06.02.2014

Objekt des Monats: Werbefilme der 1950er und 1960er Jahre

Ford Taunus

Jeder Mensch weiß: Werbung soll zum Kauf von Produkten und Dienstleistungen animieren, die Identifikation der Konsumenten mit den Anbietern befördern, sowie Marken auf dem Markt etablieren und halten. Doch über ihren unmittelbaren, kommerziellen Zweck hinaus ist Werbung auch Indikator für individuelle Wünsche und Bedürfnisse – die ein ideales Marketing adressiert –, sowie Reflektion kollektiver Befindlichkeiten und Selbstbildnisse. Und nicht zuletzt gibt uns Werbung rückblickend erhellenden Aufschluss über die sozialen, ökonomischen und ästhetischen Setzungen ihrer Zeit.

In dieser Hinsicht besonders interessant sind Werbefilme, da sie ihr Publikum mit den vielfältigen inszenatorischen und narrativen Möglichkeiten des audio-visuellen Mediums gewinnen wollen. Das Deutsche Filminstitut, Frankfurt am Main hat eine erste Auswahl von Kinowerbeproduktionen der 1950er und 1960er Jahre aus seinen Archivbeständen digitalisiert, und macht diese nun über die Deutsche Digitale Bibliothek zugänglich.

Neben dem aus heutiger Sicht hohen Nostalgiefaktor und Unterhaltungswert von Filmen, die damals aufsehenerregende Errungenschaften wie den Ford Taunus (Abbildung oben) oder die Osram Höhensonne  anpreisen, erzählen diese bewegten Zeugnisse viel von den Wunschbildern der bundesrepublikanischen Wirklichkeit.

Maßgebliche Firmen wie die Insel-Film GmBH setzten bis heute allseits bekannte Marken in vorteilhaftes Licht, und bewarben vom Waschmittel bis zum Weinbrand alles, was ein Haushalt in Wirtschaftswunderjahren zu brauchen oder begehren glaubte.

Ein anderes, illustres Beispiel für filmische Werbemaßnahmen bietet Kunststudentin Ursula, der seine junge Protagonistin in knapp zwanzig Minuten die Sehenswürdigkeiten und Vorzüge des Lebens in Frankfurt am Main entdecken lässt – ein Streifzug durch die Stadt, der so nur noch im Film möglich ist.

Doch die historischen Werbefilme ermöglichen mehr als nur unterhaltsame Zeitreisen oder das Wiederentdecken vergangener Alltagsrealität: Als überliefertes und nun einer neuen Öffentlichkeit zugängliches Kulturgut erzählen sie gleichsam viel über die beworbenen Produkte wie über ihr Publikum.

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