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Schloss Lichtenstein: Bau, Nutzung und Verwaltung (Bestand)

Bestandssignatur:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, GU 20
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Kontext:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Archiv der Herzöge von Urach
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Bestandslaufzeit:
(1593), (1643), 1830-1949, 1971, 1987 und o. J.
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Bestandsbeschreibung:
Inhalt und Bewertung

Im Jahre 1800 heiratete Herzog Wilhelm von Württemberg (1761-1830), der Sohn Herzog Friedrich Eugens und Bruder König Friedrichs I. von Württemberg, Wilhelmine Freiin von Tunderfeld-Rhodis (1777-1822), die Tochter des Hauptmanns Karl August Freiherr von Tunderfeld-Rhodis und der Theresia geb. Freiin Schilling von Cannstatt. Diese Ehe war aufgrund der Hausgesetze des Hauses Württemberg nicht standesgemäß, weshalb Herzog Wilhelm am 1. August 1801 für seine Nachkommen auf die Thronfolge in Württemberg verzichtete. Herzog Friedrich II. von Württemberg, der spätere König Friedrich I. von Württemberg, erkannte andererseits die Ehe seines Bruders mit Wilhelmine Freiin von Tunderfeld-Rhodis als "vollwirkende Ehe zur rechten Hand" (Zoepfl) an, und Wilhelmine von Tunderfeld-Rhodis erhielt nach ihrer Vermählung den Titel einer Prinzessin von Württemberg. Außerdem verfügte Herzog Friedrich II., dass die Nachkommen aus dieser Ehe den Titel Graf bzw. Gräfin von Württemberg führen sollen. Somit war eine neue Nebenlinie des Hauses Württemberg entstanden.
Herzog Wilhelm von Württemberg hatte zwei Söhne, die beide als Offiziere im württembergischen Militär Karriere machten. Der ältere Sohn Graf Alexander (1801-1844) trat auch als Dichter hervor und hielt engen Kontakt zu den Dichtern Justinus Kerner, Ludwig Uhland, Nikolaus Lenau und Gustav Schwab. Der jüngere Sohn Wilhelm (1810-1869) brachte es im württembergischen Militär bis zum General der Infanterie. Neben seinen militärischen Aufgaben nahm er auch künstlerische und wissenschaftliche Interessen wahr. Außerdem baute er Schloss Lichtenstein bei Reutlingen, das bis zur Gegenwart im Besitz des Hauses Urach ist.
Am 28. Mai 1867 wurde Graf Wilhelm von König Karl von Württemberg zum Herzog von Urach erhoben. Der Titel eines Herzogs von Urach ging jeweils an den ältesten Sohn des Herzogs über. Die nachgeborenen Nachkommen des Herzogs erhielten am 10. Januar 1868 die Titel Fürst bzw. Fürstin von Urach mit dem bisherigen Namen Graf bzw. Gräfin von Württemberg. Die Mitglieder des Hauses Urach, denen die Anrede Durchlaucht zusteht, hatten bei Hof den Rang vor allen Standesherrn im Königreich, waren aber im Unterschied zu diesen nicht in der Ersten Kammer des württembergischen Landtages vertreten. Außerdem wurde am 30. November 1867 von König Karl ein Fideikommiss für das Haus Urach errichtet.
In konfessioneller Hinsicht war das Haus Urach nach dem Übertritt des Grafen Wilhelm im Jahre 1867 zum katholischen Glauben stark katholisch geprägt. Dieses konfessionelle Element wurde noch durch die Heiraten von Mitgliedern der Familie Urach mit Angehörigen katholischer Hochadelsfamilien - wie etwa der Häuser Wittelsbach, Leuchtenberg, Grimaldi, Thun-Hohenstein, Altieri, Liechtenstein, Waldburg-Zeil, Thurn und Taxis, Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst - verstärkt.
Das Archiv der Herzöge und Fürsten von Urach Grafen von Württemberg, das bisher auf dem Familiensitz Schloss Lichtenstein verwahrt worden war, gelangte im Jahr 1987 als Depositum unter Eigentumsvorbehalt ins Hauptstaatsarchiv. Innerhalb der Tektonik (Beständegliederung) des Hauptstaatsarchivs erhielten die Bestände des Archivs der Herzöge und Fürsten von Urach - in Anlehnung an die Beständeserie Württembergisches Hausarchiv (G-Bestände) - die Bestandssignaturen GU.
