13.04.2015

Persistente Identifikatoren für unterschiedliche Ressourcen aller Kultursparten

Wie können kulturelle Ressourcen aller Art – z. B. physische oder digitale Bücher, Akten, Filme oder Kunstwerke – dauerhaft und eindeutig adressiert und damit die dazugehörige digitale Information im Internet verlässlich aufgefunden werden? Eine Autorengruppe aus Vertretern der Deutschen Nationalbibliothek, der Deutschen Digitalen Bibliothek, dem Bundesarchiv und dem Landesarchiv Baden-Württemberg hat auf der archivischen Kolloquiumswoche „Mitten im Wandel“ (24. – 27. November 2014) ein Fachkonzept für einen Dienst vorgestellt, mit dem spartenübergreifende Persistente Identifikatoren (PI) vergeben werden können.

Was sind Persistente Identifikatoren?

Ein Persistenter Identifikator (PI) ist eine Kennungzeichnung, die aus einer einmaligen aber standardisierten Zeichenfolge besteht und durch ihre Zuordnung zu einer Ressource deren eindeutige und dauerhafte Identifizierung erlaubt.

Ein PI dient jedoch nicht nur als eindeutiger Bezeichner für eine Ressource, er bildet auch die Grundlage mithilfe eines so genannten „Resolvingdienstes“ auf die bezeichnete Ressource bzw. auf Informationen darüber zuzugreifen. Ein Resolvingdienst speichert die Verbindung zwischen einem unveränderlichen PI und einer veränderlichen URL. Die Auflösung eines Persistenten Identifikators durch den Resolvingdienst ordnet also dem PI eine URL zu, die wiederum zur Ressource führt.

Wozu sind Persistente Identifikatoren notwendig?

Eine zentrale Grundlage im Prozess der Digitalisierung ist die stabile und eindeutige Bezeichnung von sowohl digitalen als auch physischen Kulturgütern. Bereits innerhalb von Kultur- und Wissenseinrichtungen sind stabile und eindeutige lokale Identifikatoren für die reibungslose Arbeit mit Beständen wichtig. Erst sie ermöglichen es physische (wie z. B. Akten, museale Objekte) oder digitale Ressourcen (wie z. B. PDF- oder Bilddokumente) eindeutig zu benennen, sie aufzufinden und mit ihnen zu arbeiten. Diese Identifikatoren können unterschiedlicher Art sein (z. B. fortlaufende Nummern, Signaturen, Aktenzeichen) und garantieren die Stabilität und Verwendbarkeit eines lokalen Bestands. Außerdem können mit diesen Identifikatoren zusammengeführte, geänderte oder gar entfernte Ressourcen nachverfolgt werden. Eine Aktualisierung der Ressourcen wird auf lokaler Ebene eindeutig möglich.

Wenn diese Vorteile der lokalen Identifikatoren jedoch auch auf globaler Ebene – also über die Grenzen einzelner Einrichtungen hinweg – funktionieren sollen, müssen weitere Herausforderungen gemeistert werden. Ziel ist es, durch die Verwendung von Persistenten Identifikatoren eine (sparten-) übergreifende Austauschbarkeit, die Vernetzung und sichere Zitierung von Beständen und Ressourcen weltweit zu gewährleisten. Dadurch kann die Datenqualität erhöht werden.

Persistente Identifikatoren und die Deutsche Digitale Bibliothek

Die Arbeit der Deutschen Digitalen Bibliothek hat gezeigt, dass Datengeber nicht immer stabile und eindeutige Identifikatoren zur Verfügung stellen können. Dies hat für die DDB und die spartenübergreifende Vernetzung weitreichende Folgen:

      • Objekte in der DDB können nicht beständig zitiert werden.
      • Bei einer Aktualisierung der Metadaten entstehen Duplikate.
      • Die durch Benutzer hinzugefügten Informationen zu einem Objekt (z.B. Kommentare oder Favoritenlisten) sind nicht dauerhaft verfügbar.
      • Die Verlinkungen zu den Objektseiten beim Datengeber („Objekt beim Datenlieferanten anzeigen“) sind nicht stabil. Die Gefahr von toten Links ist hoch.

Was ist CHE?

Die Möglichkeit, uniforme Persistente Identifikatoren für Bestände aus Archiven, Bibliotheken und Museen sowie aus Mediatheken, Forschungseinrichtungen und der Denkmalpflege über einen zentralen Dienst zu vergeben, ist angesichts des spartenübergreifenden Charakters der Deutschen Digitalen Bibliothek von großem Interesse. Wir möchten deshalb unseren Kooperationspartnern Mittel und Wege zur Verfügung zu stellen, eigenständig globale und eindeutige Persistente Identifikatoren für ihre Ressourcen zu vergeben.

Zu diesem Zweck haben wir den spartenübergreifenden PI-Dienst „CHE – Persistent Identifiers for Cultural Heritage Entities“ entwickelt. Zunächst gemeinsam mit Vertretern der Archivsparte entworfen, wird das Fachkonzept im Laufe des Jahres mit Vertretern anderer Sparten weiterentwickelt werden.

In CHE sind „Webschaufenster“ digitale Stellvertreter für logische oder physische Ressourcen auf die der PI über die eine URL aufgelöst wird. In CHE sind „Webschaufenster“ digitale Stellvertreter für logische oder physische Ressourcen auf die der PI über die eine URL aufgelöst wird.

Bei der Umsetzung von CHE soll auf die Erfahrungen der Deutschen Nationalbibliothek aufgebaut werden, die mit „urn:nbn:de“ bereits einen eigenen PI-Dienst betreibt und bis Anfang 2015 etwa 21,3 Mio. PI (allerdings ausschließlich für digitale Ressourcen und überwiegend im Bereich der Bibliotheken) vergeben hat und diese aktiv verwaltet. Die Deutsche Nationalbibliothek bietet sich zudem als Betreiber des CHE-Namensraums und des Resolvingdienstes an.

Zusammenfassung

Eindeutig identifizierbare physische Ressourcen – auch mit digitalen Repräsentationen –, die in einem weltweiten Netz eingebunden sind, sind die zentralen Punkte im „Internet der Dinge“. Im CHE-Konzept wird dieser Gedanke aufgegriffen und in die Welt der Kultur- und Wissenseinrichtungen transportiert. Weltweit eindeutige und stabile Identifikatoren bilden die zentrale Grundlage für das zuverlässige und dauerhafte Referenzieren und Verlinken von Beständen im Internet. Persistente Identifikatoren sind darüber hinaus dann wichtig, wenn Ressourcen zwischen unterschiedlichen Beteiligten ausgetauscht werden sollen, wenn z. B. Portale wie die Deutsche Digitale Bibliothek Metadaten und Vorschaubilder von unterschiedlichen Datengebern aggregieren und präsentieren. PI tragen zum reibungslosen Datenaustausch bei, ermöglichen eine korrekte Voransicht und die stabile Verknüpfung mit der entsprechenden Ressource beim Datengeber.

Links

CHE-Webseite

Bundesarchiv

che [at] listserv.dfn.de (Mailingliste)

Kontakt

Deutsche Digitale Bibliothek
Michael Büchner, M. Sc., Technischer Koordinator
Deutsche Nationalbibliothek
Adickesallee 1
60322 Frankfurt am Main
Tel +49 69 1525-1774
m.buechner [at] dnb.de

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