Replizierbarkeit zerebraler Korrelate visueller Essensreize bei Anorexia nervosa

Abstract: Seit rund 20 Jahren werden zerebrale Prozesse bei Anorexia nervosa (AN) mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) untersucht. Die Studien konzentrierten sich oft auf krankheitsspezifische Stimuli wie Essen oder die Figur.
 Die meisten Untersuchungsdesigns unterscheiden sich und die Patientenzahlen sind niedrig. Entsprechend wurden in Metaanalysen (Zhu et al., 2012; Lyold et al., 2018) keine einheitlichen Ergebnisse gefunden. 

Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung zu visuellen Essensreizen bei AN wurde die Replizierbarkeit einer früheren Studie (Joos et al., 2011) untersucht. Das Paradigma war unverändert, es wurde auf eine Vergleichbarkeit der soziodemographischen und psychometrischen Daten geachtet, für mehr Variablen kontrolliert sowie nur geringe Modifikationen im fMRT Protokoll, der Scanner Hardware und der Analyse Software vorgenommen. Bei der aktuellen Untersuchung wurde ein größeres Studienkollektiv gewählt (AN:31, HC: 27). Mittels eines SPM Fullfactorial-Modells mit den Faktoren Gruppe (AN, HC), Bedingung (Essens- und Kontrollstimuli) und der Interaktion von Gruppe und Bedingung wurden die fMRT Daten statistisch ausgewertet.

Im Gruppenvergleich ließen sich die Studienergebnisse von Joos et al. (2011) nicht replizieren, statt dessen fand sich eine signifikant höhere Aktivierung bei den AN-Patientinnen in der rechten Großhirnhemisphäre im IPL, Gyrus angularis, Precuneus und posterioren cingulären Gyrus sowie in der linken Großhirnhemisphäre im Mittleren cingulären Cortex, präzentralen Gyrus, postcentralen Gyrus und Mittleren frontalen Gyrus.
Ein einzelner Faktor, der zu der Nicht-Replizierbarkeit führte, lässt sich aufgrund der Konfundierung nicht eindeutig identifizieren. Allerdings tragen in der Replikations- wie auch in der Originalstudie (AN=11, HC=11) niedrige Effektstärken bei kleinen Stichprobengrößen und geringer Power dazu bei. Ebenso ist es möglich, dass die in der Originalstudie berichteten Effekte zu gering oder gar falsch-positiv waren und sich daher nicht replizieren ließen.
Basierend auf den vorliegenden Ergebnissen sollten zukünftige Studien mit deutlich größeren Stichproben arbeiten, damit die Unterschiede innerhalb und zwischen den Studien durch intra- und interindividuelle Heterogenität weniger den zu untersuchen gewünschten Effekt beeinflussen können

Location
Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt am Main
Extent
Online-Ressource
Language
Deutsch
Notes
Universität Freiburg, Dissertation, 2022

Keyword
Anorexia nervosa
Psychische Störung
Kernspintomografie
Funktionelle Kernspintomografie
Anorexia nervosa
Neurobiologie

Event
Veröffentlichung
(where)
Freiburg
(who)
Universität
(when)
2022
Creator
Contributor

DOI
10.6094/UNIFR/227985
URN
urn:nbn:de:bsz:25-freidok-2279850
Rights
Open Access; Der Zugriff auf das Objekt ist unbeschränkt möglich.
Last update
15.08.2025, 7:22 AM CEST

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Time of origin

  • 2022

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