16.11.2016

Wir sind die DDB: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel


Logo UB Kassel kleiner

Logo UB Kassel

Die Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel ist das seit 1976 in dieser Form bestehende Bibliothekssystem der Universität Kassel. Als größte und älteste wissenschaftliche Bibliothek Nordhessens ist sie für die umfassende Literatur- und Informationsversorgung von Universität und Region zuständig. Sie engagiert sich für einen nutzerorientierten Bestandsaufbau und für die konsequente Digitalisierung und Bereitstellung sowohl ihrer historischen Bestände wie auch der wissenschaftlichen Publikationen ihrer Universität.

Das Historische Erbe der Universität bilden die 1580 gegründete Landesbibliothek und die auf eine Stiftung von 1852 zurückgehende Murhardsche Bibliothek.

Geschichte

Die von Landgraf Wilhelm IV. aufgebaute Privatbibliothek diente den breit angelegten Forschungs- und Bildungsinteressen des Landgrafen. Sie wurde zum Grundstock der heutigen Landesbibliothek. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, ebenso bekannt für ihre Forschungen zur deutschen Sprache wie berühmt für ihre Sammlung von Volks- und Hausmärchen, wirkten zwischen 1814 und 1829 als Bibliothekare und Forscher in der zu dieser Zeit im Museum Fridericianum untergebrachten Landesbibliothek.

Nach den im Zweiten Weltkrieg erlittenen großen Verlusten und der weitgehenden Zerstörung des  Gebäudes fand die Landesbibliothek 1957 mit ihrem geretteten Bestand unter dem Dach der Murhardschen Bibliothek eine endgültige Bleibe. Der historische Bestand ist heute Teil der Sondersammlungen. Er enthält einzigartige Werke wie das aus dem 9. Jahrhundert stammende Hildebrandlied oder die weltweit größte Sammlung von Notenhandschriften von Heinrich Schütz.  Mit ihrem reichen Bestand ist die Landesbibliothek eine Schatzkammer besonderer Art: Forschungsbibliothek für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt und zugleich regionales Dokumentationszentrum für das Schrifttum zur Geschichte und Kultur des ehemaligen Kurfürstentums Hessen-Kassel. Als hessische Landesbibliothek erfüllt sie außerdem den Sammelauftrag zur Erhaltung und Erschließung von Literatur zur Geschichte und Landeskunde Hessen-Kassels sowie zur Sammlung der in ihrem Einzugsgebiet erscheinenden Verlagserzeugnisse.

Die Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel geht auf die Kasseler Bürger Friedrich und Karl Murhard zurück, die ihr gesamtes Vermögen zur Gründung einer Bürgerbibliothek stifteten. Sie steht im Geist des Liberalismus ihrer Stifter und erfüllt bis heute einen umfassenden Informations- und Bildungsauftrag für Stadt und Region Kassel.

Historisches Erbe


UB Kassel Bild 1

Willehalm-Kodex, 1334, Schachszene Willehalm bekehrt Arabel zum Christentum, Signatur: 2° Ms. poet. et roman. 1, fol. 25r
Willehalm-Kodex, 1334, Schachszene Willehalm bekehrt Arabel zum Christentum, Signatur: 2° Ms. poet. et roman. 1, fol. 25r

Auch wenn bereits 1334 der prachtvolle Willehalm-Codex von Landgraf Heinrich dem Eisernen in Auftrag geben worden war, so gibt es doch bis weit ins 16. Jahrhundert hinein keinerlei Hinweise auf einen systematischen Bucherwerb durch die hessischen Landgrafen.

Über die Jahrhunderte hinweg vollzog sich der Bestandsaufbau der landgräflichen Bibliothek vielfach weniger durch planvolle An- und Zukäufe, als durch die Folgen allgemeiner historischer Entwicklungen und Zufälle. So führte beispielsweise der Dreißigjährige Krieg dazu, dass die reichen Handschriften- und Druckbestände der Fürstabtei Fulda im Zuge der Besetzung und Plünderung der Stadt durch landgräfliche Truppen nach Kassel verbracht wurden. Hierbei kamen unter anderem das Hildebrandlied und die Kasseler Glossen, wie auch weitere bemerkenswerte Codices aus karolingischer und ottonischer Zeit an die Bibliothek.


UB Kassel Bild 2

Hildebrandlied, 9. Jh., Erste Seite, Signatur: 2° Ms. theol. 54, fol. 1r
Hildebrandlied, 9. Jh., Erste Seite, Signatur: 2° Ms. theol. 54, fol. 1r

Wenige Jahrzehnte später fielen die außerordentlichen Handschriften- und Buchbestände der Jüngeren Palatina an die Landgrafen. Damit gewann die Büchersammlung qualitativ hochwertige französische und italienische Renaissancehandschriften wie beispielsweise die beiden reich illuminierten Petrarca- und Boccaccio-Codices hinzu.