Die Unterlagen des Familienarchivs waren bei der Übernahme ungeordnet, so dass erst eine Neuordnung vorgenommen werden musste. Dr. Wolfgang Schmierer, der frühere Leiter des Hauptstaatsarchivs, hat im Jahre 1995 eine erste grobe Vorordnung des Familienarchivs vorgenommen. Er untergliederte dabei das Adelsarchiv in personenbezogene Bestände (Bestände GU 101ff.) und in allgemeine Bestände (GU1-99). Letztere beinhalten die Grundstücks- und Vermögensverwaltung (GU 1ff.), Karten und Pläne (GU 97), Rechnungen (GU 98) sowie Fotoalben und -sammlungen (GU 99). Zudem wurde ein Bestand für Vermischtes und Ungeklärtes (GU 96) gebildet. Die Gliederung der personenbezogenen Bestände bzw. Nachlässe der einzelnen Familienmitglieder orientiert sich sehr eng an dem Beitrag Wolfgang Schmierers im Biographischen Lexikon des Hauses Württemberg (siehe Literaturangaben). Bei der groben Vorordnung des Familienarchives konnten bei einzelnen Familienmitgliedern keine Nachlassbestände bzw. Archivalien zu den Personen ermittelt werden. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Personen: Eberhard Graf von Württemberg (1833-1896), Wilhelmine (Wilma) Gräfin von Württemberg (1834-1910), Pauline Gräfin von Wuthenau-Hohenthurm (1836-1911), Karl Alexander Graf von Württemberg (1839-1876), Eugenie Gräfin von Württemberg (1848-1867), Elisabeth Fürstin von Urach geb. Theurer (1899-1988), Rosemary Fürstin von Urach Gräfin von Württemberg geb. Blackadder (1901-1975), Ute Fürstin von Urach Gräfin von Württemberg geb. Waldschmidt (1922-1984), Iniga Fürstin von Urach Gräfin von Württemberg geb. Prinzessin von Thurn und Taxis (geb. 1925). Daher wurden an den entsprechenden Stellen in der Beständeübersicht Lücken gelassen. So kommt es, dass die Bestandssignaturen GU 109-112, GU 115, GU 125, GU 130, GU 131 und GU 133 nicht belegt sind. Die Lücken wurden für den Fall eingerichtet, dass sich bei der Erschließung des Familienarchives doch noch Material zu den betreffenden Personen findet. Auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass Unterlagen zu den genannten Personen abgegeben werden.
Zu einzelnen Persönlichkeiten sind sowohl in der GU-Beständerserie als auch in der G-Serie (Württembergisches Hausarchiv) Bestände vorhanden: Im Einzelnen sind dies: Wilhelm Herzog von Württemberg (GU 101, G 253), Wilhelmine Prinzessin von Württemberg (GU 102, G 254), Alexander Graf von Württemberg (GU 103, G 290), Wilhelm (I.) Herzog von Urach (GU 105, G 302), Florestine Herzogin von Urach (GU 107, G 303) und Marie Gräfin von Taubenheim (GU 108, G 306).
Innerhalb der Rubrik der personenbezogenen Bestände bilden die drei Bestände GU 201 bis GU 203 eine Sondergruppe. Bei diesen handelt es sich um personenbezogene Bestände bzw. Nachlässe von Personen, die zwar nicht zum Haus Urach gehören, aber enge Kontakte zu diesem unterhielten. Der Bestand GU 201 umfasst beispielsweise Unterlagen von Prälat Konrad Kümmel (1848-1936), der lange Zeit Schriftleiter des Katholischen Sonntagsblattes und des Deutschen Volksblattes war. Die Bestände GU 202 und GU 203 beziehen sich auf Bertha von Biegeleben und Anna Freifrau Hiller von Gärtringen geb. von Salviati, die beide als Hofdamen der Florestine Herzogin von Urach bzw. Amalie Herzogin von Urach im Dienste des Hauses Urach standen.
Bisher sind die personenbezogenen Bestände GU 101 (Wilhelm Herzog von Württemberg), GU 102 (Wilhelmine Prinzessin von Württemberg geb. Freiin von Tunderfeld-Rhodis), GU 103 (Alexander Graf von Württemberg), GU 104 (Helene Baronin du Bourget geb. Gräfin Festetics von Tolna verw. Gräfin von Württemberg), GU 106 (Theodolinde Gräfin von Württemberg geb. Prinzessin von Leuchtenberg), GU 107 (Florestine Herzogin von Urach geb. Prinzessin von Monaco) und GU 117 (Herzog Wilhelm (II.) von Württemberg) durch Archivrepertorien und Online-Findmittel erschlossen. Es ist geplant, die übrigen personenbezogenen Bestände in den nächsten Jahren sukzessive zu erschließen, und die Repertorien als Online-Findmittel ebenso ins Internet zu stellen. Die Repertorien zu den Beständen Wilhelm (I.) Herzog von Urach (GU 105), Marie Gräfin von Taubenheim (GU 108) und Fotoalben und -sammlungen (GU 99) sind zur Zeit noch in Arbeit. Bei den allgemeinen, nicht personenbezogenen Beständen (GU 1-99), die bisher mit Ausnahme des Bestandes GU 99 noch nicht erschlossen sind, wurde auf eine inhaltliche Beschreibung der Bestände verzichtet. Ebenso wurden die bisher noch unverzeichneten personenbezogenen Bestände inhaltlich nicht näher beschrieben. Bei den letztgenannten Beständen sind lediglich die Lebensdaten und sonstige biografische Daten zu den Personen ermittelt worden. Grundlage hierfür waren v. a. die Artikel von Wolfgang Schmierer in Das Haus Württemberg.
Aufgrund der Bedeutung der Personen und des Umfangs und Inhalts der Bestände verdienen v. a. die Bestände GU 105 (Herzog Wilhelm (I.) von Württemberg), GU 107 (Florestine Herzogin von Urach) und GU 117 (Wilhelm (II.) Herzog von Urach) Erwähnung. Herzog Wilhelm (II.) von Urach (1864-1928) machte nicht nur als Offizier Karriere - er befehligte während des Ersten Weltkrieges als General die 26. Infanterie-Division und später das Generalkommando z. b. V. Nr. 64 -, sondern war auch mehrfach als Thronfolgekandidat für Monaco, Albanien, Polen, Elsass-Lothringen und Litauen im Gespräch. Bezüglich des Inhalts der genannten Bestände sei jeweils auf die einzelnen Bestandsbeschreibungen verwiesen.
Für die Einsichtnahme in die GU-Bestände ist die Genehmigung des Chefs des Hauses Urach erforderlich. Die Benutzer sind zur Wahrung der Personenrechte verpflichtet.
