16.02.2015

Neue Sammlungen: Das Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde, Berlin

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Über 12.000 Audioaufnahmen des Tierstimmenarchivs des Museums für Naturkunde in Berlin sind nun in der Deutschen Digitalen Bibliothek verfügbar – insgesamt ist das Archiv eine der weltweit ältesten und umfangreichsten Sammlungen von Tierlauten. Hierzu zählen neben Vögeln und Säugetieren auch Wirbellose, Fische, Amphibien und Reptilien.

Seinen Anfang nahm das Tierstimmenarchiv mit dem Ruf eines freifliegenden Waldkauzes, den Prof. Günter Tembrock (1918 – 2011) am 30. Oktober 1951 in Berlin aufzeichnete. Mit einem speziellen Tongerät des Zoologischen Instituts der Humboldt-Universität wurden weiterhin Lautäußerungen von Tieren aufgezeichnet, mit dem Ziel diese als eine Form des Verhaltens der Tiere zu dokumentieren.

Waldkauz | Strix aluco - Lautfolge, Ruf Audio: Tembrock, Günter © Tierstimmenarchiv - Museum für Naturkunde

Waldkauz | Strix aluco - Lautfolge, Ruf Audio: Tembrock, Günter © Tierstimmenarchiv - Museum für Naturkunde

In den folgenden Jahren wurden der Berliner Tierpark und der Zoo in die bioakustischen Untersuchungen mit einbezogen. Die Aufnahmen der beiden Einrichtungen sollten dann die Grundlage für Tembrocks Übersichtsarbeit zum akustischen Verhalten von Säugetieren bilden.

Ab 1960 – mit dem Aufkommen transportabler Aufnahmegeräte – wurden von Tembrock auch Freilandaufnahmen gemacht, die auf der 1967 erschienen Schallplatte „Waldvögel“ zu hören waren, welche er gemeinsam mit Dr. Michael Schubert herausgab. Schubert betreute die Tierstimmensammlung von 1965 bis 1968 und gab noch sechs weitere Langspielplatten mit Aufnahmen von 186 einheimischen Vogelarten heraus.

Nachtigall | Luscinia megarhynchos - Gesang Audio: Görlitz, Stefan © Tierstimmenarchiv - Museum für Naturkunde

Nachtigall | Luscinia megarhynchos - Gesang Audio: Görlitz, Stefan © Tierstimmenarchiv - Museum für Naturkunde

Neben Aufnahmen aus Brandenburg und Berlin kamen im Laufe der Zeit auch internationale Tierstimmen von Forschungsreisen aus der Mongolei und der Antarktis hinzu. 1995 wurde das Tierstimmenarchiv an das Berliner Museum für Naturkunde angegliedert mit dem Arbeitsschwerpunkt der dauerhaften Konservierung der Bestände durch „Digitalisierung in Studionorm und Dokumentation in einer Datenbank“.

Die gesamte Sammlung des Museums umfasst ca. 120.000 Tierstimmen – und wächst beständig weiter. Während bis 1990 der Großteil der Aufnahmen von Prof. Günter Tembrock und seinen Mitarbeitern stammten, werden nun weitere Sammlungen aufgenommen. Unter anderem die Sammlung von Dr. Gottfried Hohmann vom Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, deren Aufnahmen von Primaten aus Indien, Sri Lanka und Malaysia stammen.

Orang-Utan | Pongo pygmaeus - Ruf Audio: TSA © Tierstimmenarchiv - Museum für Naturkunde

Ruf eines neugeborenen Orang-Utans als die Mutter das Kleine aufnimmt, Tierpark Berlin, Deutschland, 04.08.1966

Weitere Freilandaufnahmen stammen aus dem Kaukasus, Zentralasien, Nord- und Mittelamerika, Nordafrika und der Antarktis und bilden 1800 Vogel-, 580 Säugetier- sowie Fisch-, Amphibien-, Reptilien- und Insektenarten ab.

Mehr Informationen:

Das Tierstimmenarchiv: Die Webseite

Hörtipps:

Eisbär | Ursus maritimus - Ruf, Audio: Altmann, Dagmar, Tierpark Berlin, 01.04.1965

Mississippi-Alligator | Alligator mississippiensis - Balzruf, Audio: Luchterhand, Steffen, Tierpark Berlin, 12.04.2006

Südafrikanischer Seebär | Arctocephalus pusillus - Ruf, Audio: Tembrock, Günter, Zoo Berlin, 30.12.2004

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