Zu den wertvollsten und weltweit renommierten Beständen der  Kasseler Bibliothek gehören außerdem die systematisch aufgebaute Notensammlung der Hofkapelle seit der Zeit des Landgrafen Moritz des Gelehrten (1592-1627), dessen herausragende Bestände alchemischer Schriften
wie auch die Sammlung seiner eigenhändigen Architekturzeichnungen. Zu den prominentesten und meist beforschten Nachlässen im Bestand der Sondersammlungen zählen der des Münchhausen-Autors Rudolf Erich Raspe, der Teilnachlass des Komponisten und Dirigenten Louis Spohr sowie jener des Universalgelehrten Hans-Jürgen von der Wense.

Ende des 18. Jahrhunderts waren die landgräflichen Büchersammlungen so umfangreich geworden, dass sie 1779 in das unter Landgraf Friedrich II. eigens für die vielfältigen fürstlichen Sammlungen neu errichteten Museum Fridericianum verlegt wurden. Hier verblieben die Handschriften, Musikalien, Karten und Drucke bis zur kriegsbedingten Zerstörung des Fridericianums durch Brandbomben im Oktober 1941, bei der 90% der historischen und zeitgenössischen Drucke und Karten der Landesbibliothek verbrannten. Allein die Sammlungen der rund 450 mittelalterlichen und 10.000 neuzeitlichen Handschriften, die rund 30.000 Stücke umfassende Autographen-Sammlung, mehrere Dutzend Nachlässe, sowie der Bestand der historischen Musikalien aus der Hofkapelle, hierunter wertvolle Schütz-Autographen, konnten fast vollständig gerettet werden, da sie in einem unversehrten Nebengebäude untergebracht waren.

Die historischen Bestände konnten seit dem Krieg durch regelmäßige Zukäufe aber auch durch die Eingliederung von Spezialsammlungen (Sammlung Feldhaus) und durch Leihgaben Alter Drucke (Sammlungen der Freiherren von Riedesel und des Predigerseminars Hofgeismar) wieder ergänzt werden. Diese Sammlungen bilden heute den Kernbestand des Historischen Erbes der Landesbibliothek.

Seit der Auslagerung im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschollen, sind mehrere hundert Briefe, Bücher und Graphiken aus den Beständen der alten Kasseler Grimm Sammlung der Landesbibliothek. Im Bestand befinden sich heute neben einem wieder erworbenen kleinen Teil der Grimm-Sammlung etwa 310 Briefe der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Hinzu kommen etwa 100 Bücher aus ihrem Vorbesitz und mehrere hundert autographe Karteikarten aus ihrer Zeit als Bibliothekare der Kasseler Landesbibliothek. 

Digitalisierung

Seit dem Jahre 2010 treibt die UB Kassel die Digitalisierung ihrer historischen Bestände mit hoher Priorität voran und stellt die digitalisierten, kulturhistorisch bedeutsamen Quellen für den privaten und wissenschaftlichen Gebrauch weltweit kostenfrei zur Verfügung.  Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Bereitstellung von Materialien, die für die Erschließung und Erforschung der Kulturgeschichte der Landgrafschaft Hessen-Kassels von besonderer Bedeutung sind.

Die Digitalisate – vorrangig Handschriften, Nachlässe, Fotos, Musikalien, Zeitschriften, Monografien und Karten – werden über das Onlinearchiv der Universität Kassel ORKA präsentiert. Die Digitalisierung des historischen Bestandes orientiert sich an Nutzerwünschen und an der Prioritätenliste der Bibliothek zum Erhalt des Historischen Erbes.

Grimmiana


UB Kassel Bild 3

UNESCO Weltdokumentenerbe: Jacob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Zweibändige Erstausgabe Berlin, 1812, Signatur: 34 8° Grimm 79
UNESCO Weltdokumentenerbe: Jacob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Zweibändige Erstausgabe Berlin, 1812, Signatur: 34 8° Grimm 79

Die in Hessen archivierten Bestände aus dem Nachlass von Jacob und Wilhelm Grimm für die Forschung  leichter zugänglich zu machen, ist das vornehmliche Ziel des Projekts Grimmiana zwischen der Universitätsbibliothek Kassel und dem Hessischen Staatsarchiv Marburg. Die Kooperation der beiden Häuser, die über einen ansehnlichen Grimm-Bestand verfügen, wurde 2012, zum 200. Jubiläum der Kinder- und Hausmärchen, ins Leben gerufen. In diesem Vorhaben wurden und werden vor allem Handexemplare, Rezensionen, Briefe und andere handschriftliche Dokumente digitalisiert. 
     
Mit einem weiteren Kooperationsvertrag wird 2016 die bereits mehrere Jahre währende Zusammenarbeit von Universität, Universitätsbibliothek und Stadt Kassel offiziell besiegelt. Finanzielle Mittel und fachliche Expertise der unterschiedlichen Partner werden dabei gezielt für die jeweiligen Facetten der Präsentation und Erforschung von Leben und Werk der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm eingesetzt. Auf diese Weise konnten unter anderem wertvolle Ankäufe getätigt und die zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählenden Erstausgaben der Kinder- und Hausmärchen  von 1812/15 und 1819/22 erstmals in hoher Qualität online präsentiert werden.

Aktuell sind mehr als 47.000 Objekte der UB Kassel in der Deutschen Digitalen Bibliothek verfügbar.

Zu den Beständen der Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel in der Deutschen Digitalen Bibliothek
 

_________
Zurück zur Übersicht