Literatur:
Heinrich Zoepfl: Rechtliches Gutachten über die dermalige familienrechtliche und staatsrechtliche Stellung (...) des Grafen Wilhelm von Würtemberg. Heidelberg 1865; Friedrich Freiherr von Gaisberg-Schöckingen (Hg.): Das Königshaus und der Adel von Württemberg. Pforzheim o. J. [1908]; Genealogisches Handbuch des Adels (Gotha). Band 1 Fürstliche Häuser 1. Band. Glücksburg 1951. S. 506-508; Gotha Bd. 8. S. 494-496; Gotha Bd. 19. S. 600-602; Gotha Bd. 50. S. 436-439; Gotha Bd. 85. S. 515-517; Michel Huberty, Alain Giraud, F. et B. Magdelaine: L'Allemagne dynastique. Le-Perreux-sur-Marne 1976; Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Hg. von Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (...) und dem Institut für geschichtliche Landeskunde der Universität Tübingen. Stuttgart 1997. S. 376-398.
Stuttgart, im Juli 2004
Eberhard Merk

1. Geschichte des Schlosses Lichtenstein: Der Bestand GU 20 enthält Unterlagen zu Bau, Umbau, Instandsetzung, Verwaltung und Nutzung des Schlosses Lichtenstein im Landkreis Reutlingen, das sich im Besitz des Hauses Urach befindet. Da sich der Bestand GU 20 auf Schloss Lichtenstein bezieht, wird im Folgenden auf die Geschichte des Schlosses Lichtenstein eingegangen. Um 1100 errichteten die Herren von Lichtenstein etwa 500 Meter südöstlich des heutigen Schlosses Lichtenstein eine Burg, von der heute nur noch Mauerreste erhalten sind (vgl. GU 20 Büschel 176 und 180). Die Herren von Lichtenstein waren Ministerialen im Dienste der Grafen von Achalm, später der Grafen von Württemberg. Im Verlauf von kriegerischen Auseinandersetzungen der Württemberger im 14. Jahrhundert wurde die Burg Lichtenstein zerstört. Das Haus Württemberg, das seit dem Ende des 14. Jahrhunderts im Besitz der Burg war, baute die Burg nach 1389 nicht an der alten Stelle wieder auf, sondern auf einem frei stehenden Felsen über dem Echaztal, an der Stelle, an der sich heute das Kernschloss von Schloss Lichtenstein befindet. Fortan diente die Burg dem Hause Württemberg als Jagdschloss und Wohnung der Burgvögte. Während des Bauernkrieges 1525 versuchten die Pfullinger vergebens, Burg Lichtenstein einzunehmen. Ab 1567 war der Lichtenstein Sitz eines Forstknechts, der die herzoglichen Wälder in der Umgebung verwaltete. Dieser war dem Forstmeister in Urach unterstellt. Daneben fungierte Burg Lichtenstein bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zeitweilig als Jagdschloss der Herzöge von Württemberg. Als im 18. Jahrhundert die Herzöge jedoch andere Jagdgebiete bevorzugten, verfiel die Burg zusehends. Nach einem Brand im Jahre 1802 ließ daher Herzog Friedrich II., der spätere König Friedrich I., den oberen Teil des Gebäudes, das Vorwerk und die Zugbrücke abtragen. Auf den Grundmauern der Burg wurde ein Gebäude mit einem Krüppelwalmdach erbaut, das bis 1837 Sitz eines Revierförsters war. Im Jahre 1837 suchte Wilhelm Graf von Württemberg (1810-1869), der spätere erste Herzog von Urach, einen geeigneten Platz für den Bau einer Ritterburg im "altdeutschen Style", also im Stil der Gotik. Die Burgruinen Hohenurach, Hohenneuffen und Zavelstein kamen aus verschiedenen Gründen dafür nicht in Betracht. Die Wahl fiel schließlich auf den Lichtenstein, wofür die Nähe zu den Besitzungen des Grafen in Urach und Offenhausen und die geringe Größe des Objekts sprachen. Andere Burgen und Liegenschaften wären für den Bau und Unterhalt einer Burg nach Aussage des Grafen Wilhelm zu kostspielig geraten (vgl. hierzu das Briefkonzept des Grafen vom 29. November 1837, GU 20 Büschel 225, abgedruckt bei Bidlingmaier, a.a.O., S. 117-120). Die Entscheidung für den Lichtenstein wurde möglicherweise auch durch den Roman "Lichtenstein" von Wilhelm Hauff (1802-1827) inspiriert, der als einer der ersten Historienromane der deutschsprachigen Literatur 1826 erschienen war. Schauplätze dieses Romans sind u. a. die Burg Lichtenstein und die Nebelhöhle, in der sich Herzog Ulrich von Württemberg vor den Truppen des Schwäbischen Bundes versteckt, um sich nachts auf die Burg Lichtenstein zu begeben, wo er von dem Ritter von Lichtenstein und dessen Tochter Marie verköstigt wird. Der Roman "Lichtenstein" wurde zu einem großen Erfolg, den Wilhelm Hauff aber wegen seines frühen Ablebens nicht mehr genießen konnte. Dem Erbauer des Schlosses Lichtenstein, Wilhelm Graf von Württemberg, war der Roman bekannt. Die Erinnerung an den Schriftsteller Wilhelm Hauff wurde auf dem Lichtenstein auch immer wachgehalten, wie das Hauff-Denkmal in der Nähe des Schlosses Lichtenstein und die Abhaltung einer Feier zum Gedenken an Wilhelm Hauff im Jahre 1927 beweisen (vgl. GU 20 Büschel 3 und 178). Die Verhandlungen über den Kauf der Burg Lichtenstein zwischen Wilhelm Graf von Württemberg und der württembergischen Forstverwaltung und dem Finanzministerium wurden in den Jahren 1837 bis 1838 geführt (vgl. dazu GU 20 Büschel 143). Wilhelm I. König von Württemberg gab am 19. März 1838 seine Einwilligung in den Verkauf der Burg Lichtenstein mit den zugehörigen Grundstücken an seinen Vetter Wilhelm Graf von Württemberg. Zuvor hatte das Finanzministerium unter der Bedingung dem Verkauf zugestimmt, dass für den bisher auf dem Lichtenstein ansässigen Förster ein neues Forsthaus errichtet wird. Der Kaufvertrag wurde am 25. August 1838 unterzeichnet (GU 20 Büschel 143). Die ersten Entwürfe zu Schloss Lichtenstein, die nicht datiert und größtenteils nicht signiert sind, entstanden möglicherweise ebenfalls in dem Zeitraum 1837 bis 1838. Diese Entwürfe, die im Bestand GU 97 (Schloss Lichtenstein: Pläne, Risse und Zeichnungen) verwahrt werden, stammen vermutlich von dem württembergischen Hofmaler Franz Seraph Stirnbrand (geboren zwischen 1788 und 1794, gest. 1882) (u. a. GU 97 Nr. 49, 51 und 53). Ein weiterer Entwurf wurde von dem Offizier Christian Wilhelm von Faber du Faur (1780-1857) angefertigt (GU 97 Nr. 64). Alle diese genannten Entwürfe weichen zum Teil erheblich von dem tatsächlich realisierten Schlossbau ab. Schließlich fertigte der Maler, Architekt und Denkmalpfleger Carl Alexander von Heideloff (1789-1865) zu Beginn des Jahres 1838 Pläne für den Bau des Kernschlosses an. Da Heideloff aufgrund seiner Tätigkeit als Direktor am Polytechnikum Nürnberg und seiner Arbeit als Denkmalpfleger in Franken häufig verhindert war, beauftragte Graf Wilhelm kurzerhand den in Reutlingen wohnhaften Architekten und Denkmalpfleger Johann Georg Rupp (1797-1883) mit der Anfertigung von Plänen zum Bau des Schlosses Lichtenstein. Heideloff blieb dennoch in die Planungen involviert, indem er etwa Stellungnahmen zu Rupps Plänen lieferte. Rupp legte im Folgenden eine Reihe von Entwurfszeichnungen zum Kernschloss vor, die vor allem im Bestand GU 97 dokumentiert sind und im Großen und Ganzen dem tatsächlich realisierten Bau ähneln. Über die Vorstellungen des Grafen Wilhelm zum Bau des Schlosses Lichtenstein sind wir durch einen Brief seines Sekretärs genau informiert (GU 20 Büschel 143, abgedruckt bei Bidlingmaier, a.a.O., S. 126f.). Graf Wilhelm nahm selbst Einfluss auf die Planungen, wie seine handschriftlichen Korrekturen auf den Plänen und Entwurfszeichnungen Rupps beweisen. Die Bauarbeiten wurden in den Jahren 1839 bis 1842 ausgeführt. Am 27. Mai 1842 weihte Wilhelm I. König von Württemberg das Schloss ein. Die Schlossanlage umfasste nach der Fertigstellung neben dem Kernschloss auf dem Felsen über dem Echaztal den Ritterbau (rechts vom Eingangstor), den Fremdenbau (links vom Eingangstor) und die Festungsanlage. In den Jahren 1857 bis 1858 erfolgte der Um- und Ausbau der Festungsanlage, wohl auch mit Blick auf die revolutionären Ereignisse der Jahre 1848 bis 1849 (vgl. GU 20 Büschel 141 und 155). Wahrscheinlich wollte Graf Wilhelm ein sicheres Refugium für sich und seine Familie errichten, das im Falle eines Aufstandes Schutz bieten konnte (vgl. hierzu Christian Ottersbach: Befestigte Schlossbauten im Deutschen Bund 1815-1866, a.a.O., S. 104f.). Graf Wilhelm, der ab 1857 Gouverneur der Festung Ulm war und daher auf dem neuesten Stand der Festungsbaukunst war, fertigte selbst Pläne und Zeichnungen zum Um- und Ausbau der Festungsanlage an, die im Bestand GU 97 erhalten sind (GU 97 Nr. 6-9, 13, 14, 17-19, 30-32 und 62). Um 1900 entstanden weitere Anbauten an die bisherigen Gebäude. 1899 wurde der Gerobau als Anbau an den Fremdenbau errichtet, in dem u. a. Räume für die Kinder von Wilhelm (II.) Herzog von Urach und Amalie Herzogin von Urach (geb. Herzogin in Bayern) untergebracht waren (vgl. hierzu Unterrubrik 2.3.6). Der Fürstenbau wurde in den Jahren 1907 bis 1908 an den Ritterbau angebaut (vgl. hierzu Unterrubrik 2.3.7). Schloss Lichtenstein erregte bereits kurz nach seiner Fertigstellung die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit: Der Sondelfinger Pfarrer Carl Christian Gratianus (1780-1852) veröffentlichte 1844 ein kleines Bändchen unter dem Titel "Die Ritterburg Lichtenstein. Landsitz Sr. Erlaucht des Grav Wilhelm von Wirtemberg. Vergangenheit und Gegenwart" (Hauptstaatsarchiv Bibliothek A 3048). 1852 erschien das Werk "Der im mittelalterlichen Styl neu erbaute Lichtenstein. Burg Sr. Erlaucht des Herrn Graven Wilhelm von Württemberg. Eine Zusammenstellung von Ansichten, Plänen, ornamentalen & architektonischen Details in Farbendruck, nebst Text mit Holzschnitten" (GU 97 Nr. 5), das von dem Maler und Architekten Georg Eberlein (1819-1884) herausgegeben wurde. Eberlein, ein Schüler Carl Alexander von Heideloffs, war auch an der Ausmalung der Innenräume des Schlosses maßgeblich beteiligt. In den letzten Jahren wurde Schloss Lichtenstein renoviert. Das Schloss ist im Besitz des Hauses Urach, wird aber nicht mehr ständig von Mitgliedern des Hauses bewohnt.

