Büste
Büste "Otto von Bismarck"
Elisabet Ney darf wohl als die bedeutendste und bekannteste Künstlerin der Berliner Bildhauerschule bezeichnet werden. Neben der aktiven Teilhabe und intensiven öffentlichen Wahrnehmung im Kunstgeschehen ihrer Zeit gelang ihr eine internationale Karriere, die nur vier Jahre nach ihrem Tod in der Eröffnung des weltweit ersten monografischen Künstlerinnenmuseums gipfelte. Die aus einer westfälischen Bildhauerfamilie stammende Elisabet wurde 1852 als erste Bildhauerin offiziell an der Akademie der Bildenden Künste München zugelassen und „arbeitet unter speziellen Leitung des Professor [Max von] Widnmann“, wie es in den Matrikelbüchern heißt. Nach gelungenem Abschluss und ausgestattet mit einem Empfehlungsschreiben der Münchner Akademie bewarb sie sich erfolgreich um ein Stipendium der Berliner Akademie und trat mit diesem finanziell abgesichert 1855 in die Werkstatt des damals führenden Bildhauers Christian Daniel Rauch (1777–1857) ein, unter dessen Anleitung bereits die Bildhauerinnen Angela Facius (1806–1887) und Katharina Felder (1816–1848) gearbeitet hatten. Ney stellte ihre Werke regelmäßig auf den Akademieausstellungen in Berlin, den Internationalen Kunstausstellungen in München sowie 1861 im Pariser Salon aus und nahm an zwei Weltausstellungen teil. 1871 siedelte sie endgültig nach Amerika über. Neben ihrer weiterhin erfolgreichen Arbeit als Bildhauerin gründete sie in Austin/Texas eine Künstlergesellschaft sowie eine Kunstakademie, der sie als Präsidentin zeitlebens vorstand. Der kaiserliche Besuch im Atelier der Bildhauerin hatte die Büste bereits während ihrer Entstehung in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit gerückt. Bemerkenswerter Weise hatte Ney 1867 die Erlaubnis erwirkt, den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck (1815–1898) persönlich zu treffen und nach dem Leben zu modellieren. Besonders lobend wurde die starke Ausdruckskraft und dokumentarische Genauigkeit erwähnt, die nach Ansicht des Kunsthistorikers Wilhelm Lübke (1826–1893) zu den erwähnenswerten Höhepunkten der Berliner Bildhauerschule auf der nationalen Leistungsschau der Pariser Weltausstellung gehörte. Sowohl Neys Bismarck- als auch ihre Garibaldi-Büste hatten dort den Eingang des deutschen Pavillons flankiert und dadurch den Bekanntheitsgrad der Künstlerin erhöht und zahlreiche weitere Aufträge gezeitigt. Zusätzlich zu der im Ney-Museum erhaltenen Gipsfassung sind zwei Marmorausführungen überliefert, die sich primär in ihrem je unterschiedlichen Büstenabschluss unterscheiden. Die Entstehungszeit der gesockelten Hermenbüste aus der Nationalgalerie kann relativ genau eingegrenzt werden: Elisabet Ney reiste im Herbst 1895 von New York über Hamburg und Werne nach Berlin, Anfang Juli 1896 war die Büste spätestens abgeschlossen. Welcher Anteil Ney selbst oder dem Berliner Bildhauer Franz Ochs (1852–1903) bei der Übertragung der äußerst subtil ausgearbeitete Büste in Marmor zu kommt, lässt sich nicht genau bestimmen. Die Bismarck-Büste von Elisabet Ney wurde der Nationalgalerie als Schenkung der verwitweten Baurätin Elisabeth Wentzel-Heckmann, wohl einer Berliner Gönnerin Neys, am 10.07.1896 übereignet. Der damalige, den avantgardistischen Kunstströmungen seiner Zeit zugeneigte Direktor der Nationalgalerie Hugo von Tschudi (1851–1911) sah in Elisabet Neys Bismarck-Büste allerdings weniger das künstlerische Zeugnis einer Ausnahmekünstlerin, als vielmehr den zeithistorischen Wert des Porträtierten für eine neu zu errichtende Bildnis-Sammlung: „Obgleich der Kunstwert der Büste nur ein geringer ist hat dieselbe doch ein hervorragendes gegenständliches Interesse. Unmittelbar vor der Natur angefertigt aus einer Zeit stammend, aus der nur wenige Porträtdarstellungen der grossen Staatsmänner existieren wird sie eine wichtige Bereicherung der künftigen Portraisgalerie [sic!] bilden.“ | Yvette Deseyve
- Standort
-
Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin
- Inventarnummer
-
B I 105
- Maße
-
Höhe x Breite x Tiefe: 64 x 42 x 30 cm (mit Sockel)
Tiefe: 30 cm
Höhe: 64 cm
Breite: 42 cm
- Material/Technik
-
Marmor
- Inschrift/Beschriftung
-
Hermenschaft, vorne: GRAF v. BISMARCK-SCHOENHAUSEN/FUERST BISMARCK. Hermenschaft, hinten rechts: Elisabet Ney 1867. fec. Berlin.
- Ereignis
-
Erwerb
- (Beschreibung)
-
21.07.1896 Frau E. Wentzel-Heckmann, Berlin (Schenkung)
- Ereignis
-
Herstellung
- (wer)
- (wo)
-
Berlin
- (wann)
-
1867 (Modell), 1895/1896 (Ausführung)
- Letzte Aktualisierung
- 08.08.2023, 11:02 MESZ
Datenpartner
Alte Nationalgalerie. Bei Fragen zum Objekt wenden Sie sich bitte an den Datenpartner.
Objekttyp
- Büste
Beteiligte
Entstanden
- 1867 (Modell), 1895/1896 (Ausführung)