. Im Bestand RH 53-2 Wehrkreiskommando II finden sich lediglich einige wenige Unterlagen zur militärischen Ausbildung, z.B. operative Kriegsspiele, Wehrkreisprüfung, Herbstübungen und Übungsreisen im Rahmen der Führergehilfenausbildung. Die Überlieferungszeitraum dieser Unterlagen erstreckt sich von 1922 bis 1938.
Ferner findet sich u.a. die Gliederung des Wehrkreises in Bezirke und Standorte von 1924 (1 AE), die Mobilmachungshauptliste des Generalkommandos II Armeekorps von 1944 (1 AE) sowie Unterlagen zur Überwachung der Abrüstung und Reparationen von 1920 (1 AE).
Die überlieferten Stammtafeln sind nicht der Personalabteilung zugeordnet, sondern stehen autark, da sie nicht im Wehrkreiskommando II entstanden sind, sondern sich lediglich inhaltlich auf diese Dienststellen beziehen. Sie bieten trotz Fehlens eines genauen Datums Aufschluss über die dem Wehrkreis II nachgeordneten Truppen und Verbände. Die Stammtafeln machen über die Hälfte der Überlieferung aus.

Erschließungszustand: Online-Findbuch

Zitierweise: BArch RH 53-2/...
Provenienz:
Wehrkreiskommando II (Stettin), 1920-1937
Umfang:
48 Aufbewahrungseinheiten
Archivalientyp:
Schriftgut
Sprache der Unterlagen:
deutsch
Verwandte Bestände und Literatur:
Verwandtes Archivgut im Bundesarchiv: RH 11 Waffengenerale im Oberkommando des Heeres
RH 12 Inspektionen
RH 37 Stäbe, Verbände und Einheiten der Infanterie
RH 38 Stäbe, Verbände und Einheiten der Landesschützen und Sicherungstruppen
RH 69 Verbände und Einheiten der Vorläufigen Reichswehr und des Übergangsheeres
RW 17 Wehrmachtkommandanturen
RW 20-2 Rüstungsinspektion Stettin
RW 21-55 Rüstungskommando Schwerin
RW 21-56 Rüstungskommando Stettin
RW 46 Nachgeordnete Dienststellen des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes bei den Stäben des Heeres und für besondere Aufgaben

Literatur: Absolon, Rudolf: Wehrgesetz und Wehrdienst 1935 - 1945. Das Personalwesen in der Wehrmacht. Boppard am Rhein 1960
Gaertner, Franz von: Die Reichswehr in der Weimarer Republik. Darmstadt 1969
Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1948-1939. München 1979
Neugebauer, Karl-Volker (Hrsg.): Grundzüge der deutschen Militärgeschichte. Band 1: Historischer Überblick. Freiburg 1993
Reinicke, Adolf: Reichsheer 1921-1943. Osnabrück 1986
Schwadlo-Gesterding, Joachim: Das Reichsheer. Bonn 1966
Tessin, Georg: Deutsche Verbände und Truppen 1918-1939. Altes Heer, Freiwilligenverbände, Reichswehr, Heer, Luftwaffe und Landespolizei. Osnabrück 1974
Tessin, Georg: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945. Bd. 16: Verzeichnis der Friedensgarnisonen 1932-1939 und Stationierungen im Kriege 1939-1945. Teil 1: Wehrkreise I-VI. Osnabrück 1996
Thomée, Gerhard: Der Wiederaufstieg des Deutschen Heeres 1918-1938. Berlin 1939
Rechteinformation:
Rechteinformation beim Datenlieferanten zu klären.
Letzte Aktualisierung: 08.07.2019, 17:06 Uhr