2. Inhalt des Bestandes: Den Auftakt des Bestandes bilden die in Rubrik 1 versammelten Unterlagen zu den Verhandlungen über den Kauf des Schlosses Lichtenstein, die Graf Wilhelm mit der württembergischen Forstverwaltung und dem Finanzministerium führte (GU 20 Büschel 143). Rubrik 2 vereinigt Archivalien zu Bau, An- und Umbauten, Instandsetzungsarbeiten und Haustechnik des Schlosses Lichtenstein, einschließlich zugehöriger Rechnungsbelege. Sie ist bezüglich ihres Inhaltes die bedeutendste und gemessen am Umfang die zweitgrößte Rubrik des Bestandes. Neben Rechnungsbelegen und Quittungen zum Bau und zu Umbaumaßnahmen sind Bauakten, teilweise mit Plänen und Entwürfen, zu erwarten. In der Unterrubrik 2.1.1 sind die Rechnungsbelege und Quittungen zum Schlossbau und in der Unterrubrik 2.1.2 die Korrespondenzen des Bauherrn Wilhelm Graf von Württemberg mit den Architekten und Künstlern Carl Alexander von Heideloff (GU 20 Büschel 225), Johann Georg Rupp (GU 20 Büschel 219) und Georg Eberlein (GU 20 Büschel 216 und 154), die am Bau des Schlosses beteiligt waren, vorhanden. Bei den genannten Korrespondenzen handelt es sich allesamt um sog. unilaterale Korrespondenzen, d. h. es sind nur die Schreiben der genannten Personen an Graf Wilhelm zu finden. In den Briefen der genannten Künstler spiegeln sich die Baugeschichte und die späteren Baumaßnahmen des Schlosses wider. Vor allem die Briefe Heideloffs verdienen besondere Beachtung, denn neben der Baugeschichte des Schlosses Lichtenstein enthalten diese auch Ausführungen zu den umfangreichen anderen Baumaßnahmen und Planungen Heideloffs, etwa im Auftrag der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha und Sachsen-Meiningen. Sogar ein Angebot des portugiesischen Königs Ferdinand II., welcher der katholischen Linie Sachsen-Coburg-Gotha-Kohary entstammte, an Heideloff, beim Bau von Schloss Pena mitzuwirken, wird in den Briefen genannt. Auch Heideloffs nicht unwichtige Tätigkeit als Denkmalpfleger in Nürnberg und im übrigen Franken ist darin dokumentiert. Die Briefe sind eine interessante Quelle zur Biografie Heideloffs und darüber hinaus auch zur Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts (Auszüge u. a. bei Bidlingmaier, Ottersbach, a.a.O.). Für die Baugeschichte und die Kunstgeschichte von Belang sind auch die Briefe des bereits genannten Malers und Architekten Georg Eberlein in GU 20 Büschel 216. Sie informieren über die Ausmalung des Schlosses Lichtenstein und daneben auch über Eberleins Wirken beim Bau der Burg Hohenzollern und im Auftrag des von Graf Wilhelm mitbegründeten Württembergischen Geschichts- und Altertumsvereins (siehe dazu auch Bidlingmaier, a.a.O.). Die Unterrubrik 2.2 beinhaltet Archivalien zu späteren Baumaßnahmen nach der Vollendung des Schlosses, die sich auf mehrere Gebäude der Schlossanlage Lichtenstein beziehen. In der Unterrubrik 2.2.2 finden sich Briefe des bereits erwähnten Johann Georg Rupp aus den Jahren 1856 bis 1883 (GU 20 Büschel 220 und 222), also aus der Zeit nach Fertigstellung des Schlossbaus, und des Architekten Karl Mayer aus den Jahren 1883-1904 (GU 20 Büschel 1-4). Letzterer war als Architekt bei Baumaßnahmen in der Zeit um 1900, etwa beim Bau des Gerobaus und des Fürstenbaus, maßgeblich beteiligt. Unterlagen zu einzelnen Gebäuden der Schlossanlage sind in der Unterrubrik 2.3, Materialien zu technischen Einrichtungen auf Schloss Lichtenstein sind in der Unterrubrik 2.4 zu erwarten.

Rubrik 3 ist die umfangreichste Rubrik des Bestandes. In ihr finden sich Instruktionen der Herzöge und der Herzogin für die Schlossverwalter (v. a. Unterrubrik 3.1), Berichte der Schlossverwalter an den Herzog und die Herzogin (v. a. Unterrubrik 3.2), Monatsabrechnungen und -berichte (Unterrubrik 3.3), Status bzw. Übersichten über die Einnahmen und Ausgaben (v. a. Unterrubrik 3.4), Kassen-Tagebücher (Unterrubrik 3.5), Auszüge aus den Kassen-Tagebüchern (Unterrubrik 3.6), ein Postbuch (Unterrubrik 3.7), die Versicherung des Schlosses und des Hausrats (Unterrubrik 3.8) und Personalangelegenheiten des Schlossverwalters (Unterrubrik 3.9). Bei den genannten Serien gibt es teilweise Überschneidungen. So enthalten die Berichte der Unterrubriken 3.2.2.1, 3.2.2.2 und 3.2.2.3 auch die Aufstellungen der Einnahmen und Ausgaben (Status). Es erschien sinnvoll, die vorgefundenen Einheiten zu belassen und die entsprechenden Inhalte in den Enthält- und Darin-Vermerken aufzuführen. Hervorzuheben sind in Rubrik 3 vor allem die Berichte der Schlossverwalter an den Herzog und die Herzogin und die Instruktionen des Herzogs und der Herzogin an die Schlossverwalter, da in diesen häufig die Baumaßnahmen auf Schloss Lichtenstein Erwähnung finden. Rubrik 4 enthält die Inventare der Räume des Schlosses Lichtenstein, die eine wichtige Quelle für die Ausstattung des Schlosses sind. In den Inventaren werden auch die auf dem Lichtenstein verwahrten Kunstwerke und Sammlungen aufgeführt. Diese Sammlungen und Kunstwerke sind natürlich vorrangig Gegenstand der Rubrik 5. Von Bedeutung sind die Gemäldesammlungen (Unterrubrik 5.1), die Skulpturensammlungen (Unterrubrik 5.2) und die Sammlungen griechischer und römischer Altertümer (Unterrubrik 5.3). Die größtenteils von Wilhelm Graf von Württemberg angelegten Sammlungen sind zugleich ein beredtes Zeugnis für das rege Interesse und die profunden Kenntnisse des Grafen in den Fächern Geschichte, Kunstgeschichte und Geologie. Erwähnung verdienen die von dem Stuttgarter Kunstforscher und Rechtsanwalt Karl Walcher (1831-1906) angelegten Materialsammlungen, Aufzeichnungen und Publikationen zu den Skulpturen des Neuen Lusthauses in Stuttgart, das von Georg Beer unter Mitwirkung von Heinrich Schickhardt Ende des 16. Jahrhunderts erbaut worden war. Graf Wilhelm hatte vor dem Umbau des Neuen Lusthauses zum Königlich Württembergischen Hoftheater in den 1840er Jahren einige der an dem Gebäude befindlichen Skulpturen erworben, auf den Lichtenstein verbracht und damit vor dem sicheren Untergang gerettet. Walcher, der als Rechtsanwalt häufig die Interessen des Hauses Urach vertrat, hat sich intensiv mit den Lusthausfiguren befasst und Publikationen darüber vorgelegt. Seine Materialsammlungen und seine wissenschaftliche Korrespondenz mit Gelehrten zu diesem Thema hat Walcher dem Haus Urach übergeben. Sie befinden sich in Unterrubrik 5.2.1. Die Korrespondenzen mit den Bildhauern Ernst Macholdt und August Schwenzer über die Restaurierung der Lusthausfiguren, sind in GU 20 Büschel 159, 161 und 210 zu erwarten. Auch der Bestand GU 97 weist Archivalien zum Neuen Lusthaus auf (v. a. Nr. 125, 136 und 137). In Unterrubrik 5.8 ist vor allem die umfangreiche Korrespondenz des Grafen Wilhelm mit Künstlern, Kunsthändlern und Restauratoren hervorzuheben. Graf Wilhelm hat zahlreiche Gemälde und Skulpturen erworben. Darunter befanden sich viele sakrale Kunstwerke, die nach der Säkularisation auf den Kunstmarkt gelangten. Mit dem Erwerb dieser Kunstwerke hat Graf Wilhelm diese Kunstobjekte vor dem Untergang oder dem Verkauf ins Ausland gerettet. In diesem Zusammenhang verdient das in GU 20 Büschel 301 vertretene Gutachten des Kunstsammlers und -gelehrten Sulpiz Boisserée (1783-1854) zu der Gemälde-Sammlung des Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein Beachtung. Der Fürst beabsichtigte damals, seine Gemälde-Sammlung dem Stuttgarter Museum der Bildenden Künste, der Vorgänger-Institution der Staatsgalerie, zum Verkauf anzubieten.

Die Materialien zur Bibliothek des Hauses Urach sind in Rubrik 6 versammelt. Darin sind die Verzeichnisse der Bibliothek der Florestine Herzogin von Urach Gräfin von Württemberg (geb. Prinzessin von Monaco) erwähnenswert (GU 20 Büschel 236 und 255). Einzelne Dokumente zu dem früher auf Schloss Lichtenstein verwahrten Archiv finden sich in Rubrik 7. Rubrik 8 hat die Nutzung des Schlosses Lichtenstein und die Hofhaltung des Hauses Urach auf dem Schloss zum Gegenstand. Die Fremdenbücher (Unterrubrik 8.1.1.1) und die Einschreibebücher der Herzogin (Unterrubrik 8.1.1.2) und des Herzogs (Unterrubrik 8.1.1.3) geben Auskünfte über die prominenten Besucher des Schlosses aus den Reihen der europäischen Fürstenhäuser, des deutschen Hochadels, der Stuttgarter Hofgesellschaft, des Militärs, des Kabinetts und der Verwaltung in Württemberg. Unter den Besuchern sind u. a. die Könige Wilhelm I., Karl und Wilhelm II. von Württemberg, die Königinnen Pauline, Olga und Charlotte von Württemberg und Wilhelm III. König der Niederlande Großherzog von Luxemburg, Albert I. Fürst von Monaco, Albert I. König und Elisabeth Königin der Belgier, Mary Fürstin von Teck (verh. Königin von Großbritannien und Irland Kaiserin von Indien), Ferdinand Graf von Zeppelin, der spätere russische Außenminister und Staatskanzler Alexander Fürst Gortschakow, Ludwig Uhland, Sulpiz Boisserée und Paul Wilhelm von Keppler Bischof von Rottenburg zu nennen. Bei einzelnen Einträgen ist jedoch nicht immer ersichtlich, inwieweit sich diese auf Besuche bei Angehörigen des Hauses Urach im Palais Urach in Stuttgart oder auf Schloss Lichtenstein beziehen. Im Fremdenbuch des Schlosses Lichtenstein (GU 20 Büschel 184) finden sich außerdem Klecksbilder oder sog. "Klecksographien" und Gedichte u. a. über den Lichtenstein von dem Arzt und Dichter Justinus Kerner. Archivgut über Schloss Lichtenstein und die Öffentlichkeit sind in Rubrik 9 vereinigt. Die Besichtigung des Schlosses (Unterrubrik 9.1.) ist durch die Besucher-, Fremden- und Einschreibebücher des Schlosses (Unterrubrik 9.1.1), in denen die weniger prominenten Besucher auftauchen, Eintrittskarten (Unterrubrik 9.1.2) und Anfragen von Schlossbesuchern (Unterrubrik 9.1.3) dokumentiert. Außerdem sind Archivalien über Veranstaltungen auf dem Schloss und die Lichtensteinspiele in Honau (Unterrubrik 9.2) und die verkehrstechnische Anbindung des Schlosses (Unterrubrik 9.3) zu erwarten. Von Interesse sind etwa die Überlegungen zum Bau einer Drahtseilbahn auf den Lichtenstein (GU 20 Büschel 179), die jedoch wegen der damit verbundenen Verunstaltung der Landschaft nicht realisiert wurden. Zeitungsartikel, Typoskripte, Manuskripte und Gedichte über Schloss Lichtenstein enthält Rubrik 9.4. Die Umgebung des Schlosses hat Rubrik 10 zum Inhalt. Hier sind Unterlagen u. a. über das ehemalige Forsthaus bzw. den Sitz des staatlichen Revierförsters auf dem Lichtenstein (Unterrubrik 10.1), die Wälder in der Nähe von Schloss Lichtenstein (Unterrubrik 10.2), die geologische Pyramide auf dem Lichtenstein (Unterrubrik 10.5) und die eingangs bereits erwähnte Burgruine Lichtenstein (Unterrubrik 10.6) aufgeführt. Schließlich folgen die meteorologischen Aufzeichnungen des Schlossverwalters Feil für Graf Wilhelm vor allem aus dem Jahr 1844 (Rubrik 11). Die in dem vorliegenden Bestand vorhandenen Archivalien bilden neben dem Bestand GU 97 die zentralen Quellen für die Baugeschichte des Schlosses Lichtenstein. Für Forschungen zum Bau des Schlosses Lichtenstein und zu An- und Umbaumaßnahmen ist es sinnvoll, in den Beständen GU 20 und GU 97 parallel zu recherchieren. Auch für die Biografie des Erbauers von Schloss Lichtenstein Wilhelm (I.) Herzog von Urach Graf von Württemberg (1810-1869) und die Geschichte des Hauses Urach sind die Materialien von großem Interesse. Darüber hinaus haben die Quellen im Bestand GU 20 Bedeutung für die Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Kulturgeschichte sowie die Alltags- und Mentalitätsgeschichte des Adels.

3. Ordnung und Verzeichnung des Bestandes: Der Bestand GU 20 gelangte zusammen mit dem Archiv der Herzöge und Fürsten von Urach Grafen von Württemberg im Jahre 1987 als Depositum ins Hauptstaatsarchiv. Dort bildet das Archiv des Hauses Urach innerhalb der Tektonik (Beständegliederung) die GU-Beständeserie. Bei der Neuordnung des Archivs durch Ltd. Archivdirektor Wolfgang Schmierer erhielten die Unterlagen zu Bau, Nutzung und Verwaltung des Schlosses Lichtenstein die Signatur GU 20. Bereits lange vor der Abgabe der Archivalien an das Hauptstaatsarchiv gab es Versuche, einen Teil der Akten zum Bau des Schlosses Lichtenstein zu ordnen, um einen besseren und schnelleren Zugriff auf benötigte Dokumente zu erhalten. Auf einigen Akten des Bestandes GU 20 und auf den Mappen mit Plänen im Bestand GU 97 sind daher Vorsignaturen vorhanden, die bei den Konkordanzen der Vorsignaturen in diesem Repertorium unter den Vorsignaturen 1, 2 und 3 aufgeführt sind. Einige der Vorsignaturen auf den Aktendeckeln stammen möglicherweise von Wilhelm (II.) Herzog von Urach (1864-1928) selbst. Bei allen diesen Maßnahmen handelte es sich jedoch nur um Ansätze zu einer groben Ordnung, die nur kleine Teile der heutigen Bestände GU 20 und GU 97 betrafen. Im Jahre 1984 wurden schließlich die Akten und Pläne zum Bau des Schlosses, die jetzt den Beständen GU 20 und GU 97 zugewiesen sind, teilweise neu geordnet. Auf den Aktendeckeln und auf den Mappen wurden in diesem Zusammenhang handschriftliche Verzeichnisse, mit sehr knappen Angaben zum Inhalt, angebracht. Auch diese Ordnung bezog sich jedoch nur auf einen begrenzten Teil der Unterlagen. Die bei dieser Vorordnung vergebenen Signaturen in Form von arabischen Ziffern finden im Repertorium bei den Konkordanzen als Vorsignatur 4 Erwähnung. Da die Bestände GU 20 und GU 97 noch vor deren Neuverzeichnung Benutzern zugänglich gemacht wurden, sind häufig die 1984 vergebenen Vorsignaturen in der Literatur genannt (v. a. bei Ottersbach und Bidlingmaier, a.a.O.), da andere Signaturen für Zitatnachweise damals nicht zur Verfügung standen. Wie bereits erwähnt, waren Teile des vorliegenden Bestandes ungeordnet. Hier mussten die Verzeichnungseinheiten neu gebildet werden. Wo es sinnvoll erschien, insbesondere bei den Serien der Rechnungen und Quittungen, Instruktionen für den Schlossverwalter, Berichten der Schlossverwalter und Auszügen aus den Kassen-Tagebüchern, wurden die vorgefundenen Einheiten beibehalten. Die in den genannten Serien vereinzelt enthaltenen Pläne und Korrespondenzen der Schlossverwalter und der Mitglieder des Hauses Urach wurden im Enthält- bzw. Darin-Vermerk aufgeführt. Da für die vorliegenden Akten keine grundlegende Ordnung, geschweige denn ein Aktenplan oder -verzeichnis, vorlag, musste vom Bearbeiter eine neue Klassifikation entwickelt werden. Im Zuge der Erschließung wurden aus dem Bestand GU 20 zahlreiche Unterlagen ausgegliedert und vor allem den Beständen GU 10 (Vermögensverwaltung des Hauses Urach), GU 97 (Schloss Lichtenstein: Pläne, Risse und Zeichnungen), GU 105 (Wilhelm (I.) Herzog von Urach Graf von Württemberg), GU 117 (Wilhelm (II.) Herzog von Urach Graf von Württemberg) und GU 120 (Karl Fürst von Urach Graf von Württemberg) zugewiesen. Die Archivalien des Bestandes GU 20 dürfen nur nach vorheriger Genehmigung des Chefs des Hauses Urach eingesehen werden. Das Repertorium des Bestandes GU 20 wurde im November 2009 fertiggestellt. Der Bestand umfasst - vor der Verpackung - ca. 5 lfd. Meter mit 400 Nummern. Stuttgart, im November 2009 Eberhard Merk

Literatur über Schloss Lichtenstein und das Haus Urach: Carl Christian Gratianus: Die Ritterburg Lichtenstein. Landsitz Sr. Erlaucht des Grav Wilhelm von Wirtemberg. Vergangenheit und Gegenwart. Tübingen 1844. Georg Eberlein: Der im mittelalterlichen Styl neu erbaute Lichtenstein. Burg Sr. Erlaucht des Herrn Graven Wilhelm von Württemberg. eine Zusammenstellung von Ansichten, Plänen, ornamentalen & architektonischen Details in Farbendruck, nebst Text mit Holzschnitten. Reutlingen 1852. Friedrich Pfäfflin (Bearbeiter): Wilhelm Hauff und der Lichtenstein. [Ausstellung von März bis Juni 1981 im Schiller-Nationalmuseum Marbach am Neckar] (Marbacher Magazine 18). Marbach am Neckar 1981. Rolf Bidlingmaier: Schloß Lichtenstein. Die Baugeschichte eines romantischen Symbols. In: Reutlinger Geschichtsblätter NF 33 (1994) S. 113-152. Wolfgang Schmierer: Die Seitenlinie der Herzöge von Urach (seit 1867). In: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Hg. von Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press. Stuttgart 1997. S. 376-398. Christian Ottersbach: Befestigte Schlossbauten der Romantik. Die Schlösser Lichtenstein ob Honau und Hohenzollern. Magister-Hausarbeit im Fach Kunstgeschichte. Marburg 1998. Katharina und Nikola Hild: Lichtenstein. Reutlingen 2000. Hans-Christoph Dittscheid: Erfindung als Erinnerung. Burg Lichtenstein zwischen Hauffs poetischer Fiktion und Heideloffs künstlerischer Konkretisierung. In: Wilhelm Hauff oder Die Virtuosität der Einbildungskraft. Hg. von Ernst Osterkamp, Andrea Polaschegg und Erhard Schütz in Verbindung mit der Deutschen Schillergesellschaft. Göttingen 2005. Architektur wie sie im Buche steht. Fiktive Bauten und Städte in der Literatur. Katalog anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Architekturmuseum der Technischen Universität München in der Pinakothek der Moderne vom 8. Dezember 2006 bis 11. März 2007. München 2006. S. 477-480. Christian Ottersbach: Befestigte Schlossbauten im Deutschen Bund. Petersberg 2007. Andrea Knop: Carl Alexander Heideloff und sein romantisches Architekturprogramm. Monographie und Werkkatalog (Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte Bd. 67). Nürnberg 2009.
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Umfang:
5.00
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Letzte Aktualisierung: 09.07.2019, 14:48 Uhr